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Literatur und Krieg - Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“

Gegenüberstellung von Roman und Film im Hinblick auf Gewaltdarstellungen und deren Wirkung

Examensarbeit 2007 110 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque: Ein biografischer Aufriss
Unpolitischer Autor – politischer Mensch ?

3 Kriegs- und Anti-Kriegsliteratur

4. Gewaltdarstellung in „Im Westen nichts Neues“
Gewalt
Formen der Gewalt
Wirkung der Gewalt in Poesie und bildender Kunst
„Im Westen nichts Neues“ - Roman und Film
Der Roman „Im Westen nichts Neues“
Inhalt des Romans
Literaturwissenschaftliche Grundlagen
Der Film „Im Westen nichts Neues“
Inhalt des Films – Sequenzprotokoll
Formale und strukturelle Umsetzung des Films
Unterschiede zwischen Roman und Film
Inhaltliche Unterschiede
Entfallene Gewaltszenen
Analyse von Gewaltszenen
Kemmerichs Lazarettaufenthalt
Bäumers Lazarettaufenthalt
Beispiel eines Artilleriebeschusses
Beispiel eines Angriffes
Die Duval-Szene
Problem des Medienwechsels

5. Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse 100

6. Literaturverzeichnis 107

7. Versicherung

1. Einleitung

Sieht man einmal von dem endlosen Leiden, den in die Millionen gehenden Toten, der Zerstörung und der Gewalt des Ersten Weltkriegs ab, so ist dieser für die Entwicklung des Kriegsromans euphemistisch als „Glücksgriff“ zu bezeichnen. Frontbriefe, Tagebücher, Lyrik, Epik und weitere zahllose Formen bilden eine unüberschaubare Menge an Quellen und Literatur zur Kriegsthematik. Unter all diesen gibt es einige wenige, die herausragen und bis heute als beispielhaft für ihre Zeit oder eine bestimmte Thematik stehen. Eines der wichtigsten Werke, vielleicht sogar das bedeutendste, stellt Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ dar. Der Roman wurde 1929 von einem der renommiertesten Verlage seiner Zeit, Samuel Fischer, mit der Begründung abgelehnt, niemand wolle mehr etwas vom Krieg lesen. Ungeachtet dessen wird er wenig später zum Welt-Bestseller. Mit einer Gesamtauflage, die nicht mehr nachzuvollziehen ist, aber in den zweistelligen Millionenbereich geht, und mit Übersetzungen in über 40 Sprachen wird „Im Westen nichts Neues“ als das zweit - meistverkaufte Buch der Welt gehandelt, nur noch übertroffen von der Bibel.[1] Und nicht nur die Auflage des Romans selber, auch die Beiträge und Reaktionen, welche er nach sich zieht, sind von enormen Ausmaßen. Nicht zuletzt beweist sich Remarques Bestseller schließlich als langlebig, denn bis in die heutige Zeit wird er versucht, zu interpretieren. Er gilt als das Standardwerk jedweder Anti-Kriegsliteratur. Obwohl Remarques Aussage nach mit „unpolitischer Tendenz“ geschrieben, wurde sein Werk von allen politischen Gruppierungen den eigenen Zwecken dienlich gemacht. Darf man dem Prolog des Romans Glauben schenken, so will dieser „keine Anklage“ sein sondern nur „berichten“.[2] Aufgrund des Inhalts und der Sprache muss man sich aber die Fragen stellen, ob es wirklich nicht anklagt, ob er tatsächlich unpolitisch ist und hat er tatsächlich lediglich deskriptiven Charakter? Wie lässt sich erklären, dass Remarques Werk eine pazifistische Wirkung zugesprochen wird? „Im Westen nichts Neues“ ist weltweit so erfolgreich, dass kurz nach der Veröffentlichung ein aufwändiger Hollywood - Film gedreht werden soll: „All Quiet on the Western Front“. Dieser Film wird, obwohl er in fast jedem Land Zensuren unterzogen wird, ebenfalls ein Welterfolg. Beide Medien, Roman wie Film, werden später auf Betreiben der Nationalsozialisten verboten und verbrannt. Die Auswirkungen des Films waren sogar so stark, dass er noch in der Weimarer Republik direkt nach seiner Uraufführung verboten wurde.

Einige Merkmale des Romans treten aus der gesamten Thematik hervor. Neben der Schilderung einer verlorenen Generation fällt die nüchterne Beschreibung von Gewalt ins Auge. Diese meist emotionslos wirkenden Schilderungen von Tod und Leid, von Leben und Sterben der Soldaten an der Front beeindrucken den Rezipienten und schockieren ihn gleichermaßen. Aber sind es Remarques Schilderungen von Gewalt und Tod, welche die Wirkungskraft des Romans ausmachen? Unabhängig davon, wie man diese Frage beantwortet, stellt sich zudem auch die Frage, wie diese Darstellung von Gewalt auf den Leser wirkt und wie die Gewaltdarstellung ihn beeinflusst. Ist es letztendlich sogar der Art der Gewaltschilderung zu verdanken, dass eine pazifistische Wirkung erreicht wird? Die herausstechende Quantität an Gewalt kann jedenfalls nicht bestritten werden, denn würde man diese aus dem Roman streichen, wäre der Roman um einen Großteil seines Textes beraubt. Untersucht man gleichfalls den Roman wie auch den Film, lassen sich unter Umständen auch Rückschlüsse vom Film auf den Roman schließen. Wenn man von der Annahme ausgeht, dass die Gewalt das zentrale Mittel der Wirkung des Romans darstellt, müsste man eben diese Qualität und Quantität an Gewalt dann nicht auch im Film finden? Wenn die Verfilmung folglich in diesem Bereich dem Roman in nichts nachsteht, wäre es dann nicht zulässig, den Schluss zu ziehen, dass Gewalt in beiden Medien das wichtigste Wirkungskriterium darstellt? Aber auch die Zielsetzung von Roman und Film muss bedacht werden. Darf man Remarque wirklich glauben, dass er mit „Im Westen nichts Neues“ einen rein deskriptiven Roman geschrieben hat? Und wenn nicht, lässt sich dies anhand der Struktur, Sprache und Stilistik sowie einzelner Inhalte festmachen? Es muss weiterhin untersucht werden, ob der Film die gleiche Zielsetzung und die gleiche Wirkung auf den Rezipienten hat, wie der Roman. Neben der Gewaltdarstellung bietet hierzu die Thematik der verlorenen Generation einen Ansatz, denn im Roman spielt diese eine zentrale Rolle. Wie ist also die Verfilmung des Romans zu bewerten und wie ist sie akzentuiert, wird die Gewalt hier in Quantität und Qualität gleich gewertet, wird ebenfalls eine verlorene Generation dargestellt?

Es stehen demnach mehrere Fragen und Kriterien zur Diskussion. An dieser Stelle soll untersucht werden, wie sowohl der Film als auch der Roman Gewalt darstellen. Es muss bewertet werden, wie die Gewalt wirkt. Also ob der Film als Medium der Gewaltdarstellung andere Emotionen hervorruft, als es der Roman tut. Im Zusammenhang damit steht, wie diese Gewaltdarstellung den Rezipienten beeinflusst, ob sie ihn beispielsweise schockiert, Mitleid erregt oder vielleicht zur kritischen Reflexion anhält. Über diese Punkte lässt sich zudem bewerten, ob der Roman eine Anklage erhebt oder ob dem Film diese Aufgabe zukommt.

Um diesen Problemen nachzugehen, soll folgendermaßen vorgegangen werden. Zur späteren Bewertung des Romans und damit gleichfalls der Filmumsetzung ist es von Bedeutung, Remarque sowohl als Person wie auch als Autor zu kennen. Seine politischen Einstellungen sind dabei ebenso von Bedeutung wie seine Vita. Denn beide können Aufschluss über seine Absichten als Autor geben. Um „Im Westen nichts Neues“ in einen literarischen Gesamtzusammenhang stellen zu können, muss eine Definition oder Typologisierung von Kriegs- und Anti-Kriegsromanen erfolgen. Dazu soll eine beispielhafte Gegenüberstellung eines Kriegsromans und eines Anti-Kriegsromans vorgenommen werden. Mit dieser können eventuelle Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten anhand verschiedener Kriterien herausgearbeitet werden. Beispielsweise in Stil und Sprache, doch auch in den Intentionen. Ebenfalls interessant ist in beiden Medien die Bewertung und Darstellung des Kriegs und der Gewalt. Diese Gewalt muss wiederum differenziert untersucht werden. Was ist Gewalt, welche Formen kann sie annehmen und welche sind charakteristisch für „Im Westen nichts Neues“? In einem zweiten Schritt muss untersucht werden, ob und wie sich Darstellungsformen der Gewalt im Film und in der Literatur unterscheiden.

Um zunächst die Umsetzung des Films zu bewerten, werden die Inhaltsangaben von Film und Roman gegenübergestellt. Hierbei stehen Gemeinsamkeiten und Differenzen verschiedener Bereiche der Gestaltung gegenüber, wie beispielsweise der Struktur, der Figurenkonzeption oder der Stilistik. Den direkten Vergleich soll dann eine Untersuchung unterschiedlicher Gewaltsequenzen mittels Einstellungsprotokoll beispielhaft leisten. Dabei wird auf die verschiedenen Formen der Gewalt sowie deren Wirkung maßgeblich zurückgegriffen bzw. es sollte stets ein Bewusstsein dafür herrschen, wie die gerade beschriebene Gewaltdarstellung den Rezipienten erreicht und wie sie wirken könnte. Den letzten Schritt wird eine Bewertung des Medienwechsels darstellen. Dabei ist von Bedeutung, welche Probleme sich speziell für die Umsetzung von „Im Westen nichts Neues“ ergeben. Berücksichtigung finden dabei der aktuelle Anspruch des Zuschauers und die Probleme der zeitgenössischen Filmtechnik, wie beispielsweise Kameraführung, Schwarz-Weiß Filmtechnik, Vertonung sowie der Darstellungsmöglichkeit und des Darstellungswunsches von Gewalt.

Gerade vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Kriegs- und Anti-Kriegsfilme seit dem frühen 20. Jahrhundert erscheint eine Behandlung dieser Thematik interessant. Die zunehmend realistischer werdenden Filme werden gerade in ihrer Gewaltdarstellung immer detaillierter und ihre Wirkung auf den Rezipienten verändert sich hierdurch zunehmend. Ob sich durch diese sich ändernde Wirkung auf Rezipienten gleichfalls auch selbiger mit verändert, bleibt zunächst offen. Dieser aufgezeigte Ausblick muss aber für die Arbeit gleichzeitig als Abgrenzung dienen. Denn eine Untersuchung des gesamten Films „Im Westen nichts Neues“ und gleichzeitig der Herstellung eines Bezuges sowie Vergleiches zu aktuellen oder vergangenen Filmen kann in diesem Rahmen nicht erfolgen.

Die Forschungslage ist trotz der Masse an Beschäftigungen mit Remarque stellenweise problematisch. Dies beginnt bereits bei der Biografie Remarques. Bis spät nach dem Zweiten Weltkrieg widersprechen sich biografische Werke in ihren Aussagen teils enorm. Schneider[3] stellt fest, dass erst C.R. Owen[4] eine erste brauchbare Biografie Remarques erstellt. Gerade bei den historischen Fakten und Bewertungen Remarques muss also mit Vorsicht vorgegangen werden, gerade wenn mit Baumer[5] oder Antkowiak[6] argumentiert wird, die nicht kritisch hinterfragen. Ein weiteres Problem stellt die Typologisierung von Kriegs- und Anti-Kriegsliteratur dar. Hier lassen sich allenfalls Merkmale der einzelnen Formen vornehmen, eine Definition mit festen Kriterien zur Einordnung wird hingegen kaum möglich sein. Die Herausstellung des „Unpolitischen“ durch Remarque hat zudem dazu geführt, dass viele Bearbeitungen unter dieser Prämisse erfolgt sind und „Im Westen nichts Neues“ als unpolitischer Kriegsroman bewertet wurde.[7] Dies zieht die Notwendigkeit nach sich, gerade die Intentionen Remarques durch eigene Schlüsse anhand des Romans zu belegen.[8] Die größten Probleme mit der Forschungslage bereiten allerdings die Gewaltaspekte. Dabei ist die Erforschung des Gewaltbegriffes und seiner Wirkung an sich relativ gut erschlossen. Keinerlei tiefer greifende Untersuchungen finden sich hingegen aber zu der Gewaltdarstellung speziell in „Im Westen nichts Neues“ und keinerlei Bearbeitungen sind zu einem Vergleich beider Medien vorhanden. Vielfach beschränken sich Arbeiten zu Remarque auf seine Vita, seine politischen Absichten, seine Wirkung auf Deutschland, die verlorene Generation oder den Anti-Kriegsroman. Hier muss also gänzlich ohne Forschungsergebnisse gearbeitet werden. Ein weiteres Problem stellt die Tatsache des Verbots von Film und später ebenfalls des Romans in Deutschland dar. Somit fehlt ein wichtiger Punkt in einer möglichen Bewertung: der zeitgenössische deutsche Rezipient. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten führt zudem dazu, dass viele Arbeiten zum Roman „Im Westen nichts Neues“ aus dem Ausland stammen, vor allem aus England als ehemaligem Kriegsgegner. Beschäftigungen mit dem Film „Im Westen nichts Neues“ sind vielfach aus den USA, dem Ort seiner Entstehung. Seit 1991 sind periodisch erscheinende Erich Maria Remarque Jahrbücher zu erhalten. Eine Beschäftigung mit dem Thema dieser Arbeit im Speziellen ist aber auch dort nicht zu finden, wenngleich einige Aufsätze Denkanstöße liefern können. Auch das Erich Maria Remarque - Friedenszentrum in Osnabrück, welches das Erich Maria Remarque Archiv beherbergt und auch forschend tätig ist, existiert erst seit 1996. Mit Thomas F. Schneider und Tilman Westphalen zeichnen sich aber zwei Autoren maßgeblich mit verantwortlich für zahlreiche Abhandlungen zu Remarque. Auch im Bereich der Filmwissenschaften ist für den Zeitraum um 1930 die Forschungslage denkbar schlecht. Eine zeitgenössische Katalogisierung oder professionelle Untersuchung von Filmen ist auch durch die gerade zum Tonfilm umsteigende Filmtechnik nicht vorhanden. Dank dieser zahlreich auftretenden Probleme kann und muss diese Bearbeitung ein kleines Stück Pionierarbeit auf diesen Gebieten leisten.

2. Erich Maria Remarque

Erich Maria Remarque: Ein biografischer Aufriss

Erich Maria Remarque wurde am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren und auf den Namen Erich Paul Remark getauft. Seine Mutter war Anna Maria Remark (geb. Stallknecht, 21.11.1871), sein Vater Peter Franz Remark (geb. 12. Juni 1867). Dieser arbeitete als Buchbinder, aufgrund dessen die Verhältnisse, in denen Remarque aufwuchs, als kleinbürgerlich zu bezeichnen sind. Seine Schwester Erna wurde 1900 geboren, seine zweite Schwester Elfriede 1903. Nach seiner Schulzeit auf zwei Volksschulen in Osnabrück ging Remarque aufgrund der fehlenden finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten seitens seines Elternhauses zur kostenfreien katholischen Präparande zwecks Vorbereitung auf das Lehrerseminar. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde er am 26. November 1916 in die Armee eingezogen.[9] Seine militärische Ausbildung absolvierte er in der Caprivi-Kaserne auf dem Westerberg in Osnabrück.[10] Zum aktiven Kriegseinsatz kam er am 12. Juni 1917, als er an die Westfront nach Flandern verlegt wurde. Im späteren Verlauf wurde er mehrfach verwundet und kam in ein Lazarett. Aufgrund der Kapitulation des Deutschen Reiches am 11. November 1918 musste Remarque nicht mehr an die Front zurückkehren.[11] Nach dem Krieg beendete Remarque seine Ausbildung zum Volksschullehrer. Bereits hier zeigte sich, dass die Kriegsheimkehrer sich verändert hatten und mit ihnen auch Remarque. Als die jungen Lehreranwärter in der gleichen Weise behandelt und unterrichtet wurden, wie es vor dem Krieg üblich war, ganz so, als hätte dieser nicht stattgefunden, rebellierten diese. Vor dem Kultusminister in Berlin erreichten sie schließlich Zugeständnisse. Bis 1920 unterrichtete Remarque anschließend als Aushilfslehrer. Vom Mai 1920 bis 1922 unterrichtete er an einer Schule nahe Osnabrück. Auf eigenen Wunsch hin ließ er sich 1922 aus dem Schuldienst entlassen. Mit „Die Traumbude“ schrieb er sein erstes größeres Werk. In den folgenden Jahren arbeitete er in vielen Berufssparten, jedoch nirgends für längere Zeit. Zwischenzeitlich schaffte er den Aufstieg bis zum Chefredakteur der „Continental“ in Hannover und später auch bei „Sport und Bild“. 1927 schrieb er, nach eigenen Angaben in nur sechs Wochen, „Im Westen nichts Neues“, den Roman, dem er seinen Welterfolg verdankte. „Im Westen nichts Neues“ publizierte er erstmals unter dem Namen „Erich Maria Remarque“, da er sein erstes Buch, „Die Traumbude“, als so schlecht beurteilte, dass „[…] das Buch Anlaß zum Selbstmord“[12] gewesen wäre. Grund für die Wahl eines französischen Namens seien seine französischen Vorfahren gewesen.[13] Nach der Veröffentlichung von „Im Westen nichts Neues“ polarisierte das Werk auch aufgrund - oder vielleicht gerade wegen - der enorm hohen Auflage schnell alle extremen Gruppierungen, seien sie links- oder auch rechtsorientiert. 1931 wurde die Verfilmung von „Im Westen nichts Neues“ in Deutschland auf Betreiben der Nationalsozialisten verboten. In der Unfähigkeit der jungen Weimarer Republik mit dem Protest der Nationalsozialisten umzugehen, spiegelte sich die Tatsache der vorherrschenden Unfähigkeit der Deutschen im Umgang mit der Demokratie wider, wie sie in allen einschlägigen Geschichtsenzyklopädien konstatiert wird.[14] Kurz vor der Machtübernahme Hitlers zog Remarque dauerhaft in die Schweiz. Bei einer Bücherverbrennung im Mai 1933 wurden auch seine Werke verbrannt.[15] Im Juli 1938 wurde ihm schließlich die Deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Seit 1939 unternahm er mehrfach Reisen nach Amerika, wohin er aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der Gefährdung seiner Person durch die Nationalsozialisten dauerhaft immigrierte. Erst 1947 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1948, zog er wieder dauerhaft in die Schweiz um.

Am 25. September 1970 starb Erich Maria Remarque an einem Herzinfarkt. Er wurde unspektakulär begraben, keine Schriftsteller, keine Repräsentanten einer Regierung waren anwesend. Die Deutsche Staatsangehörigkeit hatte Remarque zeitlebens nicht mehr bekommen.

Wichtigste Werke Remarques im Überblick (deutsche Erstausgabe):

- Die Traumbude (1920)
- Station am Horizont (1927 in „Sport und Bild“; erst 1998 gebunden)
- Im Westen nichts Neues (1929)
- Der Weg zurück (1931)
- Drei Kameraden (1938)
- Liebe Deinen Nächsten (1941)
- Arc de Triomphe (1946)
- Der Funke Leben (1954 zensierte deutsche Fassung; 1989 unzensierte deutsche Fassung)
- Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1954)
- Der letzte Akt (1955, wurde als Drehbuch verfasst; erst 1998 gebunden)
- Die letzte Station (1956 als Bühnenmanuskript; erst 1998 gebunden)
- Der schwarze Obelisk (1956)
- Der Himmel kennt keine Günstlinge (1961)
- Die Nacht von Lissabon (1962)
- Schatten im Paradies (postum 1971)

Unpolitischer Autor - politischer Mensch?

Seit der Veröffentlichung von „Im Westen nichts Neues“ stellte Remarque stets die Neutralität seines Romans in politischen Fragen als einen der zentralen Aspekte heraus.[16] Dennoch wird im weiteren Verlauf noch genauer zu untersuchen sein, ob der Roman diesem Anspruch genügt. Hierzu soll zunächst Remarque als Person bezüglich seiner politischen Ansichten untersucht werden. Die Forschungsliteratur bietet diverse Ansätze zu seiner politischen Einstellung und widerspricht sich dabei nicht nur in historischen Fakten, sondern auch in der Einschätzung seiner Person und seiner Einstellung zu Politik und Gesellschaft. Daher soll hier nicht der Versuch unternommen werden, Remarques politische Position oder die Intention seiner Werke zu fixieren, sondern in Grundzügen zu skizzieren. Seine Weltanschauung ist zum Verständnis des Romans „Im Westen nichts Neues“ von Bedeutung.

Wenn Remarque „Im Westen nichts Neues“ als unpolitisch bezeichnete, scheint die Annahme zulässig, dass auch er selber unpolitisch gewesen sein könnte. Unabhängig von seinen Werken kann die politische Einstellung Remarques durch die vergleichsweise wenigen verfügbaren Primärquellen näher betrachtet werden.[17] Untersucht man das Leben Remarques genauer, so finden sich zwei Seiten. Eine spricht dafür, Remarque als unpolitisch einzuordnen, die andere für eine eher politische Einordnung. Es erscheint also sinnvoll, eine Gegenüberstellung der Tatsachen vorzunehmen, die für oder gegen eine politische Neutralität Remarques sprechen.

Remarque hielt sich mit offiziellen Stellungnahmen zu seinen Werken stets zurück. Seiner Meinung nach sollte das Werk eines Autors für sich sprechen, ohne dass dieser noch etwas dazu sagen müsse. Wenn es hingegen nötig wäre, zu seinem Werk noch etwas zu sagen, hätte der Autor sein Ziel verfehlt.[18] Diese Aussage könnte erklären, warum Remarque sich in politische Belange und in politische Diskussionen um seine Romane nicht einmischen wollte.

In einem 1929 erfolgten Briefwechsel mit einem ehemaligen Kriegsgegner, dem englischen General Sir Ian Hamilton, „sprach“ Remarque hingegen verhältnismäßig offen über seine Absichten und Einstellungen.[19] Er schrieb, dass er „Im Westen nichts Neues“ ohne politische Absichten verfasst habe, nicht pazifistisch und auch nicht militaristisch wirken wollte, einfach nur menschlich.[20] Remarque: „Ein Buch über den Krieg wird ohne Zögern einer Kritik mit politischem Charakter ausgesetzt […]“[21]. Die Frage stellt sich, ob ein Buch über den Krieg nicht generell an politischen Maßstäben gemessen werden darf oder sogar muss. Denn der Krieg ist nicht nur eine subjektive Erfahrung der Soldaten, er ist auch immer ein Politikum. Politische Maßstäbe oder Fragen an ein Kriegsbuch (oder, wenn man den Terminus „Kriegsbuch“, wie Remarque, vermeiden will: ein Buch über den Krieg) heranzutragen erscheint also durchaus legitim. Hier differieren die Intention des Autors und die Aufnahme bei großen Teilen der Rezipienten, die sein Buch als pazifistisch empfanden. Aber die Absicht eines Autors, ein unpolitisches Buch zu schreiben, bedeutet im Umkehrschluss noch nicht, dass der Autor selber auch unpolitisch ist. Allerdings stellt sich erneut die Frage danach, ob ein politischer Mensch überhaupt unpolitisch schreiben kann. Kann jemand, der den Krieg erlebt hat und dies auch eingesteht, ohne politische Absichten, ohne moralische Appelle, ohne Anklage zu erheben schreiben? Eine gezielte Antwort auf diese Frage kann objektiv betrachtet nicht erfolgen. Man kann einen Autor also nur an seinen Werken messen.

Für Remarque als eine unpolitische Person mag auch sprechen, dass er zeitlebens in keiner politischen Vereinigung war, nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs, den er im Exil erlebte. Auch sind keinerlei Deklarationen, Proteste oder Manifeste bekannt, welche er unterzeichnet hat. Remarque begründete dies damit, dass man nicht politisch sein muss, um Pazifist zu sein. Für ihn sei es ganz natürlich, gegen den Krieg zu sein.[22] In Anbetracht des als populär zu bezeichnenden Militarismus unter Wilhelm II. sowie der kriegsbegeisterten Menge beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs scheint diese Schlussfolgerung Remarques jedoch zweifelhaft, natürlich aus dem historischen Kontext heraus betrachtet.

Interessant ist eine Aussage Remarques in einem Interview 1962:

„Ich bin kein politischer Mensch. Ich will meine Leser weder überzeugen noch überreden oder erziehen. Ich beschreibe, was mich bewegt, und weil ich mich als normalen Menschen betrachte, weiß ich, daß auch andere durch das bewegt werden, was mich bewegt.“[23]

Neben der Aussage, dass er kein politischer Mensch sei, sind vor allem zwei Tatsachen herauszustellen. Zum einen, dass er nicht überzeugen, nicht überreden und nicht erziehen will. Hier ergibt sich die Frage, ob ein Schriftsteller nicht zwangsläufig durch seine Arbeit überzeugen will. Andernfalls wäre die Motivation zu schreiben eine rein ego-zentriert psychologische (z.B. um die Schrecken des Kriegs selbst zu verarbeiten).[24] Zum anderen relativiert Remarque dies aber mit der nachfolgenden Aussage. Er wolle schreiben, was ihn bewege, und wisse, dass dies auch andere bewege. Ist man sich dieser Wirkung bewusst, dann impliziert dies folgendes: Mit seiner Absicht, andere zu bewegen, widerspricht er der rein „dokumentarischen“ Absicht, die er für „Im Westen nichts Neues“ in Anspruch genommen hat. Denn zu wissen, dass jemanden das Gleiche bewegt wie einen selber, setzt auch voraus, dass dieser sich mit Begebenheiten oder Personen des Romans identifizieren oder mit diesen mitleiden oder mitfühlen, zumindest aber sie verstehen kann.

Die Absicht, nicht erziehen zu wollen, ist ebenfalls teilweise widerlegbar. 1944 schrieb Remarque für die amerikanische Regierung eine Arbeit darüber, wie man im besiegten Deutschland eine Demokratie aufbauen könne. Der Titel: „Praktische Erziehungsarbeit in Deutschland nach dem Krieg“[25]. Hiermit führte er seine Aussage, nicht erziehen zu wollen, ad absurdum. Denn in dieser Arbeit erläutert Remarque äußerst genau, welche Schritte unternommen werden müssten, sowohl seitens der Alliierten, als auch durch die Deutschen selber, um Deutschland in eine stabile Demokratie zu führen. Demnach müsse man unter anderem die Schulbücher umschreiben und die Lehrer besser ausbilden. Denn die Lehrer würden die Jugend ausbilden und die Jugend bestimme die Zukunft eines Landes. Seine Ausführungen sind gesellschaftspolitisch, sozialpolitisch, bildungspolitisch, kurzum: sie sind eine politische Diskussion und eine politische Stellungnahme Remarques. Die Umerziehung der Deutschen steht dabei im Vordergrund. Da Remarque für die Demokratie einstand, plädierte er schlussendlich damit für die Umerziehung der Deutschen und damit für eine Erziehung.

In einem Tagebucheintrag vom 24.08.1918 schreibt Remarque vom „[…]Sturm gegen veraltete Erziehungsmethoden […]“[26], vom „[…] Kampf gegen die drohende Militarisierung der Jugend“[27] (die zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon längst erreicht war), ja sogar gegen „[…] den Militarismus in jeder Form seiner Auswüchse“[28] . In einem Briefwechsel 1918 mit Georg Middendorf, einem Freund, stellt er schließlich sogar die Absurdität des gesamten diktatorischen Systems heraus:

„Ist dieser Krieg nicht eine tolle Verkennung der Natur? Eine Minderheit diktiert, befiehlt der großen Mehrheit: Jetzt ist Krieg! […] Sollte man glauben, daß das vorkommt?“[29]

1962 gestand er zudem ein, dass er stets gegen Diktaturen Anklage erhoben habe: „Meine Anklage richtet sich immer nur gegen die Diktatur. […] Jeder Mensch, der eines meiner Bücher liest, weiß, dass ich jede Form der Diktatur ablehne.“[30]

„Aber es muß mit aller Entschiedenheit dagegen Front gemacht werden, die Erinnerung an diese Leistungen [Die Leistung des deutschen Soldaten im Krieg, B.H.] einseitig zu benutzen, den Krieg zu verherrlichen und darüber den grenzenlosen Jammer zu verkleinern, den er geschaffen hat.“[31]

Remarque verdeutlichte hier, wie auch oft bei anderen Gelegenheiten, dass er entschiedener Kriegsgegner sei:

„Krieg ist zu allen Zeiten ein brutales Werkzeug der Ruhmgier und der Machtlust gewesen, immer in Widerspruch mit den Grundprinzipien der Gerechtigkeit, die allen moralisch gesunden Menschen innewohnen.“[32]

„Töten ist der Sinn des Krieges, – nicht Überleben.“[33]

Zusätzlich trat er dafür ein, dass der Krieg nicht verherrlicht werden dürfe. In seinem Roman „Der Weg zurück“ schrieb er: „Das Vermächtnis der Toten heißt nicht: Rache-, es heißt: Nie wieder!“[34] Aber obliegt es dann nicht Menschen wie Remarque und anderen, die den Krieg überlebten, dieses Erbe anzutreten? Als Folge hieße dies, dass Remarque die Verantwortung oblag, für dieses „Nie wieder“ einzutreten. Der von Remarque stets vertretene Pazifismus ist zwar zunächst eine ethische Grundhaltung, erfordert aber politisch aktiv zu werden bzw. politische Position zu beziehen. Wenn Remarque noch dazu behauptete, sogar ein militanter Pazifist zu sein, hätte er folglich seine Werke vom Unpolitischen hin zum gesellschaftlich, politisch und moralisch Appellierenden, zum Kämpferischen verfassen müssen.[35] Aber das Gegenteil ist im Fall von „Im Westen nichts Neues“ zu beobachten. Nicht die zu erwartende politische Stellungnahme war erfolgt, sondern die Herausstellung der politischen Neutralität. Diese Neutralität steht im starken Gegensatz zu einer Aussage Remarques im Jahr 1946:

„Das Deutschland, das er [der Schriftsteller, B.H.] kannte, existiert nicht mehr, das der letzte dreizehn Jahre, das er beobachtete, erfüllte ihn mit Entsetzen und Haß:“[36]

Sir Ian Hamilton wurde in einem Brief (1929) an Remarques englischen Verleger Huntington sehr deutlich. Über die „zerstörte Generation“ und ihre Verantwortung schrieb er:

„Und schließlich, gibt es nicht den Sieg derjenigen, und es gab viele, die alles überlebten, - errungen selbst in Passchendaele - und danach immer noch den Mut fanden, sich selbst zu überwinden und die Welt zu einem besseren Ort zu machen für sich selbst und jedermann sonst, ihre Ex-Feinde eingeschlossen?“[37]

An Remarque direkt schrieb Sir Ian Hamilton:

„Dafür [für den Frieden, B.H.] können sie als Veteran mit größerem Anstand mehr tun als ausgesprochene Pazifisten: Insbesondere könnten sie für die Sache des Friedens Wunder bewirken, […][38]

Dagegen ist in den Werken der 1950er Jahre[39] laut Schneider zu beobachten, dass Remarque nach der Benachrichtigung vom Tod seiner Schwester im Dezember 1943 den Aspekt der Aufklärung ins Zentrum seiner Werke stellte.[40] Aber ist Aufklärung nicht zwangsläufig ein Thema, das eine politische Meinung voraussetzt?

Aber vielleicht hat Remarque selbst es noch am deutlichsten formuliert, als er 1962 sagte: „Ein Land, das man wirklich liebt, will man respektieren können. Man will es kritisieren, reformieren, es verbessern.“[41]

3. Kriegs- und Anti-Kriegsliteratur

„Weder die Anerkennung der Trivialliteratur als Forschungsgegenstand der Literaturwissenschaft noch das am Ende der sechziger und in den siebziger Jahren beschworene programmatische Interesse an einer politisch engagierten Literaturwissenschaft haben zu einer kontinuierlichen Forschung über den Kriegsroman von 1914 bis heute geführt.“[42]

Diese Feststellung Ulrich Barons 1989 ist auch heute noch gültig und darf nicht auf die Kriegsromane und damit die Epik allein bezogen werden, sondern auf einen Großteil der Kriegsliteratur allgemein. Nicht nur die fehlende kontinuierliche Forschung stellt ein Problem bei der literaturwissenschaftlichen Betrachtung der Kriegsliteratur dar, sondern ebenfalls die Tatsache, dass diese Gattung nicht eindeutig definiert ist.[43] Neben den Autobiografien, Dokumentationen, Tagebüchern, Kriegsberichten, unzähligen Feldpostbriefen etc. müssen Einordnungen in Bereiche der Fiktion, der Authentizität, des Heroisierenden oder des Pazifistischen erfolgen und somit auch der Versuch, eine Genrezugehörigkeit zu definieren. Die unüberschaubare Anzahl an Kriegs- und Nachkriegsliteratur hat zudem dazu geführt, dass dieser Bereich für den Historiker eine nahezu unerschöpfliche Sammlung an Primärquellen darstellt,[44] der Germanisten aber vergleichsweise nur bedingt anspricht. Neben dieser kaum zu leistenden Aufgabe der Definition der Gattung ist aber vor allem ein Gesichtspunkt interessant: die Frage nach den Kriterien zur Einordnung in Kriegs- oder Anti-Kriegsliteratur.

Der Anteil an Kriegsliteratur ist von 1919-1939 im Vergleich zur Anti-Kriegsliteratur absolut dominant.[45] Eine Betrachtung nach 1933 innerhalb Deutschlands macht ohnehin wenig Sinn, da durch die Nationalsozialisten alle Werke mit Werte- oder Ideologiekritik verboten worden sind. Von Bedeutung ist aber, dass bis 1924 kaum Anti-Kriegsliteratur vertreten war. Zudem beschäftigt sich die Forschung nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs überwiegend nicht mehr mit dem Ersten Weltkrieg. Die Kriegsliteratur während und nach dem Ersten Weltkrieg behandelt vor allem zwei Dinge: die Stilisierung des Kriegs zum Abenteuer auf der einen und die Erklärung seitens der Offiziere und Generalität, warum der Krieg verloren wurde, auf der anderen Seite.[46] Die Betrachtung der Sichtweise der Generalität dient aber nicht der Fragestellung und soll daher hier unberücksichtigt bleiben. Die Kriegsliteratur mit Banalisierung und Ideologisierung des Kriegs oder Darstellung des Kriegs als Abenteuer steht demnach der Anti-Kriegsliteratur gegenüber. Eine Definition im Sinne der Propagierung heroischer Werte mit dem Ziel, die Gesellschaft restaurativ-aggressiv zu beeinflussen, einerseits und einer Analyse der Ursachen des Kriegs mit dem Ziel, einen neuen Krieg zu verhindern, andererseits wird der Kriegsliteratur aber nicht gerecht.[47] Betrachtet man beispielsweise Remarque, so wird deutlich, dass zumindest noch eine weitere Form der pazifistischen Literatur zu finden ist: die deskriptive oder zumindest die so beabsichtigte.

Da es kaum möglich ist, die Unterschiede von Kriegs- und Anti-Kriegsliteratur allein theoretisch darzustellen, sollen folgend zwei klassische Vertreter der beiden Gattungen beispielhaft gegenübergestellt werde: Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ und Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“, die literarische Bearbeitung seiner Kriegstagebücher. Um dem Rahmen und der Fragestellung der Arbeit gerecht zu werden, soll diese Gegenüberstellung nicht in Gänze, sondern in gezielter Auswahl erfolgen.

Der zunächst auffälligste Unterschied zwischen beiden Werken liegt darin, dass Jünger seine Kriegstagebücher direkt nach dem Krieg (1920) verschriftlicht[48] und so seine authentische Quelle nutzt. Remarque hingegen schreibt „Im Westen nichts Neues“ erst zehn Jahre nach Kriegsende und nutzt dabei beispielhafte Episoden, die er selber nicht alle erlebt hat. Hier treffen also Authentizität des Frontoffiziers Jünger und fiktive Authentizität des Schriftstellers Remarque aufeinander. Beachten muss man, dass beide aus der Retroperspektive schreiben. Jünger greift dabei lediglich auf seine Aufzeichnungen zurück.

Remarque schreibt in seinem Roman über ein verlorenes „Wir“ und stellvertretend für eine ganze Generation, Jünger über ein heroisches „Ich“ und stellvertretend für einige Wenige, eine Elite. Dementsprechend sehen sie die Materialschlacht des Ersten Weltkriegs aus verschiedenen Blickwinkeln, wenngleich beide eingestehen, dass auch der Mensch Material ist.[49] Remarque kann im Krieg nichts Positives erkennen, er sieht eine Generation durch diesen zerstört. Jünger dagegen sieht dies differenzierter. So nutzt er die verlorene Materialschlacht als Grundlage für die Propagierung einer unbesiegten militärischen Führung.[50] Wichtiger hingegen ist allerdings die Sichtweise Jüngers auf den einzelnen Soldaten. Denn der Mensch als Material trifft zwar seiner Meinung nach auf den Großteil der Soldaten zu, nicht aber auf alle. Denn einige Wenige träten immer aus der Masse hervor, eine Elite, einige Helden und der Einzelne sei wichtiger denn je:

Jünger:

„Man hört so oft die irrige Ansicht, daß der Infanteriekampf zu einer uninteressanten Massenschlächterei herabgesunken ist. Im Gegenteil, heute mehr denn je entscheidet der einzelne. Das weiß jeder, der sie in ihrem Reich gesehen hat, die Fürsten des Grabens mit den harten entschlossenen Gesichtern, tollkühn, so sehnig, geschmeidig vor- und zurückspringend, mit scharfen, blutdürstigen Augen, Helden, die kein Bericht kennt.“[51]

„Gewiß waren es nur wenige Erlesene, in denen so gedrängt der Krieg sich ballte, doch wird der Geist einer Zeit ja immer nur von Einzelnen getragen.“[52]

Ein weiterer Punkt bei der Einordnung von Kriegs- und Anti-Kriegsliteratur wird durch die Sinnhaftigkeit des Werkes bestimmt. Remarques Beweggrund zu schreiben, ist der Krieg überhaupt, Jüngers hingegen, weil der Krieg verloren wurde.[53]

Remarque:

„ >Weshalb soll nun wohl ein französischer Schlosser oder Schuhmacher uns angreifen wollen? Nein, das sind nur die Regierungen.< […] >Weshalb ist dann überhaupt Krieg?< fragt Tjaden. Kat zuckt die Achseln. >Es muss Leute geben, denen der Krieg nützt.< […] >Wer denn nur?< beharrt Tjaden. >Dem Kaiser nützt er doch auch nicht.< […] >Das sag nicht<, entgegnet Kat, >einen Krieg hat er bis jetzt noch nicht gehabt. Und jeder größere Kaiser braucht mindestens einen Krieg, sonst wird er nicht berühmt.< […] >Generäle werden auch berühmt durch den Krieg<, sagt Detering.“[54]

Vor dem Hintergrund dieser Sinnhaftigkeit lässt sich nachvollziehen, dass Jünger sich an der Ausarbeitung für Gefechtsvorschriften für die Infanterie beteiligt, was eine Vorleistung für den Zweiten Weltkrieg darstellte.[55] Auch politisch ergreift Jünger Partei, indem er nationalistische Propaganda in „In Stahlgewittern“ einfügt. Dies allerdings nicht mit der Absicht, die Nationalsozialisten zu fördern, sondern eine Herrschaft der Elite zu unterstützen.[56] Dieser Ideologie folgend, lässt sich der Unterschied in der Beschreibung von Tod und Schrecken bei Jünger und Remarque erklären. Während Remarque den Tod direkt und deutlich schildert, gewinnt Jünger zumeist eine ästhetische Distanz. H.L. Arnold sieht hier einen Beleg dafür, dass in solchen Momenten Jünger nicht mehr als „der kämpferische Stoßtruppführer“[57] schreibt, sondern als „der nationale Propagandist“[58]. Bei Remarque hingegen kann man erkennen, dass dieser bei Beschreibungen von Gewalt, Tod und Schrecken stets den gleichen Stil beibehält, ohne diese ästhetische Distanz herzustellen.

Remarque:

„Wir sehen Menschen leben, denen der Schädel fehlt; wir sehen Soldaten laufen, denen beide Füße weggefetzt sind; […] wir sehen Leute ohne Mund, ohne Unterkiefer, ohne Gesicht; […]“[59]

Jünger:

„Und zuletzt waren wir so an das Grausige gewohnt, dass, wenn wir hinter einer Schulterwehr oder in einem Hohlweg auf einen Toten stießen, dieses Bild in uns nur den flüchtigen Gedanken löste: ‚Eine Leiche’, wie wir sonst wohl dachten: ‚ein Stein’ oder ‚ein Baum.’“[60]

Durch diesen verharmlosenden, stark distanzierten Stil gelingt es Jünger, den Krieg als Abenteuer darzustellen und als eine Art sportliche Betätigung:

Jünger:

„Nun ging es in sausendem Laufe dem eigenen Graben zu. Vor unserem Draht pfiffen die Geschosse schon so, daß ich in einen wassergefüllten, drahtversponnenen Minentrichter springen mußte. Auf schwingendem Stacheldraht über dem Wasserspiegel pendelnd, hörte ich mit gemischten Gefühlen die Geschosse wie einen gewaltigen Immenschwarm über mich hinwegbrausen, während Drahtfetzen und Geschoßsplitter in die Böschung des Trichters fegten. Nach einer halben Stunde, als sich das Feuer beruhigt hatte, arbeitete ich mich über unser Hindernis und sprang von den Leuten freudig begrüßt, in den Graben. […] Alles freute sich über den glücklichen Ausgang und bedauerte nur, daß uns der ersehnte Gefangen auch diesmal entschlüpft war. […] Diese kurzen, sportsmäßigen Sensationen waren indes ein gutes Mittel, den Mut zu stählen und die Eintönigkeit des Grabendaseins zu unterbrechen.“[61]

Remarque:

„Wir laufen zurück, reißen spanische Reiter in den Graben und lassen abgezogene Handgranaten hinter uns fallen, die uns einen feurigen Rückzug sichern. Von der nächsten Stellung aus feuern die Maschinengewehre. – Aus uns sind gefährliche Tiere geworden. Wir kämpfen nicht, wir verteidigen uns vor der Vernichtung. Wir schleudern die Granaten nicht gegen Menschen, was wissen wir im Augenblick davon, dort hetzt mit Händen und Helmen der Tod hinter uns her, wir können ihm seit drei Tagen erstmals ins Gesicht sehen, wir können uns seit drei Tagen zum ersten Mal wehren gegen ihn, wir haben eine wahnsinnige Wut, wir liegen nicht mehr ohnmächtig wartend auf dem Schafott, wir können zerstören und töten, um uns zu retten und zu rächen. […] Käme dein Vater mit denen drüben, du würdest nicht zaudern, ihm die Granate gegen die Brust zu werfen!“[62]

Neben den grundverschiedenen Arten eine ähnliche Situation zu schildern, fällt vor allem auf, dass bei Jünger der Soldat aktiv handelnd ist, während er bei Remarque passiv, nahezu fremdbestimmt durch die Grausamkeit und die Automatik des Kriegs ist. Weiterhin lassen sich Ansätze dafür finden, dass bei Jünger durch das aktive Handeln ein Täter geschildert wird, durch die Passivität bei Remarque hingegen ein Opfer. In diesem Fall nicht ein Opfer der Franzosen, aber ein Opfer von Gewalt und Krieg.

Schließlich kann man noch Jüngers und Remarques Sicht des Pazifismus als Grundlage ihrer Werke sehen. Für Remarque ist es, wie bereits skizziert, normal, gegen den Krieg und damit ein Pazifist zu sein. Jünger hingegen differenziert zwei Arten von Pazifisten. Zum einen den Pazifisten, der aus Idealismus, aus Überzeugung einer ist, gleichwohl auch den militanten Pazifisten, der für seine Überzeugungen aktiv eintritt. Zum anderen den Pazifisten, der aus Feigheit und aus Angst vor dem Krieg nicht kämpfen will. Während er den ersten akzeptieren kann, verabscheut er den zweiten. Jünger selber ist kein Pazifist und während Remarque von einer „verlorenen Generation“ spricht, sieht Jünger eine „gestählte Generation“. Der Krieg sei aller Dinge Vater und Leben hieße töten.[63]

4. Gewaltdarstellung in „Im Westen nichts Neues“

Gewalt

Die Gewaltdarstellungen des Romans wie auch des Films sind von zentraler Bedeutung, sowohl in Qualität wie auch in Quantität. So soll nachfolgend versucht werden darzustellen, welche Formen die Gewalt annehmen kann, sowie die Wirkung des ästhetisch Hässlichen in Poesie und Kunst.

Formen der Gewalt

Der Gewaltbegriff geht in seinem Ursprung auf zwei Termini zurück: „potestas“ und „violentia“. Während der erste Begriff die legitime Gewaltanwendung seitens des Staates definiert, meint der zweite das, was man gemeinhin unter Gewalt versteht: Leid, Zerstörung, Unordnung.[64] In Bezug auf „Im Westen nichts Neues“ muss man feststellen, dass im Krieg diese Begriffe seltsame Formen annehmen, verwischen und nicht mehr klar trennbar sind. Generell gilt, dass die Anwendung von Gewalt durch den Staat auf einer ethischen Grundlage basiert und damit ein verantwortungsvoller Umgang mit ihr gewährleistet sein sollte. Im Falle des Ersten Weltkriegs trifft dies nicht mehr zu. Das Deutsche Reich nutzte sein Gewaltmonopol zum Selbstzweck der militärisch expansiven Kolonialpolitik aus.[65] Der wilhelminische Bildungsbürger und meinungsbildende Bürger in Gestalt von Lehrern, Professoren, Journalisten, Ärzten etc. lässt sich zum großen Teil als „williger Vollstrecker“ oder begeisterter Nationalist bezeichnen.

Im Sinne der Zielsetzung der Arbeit ist es sinnvoll, die Formen von Gewalt, welche in „Im Westen nichts Neues“ auftreten, überblicksweise darzustellen.

Insgesamt lassen sich drei Arten von Gewalt für den Roman als bedeutsam herausstellen: die latente, die physische und die psychische Gewalt. Eine Abgrenzung aller drei Formen voneinander ist mitunter nicht immer möglich, häufig gibt es starke Überschneidungen. Bei allen Formen muss es der Logik nach immer einen Verursacher und ein klares Ziel oder auch Opfer von Gewalt geben. Diese Opfer klar zu benennen, ist aber oft nicht möglich, wie am Beispiel der latenten Gewalt gezeigt werden kann.

[...]


[1] Howind, Angelika: Ein Antikriegsroman als Bestseller. Die Vermarktung von Im Westen nichts Neues 1928-1930. In: Erich Maria Remarque. 1898-1970. Hrsg. von Tilman Westphalen. Bramsche 1988. S. 55-64. Hier S. 55.

[2] Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues.25 Köln 2005. Prolog.

[3] Schneider, Thomas F.: Erich Maria Remarques Roman >Im Westen nichts Neues<. Text, Edition, Entstehung, Distribution und Rezeption (1928-1930) (Exempla Critica Band 1. Historisch-kritische Einzelausgaben zur neueren deutschen Literatur. Hrsg. von Bodo Plachta). Tübingen 2004. S. 8.

[4] Owen, C. R.: Erich Maria Remarque: A critical Bio- Bibliography. Amsterdam 1984 (Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur. Band 55).

[5] Baumer, Franz: Erich Maria Remarque. 3. ergänzte Auflage. Berlin 1994 (Köpfe des 20. Jahrhunderts. Band 85).

[6] Antkowiak, Alfred: Erich Maria Remarque. Leben und Werk. 2. bearbeitete Auflage Berlin 1978 (Schriftsteller der Gegenwart. Band 14).

[7] Schneider: Erich Maria Remarques Roman >Im Westen nichts Neues<. S. 8.

[8] Womit nicht gesagt werden soll, dass dies sonst nicht gemacht werden muss, hier allerdings im verstärkten Maße.

[9] Die immer noch präsente Meinung, Erich Maria Remarque sei als Kriegsfreiwilliger in die Armee eingetreten, lässt sich durch den Großteil der Forschungsliteratur widerlegen. Vgl. z.B.: Antkowiak, Alfred: Erich Maria Remarque. Leben und Werk. 2. bearbeitete Auflage Berlin 1978 (Schriftsteller der Gegenwart. Band 14), aber auch aktuelle Lexika. Als bester Beweis dient allerdings eine Äußerung von Remarque selber: „Wie kann man sich nur freiwillig melden!“ vgl.: Baumer, Franz: Erich Maria Remarque. 3. ergänzte Auflage. Berlin 1994 (Köpfe des 20. Jahrhunderts. Band 85). S. 28. Die Problematik ergibt sich vermutlich dadurch, dass das oft als Äquivalent zu ihm gesehenes Pendant „Paul Bäumer“ (Im Westen nichts Neues), als begeisterter Kriegsfreiwilliger an die Front zog. Remarque rechtfertigte dies dadurch, dass er durch die Tat Bäumers die übliche Tradition der deutsch-nationalen Erziehung betonen wollte. Vgl.: Baumer: Remarque. S. 28.

[10] Über seine Grundausbildung beim Militär sagte Remarque, dass sie dort „auf das Heldentum wie Zirkuspferde vorbereitet“ wurden. Vgl.: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues.25 Köln 2005. S. 25. (autobiografisch aufzufassen)

[11] Die Vorwürfe des ehemaligen Soldaten Peter Kropp, Remarque wäre ein Feigling gewesen, da er nur leicht verwundet worden wäre, konnten nie ganz widerlegt werden. Die Tatsache jedoch, dass Remarque nachweislich mehrfach verwundet worden war, spricht für eine Einordnung dieser Behauptung als Pamphlet. Vgl.: Owen, C. R.: Erich Maria Remarque: A critical Bio- Bibliography. Amsterdam 1984 (Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur. Band 55). S. 25. Für die Behauptung, Remarque hätte seinen Lazarettaufenthalt absichtlich hinausgezögert, spricht hingegen jedoch die Tatsache, dass er in einem Brief an seinen besten Freund Georg Middendorf schrieb, er fühle sich wohl im Lazarett und wolle dies auch nicht aufgeben, sofern er nicht müsse. Vgl.: Barker, Christine R.; Last, R. W.: Erich Maria Remarque. London 1979. S. 8.

[12] Ebd. S. 32f.

[13] Die Tatsache, dass Remarque sich zu den Anschuldigungen seinen Namen betreffend nie äußerte, führte dazu, dass Unmengen an Spekulationen und Vorwürfen direkt zu seiner Person, nicht nur gegen das Werk, auftauchten.

[14] Weiterführende Informationen in Bezug auf Remarque in dieser Problematik siehe auch: Schütz, Erhard: Was ein Remark in einem labilen Staat anrichten kann. In: Diskussion Deutsch. 17 (1986). S. 300-310.

[15] Remarques Werke wurden mit den üblichen Worten der Nationalsozialisten verbrannt: „Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Erich Maria Remarque.“ Vgl.: Baumer: Remarque. S. 59f.

[16] Die Aussage, „Im Westen nichts Neues“ sei „unpolitisch“, kommt von Remarque selber und wird im Verlauf des Kapitels noch aufgegriffen.

[17] z.B.: Interviews, Tagebucheinträge, Briefwechsel etc.

[18] Vgl.: Schneider, Thomas F. [Hrsg.]: Erich Maria Remarque. Ein militanter Pazifist. Texte und Interviews 1929-1966. Köln 1994. S. 43.

[19] Schneider: Ein militanter Pazifist. S. 52- 61.

[20] Die Aussage, er habe „Im Westen nichts Neues“ nicht pazifistisch schreiben wollen, widerlegt er selber: „Wer mein Buch gelesen hat und daraus nichts anderes entnimmt als den Wunsch, das darin Geschilderte alles selbst zu erleben – ja, dem würde auch durch nichts anderes zu helfen sein.“ siehe: Ebd. S. 50.

[21] Ebd. S. 55.

[22] Ebd. S. 122. Hier in einem Gespräch mit Friedrich Luft 1963.

[23] Schneider: Ein militanter Pazifist. S. 114. Hier in einem Gespräch mit Heinz Liepmann 1962.

[24] Selbst eine ökonomische Absicht würde ausgeschlossen werden, da für den Erfolg eines Romans auch dessen Überzeugungskraft ausschlaggebend ist. Die Aussage Remarques, er habe sich das Buch „von der Seele“ geschrieben, ist auf den Ullstein Verlag zurückzuführen, der dies als Teil der Vermarktung nutzte. Dies ist auch ersichtlich daraus, dass er Interviews nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Intentionen das Buch zu schreiben widerspricht (Interview 1929). Vgl.: Ebd. S. 43ff.

[25] Vgl.: Ebd. S. 66- 83.

[26] Schneider: Ein militanter Pazifist. S. 16.

[27] Ebd.

[28] Ebd. Zusätzlich dazu schreibt Remarque in seiner Arbeit für die USA davon, dass man den Militarismus als Ursache für beide Weltkriege zerstören müsse, neben dem Nazismus und dem Nationalismus. Vgl.: Ebd. S. 71f.

[29] Ebd. S. 17.

[30] Ebd. S. 115f.

[31] Ebd. S. 10.

[32] Ebd. S. 62.

[33] Schneider: Ein militanter Pazifist. S. 106.

[34] Ebd. S. 10.

[35] Es soll hier nicht bestritten werden, dass Remarques Werke diese Wirkung nicht hatten. Es geht hier lediglich darum, dass Remarque diese Absichten verneinte. In seinem Tagebuch ist am 28.04.1945, nach der öffentlichen Berichterstattung zu den Konzentrationslagern sogar folgendes zu lesen: „Das Volk der Dichter und Denker, das es niemals war, - das Volk der Mörder und Henker […]“ siehe: Ebd. S. 26.

[36] Ebd. S. 86.

[37] Ebd. S. 54.

[38] Ebd. S. 59.

[39] Der Funke Leben (1952); Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1954); Der schwarze Obelisk (1956).

[40] Schneider: Ein militanter Pazifist. S. 26f.

[41] Ebd. S. 114.

[42] Baron, Ulrich: Weltkriege und Kriegsromane. Die literarische Bewältigung des Krieges nach 1918 und 1945 – eine Skizze. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. 19:75 (1989). S. 14-37. Hier S. 14.

[43] Stickelberger-Eder, Margrit: Aufbruch 1914. Kriegsroma der späten Weimarer Republik (Züricher Beiträge zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Wolfgang Binder, Alois M. Haas und Peter von Matt. Band 56). Zürich und München 1983. S. 17.

[44] Die Betrachtung der Kriegsliteratur als zeitgenössische Quelle muss natürlich kritisch gesehen werden, da teils enorme politische „Färbungen“ und Laienproduktionen die Bewertung erschweren.

[45] So macht der Aufsatz von Helmut Müssener deutlich, dass etwa 88 Prozent der Literatur mit Kriegsthematik von 1919-1939 als Kriegsliteratur zu bezeichnen ist, nur 12 Prozent als Antikriegsliteratur. Vgl.: Müssener, Helmut: Deutschsprachige Kriegs- und Antikriegsliteratur in Deutschland und Schweden 1914-1939. Einige Beobachtungen. In: Antikriegsliteratur zwischen den Kriegen (1919-1939) in Deutschland und Schweden. Hrsg. von Helmut Müssener. (Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholmer Germanistische Forschungen. Band 35). Stockholm 1987. S. 10-25. Hier S. 21.

[46] Diese Erklärungsversuche führten später mit dazu, dass die Dolchstoßlegende propagiert wurde. Demnach waren also nicht Wilhelm II. und seine Außenpolitik (Bsp. Marokko-Krisen) Schuld am Ausbruch des Kriegs und nicht das Militär war verantwortlich für den verlorenen Krieg, denn das Heer war „im Felde unbesiegt“. Die Schuld wurde vielmehr auf die Heimatfront abgewälzt, maßgeblich um die eigene Ehre zu retten. Die Behandlung dieses Themas ist in allen Standardwerken der Historiker zu finden. Hier im Speziellen aber vgl. auch: Baron, Ulrich: Weltkriege und Kriegsromane. S. 17.

[47] Diese Definition nimmt sinngemäß Synnöve Clason vor. Vgl.: Clason, Synnöve: Anti- Kriegsliteratur, was ist das? Zur Erzählperspektive in Lion Feuchtwangers Roman ERFOLG (1930). In: Anti-Kriegsliteratur zwischen den Kriegen (1919-1939) in Deutschland und Schweden. Hrsg. von Helmut Müssener. (Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholmer Germanistische Forschungen. 35). Stockholm 1987. S. 52-60. Hier S. 52.

[48] Jünger hat später „In Stahlgewittern“ stetig überarbeitet, so dass bis 1978 sieben Fassungen vorlagen. Vgl.: Martus, Steffen: Ernst Jünger (Sammlung Metzler. Band 333). Stuttgart, Weimar 2001.

[49] Vgl.: Kunicki, Wojciech: Erich Maria Remarque und Ernst Jünger. Ein unüberbrückbarer Gegensatz? In: Kriegserlebnis und Legendenbildung. Das Bild des „modernen“ Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film. Hrsg. Thomas F. Schneider. 3 Bände. Band 1 (Vor dem ersten Weltkrieg. Der erste Weltkrieg). Osnabrück 1999. S. 291-308. Hier S. 294.

[50] Martus: Ernst Jünger. S. 20.

[51] Ebd. S. 27.

[52] Baumer, Franz: Ernst Jünger. Berlin 1967 (Köpfe des 20. Jahrhunderts. Band 48). S. 24.

[53] Arnold, Heinz Ludwig: Erich Maria Remarque und Ernst Jünger. Zwei deutsche Wege durch das 20. Jahrhundert. In: Erich Maria Remarque Jahrbuch No. IX/1999. Hrsg. von Thomas F. Schneider. Osnabrück 1999. S. 5-17. Hier S. 6.

[54] Remarque: IWnN. S. 140-141.

[55] Baumer: Ernst Jünger. S. 31.

[56] Ebd. S. 35ff. Jüngers politische Einstellung ist nicht Thema dieser Arbeit, allerdings sei angemerkt, dass Jünger keine politische Funktion im Dritten Reich hatte. Baumer führt aus, dass Jünger durch seine Absicht, eine Herrschaft der Elite zu fördern, offenbar von der Herrschaft der Nazis, was für ihn mit der Herrschaft des Pöbels gleichgesetzt werden konnte, angewidert war. Vgl.: Ebd. S. 44.

[57] Arnold: Erich Maria Remarque und Ernst Jünger. S. 9.

[58] Ebd.

[59] Remarque: IWnN. S. 97.

[60] Arnold: Erich Maria Remarque und Ernst Jünger. S. 9.

[61] Ebd. S. 7.

[62] Remarque: IWnN. S. 83-84.

[63] Vgl.: Baumer: Ernst Jünger. S. 19-23.

[64] Kümmel, Gerhard: Annäherung an den Gewaltbegriff. In: Die gewalttätige Gesellschaft (Berichte 75). Strausberg 2002. S. 21-58. Hier S. 21-23.

[65] Nyada, Germain: Gewalt und Freiheit bei Erich Maria Remarque. In: Erich Maria Remarque Jahrbuch No. XII/2002. Hrsg. von Thomas F. Schneider. Osnabrück 2002. S. 7-24. Hier S. 21.

Details

Seiten
110
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638900416
ISBN (Buch)
9783640612864
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85554
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
Literatur Krieg Erich Maria Westen Remarque Film

Autor

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Titel: Literatur und Krieg - Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“