Lade Inhalt...

Sozialisation in der Pubertät

Seminararbeit 2002 20 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

1.Gliederung

2. Definition Pubertät

3. Das Selbstbild
3.1. Änderung des Körperbildes
3.2. Änderung des sozialen Druckes

4. Die Ablösung vom Elternhaus
4.1. Pflichten im Haushalt
4.2. Gefühlslabilität
4.3. Streit mit Müttern

5. Sexualität
5.1. Kulturabhängigkeit der Pubertät
5.2. Sexual- & Paarbeziehungen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sozialisation in der Pubertät

von Christian Sommer

2. Definition Pubertät

Die Pubertät ist im deutschen Sprachgebrauch die oft mit dem Jugendalter gleichgesetzte Entwicklungsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Neben den körperlichen vollziehen sich in der Pubertät auch entscheidende geistig- seelische Veränderungen. Die Strukturierung der Persönlichkeit (Identität) ist eine grundlegende Umdisponierung.

Der eigentlichen Pubertät geht die Vorpubertät voraus. Dies ist eine Phase der Belebung kindlicher (vorrangig trotziger) Impulse und Verhaltensweisen. Durch Erreichen eines bestimmten Reifegrades, des Hyperthalamus, wird die physische Pubertät ausgelöst. Dies bewirkt verschiedene hormonelle Umstellungen., welche die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, die Ausreifung zur Fortpflanzungsfähigkeit, sowie ein erhebliches, mit Verschiebungen der körperlichen Proportionen verbundenes Längenwachstum (pubertaler Wachstumsschub) beeinflussen.

Im Zusammenhang mit der physischen Pubertät erfolgen auch psychische Reifeprozesse, die jedoch nicht notwendigerweise parallel zur körperlichen Entwicklung verlaufen.

Im Vordergrund stehen dabei die mit der Ausreifung der genitalen Sexualität (Übernahme der Geschlechterrolle) einhergehenden Konflikte, die Bewältigung von Gefühlen und Aggressivität, des Trotzes und der Selbstunsicherheit, wachsende Autonomie, das Erkennen veränderter (Trieb-)Ansprüche seitens der Umwelt, sowie erste berufsbezogene Entscheidungen. Im Verhalten der Jugendlichen zeigen sich diese Entwicklungsprozesse häufig als Stimmungslabilität, gefühlsmäßige Zerrissenheit oder in Form von Protesthaltungen der Umgebung (vor allem der Erwachsenenwelt) gegenüber.

Ein dritter wesentlicher Bereich der Pubertätsentwicklung ist die soziale Reifung. In dieser Phase lösen sich die Jugendlichen in charakteristischer Weise von der eigenen Familie ab.

In dieser Arbeit werde ich einige Eckpunkte der Pubertät und den Verlauf entlang dieser Eckpunkte aufzeigen um einen Einblick in die Jugend und ihre Entwicklung zu vermitteln. Vorrangig werde ich das Selbstbild, die Ablösung von den Eltern und die Sexualität betrachten.

3. Das Selbstbild

Mit der Frage des Selbstbildes stellen sich für den Pubertierenden auch Fragen wie Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen oder auch die Frage nach dem Ziel der Entwicklung, die das Selbstbild und alle davon abhängigen Faktoren verändern kann.

Die Entwicklung im Jugendalter wird unter vielen verschiedenen Aspekten wissenschaftlich betrachtet. Unter dem sozialen-emotionalen Aspekt wird deutlich, dass die Entwicklung eines Jugendlichen nicht von alleine geschieht.

Dazu bedarf es einer Reihe von Entwicklungsaufgaben, durch die sich entwickelnde Person bewältigt werden müssen. Diese Entwicklungsaufgaben sind durch die Jugendlichen zumeist selbst aktiv bestimmt.

Nach Havighurst1 wird der Begriff der Entwicklungsaufgabe folgendermaßen definiert.

„Eine Entwicklungsaufgabe ist eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück und Erfolg, während Versagen das Individuum unglücklich macht, auf Ablehnung durch die Gesellschaft stößt und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben führt.“

Im Folgenden werden nun eine Reihe von Entwicklungsaufgaben benannt, die zweifellos die wichtigste Rolle in der Entwicklung eines Jugendlichen einnehmen.

Dazu gehört das Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und die damit verbundene effektive Nutzung des Körpers. Weiterhin ist der Erwerb der männlichen bzw. weiblichen Rolle und Identität von großer Bedeutung, da dies eine der wichtigsten Vorraussetzungen für den Erwerb neuer und reiferer Beziehungen (zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts) ist.

Auch der Erwerb dieser neuen Beziehungen wird als eigenständige Entwicklungsaufgabe nach Havighurst gesehen.

Weitere Entwicklungsaufgaben sind die Loslösung vom Elternhaus und von anderen Erwachsenen. Unterstützt werden die Jugendlichen dabei durch ihre peergroup, die eine „Gruppe von Gleichaltrigen darstellt, die sich bei der Loslösung vom Elternhaus emotional unterstützt“.

Auch die Vorbereitung auf die berufliche Karriere, sowie auf Heirat und das Familienleben wird als Entwicklungsaufgabe beschrieben.

Nach Havighurst gehören aber auch die Gewinnung eines sozial verantwortungsbewussten Verhaltens und der Aufbau eines Wertesystems und eines ethischen Bewusstseins zur Orientierung für das Handeln zu den Aufgaben, die Jugendliche bewältigen müssen.

Zu diesen Entwicklungsaufgaben wurden 1985 von den deutschen Autoren Dreher & Dreher2 drei weitere Entwicklungsaufgaben benannt, die im nachfolgenden eingehender betrachtet werden sollen.

Dazu zählen die Identität, was bedeutet über sich selbst im Klaren zu sein, sowie die Sexualität und die peergroup.

Alle diese Entwicklungsaufgaben bergen eine Menge Probleme in sich, die sich den Jugendlichen bei der Bewältigung dieser Aufgaben stellt.

Die Autoren Dreher & Dreher befragten 1985 zum Zweck einer empirischen Studie deutsche Jugendliche hinsichtlich der Wichtigkeit der oben aufgeführten Entwicklungsaufgaben.

Die Jugendlichen hatten ein Alter von 14 – 16 Jahren.

Für beide Geschlechter sind Identität, Berufsausbildung, sowie Peerkontakte die wichtigsten Entwicklungsaufgaben.

Der Begriff Identität wird durch sehr viele Definitionen versucht zu erklären.

Allgemein lässt sich jedoch aus allen das Resümee ziehen, dass man unter Identität die Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit einer Person versteht und zwar durch die Person selbst, wie auch durch ihre soziale Umgebung.

Um Identität zum persönlichen Erleben zu machen, ist es wichtig dass sich ein Gefühl der zeitlichen Kontinuität des Selbst einstellt und das das Selbstbild von sich mit dem Bild übereinstimmt, dass sich andere Menschen von einem machen.

Dies bedeutet zwangsläufig alle Elemente der eigenen Identität miteinander zu vereinbaren.

Man muss sich also mit den eigenen Mängeln, aber auch mit den eigenen Stärken auseinandersetzen und sich zu einer Gruppe mit bestimmten Werten und Idealen zählen.

Der Prozess der Identitätsfindung erstreckt sich über das gesamte Leben

Die Phase vom dreizehnten bis zum achtzehnten Lebensjahr wird als Adoleszenz bezeichnet. Sie deckt sich weitestgehend mit Freuds genitaler Phase.

Wie Freuds Bezeichnung bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um die Phase, in der zahlreiche sexuelle Veränderungen auf den Jugendlichen einstürmen.

Aufgrund dessen ist diese Phase sehr bedeutend im Hinblick auf die Identitätssuche.

Die sexuellen Veränderungen umfassen einen neuen Körperbau, da in diesem Zeitrahmen die Geschlechtsreife eintritt. Die Jungendlichen sind natürlich zunächst mit den sexuellen Impulsen ihres Körpers nicht vertraut. Weiterhin dringt auf die Jugendlichen ein starker sozialer Druck ein, denn es ist nun an der Zeit sich mit der weiteren Lebensplanung auseinander zu setzen.

Um all diese Veränderungen erfolgreich hinter sich bringen zu können, ist viel Vertrauen in sich selbst und andere nötig, sowie die Fähigkeit zu autonomen Handeln, Initiative und Kompetenz.

Falls die Aufgaben nicht erfolgreich bewältigt werden können, droht eine Identitätsdiffusion.

Die Aspekte der eigenen Identität sind dann dem Jugendlichen unklar und er ist unsicher.

Dies äußert sich in einem Gefühl von Verwirrung und durch Versuche mit Hilfe von ideologischen Radikalen oder der Flucht in eine irreale Welt Halt zu gewinnen.

3.1.Änderung des Körperbildes

Die gesteigerte Selbstwahrnehmung bei der Änderung des Körperbildes beunruhigt und führt zu verstärktem Schamgefühl und Zunahme des Intimitätsbedürfnisses. Umfragen bezüglich der Einstellung zum eigenen Körper wurden 1987 von Mrazek3 an Jugendlichen im Alter von 12- 16 Jahren durchgeführt. Der Körper wird als peinlich empfunden, der Jugendliche fühlt sich unsicher, wie er auf die Umgebung wirkt, versteckt den Körper unter weiter Kleidung (ev. auch skurrile Haartracht, um damit fertig zu werden und/oder zu einer als "Heimat" empfundenen Gruppe zu gehören - Zauber der Montur in anderer Form).

Versuche das Körperbild zu verändern können sein: Anorexia nervosa (= Pubertätsmagersucht), Übergewicht, Selbstverstümmelung (Pearcing = Selbstverstümmelung und Schmuck). Die Grundlagen können in einer Ambivalenz zwischen Ablehnung und Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit, der Rollenverständnisse und Lebensführung der Eltern liegen und oft auch unbeholfene Versuche der Pflege der eigenen Person darstellen.

Die Akzeptanz des eigenen Körpers erfolgt frühestens in der späten Adoleszenz, bei vielen Menschen (bei Frauen öfter als bei Männern) sind Diätfetischismen und Körperwahrnehmungsprobleme lebenslange Begleiter.

3.2.Die Änderung des sozialen Druckes

Die Adoleszens, bei Freud auch als genitale Phase bezeichnet, birgt auch das Problem des stark wachsenden sozialen Druckes von den peer groups aus. Die peer groups unterstützen zwar den Heranwachsenden bei der Loslösung vom Elternhaus, im Gegenzug muss sich der Jugendliche aber den Normen & Werten seiner Generation, seiner peer groups , unterwerfen.

[...]


1 Vgl. Rossmann, P. 2001

2 vgl. Rossmann, P. 2001

3 vgl. Oerter 1998

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638155199
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8586
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Pädagogik
Note
2,7
Schlagworte
Sozialisation Pubertät Sozialisationstheorien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sozialisation in der Pubertät