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Kennzeichen gelingender Partnerschaften

Kompetenzen im Familiensystem

Hausarbeit 2002 25 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Kennzeichen gelingender Partnerschaften

2. Determinanten zwischenmenschlicher Anziehung
2.1 Austausch- und Markttheorien
2.2 Die Equitytheorie
2.3 Die Homogamieposition
2.3 Die Heterogamieposition
2.4 Die psychoanalytische Konzeption

3. Stadien der Beziehungsentwicklung: Merkmale gelingender Partnerschaften
3.1 Der Partnerschaftsverlauf
3.2 Kennzeichen gelingender und misslingender Partnerschaften
3.3 Kommunikationsmuster in Partnerschaften
3.4 Bewältigung von Entwicklungsaufgaben in der Partnerschaft

4. Diskussion

5. Resümee

6. Literatur

1. Kennzeichen gelingender Partnerschaften

Enge Beziehungen gehören zu den wichtigsten Anliegen der meisten Personen und nach wie vor wird die Lebenswelt der Familie für die Mehrheit der Befragten als das Bedeutendste überhaupt eingeschätzt (KLEIN 1991, zit. nach OLBRICH & BRÜDERL 1995). Statistisch gesehen wird jedoch jede dritte Ehe in der Bundesrepublik irgendwann einmal geschieden, durchschnittlich nach sechs Jahren. Die Daten aus den USA zeigen sogar eine Rate von nahezu 50% (WILLI 1991). Wie WILLI (1991) ausführt, zählen Scheidungen zu den wichtigsten psychosozialen Gesundheitsrisiken: Geschiedene zeigen eine wesentlich größere Anfälligkeit für Alkoholismus und anderen Suchtkrankheiten, es besteht ein gesteigertes Suizidrisiko, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Unfällen und fast aller übrigen psychischen und körperlichen Krankheiten ist ebenfalls erhöht (HU & GOLDMAN 1990, zit. nach WILLI 1991)

Allgemein wird angenommen, dass die Ehen früher ihren Zusammenhalt primär aus religiösen und sozialen Zwängen und durch die finanzielle Abhängigkeit der Frau begründeten. Die monetären Sachzwänge sind heute durch die Berufstätigkeit von Frauen zumindest in westlichen Kulturen nicht mehr in einer solchen Härte gegeben, und auch die Selbstbestimmung bezüglich der Empfängnis von Kindern reduzieren den äußeren Druck auf die Frau, welche zuvor eine Ehe nahezu zementierten. Sozialwissenschaftler meinen daher, emotionale Abhängigkeit werde zunehmend zum einzigen Band, welches Beziehungen festige. Diese emotionale Bindung würde jedoch oft nur unzureichend als stabile Grundlage genügen (HOFFMANN-NOVOTNY 1989, zit. nach WILLI 1991).

Auf dem Hintergrund der steigenden Scheidungsraten und der hiermit verbundenen erheblichen Risiken und Kosten für die betroffenen Partner und deren Kinder ist die Entwicklung von Lösungsstrategien bei Paarproblemen und die Bereitstellung effizienter Präventionsmaßnahmen zur Unterstützung von Partnerschaften wünschenswert. Hilfreich, wenn nicht gar notwendig bei der Entwicklung von Programmen zur Förderung von Paarkompetenzen, ist die Kenntnis der Bedingungen gelingender und glücklicher Partnerschaften. Und so fragt nicht nur WILLI nach diesen entscheidenden Parametern funktionierender Partnerschaften: Was tun glückliche Paare, um sich in ihrer Beziehung als wichtig und wirksam zu erfahren? Gibt es einen verborgenen Bauplan für ein in Liebe gelebtes Leben (WILLI 1991)?

Im Folgenden soll zunächst die Entstehung von Partnerschaften (Ehe wird hierbei lediglich als eine juristische Form von Partnerschaft verstanden) anhand von Partnerwahl- und Attraktionstheorien behandelt werden. Weiter werden die verschiedenen Modelle zur Paarbeziehung besonders unter dem Aspekt der Paarkommunikation erörtert, um schließlich zur Frage zu gelangen, welche Aufgaben glückliche Paare bewältigen und welche Kompetenzen sie entwickeln. Was sind die Kennzeichen gelingender Partnerschaften?

2. Determinanten zwischenmenschlicher Anziehung

Bevor es zu einer Betrachtung der Kennzeichen gelingender Partnerschaften kommt, ist es sinnvoll, sich zu fragen, auf welche Weise Partnerschaften überhaupt entstehen, um möglicherweise einen kausalen Zusammenhang zwischen den beteiligten Persönlichkeitseigenschaften, Verhaltensweisen, oder anderer bedeutsamer Variablen und den jeweilige Partnerschaftsverläufen zu bestimmen. Eine genauere Kenntnis solcher Determinanten erhöht das Verständnis für Paarbeziehungen und kann als erster Ansatzpunkt für die Konstruktion von Interventionsmodellen dienen.

Zwischenmenschliche Anziehung kann und soll im geglückten Fall zu einer lang anhaltenden Liebesbeziehung führen. SAXTON (1968, zit. nach OLBRICH & BRÜDERL 1995) zeigt verschiedene Kategorien der Liebe und der Liebesbeziehung auf. Die romantische Liebe ist demnach durch eine deutliche Idealisierung des Anderen und einer hohen Emotionalisierung gekennzeichnet; starke Phantasien laufen hier darauf hinaus, sich mit seinem Partner in eine Idealwelt zurückzuziehen.

Ein starkes Bedürfnis nach genitalem Kontakt, das Gefühl der Zärtlichkeit und des ästhetischen Gefallenfindens für den Anderen kennzeichnet die sexuelle Liebe. Die Liebe der Gemeinsamkeit empfindet nach SAXTON (1968, zit. nach OLBRICH & BRÜDERL 1995) Freude an gemeinsamen Unternehmungen und gegenseitiger Aufmerksamkeit.

Als eine selten erreichte Idealform kann die altruistische Liebe angesehen werden. Das Wohlergehen des Anderen, die Sorge für den Partner als Befriedigung des Liebenden, steht im Zentrum der altruistischen Liebe.

Für alle Ansätze der Erklärung von Partnerwahl gilt jedoch zunächst ganz nüchtern, dass räumliche Nähe eine notwendige Voraussetzung der Partnerschaftsbildung ist. Mit dem Begriff der Endogamie wird in diesem Zusammenhang der Sachverhalt beschrieben, dass es durch gleiche Umgebung und Interessen oft zu Paarbildungen zwischen Partnern kommt, die sich in ihren soziodemographischen Merkmalen ähneln (KATZ & HILL 1958, zit. OLBRICH & BRÜDERL 1995).

Über die spezifischen Bedingungen gegenseitiger Attraktion im einzelnen und den jeweiligen Verlauf einer Beziehung existieren unterschiedliche Ansätze. Die Autoren der Partnerwahlforschung betonen und gewichten unterschiedliche Mechanismen der gegenseitigen Anziehung.

2.1 Austausch- und Markttheorien

Austausch- und Markttheorien beschreiben Partnerwahlstrategien, in denen jedes Individuum einen Partner anstrebt, der über ein Maximum an physischer Attraktivität, sozialem Status, finanziellen Ressourcen und anderen für die Paarbeziehung positiven Aspekten - wie etwa liebevollem Verhalten - verfügt. CENTERS (1975) stellt in seinem Modell Interaktionen als instrumentell für die Bedürfnisbefriedigung hin. Dem Instrumentalitätsmodell folgend, nützt ein Partner dem anderen, um seine sexuellen Bedürfnisse, seine Bedürfnisse nach Intimität und Geselligkeit, nach Aufrechterhaltung seiner Geschlechtsrollenidentität, aber auch nach sozialer Sicherheit sowie Selbstwert möglichst umfassend zu befriedigen. Geht man von geschlechtsspezifischen Bedürfnissen und Rollen aus, so würde nach diesem Modell auf eine ”natürliche“ Art und Weise eine Komplementarität im Sinne maximaler Bedürfnisbefriedigung folgen (CENTERS 1975 zit. nach OLBRICH & BRÜDERL 1995). Bedürfnisse sind dann komplementär, wenn eine Person durch das Ausleben ihres Bedürfnisses zugleich ein Bedürfnis des Partners befriedigen kann.

Von den Vertretern der Austausch- und Markttheorien wird die Existenz geschlechtsspezifisch differenzierender Partnerwahlstrategien postuliert und evolutionstheoretisch erklärt. Einer solchen Erklärung würde z.B. auch die Tatsache entsprechen, dass kulturübergreifend die körperliche Attraktivität der Frau bei der Partnerwahl von größerer Relevanz ist als die des Mannes (BUSS 1989 zit. nach SCHNEEWIND, GRAF & GERHARD 1999). Physische Attraktivität der Frau würde demnach mit Jugendlichkeit, diese wiederum mit Gesundheit und aus ihr folgender Fruchtbarkeit gleichgesetzt.

2.2 Die Equitytheorie

Die Vertreter der Equitytheorie nehmen die Grundannahmen der Austausch- und Markttheoretiker auf und präzisieren sie zur einer mechanistischen Theorie. Betont wird das Streben beider Partner nach einem Gleichgewicht in ihren relevanten Interaktionen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Kosten und Nutzen wird als entscheidend für die Paarzufriedenheit angesehen. Ein Ungleichgewicht kann der Equitytheorie zufolge zu Schuldgefühlen beim Empfänger, ungleich übermäßiger Zuwendung und zu Ärger bei dem Partner, dessen Aufwendungen überwogen, führen (ASENDORPF & BANSE 2000).

2.3 Die Homogamieposition

”Gleich und gleich gesellt sich gern” ist das alltagspsychologisch ausgedrückte Äquivalent der Homogamieposition. Dem Merkmal der Ähnlichkeit zweier Partner kommt hier eine herausragende Stellung bei Partnerwahlprozessen zu. Vertreter dieser Position können eine überzufällige Ähnlichkeit bzgl. Persönlichkeitsmerkmalen bei Paaren aufzeigen. Besonders Einstellungen und Wertorientierungen weisen im Schnitt bei Partnerschaften eine höhere Ähnlichkeit auf (MURSTEIN 1968 zit. OLBRICH & BRÜDERL 1995). Wert-Konsens wird demnach als belohnend erlebt, denn mit einem Minimum an Spannung ist gegenseitiges Verstehen möglich.

Unterschiedliche Disziplinen bieten zur Homogamieposition jeweils eigene Erklärungsansätze an: - Die soziobiologische Perspektive betont die Identifikation und Auswahl der Partner nach genetischer Ähnlichkeit, um die Wahrscheinlichkeit des Fortbestandes der eigenen Gene zu maximieren.
- Die psychologische Sicht merkt an, dass Ähnlichkeit sehr stark mit Sympathie verknüpft ist, was besonders im Anfangsstadium einer Beziehung von großer Bedeutung ist.

2.3 Die Heterogamieposition

Im Gegensatz zu den zuvor genannten Positionen kann alltagspsychologisch der Wahlspruch ”Gegensätze ziehen sich an“ als grobe Umschreibung der Heterogamieposition verwendet werden. Die Heterogamieposition stellt die Komplementarität von Bedürfnissen in das Zentrum der Erklärung von Partnerwahl. In Abgrenzung zur Komplementarität der Austausch- und Markttheorien wird bei der Heterogamieposition der Fokus auf den Aspekt eines möglicherweise erhöhten Bedürfnisses der Befriedigung in besonders der Kategorie, in welcher ein Partner sich selbst als defizitär, sein Gegenüber jedoch als großzügig ausgestattet empfindet (WILLI 1991). Ist z.B. bei einem Partner das Bedürfnis nach Dominanz hoch, bei seinem Gegenüber dieses Bedürfnis niedrig, vielmehr der Wunsch nach Unterordnung und Anlehnung vorhanden, dann wäre aufgrund der spezifischen Ausprägung dieser Persönlichkeitseigenschaften von einer gegenseitigen Attraktion auszugehen.

2.4 Die psychoanalytische Konzeption

Die psychoanalytische Konzeption nimmt eine andere Perspektive zur Paarbildung ein. Sie geht von einer passiven ”Vorherbestimmung“ der Partnerwahl aus, die aber im Verlauf zunehmend einer aktiven Bearbeitung bedarf. Die vereinfachte Grundaussage der Psychoanalyse besagt, dass Partnerwahl eine Verlagerung libidinöser Besetzungen vom gegengeschlechtlichen Elternteil auf eine der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater ähnliche Person bedeutet (FLÜGEL 1950 zit. OLBRICH & BRÜDERL 1995). Dies könnte man z.B. so verstehen, dass Söhne, die früh im Leben ihrer Mütter geboren wurden, also die Mutter als junge Frau erlebt haben, auch eher jüngere Frauen bevorzugen (COMMINS 1932 zit. nach OLBRICH & BRÜDERL 1995). Dem psychoanalytischen Grundgedanken entsprechend, würde also auch die Partnerwahl aus unbewussten Motivationen erfolgen oder ist zumindest erheblich von diesen beeinflusst.

Lässt man alle hier skizzierten Ansätze und Theorien zur Partnerwahl - ungeachtet ihrer teils widersprüchlichen Aussagen - als jede für sich in ihrer Plausibilität gleichberechtigt nebeneinander bestehen, so kann man einen ersten Überblick über Wirkfaktoren oder Bedingungen wachsender Zuneigung erstellen. Es sollten demnach folgende Faktoren, Eigenschaften bzw. Gegebenheiten Einfluss auf eine gegenseitige Attraktion haben:

- physische Attraktivität (Schönheit, Kraft, Gesundheit, Jugendlichkeit ... )
- soziale Attraktivität (Bildungsstand, Beruf, Statussymbole ... )
- Persönlichkeitsattraktivität (Offenheit, Hilfsbereitschaft, Anerkennung anderer ... )
- soziobiologische Faktoren (z.B. Bevorzugung v. Partnern gleicher ethnischer Herkunft)
- Existenz einer ausdifferenzierten Identität mit spez. Bedürfnissen und Qualitäten
- Erwartungen, Befürchtungen u. Wünsche, die sich aus frühkindlichen Erfahrungen ableiten
- Kommunikationsfähigkeit und Informationsverarbeitung im Sinne eines Ausgleichs zwischen einer
angestrebten realitätsadäquaten aber auch bedürfnisorientierten Wahrnehmung der sozialen Umwelt

3. Stadien der Beziehungsentwicklung: Merkmale gelingender Partnerschaften

3.1 Der Partnerschaftsverlauf

Der Verlauf einer partnerschaftlichen Beziehung ist nicht als ein kontinuierliches Nebeneinander zweier Menschen zu verstehen, sondern stellt vielmehr eine andauernde Dynamik oder Entwicklung bis zur festen Paarbindung dar. KLEIN (1991, zit. OLBRICH & BRÜDERL 1995) fasst die Veränderungen, die eine Mehrzahl von Autoren in Stufenmodellen darstellen, zusammen. Nach der ersten relativ kurzen Stufe der gegenseitigen Anziehung, folgt die zweite Stufe der wachsenden Familiarität, auf der sich Partner nicht nur offener zu erkennen geben, sondern ihre gegenseitige Anpassungsbereitschaft prüfen und einen Prozess der Angleichung und Rollenabstimmung beginnen. Erst auf der dritten Stufe, die der Interaktion, erfolgt ein ”alltagstauglicher“ Austausch in der die Paarbeziehung durch die Akzeptanz der gegenseitigen Abhängigkeit gefestigt ist. Unter einer lebenslangen Perspektive betrachtet, lassen sich nach SCHNEEWIND, GRAF & GERHARD (1999) für einen ungebrochenen normativen Entwicklungsverlauf fünf Entwicklungsphasen unterscheiden, denen jeweils spezifische Entwicklungsaufgaben zugeordnet werden können (vgl. Tab.1). SCHNEEWIND et. al (1999) versäumen es nicht darauf hinzuweisen, dass sich im Gefolge einer steigenden gesellschaftlichen Differenzierung, Liberalisierung und Individualisierung eine Reihe von Wandlungsprozessen ergeben haben, die sich etwa in einer geringeren Heiratsneigung, in reduzierten Geburtenraten oder gar in einer stärkeren Egalisierung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern niederschlagen. Diese Wandlungsprozesse äußern sich in unterschiedlichen Varianten nicht-normativer Verläufe wie beispielsweise in sogenannten ”Lebensabschnittspartnerschaften“.

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Details

Seiten
25
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638005807
ISBN (Buch)
9783640347193
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85089
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Psychologie & Pädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Kennzeichen Partnerschaften Kernfachseminar Liebe Trennung Scheidung Partnerschaft Ehe Interaktion Ursache Wirkung

Autor

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Titel: Kennzeichen gelingender Partnerschaften