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Softwareentwicklung und Vertragstypen

Seminararbeit 2007 24 Seiten

Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A. Problemstellung und Vorgehensweise

B. Softwareentwicklung im Detail
I. Definition „Software“
1. Bestandteile
a) Computerprogramm
b) Programmdokumentation
c) Benutzerdokumentation
2. Computerprogramm als Immaterialgut
3. Die wichtigsten Softwaretypen
a) Betriebssoftware
b) Anwendersoftware
c) Standardsoftware
d) Individualsoftware
II. Vertragstypen
1. Zuordnungskriterien
2. Kaufvertrag bei Standardsoftware
3. Werkvertrag bei Individualsoftware
4. Sonstige Vertragstypen
III. Die Akteure und ihre Aufgaben
1. Auftragnehmer
2. Auftraggeber
3. Dritte
IV. Arten von Softwareentwicklung
1. Forschungsentwicklung
2. Gemeinsame Entwicklung
3. Anpassung von Standardsoftware
V. Entwicklungsstufen und rechtliche Einordnung
1. Umgebungsanalyse
2. Pflichtenheft
3. Programmentwurf
4. Codierung
5. Test
6. Erstellung der Dokumentation
7. Einführungsphase
8. Beobachtung und Anpassung
VI. Vertrieb und Lizenzierung von Standard- und Individualsoftware
1. General Public License
2. Kostenlose Bereitstellung
3. Endbenutzer-Lizenzvertrag
4. Sonstiges
VII. Gewährleistung bei Individualsoftware
1. Der juristische Fehlerbegriff
2. Zeitpunkt des Gefahrüberanges
3. Rechte des Kunden am Beispiel einer fehlerhaften Programmfunktion
a) Nacherfüllung
b) Selbstvornahme
c) Schadensersatz
d) Rücktritt
e) Minderung
f) Aufwandsersatz
4. Mangelhafte Dokumentation
5. Fehlen einer Dokumentation
6. Weitere Mängel
VIII. Unterschiede in der Gewährleistung bei Standardsoftware
1. Vorrang der Nacherfüllung
2. Gefahrübergang durch Übergabe

C. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Problemstellung und Vorgehensweise

Die massenhafte Verbreitung des Personalcomputers (PC) und des Betriebssystems Windows haben die Handhabung von Informationstechnologie sehr erleichtert. Auch die Softwareentwicklung profitiert davon, dass immer mehr Kunden die neuen Technologien nutzen und damit auch die Nachfrage an maßgeschneiderter Individualsoftware steigt.[1]

Doch diese spielerische Handhabung, mit der uns die Softwarelandschaft des 21. Jahrhunderts begegnet, trügt. Häufig wird zu oberflächlich ein Auftrag zur Softwareentwicklung erteilt, ohne die Schwierigkeiten hinter diesen Erstellungsprozessen zu sehen.[2] Explodierende Kosten und Verzögerungen sind die Folge, wenn z.B. dem Programmierer ein lückenhaftes Anforderungsprofil übergeben wurde, was nachträglich verbessert werden muss.[3]

Diese Arbeit soll daher einen rechtlichen Einblick über den Ablauf von Softwareentwicklung, die gängigsten Vertragstypen und Problematiken geben. Am Anfang stehen die Grundlagen wie Begriffsdefinitionen, Beteiligte, Abgrenzungen. Nach dieser Grundlagenarbeit werden die Entwicklungsstufen einer Softwareentwicklung erläutert und rechtlich eingeordnet. Vertrieb und Lizenzierung werden angedeutet. Schließlich sollen die Gewährleistungsrechte bei der Softwareentwicklung dargestellt und der Fehlerbegriff des Rechts und der Informatik voneinander abgegrenzt werden. Zusammenfassung und Ausblick bilden den Abschluss.

B. Softwareentwicklung im Detail

Der Begriff „Software“ wird unterschiedlich verstanden. Für einige ist es eine Idee, eine mathematische Formel zur Lösung von Anwenderproblemen. Für viele ist es jedoch ein Gegenstand, wie jeder andere auch, den man kaufen kann. Durchschnittskunden werden Software kaum klar definieren oder gar rechtlich korrekt einordnen können. Spätestens bei Streitigkeiten vor Gericht wird es jedoch entscheidend, was „Software“ ist. Seine Einordnung legt fest, welche Vertragstypen überhaupt möglich sind und welche Ansprüche im Streitfall daraus erwachsen können.

I. Definition „Software“

1. Zunächst ist festzuhalten, dass Software nicht nur ein Programm ist, welches man am PC aufrufen kann, sondern dass sie sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzt.
a) Den Teil, den der Durchschnittsbürger mit Software tituliert, ist das Computerprogramm[4] bzw. das Objektprogramm. Es ist auf dem PC ausführbar und trägt Dateiendungen wie „.com“. „.bat“ oder „.exe“. Eine einheitliche Definition ist im Gesetz nicht zu finden. Es wird daher oft die Definition der „World Intellectual Property Organization“ (WIPO) von den Autoren[5] zitiert. Vereinfacht lässt es sich als eine Reihe von Anweisungen bezeichnen, die in eine, für den Computer verständliche Sprache umgewandelt, also compiliert, wurden und ihn dazu befähigen, bestimmte Aufgaben zu erledigen, die die Verarbeitung von Daten betreffen. Solange es noch nicht in die Maschinensprache umgewandelt wurde, liegt das Programm meist in einer, für den Menschen besser verständlichen, Hochsprache, wie z.B. Visual Basic, vor und wird als Quellcode bezeichnet.
b) Neben dem ausführbaren Computerprogramm gibt es noch weitere Bestandteile der Software. Einer davon ist die Programmdokumentation[6]. Sie reicht von der Auflistung der Mindestvoraussetzungen, die das Computerprogramm für sein Funktionieren benötigt, bis hin zum Quellcode und Details für den Fachmann, in denen der konzeptionelle Aufbau des Programms erläutert und darauf basierend sogar Pflege- und Anpassungsarbeiten am Programm durch Dritte ermöglicht werden sollen. Die Detailtiefe der Programmdokumentation ist also von ihrem Adressaten, seinem Informationsbedarf, aber auch von den Leistungen abhängig, die der Softwareersteller in seinem Vertrag erbringen will. Soll das Programm z.B. vom Entwickler auch gepflegt und angepasst werden, sind weniger Details zur Softwarearchitektur nötig, als wenn ein Dritter dies erledigen soll.
c) Ebenfalls ein Bestandteil der Software stellt die Benutzerdokumentation dar. Damit soll der Anwender in die Lage versetzt werden, das Computerprogramm zu installieren bzw. ordnungsgemäß zu entfernen, zu verwenden und auftretende Probleme zu beheben, soweit dies möglich ist.[7] Sie ist von Hilfefenstern, innerhalb des Computerprogramms zu unterscheiden. Diese geben meist nur Hilfestellung zu den Programmpunkten, bei denen sie aufgerufen wurden und sind nicht als zusammenhängender Text ausdruckbar, wie die Dokumentation. Ferner können die Hilfefenster bei Programmabsturz nicht mehr aufgerufen werden, um Hilfe zu diesem Problem zu erhalten. Ob eine Benutzerdokumentation in ausgedruckter Form oder lediglich auf dem Datenträger der Software vorliegen muss, hängt vom Einzelfall ab. Bei einer Buchungssoftware kann man die Benutzerdokumentation auch noch auf der CD-Rom lesen, wenn das Computerprogramm nicht mehr funktioniert. Bei einem Betriebssystem, wie Windows lässt sich die elektronische Benutzerdokumentation hingegen nicht aufrufen, solange Windows selbst abstürzt. In großen Firmen mit eigenen Softwareabteilungen sind elektronische Benutzerdokumentationen üblich, während der Bäcker als PC-Neuling ohne entsprechende Fachkräfte oft noch auf die ausgedruckte Variante angewiesen ist. Ist die Software zu komplex oder die digitale Benutzerdokumentation zu umfangreich, um dem Kunden einen Selbstausdruck zuzumuten, ist ebenfalls die gedruckte Version zu liefern.[8] Somit lässt sich die Benutzerdokumentation definieren als zusammenhängender, ausdruckbarer oder gedruckter Text, der alle, zur Bedienung und Problemlösung durch den Durchschnittsanwender nötigen Informationen enthält und auf den man zugreifen kann, unabhängig davon, ob das Computerprogramm noch funktioniert oder nicht.[9]

2. Um zu wissen, welche Vertragstypen bei Software in Frage kommen, sind zunächst ihre Bestandteile rechtlich zuzuordnen. Bei der Dokumentation in Form von Programm- und Benutzerdokumentation liegt jeweils eine Sache i.S.d. § 90, also ein körperlicher Gegenstand vor. Schwieriger wird die Zuordnung jedoch für das Computerprogramm, denn es müsste räumlich abgrenzbar sein, um eine Sache nach § 90 zu sein.[10] Eine Ansicht bejaht die Sacheigenschaft. Begründet wird dies einerseits damit, dass Software in ihrem Datenträger fixiert und somit verkörpert ist.[11] Bei einer Festplatte wird das Computerprogramm z.B. als elektromagnetisches Feld gespeichert. Es wird aber kein Mensch in der Lage sein, eine Festplatte zu öffnen und mit einem Stift das Programm A im Magnetfeld zu markieren, um es vom Programm B, das Teil desselben Magnetfeldes ist, räumlich abzugrenzen. Eine räumliche Abgrenzung ist folglich unmöglich. Zweifelhaft ist der Sachzustand eines Computerprogramms auch bei Datenfernübertragung (DFÜ). Hierbei wird das Programm z.B. über ein spezielles Kabel in Form von elektrischen Impulsen über weite Distanzen verschickt. Diese pulsierende elektrische Energie ist jedoch kein körperlicher Gegenstand.[12] Somit ist ein Computerprogramm, welches durch ein DFÜ-Kabel gesendet wird, keine Sache während des Sendevorganges. Es wird auch argumentiert, dass ein Computerprogramm im Gehirn des Entwicklers nicht dauerhaft existieren könne, da zu komplex. Dieses Argument ist schlichtweg falsch.[13] Wenn man beispielsweise eine Diskette formatieren möchte, führt man unter Windows das systemeigene Computerprogramm „Command.com“ aus und tippt die Zeile „Format a:“ ein. Anschließend drückt man zweimal die Eingabetaste. Den gleichen Vorgang kann man durchführen, indem man diese Befehlszeile - um einen Parameter zur automatischen Bestätigung ergänzt - zu einem Objektprogramm compiliert und ausführt. Dieses Miniprogramm kann man sich nicht nur lange im Geist merken, sondern es ist sogar einfacher, es zu lernen, statt es umständlich in ein Objektprogramm zu fassen und auf CD-Rom zu fixieren. Zu komplex für eine dauerhafte Existenz im Geiste des Entwicklers, ist es jedenfalls nicht und eine Verkörperung daher nicht zwingend.

Eine andere Ansicht stuft Computerprogramme daher als Immaterialgut ein.[14] Es ist nicht greifbar, sondern eine Formel zur Lösung eines bestimmten Problems, ein Algorithmus.[15] Auch kann ein Computerprogramm nicht verschleißen, wie z.B. ein Schuh, was auch für die Bewertung als Immaterialgut steht. Diese „Formel“ zur Lösung eines Problems ist ferner das, was den meisten Zeit- und Geldaufwand bedeutet und nicht der beliebig ersetzbare, meist billige Träger, auf dem sie sich befindet.[16] Folglich ist es dem Kunden egal, wie das Computerprogramm der Zielmaschine zugeführt wird, solange das Computerprogramm wirklich das Problem löst, für das es geschaffen wurde.

[...]


[1] Balzert, S. 32.

[2] Thewalt, S. 128.

[3] Thewalt, S. 6 f.

[4] Wente, S. 8.

[5] z.B. bei Thewalt, S. 35.

[6] Wente, S. 10.

[7] Wente, S. 10.

[8] LG Stuttgart, Urt. v. 24.01.2001, JURIS, Aktz. 8 O 274/99.

[9] Definition in Anlehnung an Rn. 27 des Urteils: LG Landshut, Urt. v. 20.08.2003, JURIS, Aktz. 2 HKO 2392/02.

[10] Palandt/Heinrichs, § 90, Rn. 1.

[11] Thewalt, S. 44 f.

[12] Palandt/Heinrichs, § 90, Rn. 2.

[13] mit gleichem Ergebnis, aber anderer Begründung Thewalt, S. 46.

[14] Wente, S. 19.

[15] ähnlich Greulich, S. 42.

[16] Thewalt, S. 62 f.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638008754
ISBN (Buch)
9783638916936
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84888
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
17 Punkte - sehr gut
Schlagworte
Softwareentwicklung Vertragstypen Rechts- Seminar Softwarespezifikation Softwarevertrag

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Titel: Softwareentwicklung und Vertragstypen