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Das Tempelbaukonzept des Propheten Haggai

Untersuchung zum Zusammenhang Gott - Volk - Tempel - Im Buche des Propheten Haggai

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 37 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ausgangssituation

2. Analyse zu Haggai
2.1. Einleitungsfragen
2.2. Übersetzung und Textkritik zu Haggai 1,1-15a
2.3. Beobachtungen
2.3.1. Kurze Betrachtung zur Redaktion
2.4. Einzelbetrachtungen
2.4.1. Haggais Ansprechpartner
2.4.2. Haggais Volk und seine Situation
2.4.3. Haggais Interesse an Serubbabel für den Tempelbau
2.4.4. Haggais Motiv und Begründung für den Bau

3. Der Zusammenhang Gott – Volk – Tempel bei Haggai
Exkurs I: Die Stätte, die der Herr, euer Gott, erwählen wird, seinen Namen
dort wohnen zu lassen (Dtn)
Exkurs II: Ez 10,18f; 11,22f und 43,1-
Exkurs III: Jesaja 66,1f

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es war wohl ein sehr umstrittenes Projekt, doch seine Befürworter konnten sich gegen alle Widerstände durchsetzen und bauten den Zweiten Tempel von Jerusalem, mit dessen Vollendung 515 v. Chr. die zweite große Periode der antiken Geschichte Israels als „Zeit des Zweiten Tempels“ begann[1], die erst im Jahre 70 mit der Zerstörung des durch Herodes umfassend erweiterten Tempelareals, auch Dritter oder Herodianischer Tempel genannt, endete. In einer Zeit, da das Volk nicht mehr zusammen im Lande lebt, sondern die Diaspora in der bekannten Welt beginnt, bildet er den Orientierungspunkt der zerstreuten Gemeinde Israel. Zahlreiche Texte des Alten Testaments drücken diese Bedeutung aus, wie zum Beispiel die Wallfahrtspsalmen (Ps 120-134). Bis in die Zeit des Neuen Testaments bleibt er der religiöse Mittelpunkt und Wallfahrtsort der zerstreuten jüdischen Gemeinde. Im Gegensatz zum salomonischen Tempel, der wie eine Art „Hauskirche“ der israelischen und später judäischen Könige war, die diesen verwalteten und den Kult bestimmten[2], wurde der Zweite Tempel von Jerusalem zum Mittelpunkt der sich nun bildenden Gemeinde. Man kann wohl mit Recht sagen, dass Haggai, von dem uns so wenig überliefert wird, entscheidend für die Aufnahme der Baumaßnahmen gewirkt hat. Seine wenigen Worte hatten eine ungeheure Durchschlagskraft, die eine schwache Volksgruppe und deren politischen Anführer zu diesem, in ihrer wirtschaftlich schweren Zeit, großen Projekt motivierte. Exegetisch näher betrachtet wird dabei Hag 1,1-15a, da in diesem Abschnitt besonders gut die Intention des Propheten sichtbar wird. Des weiteren soll aber auch das ganze Buch Haggai in den Blick genommen werden, da manche Besonderheiten dieses Propheten und seiner Botschaft nur so richtig beleuchtet werden können. Leitende Fragen sind dabei: Welche Rolle hat der Tempel? Wer ist Haggai? Was will er? Welches Ziel verfolgt er? Welche Bedeutung hat der Bau des Jerusalemer Tempels für ihn? Welche Rolle hat das Volk und welche hat JHWH? Besteht ein Zusammenhang zwischen Tempel, Volk und JHWH? Exkurse zum Deuteronomium, zu Ezechiel 10f. und 43 sowie zu Jesaja 66,1f. werden zum einen ähnliche, zum anderen divergierende Meinungen zu Haggai aufzeigen, aber auch die Besonderheit der Botschaft, des Anliegens und der Durchschlagskraft des „kleinen“ Propheten herausstellen.

Mitunter werden in einzelnen Abschnitten Seitenblicke in die Umwelt des Alten Testamentes helfen, das Problem zu beleuchten, warum den Autoren der frühnachexilischen Zeit gerade der Bau des Tempels so wichtig war und dass das Verhalten des nachexilischen Volkes geradezu ungewöhnlich war.

Manche Dinge können leider nicht so ausführlich beleuchtet werden, da sie durchaus Themen eigener Arbeiten sein könnten oder aber über den Rahmen dieser Arbeit hinausgingen.

1. Ausgangssituation

Mit der Eroberung Judas und der Zerstörung Jerusalems samt Tempel 587 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar ging das Südreich zu Ende. Eine systematische Umformung zu einer babylonischen Provinz erfolgte hingegen nicht; Belege im Alten Testament, in der altorientalischen Umwelt und aus der Archäologie fehlen. Das Land selber wurde wohl weniger stark zerstört, als es die biblischen Berichte beschreiben. Die Gebiete nördlich Jerusalems blieben weitgehend verschont. Wie vormals die Assyrer deportierten auch die Babylonier Teile der Bevölkerung. Der Gesamtanteil der Bevölkerung, die deportiert wurde, wird auf 20 Prozent geschätzt. Angesiedelt wurden die Deportierten sämtlich in Babylonien. Die entvölkerten Gebiete wurden den Daheimgebliebenen überlassen. Auch Jerusalem war weiterhin bewohnt; es gab sogar eine Oberschicht, die sich Luxuswaren leisten konnte. Als die Exilierten zurückkamen, fanden sie also keine reine Ruinenstadt vor. Zwischen den Ansässigen und den Rückkehrern kam es in der Folgezeit zu Spannungen (Ez 11,15; 33,24)[3].

539 v. Chr. eroberte der Perserkönig Kyros[4] II. Babylon. Allgemein wird mit diesem Datum auch das Ende des Exils bestimmt. Das Für und Wider der Richtigkeit dieser Aussage soll hier nicht diskutiert werden, aber es ist festzuhalten, dass sicher nicht alle der Exilierten zurückkehrten, einige hatten es in der Verbannung zu Wohlstand gebracht (Sach 6,10f; Esr 2,69; 8,25ff). Ob Palästina unter den Persern schon so früh zur Provinz Jehud umgeformt wurde, wie es die biblischen Berichte schildern, ist teils heftig umstritten und kann hier nicht genügend diskutiert werden. Politisch war Palästina zunächst eine bedeutungslose Provinz an der Reichsgrenze, die erst strategisch wichtig wurde, als Kambyses (530-522 v. Chr.) gegen Ägypten zog. Schon Kyros machte Maßnahmen des letzten babylonischen Herrschers Nabonid rückgängig und rekultivierte Tempel und Städte an strategisch wichtigen Orten und er unterstützte autochthone Kulte.[5] Auf die Relevanz dieses Aspektes wird später noch hinzuweisen sein. So wird angenommen, dass erst unter Darius I. um 520 v. Chr. begonnen wurde, neue Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen zu schaffen. Dies ist für diese Arbeit dahingehend interessant, weil der Beginn des Tempelbaus in Jerusalem in der Forschung meist um 520 v. Chr. bestimmt wird. Bis 450 v. Chr. blieb die Gegend nach archäologischem Befund spärlich besiedelt.

Palästina gehörte zur Erbmasse des neubabylonischen Reiches und war Teil der davon generierten Großsatrapie „Babylonien und Transeuphratene“, in der es Provinzen mit Gouverneuren und Vasallenkönigtümer gab. Zu welcher politischen Form Juda in der frühen Perserzeit gehörte wird in der Forschung diskutiert (s. o.), jedoch scheint die Tendenz zur ersten Variante zu gehen, wofür auch die biblischen Belege sprechen (Esr 5,14; Hag 1,1.14; 2,2.21). Die Wirtschaft basierte vornehmlich auf Landwirtschaft, die jedoch gerade einmal die eigene Bevölkerung ernährte, sodass die Provinz recht ärmlich war.

Mit Serubbabel, einem Davididen, und Josua, einem Nachfahren Serajas, des letzten Oberpriester Jeusalems (2 Kön 25,18; 1 Chr 5,40), werden, nach Esra und Haggai, die zwei Spitzenämter mit zwei aus dem Exil zurückgekehrten besetzt, die zudem in direkter Nachkommenschaft der geistlichen und politischen Führung des vorexilischen Südreiches standen. Die Propheten Haggai und Sacharja werden in den Rückkehrerlisten nicht erwähnt, so dass davon ausgegangen wird, dass sie nicht in der Verbannung lebten.

Damit sind die Bedingungen Judas, wie sie für diese Arbeit relevant sind, knapp umrissen. Die aus dem babylonischen Exil zurückgekehrten fanden eine bewohnte Stadt vor, in der der Tempel aber noch nicht stand. Die Rückkehrer trafen auf die Zurückgelassenen. Wirtschaftlich handelte es sich um keine blühende Landschaft. Ein struktureller Aufbau setzte erst um 520 v. Chr. ein.

2. Analyse zu Haggai

2.1. Einleitungsfragen

Der Name „Haggai“ taucht neunmal in der gleichnamigen Schrift und zweimal in Esr 5,1 und 6,14 auf; auch dort im Zusammenhang mit dem Bau des Zweiten Tempels von Jerusalem. In der Umwelt des Alten Testaments ist der Name sehr beliebt, was zahlreiche hebräische Siegel, besonders aber aramäische Quellen belegen.[6] Von der Rückkehr der Exulanten sagt unser Haggai nichts. Über seine Herkunft und sein Alter ist nichts bekannt. Möglicherweise gehört er zu den über siebzigjährigen in Hag 2,3. Einen Bezug zum Exil hat er nicht. Sein zentrales Thema ist der Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels und die mit der Fertigstellung des Tempels verbundene Heilszusage (1,4b.8f.; 2,15; 2,3.7.9). Mit der Vehemenz, die er zeigt, kann er durchaus als Eiferer für dieses Projekt bezeichnet werden. Die Jerusalemer leben bereits in ihren getäfelten Häusern (1,4), was darauf schließen lässt, dass seit der ersten Rückkehrerwelle bereits einige Zeit vergangen ist. Nach der Chronologie der Rahmung in 1,1.15; 2,1.10, die in Sach 1,1 weitergeführt wird und die beiden Bücher miteinander verbindet, enthält die kurze Schrift Sprüche aus vier Monaten und lassen auf ein Auftreten des Propheten ins Jahr 520 v. Chr. schließen. Wie lange er den Tempelbau begleitete ist unklar. Im Bericht der Tempelweihe in Esr 6,15ff wird er, wie auch Sacharja und Serubbabel, nicht erwähnt. Haggai, wie auch Sacharja 1-8, wissen nichts über die Fertigstellung des Tempels zu sagen. Ob zu diesem Zeitpunkt das Buch Haggai bereits abgeschlossen ist, bleibt zu untersuchen.

Hellenistische Einflüsse sind im Buch Haggai nicht zu finden, wohl aber finden sich Aramaismen (2,12 !H). Die Themen Widerstand gegen den Tempelbau und die Aufnahme des Baus lassen auf einen Grundbestand des Textes vor 515 v. Chr. schließen. Wann die redaktionelle Endgestaltung fertig war, muss die Exegese zeigen.

Die früheste Wirkungsgeschichte ist in Esr 5f dokumentiert. Hier wird er gemeinsam mit Sacharja als Promotor des Tempelbaus genannt.[7]

2.2. Übersetzung und Textkritik zu Haggai 1,1-15a

Im zweiten Jahr des Königs Darius, im sechsten Monat, am ersten[8] Tag des Monats, geschah das Wort des Herrn durch die Hand[9] des Propheten Haggai[10] zu Serubbabel, dem Sohn Schealtiels, Statthalter[11] von Juda und zu Josua, dem Sohn Jozadaks, dem Hohepriester, folgendermaßen: (2) So hat der Herr Zebaoth gesprochen [folgendermaßen]: Dieses Volk spricht[12]: Es ist (noch) nicht die Zeit gekommen[13], die Zeit das Haus des Herrn wieder aufzubauen. (3) Und es geschah das Wort des Herrn durch die Hand[14] des Propheten Haggai folgendermaßen: (4) Ist für euch[15] die Zeit zu sitzen in euren getäfelten Häusern und dieses Haus ist zerstört? (5) Und nun, so hat der der Herr Zebaoth gesprochen: Richtet euer Herz auf eure Wege. (6) Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht, ihr esst, aber es ist kein Sattwerden[16], ihr trinkt, aber werdet nicht trunken[17], ihr kleidet euch, aber keinem wird warm[18] und wer sich um Lohn verdingt, empfängt ihn in einem löchrigen Beutel. (7) So hat der Herr Zebaoth gesprochen: Richtet euer Herz auf eure Wege. (8) Steigt hinauf auf den Berg und bringt[19] Holz und baut das Haus und ich werde gefallen an ihm haben und ich werde es wert achten[20], hat der Herr gesprochen. (9) Erwartungsvoll schaut ihr nach viel und siehe: (es war) wenig[21]. Und brachtet ihr es nach Hause, so blies ich hinein. Weswegen? - Spruch des Herrn Zebaoth. Wegen meines Hauses, das[22] zerstört ist und ihr lauft jeder für sein eigenes Haus. (10) Darum haben die Himmel den Tau über euch[23] zurückgehalten und das Land hat seinen Ertrag zurückgehalten. (11) Ich habe eine Dürre gerufen über das Land und über die Berge und über das Getreide und über das frische Öl und über das[24], was die Erde hervorbringt und über Menschen und Vieh und über alle Arbeit der Hände. (12) Und es hörte Serubbabel, der Sohn Schealtiels[25] und Josua, der Sohn Jozadaks, der Hohepriester und der ganze Rest des Volkes auf die Stimme des Herrn, ihres Gottes, nämlich[26] die Worte Haggais, des Propheten, wie der Herr, ihr Gott[27] ihn gesandt hatte. Und das Volk fürchtete sich vor dem Herrn. (13) Und Haggai, der Bote des Herrn sprach im Auftrag des Herrn zum Volk folgendermaßen: Ich bin bei euch. Spruch des Herrn. (14) Und der Herr erweckte den Geist Serubbabels des Sohnes Schealtiels, dem Statthalter von Juda und den Geist Josuas, des Sohnes Jozadaks, der Hohepriester und den Geist des ganzen Restes des Volkes und sie kamen und machten sich an die Arbeit am Hause des Herrn Zebaoth, ihres Gottes, (15a) am vierundzwanzigsten Tag des sechsten Monats.[28]

2.3. Beobachtungen

Zunächst fällt am behandelten Text auf, was für die ganze Schrift gilt. Sie besteht aus narrativen Texten (1,1.12.14-2,1.10) und prophetischen Worten. Hauptgliederungspunkte sind die Datumsangaben, die die Prophetenreden rahmen und innerhalb der Prophetenrede finden sich die Strukturmerkmale der Formel „So spricht der Herr Zebaoth“ und „Spruch des Herrn“.

Kapitel 1 besteht aus zwei großen Teilen: die mit V1 eingeleitete Prophetenrede und die Reaktion in den Versen 12-14. Eingeschaltet ist 1,3, der sich sprachlich und stilistisch an 1,1 anlehnt.

1,1.15-2,1.10 (18.20)[29] enthalten dabei chronologische Angaben, die zeigen wollen, dass das Auftreten des Propheten in die zweite Hälfte des Jahres 520 v. Chr. zu datieren sei.[30] Dies wird durch Hag 1,6.9 gestützt, wonach die Ernte nach einer Dürre mäßig bis schlecht ausgefallen sein muss. Der chronologische Rahmen wird in der Forschung dem Redaktor zugeschrieben. Dies bedarf in sofern keiner weiteren Diskussion, da er sich inhaltlich und sprachlich vom Prophetenwort abhebt. Es liegt nahe, dass er mit der Verschriftlichung der Botschaft Haggais, nach dessen Auftreten oder Tod zur zeitlichen Einordnung angefügt wurde.[31]

1,1b führt Haggai, über dessen Herkunft nichts sicher zu sagen ist (siehe 2.1.), wohl aber in die Nähe von P zu stellen ist (s. u.), als Propheten (so auch 1,3.12; 2,1.10 vgl. Esr 5,1; 6,14) ein, der mit der Formulierung „durch die Hand“ (vgl. 1,3; 2,1) als Mittler des Wortes des Herrn gekennzeichnet wird, was mit der häufigen Wortereignisformel „es geschah das Wort des Herrn“ (1,1.3; 2,1.10) ausgedrückt wird. So autorisiert ist er berechtigt, sich an die beiden Führungspersonen zu wenden. Im Folgenden werden die so vom Propheten Angeredeten benannt, zunächst Serubbabel, der Statthalter. Er wird hier als Sohn Schealtiels eingeführt.[32] Mit ihm wird das politische Spitzenamt des Statthalters der Provinz Juda[33] mit einem Davididen besetzt. Dies ist sicher hochbrisant. Zum einen ist es von den Persern taktisch äußerst klug, den Judäern nicht einen Perser vorzusetzen, zum anderen hat es ein psychologisches Moment, dass ihnen nicht nur einer der ihren vorsteht, sondern dass es auch noch ein Davidide ist. Dies mag zu großen Ideen geführt haben; bis hin zur Hoffnung zur Restitution des Königtums. Besonders wichtig war es aber auch in der Anfangszeit, da Streitigkeiten um Besitzstände zwischen Rückkehrern und Zurückgelassenen geschlichtet werden mussten, dass jemand eingesetzt wurde, der wegen seiner Herkunft ein gewisses Ansehen hatte.[34] Als dritte und letzte Person wird Josua eingeführt.[35]

[...]


[1] I. Willi-Plein, Warum mußte der Zweite Tempel gebaut werden?, in: Beate Ego (Hg.)Gemeinde ohne Tempel, WUNT 118 (1999), 70.

[2] H. D. Preuß, Theologie des Alten Testaments, Bd. 2, 59.

[3] Ich beziehe mich hier auf J. C. Gertz, Grundinformation, 144-161.

[4] Die Datierungen dieser Arbeit folgen stets J. C. Gertz, Grundinformation, 530.

[5] A. a. O. 145.

[6] H. W. Wolff, Haggai, 21.

[7] J. C. Gertz, Grundinformation, 394f.

[8] Im hebräischen Text wird nicht die mögliche Ordinalzahl verwendet. Warum dies so ist kann nicht geklärt werden. Diese Variante ist aber nicht singulär im Alten Testament (vgl. Gen 1,5).

[9] Dyb wird häufig für den individuellen Vermittler gebraucht, der eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat (vgl. P. Ackroyd in: ThWAT 3, 438). Hierzu gibt es sehr viele Vergleichsstellen im Alten Testament. Haggai vermittelt das Gotteswort, dessen Empfänger deutlich durch la vom Mittler abgegrenzt wird (vgl. H. W. Wolff, Haggai 13, Anm. 1a).

[10] LXX ergänzt le,gwn Eiv/pon, was eine Angleichung an 2,1f und 2,20f darstellt. Der kürzere Text wird als der ursprünglichere angenommen und beibehalten.

[11] hxp kann sich syntaktisch sowohl auf Serubbabel als auch auf Schealtiel beziehen. Hag 2,2, besonders aber 2,21 machen deutlich, dass sich der Titel hier auf Serubbabel bezieht. Vergleichsstellen bei Esra, Neh, Sach, Mt und Lk nennen den Titel nicht. Genaueres muss die Exegese klären. LXX betont zudem die Herkunft Serubbabels evk fulh/j Iouda (1,14; 2,2.21), was sich vermutlich an 1 Chr 2,3ff und 3,17ff anlehnt. Der hebräische Text erweist sich als der Kürzere als ursprünglicher. Ob die Bezeichnung Statthalter historisch korrekt ist, wird in der Forschung heftig diskutiert. Jene, die Juda zu jener Zeit noch für einen Teil der von den Babyloniern geschaffenen Provinz Samaria halten, bevorzugen Termini wie Repatriierungskommissar oder Kommissar. Für diese Arbeit ist diese Diskussion dahingehend unerheblich, da sich an seiner Sicht auf Serubbabel nichts ändern würde.

[12] Vgl. G/K 106g.

[13] Der inf. abs. kann für jede finite Verbform stehen (GK § 113 y). LXX und Peschitta wandeln dementsprechend in die 3. Person Sg. um.

[14] Siehe Anm. 9.

[15] ~xl: Verstärkung des Suffixes durch das Personalpronomen G/K 135g.

[16] Inf. fem. (vgl. Bauer-Leander § 43d).

[17] Inf. fem. (vgl. Bauer-Leander § 43d); rkf ist hier nicht im Sinne von Betrunken-Sein zu verstehen, sondern als nicht durststillend.

[18] „Al weist als praep. mit unbestimmtem Pronomen auf >>irgendeinen<< hin...“ (H. W. Wolff, Dodekapropheton 6, Haggai, 14).

[19] LXX gibt hier kai. ko,yate (und schlagt) wieder, da vermutlich ~tarbw gelesen wurde.

[20] Die Übersetzung der Wurzel dbk erweist sich als schwierig. Sie ist hier wohl im Sinne von verherrlichen zu verstehen. dbk im Niphal mit JHWH zum Subjekt tritt auf, wenn er sich geschichtsmächtig erweist; seine Tat steht im Vordergrund (vgl. Ex 14,4.18; Lev 10,3; Ez 28,22). Für die JHWH-Treuen wird der Mächtigkeitserweis JHWH's zur Freude (Jes 66,5). Vgl. P. Stenmans, ThWAT IV, 21. Qere will hier den Kohortativ lesen. Dies ist unnötig, da der Unterschied hier zum Imperfekt fließend ist. Zudem ist der Kontext durch das Imperfekt bestimmt.

[21] LXX ergänzt zum besseren Verständnis kai. evge,neto, so auch Peschitta und Targum.

[22] Awh setzt den rfa-Satz in betonte Beziehung zu ytyb.

[23] LXX hat keine Entsprechung zu ~kyl[. Es ist aber unnötig es als Dittographie von !k-l[ anzusehen. Die Übersetzung „um euretwillen“ ist auch möglich. Beide Übersetzungen fügen sich gut in den Kontext.

[24] Viele Handschriften und Übersetzungen ergänzen -lk-. Eine Argumentation erweist sich als schwierig. Die Aufnahme würde die Satzreihe vorzeitig gipfeln (H. W. Wolff, Haggai, 15). Der Text wird hier nicht geändert.

[25] Hier und in 1,14 sowie 2,2 erscheint die Kurzform des Namens: Schaltiel. Ich mache dies in der Übersetzung nicht eigens deutlich.

[26] GK § 154, Anm. 1b.

[27] LXX liest hier pro,j auvtou,j, also ~h,ylea}. Einige Handschriften fügen dieses Wort noch hinzu. Der Plural des Suffixes ist durch das mehrgliedrige Subjekt zu erklären. Der hebräische Text ist nicht zu ändern.

[28] V15b gehört sachlich und syntaktisch zu 2,1 (vgl. Hag 1,1).

[29] 1,1a und 1,15b-2,1 sowie 2,10 gleichen sich im Aufbau, wobei die Jahresangabe in 2,10 nachgestellt ist. Sie sind dreigliedrig. Zweigliedrige Angaben finden sich in 2,18.20 und verzichten auf die Nennung des Jahres, weil sie dieses aus den vorherigen Angaben voraussetzen. Genaue Datierungen finden sich innerhalb der Prophetie auch bei Sach 1,7;7,1 und gehäuft bei Ez (hier oft mit Wortereignisformel), also erst in exilisch-nachexilischer Zeit. Eigentümlich für Haggai ist bei dieser Betrachtung, dass von ihm immer in der 3. Person Sg. die Rede ist. Es gibt von ihm keine Ich-Berichte.

[30] Maßgabe der Datierung ist nun freilich kein israelischer oder judäischer Herrscher (Jes 1,1; Jer 1,1-3 u. ö.; Hos 1,1; Am 1,1; Mi 1,1; Zef 1,1) mehr, sondern der persische „König“, hier Darius I Hystaspis (522-486 v. Chr.), der nicht eigens als König von Persien vorgestellt wird, da politisch zu jener Zeit nur jener in Betracht kam. Vgl. Ausgangssituation: Ägypten war bereits durch Kambyses unterworfen.

[31] Das hier so genau datiert wird, ist nicht einfach ein zeitliches Phänomen. Das Auftreten des Propheten, seine unmittelbare Wirkung und der Beginn des Tempelbaus sind hier als Ursache zu nennen.

[32] Dies deckt sich nicht mit 1 Chr 3,17-19, wo er ein Sohn Pedajas ist. In beiden Fällen ist er ein Enkel des 597 deportierten Königs Jojachin, also ein Davidide. Die Darstellung in Esr 2,2 lässt ihn als Anführer der Rückkehrer erscheinen.

[33] Ob Juda um 520 v. Chr. eine eigenständige Provinz war oder Teil der Provinz Samaria kann hier nicht eigens diskutiert werden. Die Tatsache, dass Serubbabel nur bei Haggai und in den Titel des Statthalters trägt reicht m. E. nicht aus, um die Historizität dieser Aussage in Frage zu stellen. Haggai stellt im atl. Kanon die älteste frühnachexilische Schrift dar und wird den Sachverhalt darum am authentischsten darstellen.

[34] Vgl. K.-M. Beyse, Serubbabel, 32.

[35] Nach 2 Kön 25,18 und 1 Chr 5,40 ist er direkter Nachfahre des letzten Oberpriesters Jerusalems, ein Levit. Er wird mit dem Titel des Hohepriester versehen, der hier erstmals titular gebraucht wird. Warum man nicht mehr die Bezeichnung Oberpriester verwendet und ob Hohepriester noch etwas anderes meint, bleibt zu klären. Da die Titularbezeichnungen aber in den Rahmenstücken erscheinen, also dem Chronisten zuzuschreiben sind, ist die Annahme erlaubt, dass die Bezeichnung Josuas als Hohepriester aus eben jener Zeit stammt, in der Serubbabel nicht mehr da war, die Hoffnung auf die Wiederherstellung des Königtums also hinfällig war. Da der erste Tempel von Jerusalem der Tempel des Königs war, brauchte es nun jemanden, der diesen Platz im Tempeldienst einnahm. Mit der Veränderung der Stellung des Oberpriesters, gibt es auch einen neuen Titel. (Dies ist nur eine sehr vorsichtig geäußerte Hypothese, die einer genauen Untersuchung bedarf! Anders z. B. W. Rudolph, der davon ausgeht, dass der Grund für die Umbenennung unbekannt ist (Haggai, 31).). In Hag 2,21-23 taucht sein Name nicht auf. Er nimmt in Hag keine eigene Rolle wahr, wie Serubbabel und das Volk. Vielleicht kann man daraus schließen, dass die endgültige Bearbeitung in eine Zeit fällt, da Serubbabel von der Bildfläche verschwunden ist, Haggais Hoffnungen sich nicht erfüllt haben und Josua den Dienst am Tempel innehat. Zur Problematik seiner Einordnung ins Buch Haggai s. u.

Details

Seiten
37
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638008891
ISBN (Buch)
9783638914499
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85067
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Tempelbaukonzept Propheten Haggai Sacharja

Autor

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