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Jerusalem: Josia und die Josianische Reform, Politische Hintergründe und Auswirkungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 19 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Historischer Hintergrund der Josianischen Reform

2. Die Reformmaßnahmen des Königs Josia

3. Politische Hintergründe der Reform

4. Auswirkungen der Reform

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

In dieser Seminararbeit über die Josianische Reform während und nach der Zeit des Königs Josia wird zunächst ein ausführlicher historischer Überblick über die Zeit Josias präsentiert, bevor die Maßnahmen der Reform in den Mittelpunkt rücken und beschrieben werden. Aufbauend darauf werden im weiteren Verlauf die theologischen und politischen Folgen der Reform bzw. der Kultzentralisation erörtert.

Der historische Überblick soll aufzeigen, dass der Handlungsfreiraum und das Durchsetzen einer Reform von König Josia und seinen Gefolgsleuten vor allem durch die politische Lage der zurückweichenden Assyrer begünstigt wurden. Die Maßnahmen der Josianischen Reform und deren Konsequenzen für die damalige Gesellschaft werden aufzeigt, um zu belegen, dass die Reform tatsächlich auch einen einschneidenden Eingriff in jene soziale Strukturen bedeutete. Diese Ausführungen werden belegen, dass es sich bei der Reform keineswegs nur um eine reine Kultreform handelte. Sie hatte u. a. auch politische Auswirkungen, welche im Schlussteil entsprechend betrachtet werden, um zu dokumentieren, wie bedeutend die Reform im Hinblick auf die weitere Geschichte Israels und insbesondere Jerusalems war und sicherlich immer noch ist.

1. Historischer Hintergrund der Josianischen Reform

Josia war der König von Juda von 639/8 bis 609 v. Chr. Er war bereits im Alter von 8 Jahren zum König erhoben worden (2.Kön 22,1). Im Folgenden werden einige Hintergrundinformationen präsentiert, um Josia in einen historischen Kontext einordnen zu können, beginnend im Jahr 671 v. Chr.:

Das assyrische Reich erreichte gerade seinen territorialen Höhepunkt mit der Eroberung Ägyptens durch Asarhaddon (680-669). Es reichte zu dem Zeitpunkt vom Persischen Golf bis zum Nil. Doch der Erhalt und die Sicherung des großen Reiches hatten schon viel Kraft gekostet, die Einnahme Ägyptens war sozusagen ein letzter Kraftakt und der Anfang vom Ende. Assyrien wankte, aber noch war keine andere Macht stark genug um die gesamte Führung zu übernehmen. Allerdings hatten sich die Chaldäer in Babylonien festgesetzt. Sie waren eine starke Aramäergruppe in Südbabylonien, vor allem in der Provinz des Meerlandes nahe dem Persischen Golf. Aber auch die Meder wurden stark zu der Zeit; sie hatten für die assyrischen Zentren eine massive Bedrohung vom iranischen Gebirge/Hochland dargestellt und drängten unter den Königen Phraortes und Kyaxares nach Süden und Westen.1

Wie so oft in der Geschichte passiert ein Umbruch, wenn eine wichtige Persönlichkeit stirbt. Der letzte große Herrscher des assyrischen Großreichs Assurbanipal starb 630 v. Chr., sodass die Meder und Babylonier noch weiter erstarken konnten. Assurbanipal hinterließ das Reich zwar noch seinem Sohn Assur-etel-ilani, der starb aber nach einem kurzen Zwischenspiel schon um 627, sodass ein zweiter Sohn Assurbanipals, Sin-sar-ra-iskun, antrat. Ein paar Jahre konnte sich Assyrien noch halten, bis der assyrische Statthalter Kandalu fiel, den schon Assurbanipal in Babylonien eingesetzt hatte. Die Schwierigkeiten waren nun im vollen Gange. Die Städte Babyloniens, in denen assyrische Garnisonen standen, erkannten zwar Sin-sar-ra-iskun an, Babylon selbst allerdings nicht. In Südbabylonien (im Distrikt Bit-Jakini) brachen dann Aufstände der aramäischen bzw. chaldäischen Bevölkerung aus, geschürt und geführt von Nabopolassar (625-605). Er entstammte dem chaldäischen Adel des Meerlandes, der auch der Begründer der chaldäischen Dynastie von Babylon war.2

Sin-sar-ra-iskun erkannte seine Herrschaft zunächst an. Nabopolassar rückte weiter vor, plünderte dazu noch Uruk. Dann stieß er bei Nippur auf assyrische Verbände, die ihn zurückschlugen, sodass er nach Uruk zurückziehen musste; aber auch die Assyrer wurden dort später von ihm geschlagen. 626 schließlich kämpfte sich das von den Assyrern belagerte Babylon frei. Nabopolassar wurde König (lt. Donner war diese Tatsache „der erste Sargnagel der Assyrer“). Er war der erste der neubabylonischen Könige und kämpfte weiter gegen Assyrien.3

623 folgte ein Aufstand des Distriktes von „Der“ gegen die Assyrer, gleichzeitig gingen die Meder unter Phraortes gegen die Hauptstadt Ninive vor. Die Skythen allerdings, sog. Reiter- und Erobererhorden aus Südrussland, die ebenso wie die Ägypter der 26. Dynastie unter Psammetich I. (664-610) zu Bundesgenossen der Assyrer heranwuchsen, stoppten vorerst die Meder und deren Expansion nach Süden.4 Die Ägypter waren politisch vergleichsweise wesentlich stärker interessiert. Sie gingen davon aus, nun den alten Herrschaftsanspruch über den Südteil der syrisch-palästinischen Landbrücke zur Geltung bringen zu können. Sie wollten ein schwaches Assyrien als Pufferstaat gegen die Meder und Babylonier, von denen man große Gefahr erwartete, sollten diese das neuassyrische Großreich übernehmen. Also schlossen sie ein Bündnis mit Assyrien und versuchten es u. a. auch mit militärischen Mitteln aufrechtzuerhalten. Im Jahr 616 v. Chr. schlug der Meder Kyaxares die Skythen. Zur gleichen Zeit besiegte Nabopolassar (der chaldäische babylonische König) die assyrische Armee bei Qablinu am Euphrat, rückte vor bis zu den Nebenflüssen Habur und Balih, und wollte dann gegen die Hauptstadt Assur vorgehen. Das hätte schon das Ende Assyriens bedeuten können, wenn nicht Psammetich I. mit seinen Truppen gekommen wäre und Nabopolassar zurückgeworfen hätte. Psammetich belagerte seinerseits Tekris am Tigris. Im Norden bedrohten die Meder inzwischen den Distrikt von Arrapha. Die Ägypter gaben die Belagerung von Tekris ergebnislos auf und zogen ab.5

[...]


1 Donner, Herbert: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen 2. V&R Verlag, Göttingen 1986. S. 340.

2 Donner, Herbert: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen 2. V&R Verlag, Göttingen 1986. S. 340.

3 ebd. S. 340.

4 ebd. S. 341.

5 Donner, Herbert: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen 2. V&R Verlag, Göttingen 1986. S. 341.

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638154321
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8470
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften
Note
2+
Schlagworte
Jerusalem Josia Josianische Reform Politische Hintergründe Auswirkungen Seminar Jerusalem—Die Heilige Stadt

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