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Die Darstellung der Germanen in Tacitus' "Germania"

Essay 2007 7 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Die Darstellung der Germanen in Tacitus’ Germania

Nicht einmal der genaue Vorname des Tacitus’ ist uns bekannt, was bereits verdeutlicht, dass das Wissen über die Person des Historikers sehr begrenzt ist. Deswegen werde ich im Folgenden nur die größtenteils gesicherten Daten seines Lebens kurz darlegen.[1]

Gaius oder Publius Cornelius Tacitus wurde vermutlich 54 oder 55 nach Christus geboren. Der Geburtsort lässt sich jedoch nicht eindeutig festlegen, wobei die meisten Historiker davon ausgehen, dass der Autor der Germania irgendwo[2] in Gallien geboren wurde. Laut seines Dialogus begann er mit 20 Jahren sich mit Rhetorik zu beschäftigen. Er heiratete im Jahre 78 nach Christus die einzige Tochter des Cornelius Julius Agricola, mit der er seit 77 nach Christus verlobt war. Das nächste gesicherte Datum ist das Jahr 88, in dem er Prätor wurde und dem Kollegium der 15 Männer angehörte. 97 nach Christus wurde Tacitus Konsul und 112/113 Prokonsul der Provinz Asien. Bevor er irgendwann zwischen 117 und 120 nach Christus starb, brachte er im Jahr 115 noch seine Annalen heraus.

Auch wenn über ihn selbst nicht viel bekannt ist, so hat er uns aber in seinen Werken das erste Jahrhundert nach Christus näher gebracht. Seine erste Schrift, die Agricola, handelt, wie der Name bereits vermuten lässt, von seinem Schwiegervater. Hier schildert er das Leben des Cornelius Julius Agricola und verknüpft dessen Leben mit der Geschichte Britanniens, wo derselbe in Tacitus’ Hochzeitsjahr Statthalter wurde. Nach seiner zweiten Schrift, der Germania, folgt, wie die neuere Forschung vermutet, der Dialogus de oratoribus in dem Tacitus versucht Gründe zu finden, warum die Kunst der Rede zu seiner Zeit soviel an Qualität verloren hat. Als letztes entstehen seine beiden Hauptwerke; die Historien und die Annalen. Beide Werken zusammen haben ursprünglich aus 30 Büchern bestanden. Von den Historien sind uns die ersten fünf teils fragmentarisch erhalten geblieben, von den Annalen überdauerten die Bücher eins bis sechs und elf bis sechzehn die Jahrhunderte, wenn auch ebenso nicht ganz vollständig. Die Bücher sieben bis zehn liegen nicht vor. Insgesamt geben uns Tacitus Hauptwerke einen Einblick in die Zeit von 14 bis 70 nach Christus. Im Folgenden soll die Germanendarstellung bei Tacitus in der Germania analysiert werden.

De origine et situ Germanorum, wie der vollständige Titel der Germania lautet, wurde uns durch den Codex Hersfeldensis überliefert. Diese Abschrift aus dem Kloster zu Hersfeld entstand zwischen 830 und 850, wurde 1425 wiederentdeckt und erfuhr eine starke Rezeption im Humanismus. Die Germania lässt sich in zwei thematische Einheiten zerlegen; einen allgemeinen Teil und einen, der sich mit den einzelnen Stämmen beschäftigt. Der allgemeine Abschnitt beschäftigt sich sowohl mit Themen wie der geographischen Bestimmung des germanischen Gebietes, des Aussehens der Germanen und ihre Beziehung zu den Galliern und den Römern, als auch mit der sozialen Ordnung, dem Verhalten im Krieg und dem Alltagsleben.[3] Der zweite Teil versorgt den Leser mit Informationen über die Stämme der Chatten, Usiper, Tenkterer, Cherusker, Cimber, Sueben, Langobarden, Hermunduren, Naristen, Markomannen, Quaden, Marsinger, Cotiner, Osen und Buren, Suionen, wobei Tacitus sich verstärkt auf die Eigenarten der einzelnen Stämme konzentriert.

[...]


[1] Mehr über die Forschungskontroverse zur Person Tacitus’ findet sich in: Tacitus, Cornelius, Sämtliche erhaltene Werke. Unter Zugrundelegung der Übertragung von Wilhelm Bötticher neu bearbeitet von Andreas Schaefer, Essen 1996, S. 671-679.

[2] Ebd.

[3] Für eine detaillierte Themenübersicht siehe die Kapiteleinteilung nach: Much, Rudolf, Die Germania des Tacitus, dritte, beträchtlich erw. Auflage, Heidelberg 1967.

Details

Seiten
7
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638015813
ISBN (Buch)
9783656733942
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85602
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie
Note
2,0
Schlagworte
Darstellung Germanen Tacitus Germania Kelten Mittel- Nordeuropa Archäologische Quellen Eisenzeit Vergleich

Autor

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Titel: Die Darstellung der Germanen in Tacitus' "Germania"