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Weibliche Verknüpfungen und männliche Macht in Geraldine Hengs "Feminine Knots and the Other. Sir Gawain and the Green Knight"

Essay 2007 6 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

In ihrer literaturtheoretischen Einführung zu ihrem Aufsatz Feminine Knots and the Other - Sir Gawain and the Green Knight stellt Geraldine Heng folgende These an den Anfang:

“Because analysis is invariably partial (that is, both incomplete and discursively inflected), traversed like the textwork it questions (and through which it is questioned) by its own unthought and unsaid (…) the impossibility of mastery must be acknowledged.” (Heng, S.500-1).

Hiermit überführt sie Derek Brewers affirmative Analyse von 1976 der literaturtheoretischen Sackgasse: hatte er doch in “Interpretation“[1] festgestellt, [that] Sir Gawain and the Green Knight “is self-evidently the story of Gawain: Morgan and Guinevere are marginal, whatever their significance to Gawain[T]he protagonist is central, and all must be interpreted in relation to his interests“[2].

Aus heutiger (literaturwissenschaftlicher) Sicht ist Hengs obiger Ansatz sicherlich unbestritten; wird doch darin grundsätzlich die Möglichkeit einer allumfassenden und endgültigen Texterschließung als Voraussetzung jedes neuen Versuchs, einem Text durch Deutung gerecht zu werden, negiert. Positiv ausgedrückt: nur, wenn wir uns von vorneherein klar machen, dass ein Text ein so vielschichtiges Gewebe ist, dass noch nicht einmal der Autor ihn in seiner Bedeutungspluralität vollständig „beherrscht“, dadurch, dass er ihn verfasst, sondern der Text immer eine Eigenleben bekommt, sobald er– und das ist er immer- in Sprache gesetzt wird. Die Vieldeutigkeit der Sprache erfindet den Literaturwissenschaftler.

Die affirmative Aussage Brewers, dass „selbstverständlich“Sir Gawain and the Green Knight die Geschichte Gawains ist, ist nicht nur aus feministischem Blickwinkel zu kurz gegriffen. Geraldine Heng formuliert in ihrem obigen Aufsatz eine Antithese zur provokativen These Brewers, dass Morgan La Fay und Guinevere von „marginaler“ Bedeutung seien, welche Bedeutung auch immer sie für Gawain hätten. Heng untersucht in “Feminine Knots“ die Bedeutung von vier weiblichen Einflüssen, von denen Brewer zumindest zwei als „marginal“ bezeichnet hatte: Morgan La Fay, Guinevere, die Lady und die Jungfrau Maria. Drei der vier Frauen erscheinen entweder übergeordnet/ spirituell (Maria) oder treten nur kurz physisch in Erscheinung (Morgan und Guinevere); die geheimnisvolle „Lady“ am Hofe des unbekannten Ritters (Bertilak) und gleichzeitig dessen Frau, ist die einzige dynamisch in den Handlungsverlauf um Gawain eingebundene. Diese Frauengestalten symbolisieren vier dem Weiblichen oft klischeehaft zugesprochenen Wesenseinheiten: Magie (Morgan), Heiligkeit /Unschuld (Jungfrau Maria), Hoheit (Guinevere)[3] und sexuelle Verführung (Lady Bertilak).

[...]


[1] Derek Brewer, ”The Interpretation of Dream, Folktale and Romance with Special Reference to Sir Gawain and the Green Knight”. Neuphilologische Miteilungen 77 (1976): 569-81. Zitiert in: Heng, Feminine Knots, PMLA – New York, N.Y.: 1991. S.500

[2] Ebd.

[3] Es wird angenommen, dass Guinevere mit Gawain eine Liebesaffaire hatte.

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638907040
ISBN (Buch)
9783656542223
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84453
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Englische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
Weibliche Verknüpfungen Macht Geraldine Hengs Feminine Knots Other Gawain Green Knight

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Titel: Weibliche Verknüpfungen und männliche Macht in Geraldine Hengs "Feminine Knots and the Other. Sir Gawain and the Green Knight"