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Unterrichtseinheit: Judo – Festigung der Wurf- und Haltegrifftechniken und Einführung des Bodensterns als Verbindungselement der Bodenelementen

Unterrichtsentwurf 2002 23 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Unterrichtsvoraussetzungen
1.1 Lernvoraussetzungen und Sozialstruktur der Lerngruppe
1.2 Inhaltliche Voraussetzungen und Stellung der Lehrprobenstunde innerhalb der Unterrichtsreihe
1.3 Institutionelle, räumliche und organisatorische Bedingungen
1.3.1 Institutionelle Bedingungen
1.3.2 Räumliche Bedingungen
1.3.3 Organisatorische Bedingungen

2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
2.1 Didaktische Begründung
2.2 Struktur des Inhalts
2.2.1 Kesa-Gatame ( Schärpenschlüssel )
2.2.2 Kami-Shiho-Gatame ( Oberer Viererschlüssel )
2.2.3 Yoko-Shiho-Gatame ( Seitlicher Viererschlüssel )
2.2.4 Tate-Shiho-Gatame ( Reitviererschlüssel )
2.2.5 Haltegriffverbindung Bodenstern
2.3 Didaktische Reduktion
2.4 Zu erwartende Schwierigkeiten und deren Korrektur Korrektur / Hilfe / Tipps
2.5 Lernziele
2.5.1 Stundenziele
2.5.2 Psychomotorische Lernziele
2.5.3 Kognitive Lernziele
2.5.4 Affektive Lernziele

3 Methodische Überlegungen und Entscheidungen
3.1 Methodisches Konzept
3.2 Methodische Sequenzen
3.2.1 Aufwärmphase
3.2.2 Übungsphase mit beginnender kognitiver Phase
3.2.3 Kognitive Phase I
3.2.5 Anwendungsphase
3.2.6 Materialbedarf

4 Lernzielkontrolle

5 Verlaufsplan

6 Literatur

1 Unterrichtsvoraussetzungen

1.1 Lernvoraussetzungen und Sozialstruktur der Lerngruppe

Die Lerngruppe des Oberstufenkurses 11/1 des Staatlichen Gymnasiums in X. setzt sich aus 13 Schülern und 11 Schülerinnen ( insgesamt 24 SchülerInnen ) zusammen. Der Kurs ist mir seit August des Schuljahres 2002 / 2003 aus Unterrichtshospitationen und der frühzeitigen Übernahme von Unterrichtssequenzen und -stunden bekannt. Die ersten selbst gehaltenen Stunden standen verstärkt im Zeichen vom kennen lernen. In diesen Stunden wurden von mir bereits grundlegende Falltechniken eingeführt und teilweise gefestigt. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer hat sich inzwischen recht gut entwickelt und ist geprägt von Respekt und gegenseitiger Akzeptanz. Dieser Sachverhalt wirkt sich insgesamt positiv auf ein entspanntes Unterrichtsklima aus.

Das gesamte Leistungsbild der Lerngruppe stellt sich heterogen dar und ist hinsichtlich des Leistungsniveaus im Mittelfeld anzusiedeln.

Die konstitutionellen Voraussetzungen und die motorischen Leistungsfähigkeiten der Mädchen und Jungen sind weitgehend sehr unterschiedlich. Die SchülerInnen[1] treiben auch außerhalb der Schulzeit aktiv Sport ( Thomas, Julia, Sarah, Sebastian, Jan, und Jens ).

Dies reicht vom Basketball und Tennis spielen bis hin zum Fußball im Verein. Erfahrungen und Fertigkeitsniveau dieser SchülerInnen werden in den Unterricht einbezogen, in dem sie Übungen demonstrieren, einzelne Unterrichtsphasen übernehmen oder Vorgänge erläutern. Andere zeigen vor allem im konditionellen bzw. im koordinativen Bereich

( Matthias, Karl, Isabella und Susanne ) einige Defizite auf.

Sie bemühen sich dennoch um gute Leistungen und Anerkennung. Diese Bereitschaft wird honoriert und regt zur Weiterarbeit an. Die Lerngruppenteilnehmer sind vorwiegend engagiert, kooperativ und leistungsbereit. Sie versuchen, die gestellten motorischen und kognitiven Aufgaben im Rahmen ihrer Fähigkeiten zu erfüllen. Beim selbständigen Er- und Bearbeiten von Unterrichtsinhalten sind die SchülerInnen schon etwas eingeübt, so dass ich diesen Aspekt der Selbständigkeit weiterhin schulen möchte. Um diesen Aspekt der Selbständigkeit zu schulen, bin ich bemüht, die Gestaltung einzelner Unterrichtsphasen,

z.B. Kognitive Phasen und Übungsphasen ( Korrektur ) weitestgehend in die Hände der SchülerInnen zu legen.

1.2 Inhaltliche Voraussetzungen und Stellung der Lehrprobenstunde innerhalb der Unterrichtsreihe

Der Sportunterricht im ersten Halbjahr der MSS 11 wird als Themenorientierter Kurs durchgeführt, in dem die Verbesserung der Fitness als Ziel, aber auch als Prozess im Mittelpunkt steht. In diesem Kurshalbjahr sollen die SchülerInnen lernen, wie man gezielt und systematisch seine Fitness verbessern kann. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der anaeroben Ausdauer, der Kraft und Kraftausdauer und der Koordination. Genau diese Aspekte lassen sich mit dem Judo schulen und verbessern, so dass bereits zu Beginn

des Schuljahres 2002 / 2003 diese Kampfsportart im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens stand. Im Lehrplan für die Sekundarstufe II des Landes Rheinland-Pfalz gehört Judo als einzige Kampfsportart zur Gruppe der „C - Sportarten“[2] an. In den letzten 2 Doppelstunden standen die bekannten Haltetechniken am Boden ( Kesa-Gatame, Kami-Shiho-Gatame,

Yoko-Shiho-Gatame und Tate-Shiho-Gatame ) und die Wurftechniken ( Uki- und O-Goshi sowie Ippon-Seoi-Nage ) im Fokus des Unterrichts. In der heutigen benoteten Lehrprobenstunde sollen diese Bodentechniken gefestigt und in einem neuen Verbindungselement, genannt Bodenstern, verbunden werden. Anschließend sollen die bekannten Wurf- und Bodentechniken ( innerhalb des Bodensterns ) miteinander verbunden und angewandt werden. In den darauf folgenden Unterrichtseinheiten wird der Bodenstern mit den dazugehörigen Haltetechniken gefestigt sowie mit den bereits erlernten Wurftechniken weiterhin sinnvoll verbunden und gefestigt. Ein solches Fertigkeitsspektrum soll in einer judospezifischen Choreographie ( koedukativen Gruppe ) abschließend präsentiert werden.

1.3 Institutionelle, räumliche und organisatorische Bedingungen

1.3.1 Institutionelle Bedingungen

Am Gymnasium X. stehen für die Kursstufe 11/1 lediglich zwei Sportstunden pro Woche zur Verfügung. Für die Mädchen und Jungen meiner Lerngruppe finden diese Unterrichtsstunden mittwochs in der siebten und achten Stunde statt.

Ungünstig für meinen Kurs ist vor allem, dass die SchülerInnen aus der langen Mittagspause kommen und so teilweise verspätet erscheinen. Auch nach der Doppelstunde stellt sich folgendes Problem, denn die SchülerInnen haben entweder noch Nachmittagsunterricht oder sie müssen einen bestimmten Bus erreichen, so dass ich gezwungen bin, die Unterrichtszeit um etwa 5 bis 10 Minuten zu verkürzen.

1.3.2 Räumliche Bedingungen

Die Sportstunden finden in den Hallen des X.er Gymnasiums statt, deren räumliche Ausstattungen für besonders gut befunden werden kann. Hinsichtlich für die Sportart Judo existiert keine schulische Grundausstattung.

Die Turnhalle des Gymnasiums reicht aber für die geplante Unterrichtsstunde vollkommen aus.

1.3.3 Organisatorische Bedingungen

Die Ausübung des Judosports ist eher gebunden an die materiellen Bedingungen, als an die räumlichen Bedingungen. Aus Sicherheitsgründen kann man auf entsprechende Matten und im Hinblick auf Wurf- und Grifftechniken auch auf entsprechende Kleidung nicht verzichten. Das Problem der Judobekleidung konnte ich bereits im Vorfeld lösen, da mir 20 komplette Judoanzüge vom Gutenberg – Gymnasium der Stadt Erfurt anspruchslos bereitgestellt wurden. 4 SchülerInnen waren selbst im Besitz eines Judogi, so dass zu Beginn des Judokurses alle Teilnehmer optimal ausgerüstet waren.

Das X.er Gymnasium ist leider nicht mit Judomatten ausgerüstet, so dass die Frage von Ersatzmöglichkeiten für eine optimale Judofläche geklärt werden musste. Nach einer Durchsicht der verfügbaren Matten wurde folgendes Mattenbild erstellt:

( 4 Niedersprungmatten, 6 Weichbodenmatten, 7 x 7 konventionelle Bodenturnmatten )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bodenturnmatten bilden hauptsächlich die Übungsmattenfläche, wobei darauf zu achten ist, dass keine Zwischenräume während der Übungsphasen entstehen. Sollte dies dennoch geschehen, so sind die SchülerInnen angehalten, die optimalen Mattenflächenbedingungen wiederherzustellen. Die Niedersprungmatten und Weichböden haben die Funktion einer so genannten Schutzzone ( Abgrenzung zum Hallenparkett ). Die Niedersprungmatten werden darüber hinaus noch als Ausweichmöglichkeiten bei der Wurfschulung miteinbezogen. Dieser Aufbau hat sich, unter den gegebenen Hallen- und Materialbedingungen, als sinnvoll herausgestellt.

2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen

2.1 Didaktische Begründung

Die Kampfsportart Judo lässt sich im Lehrplan Sport der Sekundarstufe II der Sportartengruppe des Inhaltsbereichs C zuordnen. Vor allem im ersten Kurshalbjahr 11/1 ist es innerhalb des themenorientierten Fitnesskurses möglich, Judo als pädagogischen Freiraum sinnvoll anzuwenden. Die Kampfsportart vereinigt anaerobe Ausdauer, Kraft bzw. Kraftausdauer sowie Koordination und entspricht somit dem Anforderungsprofil des Fitnesskurses. Die oben genannten und zu bearbeitenden Festhaltetechniken sind Inhalte bzw. Ziele, die dem Anforderungs- und Kursniveau 1 der MSS 11/1 entsprechen. Judo stellt hohe psychomotorische, kognitive und sozial-affektive Anforderungen an die SchülerInnen. „Diese Sportart schult und verbessert in hohem Maße die psychischen Grundeigenschaften, insbesondere die anaerobe Ausdauer, die dynamische und statische Kraft, die Kraftausdauer, die Aktions- und Reaktionsschnelligkeit, die Koordinationsfähigkeit, außerdem das Konzentrationsvermögen sowie die Willensstärke.“[3] Die Sportart Judo besitzt einen hohen Anforderungscharakter und ist darüber hinaus in den Vereinen mit einem relativ hohen Freizeitwert ausgestattet. Beim Judo agieren zwei Judokas gegeneinander ( siehe Kampf ) bzw. miteinander (siehe Kata = Situation für das einüben von verschiedenen Judotechniken ), um im Endeffekt im Kampf erfolgreich zu sein. Aufgrund der sportartspezifischen Handlungsbedingungen leistet Judo einen hohen Beitrag zur Erweiterung der Sozialkompetenz und der Persönlichkeitsentwicklung. Besonders für die weiblichen Kursteilnehmer liefert die Kampfsportart Judo verschiedene Erfolgserlebnisse, die durch das Werfen und kontrollierte Festhalten am Boden von stärkeren männlichen Mitschülern erlangt werden. Darüber hinaus bietet Judo für die weiblichen Schüler im alltäglichen Leben eine größere Sicherheit ( Selbstschutz ), da sie die erlernten Fertigkeiten anwenden können. Demzufolge steigern Sie durch die Kampfsportart Judo auch ihr Selbstbewusstsein. Das Erlernen der Wurf- und Grifftechniken ist nur durch die kooperative Mitarbeit des jeweiligen Übungspartners möglich. Die gegenseitige Abhängigkeit zwingt jeden Partner zu fairem Verhalten und zum Einhalten der Judoregeln, und dabei muss jeder Judoka ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Selbstdisziplin entwickeln ( z.B. Hilfestellung beim Wurf oder gegenseitige Korrektur bei neuen Haltetechniken ). ( Perspektive: Miteinander ).

Judo umfasst einige besondere Aspekte, die ich kurz erläutern möchte. Der Kampfgedanke und die Judoregeln sind leicht verständlich, eindeutig und klar, und sind somit relativ überschaubar.

Eine steigende Spannung und Lösung im Kampfverlauf bzw. Übungsverlauf ist durch erfolgreiche oder misslungene Aktionen bzw. durch einen individuellen Kampfstil stark ausgeprägt, und entspricht somit Anforderungsperspektive Leistung ( Perspektive: Leistung ).

Judo lässt sich hinsichtlich der einzelnen Grundelemente in der Anfängerausbildung recht schnell erlernen und vermittelt im alltäglichen Unterricht ein neues Erfolgserlebnis in vielen unterschiedlichen Situationen. Durch die ständig veränderten Situationsbedingungen im Kampf bzw. in Übungsphasen ( z.B. durch verschiedene Partner ) lässt sich die Perspektive der Spannung gut kennzeichnen ( Perspektive: Spannung ). Die Handlungen im Judo sind gekennzeichnet durch eine stark gebundene Motorik, die aber einen gewissen Spielraum offen lässt ( z.B. taktische Handlungsentscheidungen im Kampf oder auch in Übungsphasen ). Bereits auf einem niedrigen technischen Niveau können die SchülerInnen beim Üben eine hohe Bewegungsintensität erzielen und damit ihrem Bewegungsbedürfnis gerecht werden. Somit können neben der Koordination auch die konditionellen Fähigkeiten, wie Beweglichkeit, Ausdauer ( Kraftausdauer ) und Reaktions- und Aktionsschnelligkeit geschult und verbessert werden ( Perspektive: Gesundheit ). Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Kampfsportart Judo die Anforderungen eines mehrperspektivischen Sportunterrichts einspricht, dessen Ziel es ist, durch verschiedene Bewegungsformen die Handlungsfähigkeit der SchülerInnen hinsichtlich der Sozial-, Methoden- und Sachkompetenz zu verbessern.

2.2 Struktur des Inhalts

Bei der heutigen Festigungsstunde stehen die Haltetechniken Kesa-Gatame, Kami-Shiho-Gatame, Yoko-Shiho-Gatame und Tate-Shiho-Gatame im Mittelpunkt. Die genannten Festhalten wurden bereits in den letzten Stunden thematisiert. Die Verknüpfung der Fertigkeiten zum so genannten Bodenstern soll erstens eine sinnvolle Verbindung in der Kata aufzeigen und zweitens soll er als Repertoireerweiterung- bzw. alternative für die Zielchoreographie bzw. für den Kampf dienen. Im Folgenden werden die technischen Ausführungen der einzelnen Haltegriffe beschrieben. Die anschließend in der Übungsverbindung „Bodenstern“ zusammengefasst werden. Es lassen sich detaillierte Bewegungs- bzw. Griffanalysen in einschlägiger Judofachliteratur finden, so zum Beispiel:

Andreas Schäfer, Judo richtig, BVL Sportpraxis Top, München 2002. ; H. Velte / H.G. Seyfried / P. Raab, Von weiß-gelb bis grün - Die Gürtelprüfung, Mainz 2000.

[...]


[1] SchülerInnen steht nachfolgend für Schüler und Schülerinnen

[2] MBWW Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Lehrplan Sport Sekundarstufe II. Grünstadt 1998, S. 7.

[3] Vgl.ebd. S. 74.

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638908177
ISBN (Buch)
9783640168583
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85058
Note
1,2
Schlagworte
Unterrichtseinheit Judo Festigung Wurf- Haltegrifftechniken Einführung Bodensterns Verbindungselement Bodenelementen

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Titel: Unterrichtseinheit: Judo – Festigung der Wurf- und Haltegrifftechniken und Einführung des Bodensterns als Verbindungselement der Bodenelementen