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Das Verhältnis des Goethe-Instituts e.V. als nichtstaatliche, kulturelle Mittlerorganisation zum Auswärtigen Amt als politischer Institution

Hausarbeit 2005 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Historischer Überblick

2. Das Verhältnis des Goethe – Instituts zum Auswärtigen Amt
2.1 Der Rahmenvertrag
2.2 Die Satzung des Goethe – Instituts
2.3 Die Frage nach der Unabhängigkeit

3. Die Frage nach der Möglichkeit einer „Unabhängigkeit“

4. Konsequenzen der Verbindung einer nichtstaatlichen zu einer staatlichen Institution

5. Schlusswort

6. Literaturliste
6.1 Internetquellen
6.2 Schriftliche Auskünfte

1. Einleitung

In dieser Arbeit geht es um das Verhältnis zwischen dem Goethe – Instituts zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland und zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit e.V. (im folgenden nur noch Goethe - Institut) als einem privaten, gemeinnützigen und eingetragenen Verein und dem Auswärtigen Amt als politischer Institution im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Der zu untersuchende Zeitraum wird auf die Zeit von 1951 bis 2004 beschränkt.

Bei der Beschäftigung mit dem Goethe - Institut fällt in erster Linie ein Punkt schnell ins Betrachtungsfeld. Es geht es dabei um die Position des Goethe - Instituts zum Auswärtigen Amt. Das Goethe - Institut beschreibt sich u.a in seinen 10 Thesen zur Rolle des Instituts[1] als eine unabhängige Institution, die gemäß ihres Namens im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik selbstständig agiert und weisungsungebunden ist. Grundlage der Verbindung zwischen dem Goethe - Institut und dem Auswärtigen Amt sind die 1969, 1976 und 2001 geschlossenen Rahmenverträge. Der 1969 geschlossene Kooperationsvertrag ist die erste vertragliche Regelung zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Goethe – Institut. Der Inhalt und die getroffenen Regelungen wurden 1976 im Rahmenvertrag erneut übernommen. Im Zuge der Fusion von Goethe – Institut und Inter Nationes e.V. 2001 kam es zur Neuauflage des Rahmenvertrags von 1976, der nun auch Inter Nationes mit in die Aufgaben und Regelungen einbezieht. Der Inhalt der Verträge, der später Gegenstand der Untersuchung sein wird, lässt schnell Zweifel an der Unabhängigkeit des Goethe - Instituts aufkommen, sodass in dieser Arbeit die These vertreten wird, dass es sich beim Goethe - Institut nicht um eine unabhängige Institution handelt, sondern vielmehr um eine vom Auswärtigen Amt und Bundespresseamt delegierte Einrichtung, die selbstständig die ihr im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands übertragenen Aufgaben ausführt.

Um diese These gegebenenfalls verifizieren oder falsifizieren zu können, ist es zunächst notwendig den Begriff der „Unabhängigkeit“ näher zu betrachten. In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass die Freiheit von Bindungen persönlicher, wirtschaftlicher und politischer Art eine entscheidende Grundlage des Begriffs bildet. Der Begriff bezieht sich insbesondere auch auf die Freiheit von dienstlichen Anweisungen und somit auf eine sachliche Unabhängigkeit.[2] Das heißt in Bezug auf die Position des Goethe - Instituts gegenüber dem Auswärtigen Amt, kann nur dann von einer unabhängigen Institution die Rede sein, wenn nachgewiesen werden kann, dass das Goethe - Institut in seiner Arbeit unbeeinflusst von externen Weisungen beispielsweise durch das Auswärtige Amt, frei von finanziellen Bindungen und politischer Einflussnahme ist.

Auf dieser Grundlage soll im Rahmen dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, inwieweit das Goethe - Institut tatsächlich als eine unabhängige Institution betrachtet werden kann. Im Kontext dieser Frage wird versucht zu klären, wie weit reichend die Unabhängigkeit einer kulturellen Mittlerorganisation wie dem Goethe - Institut sein darf. Im Anschluss sollen Konsequenzen der Verbindung einer nichtstaatlichen, privaten zu einer staatlichen Institution mit politischen Interessen ansatzweise aufgezeigt werden.

1.1 Vorgehensweise

Um die Position des Goethe – Instituts ab 1951 gegenüber der deutschen Politik analysieren zu können, wird im Anschluss ein kurzer, Überblick verschaffender, historischer Abriss von der Gründung der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung des Deutschtums / Deutsche Akademie (im folgenden nur noch Deutsche Akademie) 1925, unter deren Dach das Goethe Institut erstmals 1932[3] gegründet wurde, bis zum Verbot derselben durch die Alliierten 1945 gegeben. Dieser Überblick soll bereits im Kleinen Strukturen erkennen lassen, die Parallelen zur heutigen Situation aufweisen. In Verbindung damit wird es um die Beantwortung der o.g. Fragen gehen, wobei die zwischen dem Goethe – Institut und dem Auswärtigen Amt geschlossenen Rahmenverträge von 1969, 1976 und 2001 im Mittelpunkt der Untersuchung stehen werden.

1.2 Historischer Überblick

Der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geschlossene Versailler Vertrag sah u.a. eine deutliche geographische Eingrenzung des Deutschen Reichs vor. Die veränderten territorialen Grenzen hatten zur Folge, dass ca. 10 Millionen Deutschen außerhalb Deutschlands lebten. Diese Entwicklung förderte die Deutschtumsbewegung. Es handelt sich dabei um eine Bewegung, die sich auf Abstammung, gemeinsame identitätsstiftende Merkmale wie Sprache, Herkunft und Kultur stützte und weniger auf die Staatsangehörigkeit.[4]

Im Zuge dieser Deutschtumsbewegung und einer Politik der Zurückhaltung, die eine kultur- und sprachpolitische Linie verfolgte, wurde die Deutsche Akademie am 25.5.1925 gegründet. Ihre Aufgaben lagen

„[…] in der Erhaltung deutschen Volksbewußtseins und deutscher Kulturgüter an gefährdeten Außenposten, in der Werbung für deutsche Wissenschaft und Kultur bei den Nationen, die zu einem solchen freundschaftlichen Austausch geistiger Anregungen [...] geneigt“[5]

waren. Die Deutsche Akademie wurde in ihren Bestrebungen durch die Gesellschaft der Berliner Freunde der Deutschen Akademie mit finanziellen Mitteln unterstützt.[6] Der Vorstand[7] und die Beisitzer[8] des Vereins stammten aus Wirtschaft und Politik. Es lässt sich daher vermuten, dass neben den Sachspenden einiger Banken der Großteil des Geldes aus eben diesen Kreisen stammte.[9] Im Zeitraum von 1925 – 1933 lässt sich die Arbeit der Deutschen Akademie als eine Form der Werbung für die deutsche Kultur beschreiben. Es handelte sich um eine Sprachpolitik, die der politischen Funktion der nationalen Selbstdarstellung und des Kulturaustausches dienlich sein sollte.[10] Der Zeitraum von 1933 – 1945 lässt sich unter dem Begriff Kulturpropaganda zusammenfassen. 1932 wurde das Goethe – Institut unter dem Dach der Deutschen Akademie gegründet. Die 1933 von Hitler verkündete Unabhängigkeit von Partei und Regierung wurde 1941 aufgehoben und das Goethe – Institut wurde „in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts unter der Aufsicht des Propagandaministeriums umgewandelt.[11] Ziel war damit kein Kulturaustausch mehr, sondern eine aggressive Verbreitung der deutschen Kultur.

[...]


[1] http://www.goethe.de/uun/auz/ths/deindex.htm 5.5.04

[2] Vgl. http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&SEARCHTYPE=topic&query=Unabh%E4ngigkeit 5.5.04

[3] Goethe – Institut: Jahrbuch 1993 / 1994: 10

[4] vgl. Weidenfeller: 18 - 19

[5] Nachrichten 2/1927:2

[6] vgl. Nachrichten 2/1927:35

[7] Dr. Eduard Spranger / Professor an der Preußischen Akademie der Wissenschaften; Dr. Hamel / Professor an der Technischen Hochschule Berlin; Generalleutnant a.D. Lindemann / Major a.D.; v. Kehler / Präsident des Aero- – Clubs; Paul v. Mendelsohn – Bartholdy; Gutmann / Bankdirektor der Dresdener Bank

[8] u.a. Bund der Auslandsdeutschen, Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Reichsverband der Deutschen Industrie

[9] vgl. Ehrenfort 1997: 21

[10] vgl. Nachrichten 2/1927: 2

[11] vgl. Schulz 1991: 13

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638010931
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84632
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Schlagworte
Verhältnis Goethe-Instituts Mittlerorganisation Auswärtigen Institution Auswärtige Kulturpolitik

Autor

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Titel: Das Verhältnis des Goethe-Instituts e.V. als nichtstaatliche, kulturelle Mittlerorganisation zum Auswärtigen Amt als politischer Institution