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Ökonomische Bildung - Integration oder Neuschaffung eines Faches

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Politische und ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen?
1.1. Bezugswissenschaft Wirtschaftswissenschaft
1.2. Realitätsbereich Wirtschaft
1.3. Erkenntnisweise und Paradigmen

2. Wirtschaft in die Schule! Aber wie?
2.1. Aber was?
2.2. Integration der ökonomischen Bildung oder neues Fach?

3. Schlussbemerkung

Bibliographie

1. Politische und ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen?

Die Beantwortung der Umsetzungsfrage findet die „Ratio legis“ im Niedersächsischen Schulgesetz, dessen Bildungsauftrag im zweiten Paragraphen konziliant lautet, dass die Schülerinnen und Schüler fähig werden sollen „[…] ökonomische und ökologischen Zusammenhänge zu erfassen [sowie] sich umfassend zu informieren und die Informationen kritisch zu nutzen […].“ (NiSchG: 2005)

Dabei vollziehe sich die Vermittlung wirtschaftlicher Grundkenntnisse in drei Bereichen (Kultusministerkonferenz: 2001):

- innerhalb des Unterrichts,
als Teil eines Fachs oder mehrerer Fächer bzw. als eigenständiges Schulfach
- außerhalb des Unterrichts,
beispielsweise in Form von Schülerfirmen der wirtschaftsbezogenen Schulprojekte, sowie
- außerhalb der Schule,
durch vielfältige Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, z.B. Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.

Die fundamentale Fragestellung ist somit ob und wie politische und ökonomische Bildung im Unterricht der allgemein bildenden Schulen zusammenhängen.

Ein weiteres Augenmerk dieser Hausarbeit wird die in der Literatur diskutierte Pro-Contra-Debatte um eine Einbindung ökonomischer Bildung in ein bestehendes Fach (vgl. Hartwich: 2000. Kein neues Fach Ökonomie, aber eine moderne Wirtschaftslehre in der schulischen politischen Bildung.) oder die Neuschaffung eines Ökonomiefaches (vgl. v. Rosen: 2001. Wirtschaft in die Schule!) darstellen.

Hedtke (Hedtke: 2005, S. 335) postuliert bereits anfänglich sechs Typen von Argumenten

1. Gesellschaft und Politik von Wirtschaft durchdrungen
2. Realitätsbereich „Wirtschaft“ höchst komplex
3. Die Soziale Marktwirtschaft
4. Wettbewerbsfähigkeit im Globalisierungszeitalter verlangt fundiertes ökonomisches Wissen
5. mehr Selbstständigkeit und Unternehmergeist
6. Ökonomisches Lernen kommt im Unterricht zu kurz

... die Hedtke in 4 Charakteristika (Bezugswissenschaften Wirtschaftswissenschaften, Realitätsbereich Wirtschaft, Institutionalistischer Versuch und paradigmatische Erkenntnisweise) ökonomischen Lernens überleitet.

„Die Verzahnung von Wirtschaft und Politik ist fließend- vor allem dort, wo es um die Erklärung von Entscheidungsprozessen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld und um die wirtschaftspolitische Gestaltung von Institutionen, Anreizen und Sanktionen geht […] Ökonomische Bildung hat daher stets eine politische Dimension. “ (Kruber: 2001)

1.1. Bezugswissenschaft Wirtschaftswissenschaft

Der Begriff Ökonomie leitet sich etymologisch von „Oikos“ ab, was die Bedeutung einer „Selbstversorgung im ganzen Haus“ meint. Dabei stellt dieses Ökonomische System, das letztlich aus dem Haushalt hervorgeht, lediglich einen Teil der sozialen Sub-Systeme dar. (Parsons: 1951) In einem komplementären sozialen System bedingen sich das Ökonomische System (Geld, Wirtschaft) wechselseitig mit dem Politischen System (Staat, Macht), aber auch mit einem Treuhandsystem (Argument, Kultur) und insgesamt der Gesellschaft (Commitment, Familie). Verschiedentlich wird in der Literatur Adam Smith (The Wealth of Nation) mit seinem Bild des wirtschaftlich Handelnden (homo oeconomicus) als Begründer der Ökonomie gesehen, doch „das der politischen Bildung immanente Gesellschaftsverständnis sieht den Menschen letztlich als zoon politikon und nicht allein als sozial isolierten homo oeconomicus “ (Hartwich: 2001, S. 1)

Insofern ist also Smith auch Begründer einer Soziologie, die doch nicht von Wirtschaft getrennt gesehen werden darf.

1.2. Realitätsbereich Wirtschaft

„Es hängt also vom jeweiligen Politikverständnis einerseits (z.B. enger oder weiter Politikbegriff) und der jeweiligen ökonomischen Grundposition andererseits (z.B. Neoklassik, Keynesianismus, Politische Ökonomie usw.) ab, welche Zusammenhänge und Probleme ins Blickfeld geraten“. (Weinbrenner: 1997, S.301)

Das Verhältnis von Ökonomie und Politik folgt also einer spiegelbildlichen Analyse. Die Gefahr einer solchen gegenseitigen Bedingung liegt in einer „Schönwetter-Demokratie“, da „wirtschaftliche Erfolge als Fundament politischer Demokratie-Akzep-tanz bzw. als Quelle von Demokratiekrisen“ erscheinen. (Hartwich: 2001, S. 1)

Dadurch gerät die Politik zumeist durch wirtschaftlich begründete Verteilungskonflikte selbst in einen Konflikt, so dass wiederum ein politischer Handlungsdruck für wirtschaftliche Probleme entsteht (vgl. Grosser: 1988, S. 555)

Um letztlich diese Legitimationskrise des demokratischen Staates abzuwenden, bedarf es einer soliden ökonomischen (Grund-) Bildung bereits in der Schulzeit eines Bürgers, die, wie Retzmann erwähnt „einen bedeutsamen Beitrag zur Mündigkeit des heranwachsenden Staatsbürgers leisten [kann]“. (Retzmann: 2001, S. 2)

Eine immer größer werdende Anzahl verschuldeter Haushalte zeigt das eminente Moment einer Bildung, die überdies nach herrschender Meinung immer mehr zu einem Bestandteil der Allgemeinbildung geworden ist. Kruber (Kruber: 2001a, S. 1) geht sogar darüber hinaus und sagt, dass der Stand der ökonomischen Bildung in der Bevölkerung allgemein und auch bei Schülern als defizitär bezeichnet werden kann! Die eingängige Frage ob Wirtschaft integriert oder als eigenständiges Fach gestaltet werden sollte, wird hier später zu behandeln sein. Nicht bestreitbar ist, dass das mangelnde Wissen auch zu Nachteilen der Jugendlichen (vornehmlich der Haupt- und Realschüler) auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt führen kann.

Subsumierend zitiert Retzmann also folgerichtig, dass „die Wirtschaft im privaten Haushalt, im ausgeübten Beruf und im Staat so allgegenwärtig [ist], dass Habermas sich veranlasst sah, von einer „Kolonialisierung der Lebenswelt“ durch die instrumentell-strategische, letztlich die ökonomische Rationalität zu sprechen“ (Retzmann: 2001, S. 2)

Die allgemein gültigen Ziele politischen und ökonomischen Lernens sind also Mündigkeit, Urteilsfähigkeit, Handlungsfähigkeit und Partizipation (am Markt). Dem Realitätsbereich Wirtschaft, den Hedtke durch ökonomisch geprägte Lebenssituationen und ökonomisches Lernen als „Aneignung von sektoral und situativ definierten ökonomischen Wissensbeständen“ (Hedtke: 2005, S. 339) definiert, entspricht weitgehend der lebenssituative Ansatz, den er im Anschluss postuliert.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638011396
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84796
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Bildung Integration Neuschaffung Faches

Autor

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Titel: Ökonomische Bildung - Integration oder Neuschaffung eines Faches