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Textinterpretation von Paul Maars "Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe"

Hausarbeit 2004 6 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Das Märchen „Die Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe“, das 1968 im Oetinger Verlag in Hamburg im Erzählungenband „Der tätowierte Hund“ erschienen ist, wurde von Paul Maar geschrieben.

Paul Maar wurde am 13.12.1937 in Schweinfurt geboren und ist bekannt für seine fesselnden und ansprechenden Kinder- und Jugendbücher. Nachdem er als Kunsterzieher tätig war, wurde er freier Autor und Illustrator in Bamberg. Paul Maar schreibt nicht nur Kinder- und Jugendbücher, sondern übersetzt auch Literatur aus dem Englischen. Außerdem verfasst er Kindertheaterstücke und Drehbücher und wird deshalb auch als „der meistgespielte lebende deutsche Theaterautor[1] bezeichnet. „Der tätowierte Hund“ war sein erstes Werk, worauf viele andere folgten, die in ca. 15 Sprachen übersetzt wurden, was auch sine große Anzahl an Literaturpreisen erklärt.

Das Märchen „Die Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe“ handelt von einer alten, fleißigen Hexe, die in einem wunderschönen geschmückten Lebkuchenhaus lebt. Ihre Ruhe wird von zwei Kindern gestört, die ihre Großzügigkeit und Gastfreundlichkeit bösartig ausnutzen und ihr mutwillig das Leben nehmen.

Das etwas andere Märchen von „Hänsel und Gretel“ lässt sich in vier Abschnitte aufteilen: die Schilderung des Lebens der alten Hexe mit ihrem Lebkuchenhaus (S.151, Z.1-28), die Begegnung mit Hänsel und Gretel (S.151, Z.29- S.152, Z.37), das wahre Gesicht der Kinder und der Tod der Hexe (S.152, Z.38- S.153, Z.29) und die Reflexion vom Löwen und dem Hund der Rahmenerzählung (S.153, Z.30-40). Der erste Abschnitt beschreibt wie die alte Hexe lebt und warum sie ein Lebkuchenhaus besitzt. Der zweite und dritte Abschnitt erzählt von der Begegnung mit Hänsel und Gretel und wie sie die Hexe ärgern und ihr das Leben nehmen. Der letzte Abschnitt ist ein Dialog zwischen dem erzählenden Löwen und dem zuhörenden Hund, die sich über das wundersame Märchen austauschen. In dem Märchen spielen drei Personen die Hauptrolle, von denen das Leben der Hexe am Ausführlichsten beschreiben wird. Man erfährt über die Hexe, dass sie alt, fleißig sowie freundlich ist und, dass sie humpelt. Über Hänsel und Gretel erfährt man, dass sie Kinder sind, die faul, gefräßig und arglistig auftreten. Der Schauplatz des Märchens beschränkt sich auf das Lebkuchenhaus und einen Stall. Beide Gebäude befinden sich in einem großen Wald, der von Tieren bewohnt wird. Der Titel „Die Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe“ sagt aus, um welche Hauptfiguren es in dem Märchen geht und wie verdreht die Charaktere sind, indem die Charakterzüge einfach genannt werden, wie zum Beispiel „die böse Gretel“. Schließlich ist es sehr ungewöhnlich, dass die Hexe von bösen Kindern getäuscht wird. Die Überschrift verdeutlicht, wem in der Geschichte welche Rolle und Charakterzüge zuzuordnen sind auch, wenn es ungewohnt und märchenuntypisch erscheint, da ja sonst nie unschuldige Kinder die Rolle des Bösen einnehmen. In dem Märchen herrscht die auktoriale Erzählsituation, da der Erzähler außerhalb des Geschehens steht und somit auch allwissend ist. Der Erzähler begegnet dem fiktiven Leser in der Rahmenerzählung auch direkt, da es der Löwe ist, der das Märchen berichtet. Der Löwe als auktorialer Erzähler hat den Blick in das Geschehen der Geschichte, speziell in das Bewusstsein der Hexe. Er bewertet am Ende der Erzählung (S.153, Z.30-44) in der Rahmenerzählung zwischen ihm und dem Hund dann noch das Märchen und vermittelt eine Belehrung (Z.38-40). Zu den bösen Kindern wahrt er eher Distanz und scheint nicht soviel über sie zu wissen wie über die Hexe, was verdeutlicht, dass er an dieser Stelle weniger als der Autor zu wissen scheint. Da die Geschichte dem Hund erzählt wird, nimmt er die Rolle des Zuhörers ein, also auch unsere Rolle des fiktiven Lesers. Gerade in dem Schlussdialog der Rahmenerzählung äußert der Hund die Gedanken des Lesers über die Verwunderung der Geschichte (Z.35-37). Außerdem findet zwischen dem Hund und dem Löwen eine gemeinsame Leser- Reflexion statt, da beide über das Erzählte nachdenken und es kommentieren. Dass der Erzähler allwissend ist, äußert sich dadurch, dass er die Gedanken der Hexe zur Sprache bringt (S.151, Z.9-13). Die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit, weshalb man von einer Zeitraffung reden kann. Der Zeitverlauf des Geschehens ist soweit chronologisch, wobei zu Beginn der Erzählung eine Rückblende geschieht, um zu erklären, weshalb die Hexe überhaupt in einem Lebkuchenhaus lebt. Der auktoriale Erzähler verwendet die innere Rede (S.151, Z.9-13), die indirekte Rede (S.152, Z.18-20), die direkte Rede (S.152, Z.29/30) und den Dialog (S.153, Z.11-14). Die verwendete Sprache ist weder restringiert, noch elaboriert, sondern auf einem normalen Niveau, da das Vokabular einfach ist mit einem Satzmuster, das der Parataxe zuzuordnen ist, weil die Sätze relativ kurz gehalten werden. Außerdem ist das Märchen wie alle anderen Märchen auch, im Präteritum geschrieben. In dem Text finden sich mehrere Formen der Verniedlichung, wenn vom „Häuschen“, „Stimmchen“ und „Bettlein“ die Rede ist, was immer verwendet wird, wenn es um die angeblich unschuldigen Kinder geht. Außerdem spielen Symbole eine Rolle, da die Hexe „grün vor Stolz“ (S.151, Z.27/28) wird und „zwei schöne weiße Bettlein gedeckt werden“ (S.152, Z.32/33). Eine Alliteration lässt sich auf Seite 152, Zeile 26 auch finden, denn „… Da blickten die beiden Kinder …“. Die Geschichte kann eindeutig der Gattung des Märchens zugeschrieben werden, da der Inhalt und der typische Anfang „Es war einmal …“ dafür sprechen.

[...]


[1] Siehe: www.deutsch-digital.de

Details

Seiten
6
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638043199
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84968
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Seminar für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Note
2,0
Schlagworte
Textinterpretation Paul Maars Geschichte Hänsel Gretel Hexe Werk Deutschunterricht

Autor

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Titel: Textinterpretation von Paul Maars "Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe"