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Rhythmische Erziehung. Emile Jaques-Dalcroze und die Hellerauer Schule

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eckpunkte des Zeitgeschehens um 1900

3. Emile Jaques-Dalcroze

4. "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau (bei Dresden)

5. Dalcrozes’ Grundgedanken
5.1. Rhythmus und Bewegung
5.2. Dalcrozes′ Kunst- und Ästhetikbegriff
5.3. Musik, Bewegung und Tanz
5.4. Licht- und Bühnengestaltung
5.5. Die Wahrnehmung und das Empfinden von Kunst

6. Schluss

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Und wenn das ganze System der rhythmischen Erziehung sich auf der Musik aufbaut, so geschieht dies eben, weil die Musik eine hervorragende psychische Kraft ist, eine dem Seelenleben und dem Ausdruckswillen zugleich entspringende Kraft, die durch ihre anregende und ordnende Gewalt unsere sämtlichen vitalen Funktionen zu regeln vermag.“[1]

Musik in der Bewegung erleben, die Sinne für das Aufnehmen für Musik sensibilisieren, um die musikalische Ausdrucksfähigkeit im Menschen zu vertiefen, das waren die neuen Impulse, mit denen der Schweizer Musikpädagoge Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) die Entwicklung der rhythmisch-musikalischen Erziehung (Rhythmik) auslöste. Damit entstand ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des Körpers und der Bewegung als Ausdruck eines freieren Lebensgefühls. Wie es dazu kam, welche Bedeutung die Persönlichkeit Dalcroze’ dazu hatte und wie die äußeren Umstände waren, soll im Folgenden erläutert werden. Selbstverständlich schließt sich diesem eine Darstellung von Dalcrozes’ Rhythmik an, sowohl ihrer Merkmale in theoretischer Hinsicht als auch ihrer Umsetzung speziell in der "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau (bei Dresden).

Nun zu der Frage: Warum habe ich dieses Thema gewählt? Zunächst einmal ist mein Geburtsort ebendieses Hellerau. Selbstverständlich bin ich aufgrund dessen geprägt wurden. Die eindrucksvolle Geschichte, Architektur und der Charme der Gartenstadt haben einen großen Einfluss auf mich ausgeübt. Die ehemalige "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" bzw. das „Festspielhaus Hellerau“ habe ich in meiner Kindheit als Kaserne der sowjetischen Armee kennen gelernt und nach dem Abzug der russischen Truppen als Ruine erlebt. Da, wo zu Dalcrozes’ Wirkungszeit das Yin-Yang-Zeichen hing, war nun nur noch der Sowjetstern zu sehen. Heute ist wieder ein internationales Interesse der Rhythmiker an der Örtlichkeit Festspielhaus Hellerau zu verzeichnen. So wurde das „Institut Rhythmik Hellerau e.V.“ gegründet. Aber nicht nur das. Neben mehreren „Internationalen Rhythmikwerkstätten“ und der Ausstellung „Emile Jaques-Dalcroze - Musik in Bewegung“ finden audiovisuelle Performances und „electronic beats“-Veranstaltungen u.ä. statt.

Aber um meine oben gestellte Frage endgültig zu klären: Neben meinem Interesse resultierend aus meiner Herkunft und den heutigen Besuchen des Festspielhauses aufgrund der o.g. Veranstaltungen spielt das Musikverständnis von Dalcroze eine gehörige Rolle, da er durch seine revolutionären Ideen die musikalisch-rhythmische Erziehung prägte wie kaum ein Zweiter. Für mich als angehender Lehrer an berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik (d.h. ich werde zukünftige Erzieherinnen und Erzieher ausbilden) ist das Wissen über Dalcrozes Wirken somit von äußerst großer Bedeutung.

2. Eckpunkte des Zeitgeschehens um 1900

Um die Jahrhundertwende fand eine entscheidende Trendwende statt, die bedeutende Entwicklungen und Theaterreformen nach sich zog. Es herrschte bis dahin der Naturalismus vor. Sowohl in der Literatur als auch auf der Bühne wurde das Leben der Menschen dargestellt. Doch es gab immer stärker werdende Kritik an dieser Methode und stattdessen orientierte man sich zunehmend an der neuen Ästhetikkonzeption, die Nietzsche mit seinem Werk "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" geliefert hatte. Die Musik avancierte zum neuen ästhetischen Modell.

Die mythischen Dimensionen des Theaters sollten als "Fest des Lebens" erneuert werden. Diesem Gedanken wurde durch die Veranstaltung zahlreicher Festspiele, die für die Teilnahme und Mitwirkung von Menschen(-massen) konzipiert worden waren, Rechnung getragen. Ebendiese Massenfestspiele entsprachen in ihrem Charakter dem angestrebten Programm der "Ästhetisierung des Lebens". Derartige Ideen entwickelten sich parallel zu einer Lebensreformbewegung, die an konservativen Wertvorstellungen festhielt und ein einfaches, naturgemäßes Leben idealisierte. In der Schauspielkunst wurde Methoden wie der Stilisierung und der Hervorhebung der Kunsthaftigkeit des Theaterspiels, die man besonders am Beispiel des japanischen Theaters beobachtete, mehr und mehr Bedeutung beigemessen. Auch der Bühnen- und Zuschauerraum wurde diesen neuen Ideen angeglichen, indem man Abstand vom Prinzip der so genannten Guckkastenbühnen nahm und dafür Theaterräume, die für ein Theater des Gemeinschaftserlebnis von Zuschauern und Schauspielern auch architektonisch ermöglichten sollten, schuf.

Dieser fundamentalen Reformbewegung des Theaters gehörten unter anderen namhafte Persönlichkeiten, wie Edward Gordon Craig, W.E. Meyerhold, Georg Fuchs, Adolphe Appia und Emile Jaques-Dalcroze an.

3. Emile Jaques-Dalcroze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Emile Jaques-Dalcroze

Quelle: http://www. dalcroze.fr/Dalcroze_France_Emile%20_Jaques_Dalcroze.htm

„Es ist sehr schwierig eine Methode in zwei Wörtern zu erklären, die selbstverständlich sehr ausführliche und sehr zahlreiche Studien und Erfahrungen verlangen wird. Es handelt sich darum, die verschiedenen Teile des Organismus der Kinder in Beziehung zu stellen: Gehirn, Rückenmark, figürliche Bewegungen, überlegte Bewegungen, ungewollte Bewegungen, Automatismen... und dann darum, die schlechten Automatismen zu zerstören, jene die sich der Freiheit ihrer Glieder widersetzen. Dafür habe ich den Beitrag der Musik, die sowohl regulierend, als auch stimulierend ist...“[2]

er, während er seiner regulären Lehrtätigkeit nachging, eine neue Form von Tanzgymnastik. Inspiriert durch die additiven Modelle arabischer Rhythmik (er half 1886 für eine Saison in Algier als Kapellmeister aus), begann am Genfer Konservatorium zunächst als Theorielehrer die Zusammenhänge zwischen Musik und ihrem tänzerischen Ausdruck über ihren Rhythmus zu untersuchen. Er entwickelte die musik-pädagogischen Methoden seiner Zeit weiter, wobei er im Solfège-Unterricht wiederum auf den Rhythmus, genauer auf die rhythmischen Mängel seiner Schüler gestoßen wurde. Von Genf aus verbreitete sich seit 1902 seine Methode als Rhythmische Gymnastik zunächst nach Deutschland (u.a. durch Alexander Sutherland Neill und Gertrud Grunow). 1906 hatte er eine Begegnung mit dem Architekten Adolphe Appia (1862-1928). Im Jahre 1911 zog Dalcroze in die Gartenstadt Hellerau bei Dresden, wo er sein eigenes Arbeitszentrum errichtete, in dem er seine neuartigen Methoden zur Anwendung brachte. 1925 wurde seine Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus nach Laxenburg verlegt. Die in Hellerau durchgeführten Unterrichtsdemonstrationen und Inszenierungen zogen die europäische Avantgarde an und seine pädagogische und künstlerische Arbeit erreichte Weltgeltung. 1915 eröffnet er das heute noch bestehende Jaques-Dalcroze-Institut in Genf. Seit 1925 ist Rhythmik ein Studiengang an den Musikhochschulen Deutschlands. 1926 wurde die Internationale Vereinigung der Professoren der Jaques-Dalcroze-Methode gegründet, die 1977 in Federation Internationale des Enseignants de Rythmique (FIER) umbenannt wurde.

Neben Genf gibt es heute noch ein Jaques-Dalcroze-Institut in Brüssel. Außerdem gibt es weltweit etwa 30 Ausbildungsstätten für Rhythmik, die sich zum Teil nach Jaques-Dalcroze nennen.

Emile Jaques-Dalcroze vertraute auf die Wechselbeziehung der musikalischen, körperlichen und emotionalen Erfahrung, die seine Arbeitsweise hervorrief. Die menschliche Ausdruckskraft sollte zum Vorschein kommen. Über vielfältigste Übungen und die Improvisation wirkte sich die Rhythmik auf die musikalisch-künstlerische und die musikinterpretatorische Arbeit durch eine bewegte Darstellung aus. Er stellte fest, dass die Rhythmik eine positive Wirkung in pädagogischen Prozessen und im sozialen Lernfeld zeigte.

[...]


[1] Emile Jaques-Dalcroze: Rhythmus, Musik und Erziehung. Georg Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel. S.75

[2] Emile Jaques-Dalcroze (1944)

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638003247
ISBN (Buch)
9783638911276
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85257
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
Emile Jaques-Dalcroze Hellerauer Schule

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