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Die Dekonstruktion - Was ist Dekonstruktion (oder was sie nicht ist)?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 22 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Dekonstruktion (oder was sie nicht ist)?

3. Die Dekonstruktion und Michel Foucault
3.1 Michel Foucault: zur Person
3.2 Diskurs, Macht, Wahrheit und Dekonstruktion

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie und Verzeichnis der verwendeten Internetadressen

1. Einleitung

Es gibt viele Methoden, einem Sachverhalt nachzugehen. Eine dieser Methoden wäre, den Sachverhalt zu dekonstruieren: Die einzelnen Bausteine des Sachverhalts nach und nach, einem nach dem Anderen abzubauen, um an den eigentlichen Kern letztendlich zu gelangen.

Die Dekonstruktion wäre diese Methode. Aber was ist nun eigentlich die Dekonstruktion? In dieser Seminararbeit wird die Dekonstruktion untersucht: Was die Dekonstruktion ist (oder was sie nicht ist)?

Der Mittelpunkt in dieser Arbeit bildet die Dekonstruktion von Michel Foucault. Zunächst wird der Lebenslauf Foucaults kurz erläutert. Darauf folgend wird die Foucault’schen Methodologien dargestellt, die direkt und indirekt in Zusammenhang mit seiner Methode der Dekonstruktion verbunden sind.

2. Was ist Dekonstruktion (oder was sie nicht ist)?

Der Begriff „Dekonstruktion“ bekam einen permanenten Platz in dem geisteswissenschaftlichen Kreis, als Jacques Derrida den Begriff in den 1960er Jahren erfunden hat. Urprünglich war die Dekonstruktion ein sprachwissenschaftlicher Begriff, jedoch findet sie nach und nach Anwendungen in anderen wissenschaftlichen Praxisgebieten und wurde daher interdisziplinär.

Eins der größten Probleme der Dekonstruktion ist die Suche nach der genauen Definition des Begriffs. Als er einmal berufen wurde, eine Definition von Dekonstruktion kurz und bündig abzugeben, antwortete Derrida:

„I have no simple and formalizable response to this question. All my essays are attempts to have it out with this formidable question.”[1]

Jedoch gibt es zahlreiche Versuche, den Begriff „Dekonstruktion“ zu definieren. Allgemein versteht sich, dass die Dekonstruktion „Abbauarbeit von innen [leistet], wohl wissend um die Unmöglichkeit der Gewinnung eines echten Außen[2] “ ist. Also könnte die Dekonstruktion betrachtet werden als eine Art Abbauung von innen heraus von den Kernbausteinen einer Sache, um letztendlich nach Außen – nach der Wahrheit der Sache – zu gelangen.

Hierin sieht Derrida zwei Schritte der Dekonstruktion:

„Zum einen >>den Ausgang und die Dekonstruktion zu versuchen, ohne den Standort zu wechseln, durch die Wiederholung des Impliziten in den Grundlegenden Begriffen und in der urprünglichen Problematik, durch die Verwendung der Instrumente und Steine, die sich im Haus, das heißt auch in der Sprache, vorfinden, gegen eben dies Gebäude<<. Und zum zweiten >>einen Wechsel des Standortes zu beschließen, auf diskontinuierliche und plötzliche Weise<<.[3] Aktuell ist die [Dekonstruktion] überall dort, wo man >>einem Axiom den Kredit entzieht oder aufkündigt<<[4] - freilich ohne einfach ein neues Axiom an die Stelle des alten zu setzen: Die >>Aporien sind die bevorzugte Gegend, der bevorzugte Ort der Dekonstruktion<<.[5]

Ferner wird hier die Dekonstruktion angesehen als „eine Strategie der Subversion und Destabilisierung gegenüber den Geltungsansprüchen traditioneller – einschließlich kritischer – Theorien, Disziplinen und Paradigmen.[6]

Die Dekonstruktion haftet sich dann nicht daran als eine bestimmte Theorie, ein bestimmter Gegenstand und auch nicht mehr und nicht weniger als eine bestimmte Methode. David B. Allison, ein der ersten Übersetzer von Derridas Werke, stellte die Dekonstruktion wie folgt dar:

„[Deconstruction] signifies a project of critical thought whose task is to locate and ‘take part’ those concepts which serve as the axioms or rules for a period of thought, those concepts which command an unfolding of an entire epoch of metaphysics. ‘Deconstruction’ is somewhat less negative than the Heideggerian or Nietzschean terms ‘destruction’ or ‘reversal’; it suggests that certain foundational concepts of metaphysics will never be entirely eliminated…There is no simple ‘overcoming’ of metaphysics or the language of metaphysics.[7]

Also könnte man meinen, die Dekonstruktion dient dazu, einen Text, eine Rede, eine Sache auseinander zu nehmen, um sie in ihrer Bloßheit betrachten zu können. Damit befreit man sich von den trügerischen Scheinen, in die sich eine Sache zu verhüllen versucht.

Es ist vielleicht auch sogar möglich, den Begriff der Dekonstruktion aus der Sichtweise der Dekonstruktion selber zu betrachten. Wenn dies der Fall sein sollte, dann sollte man sich die Frage stellen, was die Dekonstruktion nicht ist.

Wie David B. Allison schon oben gezeigt hat, ist die Dekonstruktion nicht gleich zu setzen wie die „Destruction“ in Heidegger’schem Sinne oder wie der „Reversal“ in Nietzsche’m Sinne. Die Dekonstruktion ist, sozusagen, eine mildere Betrachtungsweise, eine mildere Version dieser beiden Begriffen. Laut Derrida selber ist die Dekonstruktion:

„neither an analysis nor a critique and its translation would have to take that into consideration. It is not an analysis in particular because the dismantling of a structure is not a regression toward a simple element, toward an indissoluble origin. These
values, like that of analysis, are themselves philosophemes subject to deconstruction. No more is it a critique […] Deconstruction is not a method and cannot be tranformed into one. Especially if the technical and procedural significations of the word are stressed.[8]

Darüber hinaus ist für Barbara Johnson die Dekonstruktion eine spezifische Art analytisches ‚Lesens’:

„Deconstruction is in fact much closer to the original meaning of the word 'analysis' itself, which etymologically means "to undo" — a virtual synonym for "to de-construct." ... If anything is destroyed in a deconstructive reading, it is not the text, but the claim to unequivocal domination of one mode of signifying over another. A deconstructive reading is a reading which analyzes the specificity of a text's critical difference from itself.[9]

Nun letztendlich ist doch die Dekonstruktion möglicherweise eine Art von Analyse bzw. eine Art analytisches Lesen. Sollte die Betrachtungsweise Johnsons unterzogen werden, so mag dies die Antwort auf den Begriff der Dekonstruktion sein, die auch mit Derridas Sichtweise über die Dekonstruktion einstimmt, als er behauptet hat, die Dekonstruktion sei nicht eine Analyse oder eine Kritik schlechthin.

Ein Versuch soll noch gemacht werden, die Bedeutung der Dekonstruktion zu finden. Georg W. Bertram hat in seinem Buch, Hermeneutik und Dekonstruktion: Konturen einer Auseinandersetzung der Gegenwartsphilosophie, erklärt, dass die Dekonstruktion „mit der Frage nach dem Bedeutungsgeschehen[10] “ beginnt. Und ähnlich wie vorher schon erwähnt, dass die Aporien der bevorzugte Ort der Dekonstruktion[11] ist, so geht Bertram fort, dass die „Bedeutungsgeschehen [...] dort vor[liegt], wo etwas Bedeutung gewinnt[12] “, dort fängt also der Prozess der Dekonstruktion an.

[...]


[1] Derrida, Jacques: „Letter to a Japanese friend“, Derrida and Différance, ed. David Wood and Robert Bernasconi, Warwick: Parousia, 1985, S. 4; zitiert nach http://en.wikipedia.org/wiki/Deconstruction, Stand 20.01.2007; Vgl. http://lucy.ukc.ac.uk/Simulate/Derrida_deconstruction.html, Stand 20.01.2007

[2] Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 671 ff.

[3] Derrida, Jacques: Randgänge der Philosophie, Frankfurt/M. usw. S. 122, zitiert nach Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 672

[4] Derrida, Jacques: Gesetzeskraft. Der „mystische Grund der Autorität“, Frankfurt/M. 1991, S. 42; zitiert nach Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 672

[5] Ebd. S. 44; zitiert nach Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 672

[6] Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 672

[7] Allison, David B.: Introduction to Derrida, Jacques: Speech and Phenomena and other essays on Husserl’s Theory of Signs. Evanston, Northwestern UP, 1973, S. xxxii, n.1; zitiert nach http://en.wikipedia.org/wiki/Deconstruction, Stand 20.01.2007

[8] Derrida, Jacques: „Letter to a Japanese friend“, Derrida and Différance, ed. David Wood and Robert Bernasconi, Warwick: Parousia, 1985, S. 3; zitiert nach http://en.wikipedia.org/wiki/Deconstruction, Stand 20.01.2007; Vgl. http://lucy.ukc.ac.uk/Simulate/Derrida_deconstruction.html, Stand 20.01.2007

[9] Johnson, Barbara: The Critical Difference, 1981; zitiert nach: http://en.wikipedia.org/wiki/Deconstruction, Stand 22.01.2007

[10] Bertram, Georg W.: Hermeneutik und Dekonstruktion: Konturen einer Auseinandersetzung der Gegenwartsphilosophie, Fink, München 2002, S. 81

[11] Vgl. Derrida, Jacques: Gesetzeskraft. Der „mystische Grund der Autorität“, Frankfurt/M. 1991, S. 42; zitiert nach Weiß, Ulrich: Konstruktivismus – Dekonstruktivismus, in Digitale Bibliothek Band 79: Lexikon der Politik, herausgegeben von Dieter Nohlen., C.H. Beck 1998, S. 672

[12] Bertram, Georg W.: Hermeneutik und Dekonstruktion: Konturen einer Auseinandersetzung der Gegenwartsphilosophie, Fink, München 2002, S. 81

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638010955
ISBN (Buch)
9783638937948
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85299
Institution / Hochschule
Hochschule für Politik München
Note
1,0
Schlagworte
Dekonstruktion

Autor

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