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Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich

von Verena Heitzinger (Autor) Eva Jungmair (Autor)

Seminararbeit 2007 28 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Armut
2.1. Absolute und relative Armut
2.2. Definition Äquivalenzeinkommen
2.3. Messung von Armut
2.3.1. Ernährungsstandards
2.3.2. Warenkorbmethode
2.3.3. Deprivationsindex (Verhaltensansatz)

3. Definition Soziale Ausgrenzung

4. Entwicklung der Armutsdiskussion in Österreich

5. Aktuelle Situation in Österreich

6. Spezielle Formen der Armut
6.1. Frauenarmut in Österreich
6.2. Kinderarmut

7. Obdachlosigkeit in Österreich
7.1. Literatur und wissenschaftliche Forschung
7.2 Situation der Obdachlosen in Österreich
7.3. Situation in Linz

8. Politik zur Armutsbekämpfung
8.1. Die Sozialhilfe
8.1.1 Ziele der Sozialhilfe
8.1.2 Hilfe in besonderen Lebenslagen
8.1.4. Soziale Dienste
8.1.5. Probleme bei der Sozialhilfe

9. Aktuelles Regierungsprogramm

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Entwicklung von Armut und deren gesellschaftliche Bedeutung

Abb.2 Schwankungsbreite der Armutsgefährdungsquote

Abb.3 Armutsgefährdete aufgeteilt in Geschlecht und Alter

Abb.4 Kategorien der Wohnungslosigkeit in OÖ. Jahr 2000

Abb.5 Akut Obdachlose nach Altersgruppe und Geschlecht, Juli 2005 in Linz

1. Einleitung (Verena Knoll)

„Arm ist nicht nur, wer obdachlos ist und in Pappschachteln leben muss, sondern wer am Alltagsleben nicht teilnehmen kann.“[1]

Armut und soziale Ausgrenzung sind auch in Österreich, einem der reichsten Industrieländer der Welt, präsent und nicht nur materiell spürbar. Die Angst vor Armut ist in den Köpfen der österreichischen Bevölkerung fest verankert.

Oft werden nur Personen als „arm“ gesehen, die kein Obdach mehr haben und auf einer Parkbank schlafen.

Es sind jedoch viel mehr Österreicher/innen von Armut betroffen, als man annehmen würde. Viele diese Österreicher/innen nehmen ihre Armut oftmals selbst als solche gar nicht wahr, da Armut viele Facetten in sich birgt. Diese Menschen fallen unter den Begriff der versteckten Armut, da sie bei den offiziellen Statistiken nicht erfasst werden.

Um als arm zu gelten reicht es schon, nebst einem geringen Einkommen, eines der folgenden Kriterien zu erfüllen:

- Leben in einer Substandardwohnung
- Nöte beim Beheizen der Wohnung, bei der Anschaffung von Kleidern oder beim
Kauf von Lebensmitteln
- Wenn es nicht möglich ist, zumindest einmal im Monat jemanden nach Hause zum Essen einzuladen
- Mietrückstände, Rückstand beim Bezahlen der Betriebskosten oder eines Kredites

Im Folgenden möchten wir näher auf die einzelnen Facetten von Armut und sozialer Ausgrenzung eingehen und veranschauliche, welche Gruppen in Österreich besonders von Armut betroffen sind.

2. Definition Armut (Verena Knoll)

Da es unterschiedlichste Ausprägungen von Armut gibt, gestaltet es sich als sehr schwierig einen objektiven Armutsbegriff zu definieren. Nicht nur das lebensbedrohliche Elend der Entwicklungsländer, sondern auch die immer stärker auftretenden Mangelzustände in den westlichen Industriestaaten, fallen unter den Armutsbegriff.

Laut EU gilt folgende Definition von Armut:

„Arm sind jene Personen, Familien und Gruppen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist."[2]

2.1. Absolute und relative Armut

Von absoluter Armut wird gesprochen, wenn

„eine Person oder Personengruppe nicht über jenes Mindestmaß an Gütern verfügt, das in der jeweiligen Gesellschaft als Voraussetzung für ein „menschenwürdiges“ Dasein erachtet wird.“[3]

Hier bezeichnet man vor allem den Mangel an Mitteln zur Deckung der Grundbedürfnisse. Heutzutage findet man diese extreme Form der Armut hauptsächlich in Entwicklungsländern, jedoch sind auch bestimmte Personengruppen in Industriegesellschaften davon betroffen, wie zum Beispiel Obdachlose und Drogensüchtige.

Der relative Armutsbegriff definiert Armut hingegen immer im Verhältnis zum Durchschnitt der jeweiligen Gesellschaft. Nicht die Deckung der Grundbedürfnisse gilt als zentrales Problem der Betroffenen, sondern die eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgrund mangelnder Ressourcen macht den Armen zu schaffen. Die armen Bevölkerungsschichten sind demnach nicht in der Lage den Lebensstandard zu genießen, der dem Großteil der Gesellschaft zuteil wird. Im EU weiten Vergleich wurde bis dato primär die relative Einkommensarmut herangezogen.[4]

Der von der EU festgelegte kritische Wert liegt diesbezüglich bei 60% des nationalen durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens. Das bedeutet, dass alle Personen, die weniger als 60% des Durchschnittseinkommens ihres Landes verdienen, besonders armutsgefährdet sind. Kritik an dieser Art der Definition von Armut wird vor allem dadurch laut, dass die alleinige Betrachtung des Einkommens zu wenig über die tatsächliche Lebenslage der Betroffenen auszusagen vermag. Hinzu kommt, dass wie auch immer begründete Verschiebungen der Höhe des Durchschnittseinkommens nach oben oder nach unten, den Anteil der armen Bevölkerung blitzartig vergrößern oder verkleinern können. So führt beispielsweise der Wegzug von sehr begüterten Gesellschaftsmitgliedern zu einer Senkung des Durchschnittseinkommens und somit zu einer Abnahme der Zahl derjenigen, die unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle leben, obwohl sich an der Lebenslage dieser Personen nichts verändert hat.[5]

2.2. Definition Äquivalenzeinkommen

„Äquivalenzzahlen sind ein Weg, unterschiedliche Haushaltsstrukturen hinsichtlich der Wohlfahrtsimplikationen ihrer Einkommenssituation vergleichbar zu machen. Sie geben den relativen Einkommensbetrag an, den Haushalte unterschiedlicher Zusammensetzung benötigen, um dasselbe Niveau wirtschaftlicher Wohlfahrt zu erreichen.“[6]

2.3. Messung von Armut

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten die Armut einer Bevölkerung zu messen. Diese Methoden sollen in den nächsten Punkten auszugsweise erläutert werden.

2.3.1. Ernährungsstandards

Die älteste Methode der Armutsmessung sind Ernährungsstandards. Hierbei wird die Ernährung als Grundlage zur Abgrenzung des Existenzminimums herangezogen. Andere Lebensbereiche werden dabei außer Acht gelassen.

Die Maßgröße ist der Grundkalorienbedarf eines Menschen, aus dem dann ein Mindestgeldbetrag errechnet wird. Eine der Kritiken an der Festlegung der Armutsgrenze an den Ernährungsstandards ist unter anderem die Tatsache, dass unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten bei dieser Art der Berechnung außer Acht gelassen werden. Des Weiteren wir kritisiert, dass Faktoren, welche über die Ernährung hinausgehen, wie zum Beispiel soziale und kulturelle Bedürfnisse, bei dieser Methode in keinster Weise Berücksichtigung finden.[7]

2.3.2. Warenkorbmethode

Bei dieser Methode geht man von einem so genannten Warenkorb aus, der die Minimalbedürfnisse einer Person in den Bereichen Ernährung, Heizung und Beleuchtung, Instandhaltung, Wäsche, Körperpflege und Reinigung sowie persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens ermöglichen soll. Diese Minimalbedürfnisse sollen der „Würde eines Menschen“ entsprechen. Durch die Bewertung der im Warenkorb enthaltenen Produkte mit Marktpreisen, gelangt man zu einem Mindesteinkommen, das die Armutsgrenze darstellt.[8]

2.3.3. Deprivationsindex (Verhaltensansatz)

Bei einem Deprivationsindex, auch Verhaltensansatz genannt, wird versucht, Einkommen und Verhalten in Beziehung zu setzen. Nach Townsend liegt relative Deprivation dann vor, wenn es eine signifikante Trennung zwischen den Lebensbedingungen der Mehrheit der Gesellschaft und der Bevölkerungsgruppe gibt, die als arm bezeichnet werden könnte. Mit dem Deprivationsindex wird Armut als Abweichung des Lebensstils einer Bevölkerungsgruppe von der Gesamtgesellschaft definiert.[9]

3. Definition Soziale Ausgrenzung (Eva Jungmair)

Bei sozialer Ausgrenzung spricht man von dem Prozess, durch den bestimmte Personen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und durch ihre Armut an der vollwertigen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehindert werden.[10]

Im Zusammenhang mit Armut wird in der Literatur und auch in der Politik immer wieder der Begriff der sozialen Ausgrenzung verwendet.

Armut und soziale Ausgrenzung haben zwar unterschiedliche Ausprägungen, gehen aber häufig auf dieselben oder ähnlichen Ursachen zurück. Spricht man von Armut, bedeutet das eine Benachteiligung in Bezug auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Konträr dazu bezieht sich die soziale Ausgrenzung auf eine Benachteiligung, die sich aus der fehlenden Möglichkeit der Teilnahme/Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ergibt. Soziale Ausgrenzung trifft oftmals spezielle Randgruppen wie Obdachlose, Süchtige, MigrantInnen, wie auch Personen die in einer „Anstalt“ leben müssen.

[...]


[1] http://www.salzburger-armutskonferenz.at/themaarmut.htm. downgeloadet am 07.06.07; 10:14

[2] http://www.salzburger-armutskonferenz.at/themaarmut.htm. downgeloadet am 07.06.07; 10:15

[3] Badelt/Österle (2001): Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung S. 227

[4] http://soziologisch.info-lounge.at/?p=12 downgeloadet 07.06.07, 10:40

[5] http://soziologisch.info-lounge.at/?p=12 downgeloadet 07.06.07, 10:40

[6] Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, S. 226

[7] Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, S. 229f

[8] Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und

Universitätsbuchhandlung, S. 230

[9] Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und

Universitätsbuchhandlung, S. 230f

[10] http://www.lrsocialresearch.at/files/soz_ausgrenzung.pdf. downgeloadet 07.06.07, 10:35

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638009690
ISBN (Buch)
9783638942430
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84689
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
2,0
Schlagworte
Armut Ausgrenzung Sozialpolitik

Autoren

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