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Der Substanzbegriff bei Aristoteles

Betrachtungen zum VII. Buch der "Metaphysik"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 17 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Aristoteles und die „Metaphysik“: Historische Einordnung
1.1 Zur Person und zum Werk von Aristoteles
1.2 Aufbau und Inhalt der „Metaphysik“
1.3 Die philosophiegeschichtliche Bedeutung der „Metaphysik“

2. Das VII. Buch der „Metaphysik“: Aufbau und Inhalt

3. Der Substanzbegriff im VII. Buch der „Metaphysik“
3.1 Substanz als vorrangig Seiendes
3.2 Substanz als Zugrundeliegendes und Sosein
3.3 Werden und substanzielles Sein
3.4 Kein Allgemeines kann Substanz sein

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Den Hauptgegenstand der vorliegenden Hausarbeit bildet die Betrachtung des Begriffs der „Substanz“, so wie er von ARISTOTELES im VII. Buch seiner „Metaphysik“[1] dargestellt wird. Zu Beginn als „erstes Seiendes“ eingeführt, das selbstständig und „an sich“ existiert, unterscheidet er schließlich vier Bedeutungen von „Substanz“ und erörtert die sich dabei ergebenden Schwierigkeiten.

Zunächst soll kurz der historische Kontext der „Metaphysik“ umrissen und ein knapper Überblick ihrer XIV Bücher gegeben werden, bevor dann die im VII. Buch von ARISTOTELES angestellten Überlegungen und seine Argumentation in Bezug auf den Substanzbegriff genauer erläutert werden.

1. Aristoteles und die „Metaphysik“: Historische Einordnung

1.1 Zur Person und zum Werk von Aristoteles

Der 384 v. Chr. in Makedonien geborene ARISTOTELES wird häufig als der Philosoph schlechthin bezeichnet und gilt vielen als „unermüdlicher Gelehrter, gleichermaßen ausgezeichnet durch die Spannweite seiner wissenschaftlichen Untersuchungen wie durch die Tiefe seiner philosophischen Gedanken“[2]. Bereits im Alter von 17 Jahren trat er PLATONS Philosophenschule, der Akademie, bei und gründete später in Athen eine eigene, die peripatetische Schule. Seine überlieferten Werke sind größtenteils Vorlesungsmanuskripte, die für den Gebrauch an eben dieser Schule verwendet wurden. Sie bilden zusammen das „Corpus Aristotelicum“, das unter anderem Bücher zur Logik (später Organon genannt), Werke zur Naturwissenschaft, zur Metaphysik und zur Ethik sowie einige Schriften zur Poetik enthält.[3] Einen der bedeutendsten Beiträge zur abendländischen Geistesgeschichte stellen dabei seine Abhandlungen zur Logik dar. „ARISTOTELES ist der erste, der die Ordnung des Denkens nicht (nur) dem Inhalt, sondern auch der Form nach untersucht (formale Logik)“[4]. Das Ziel seiner Untersuchungen sind dabei nicht allein „die Sammlung und Ordnung von Fakten, sondern auch deren Erklärung, d.h. deren Rückführung auf allgemeine Prinzipien, Axiome, aus denen dann die Einzelerkenntnisse abgeleitet werden können“[5]. Untersucht hat er diese allgemeinen Prinzipien in der „Metaphysik“.

ARISTOTELES wurde sein Leben lang von einem einzigen Streben geleitet, „dem Streben nach Wissen. Sein ganzer Lebenslauf und eine jede seiner Tätigkeiten bezeugen die Tatsache, daß er vor allem damit beschäftigt war, die Entdeckung der Wahrheit zu fördern und die Summe des menschlichen Wissens zu vergrößern“[6]. Wirkungs­geschichtlich lässt sich ARISTOTELES, der 322 v. Chr. starb, „nur an PLATON und in der Neuzeit an KANT messen. Im Mittelalter wurde er zu einer Grundlage der Scholastik. Bis an die Schwelle der Neuzeit galt sein Werk als unfehlbar“[7].

1.2 Aufbau und Inhalt der „Metaphysik“

Die Benennung „Metaphysik“ entstand durch den historischen Zufall, dass ihre XIV Bücher, in denen sich ARISTOTELES ausführlich mit den „grundlegenden Prinzipien der Wirklichkeit“[8] bzw. den „letzten Dingen“[9] beschäftigt, in der ersten Gesamtausgabe des Peripatetikers ANDRONIKOS hinter den Schriften zur Physik (griechisch meta ta physika) eingeordnet wurden, woraus sich später schließlich die Bezeichnung für die Wissenschaft ableitete, „die untersucht, was hinter der Natur liegt“[10].

Für ARISTOTELES stellt die Metaphysik die „Erste Philosophie“ dar, und er bestimmt sie „als Erforschung der ersten Prinzipien und Ursachen, und zwar des Seienden, insofern es ein Seiendes ist“[11]. Neben der Lehre vom Sein selbst, der Ontologie, befasst er sich in seiner „Metaphysik“ aber auch mit der so genannten philosophischen Theologie, nämlich „mit dem ‚Abgetrennten‘ und an sich Seienden, also mit dem Göttlichen“[12].

In den Büchern I bis VI wird die Metaphysik zunächst als „gesuchte Wissenschaft“ eingeführt. Neben der Bestimmung ihres Zielgegenstandes, die Erforschung der ersten Ursachen (Bücher I und II), und ihres Ausgangsgegenstandes, „das Seiende als Seiendes“ (Bücher IV und VI), werden die dabei auftretenden Probleme erörtert (Buch III) sowie die wichtigsten Begriffe erläutert (Buch V).[13] Mit dem VII. Buch beginnt ARISTOTELES die Hauptuntersuchung der Metaphysik, die „vom Seienden als solchem, der sinnlich gegebenen Substanz, ausgehend, zuerst über ihre Wesenheit handelt“[14]. Daran anknüpfend beschäftigt er sich bis zum Ende von Buch IX mit der Stoff- und Formursache sowie den zwei Seinsweisen Potenz und Akt näher, wodurch er schließlich „zu einer ersten, abgetrennten (= transzendenten), unbewegten, göttlichen Substanz (Buch XII)“[15] gelangt. Die beiden folgenden Bücher XIII und XIV ergänzen diese Untersuchungen zur abgetrennten und unbewegten Substanz noch, „indem sie die Ansichten anderer Philosophen hierüber erörtern“[16].

1.3 Die philosophiegeschichtliche Bedeutung der „Metaphysik“

Obwohl die von ARISTOTELES in seiner „Metaphysik“ angestellten Überlegungen zum Seienden und der Substanz oftmals eine nur sehr schwer nachvollziehbare Argumentationsstruktur aufweisen, und darüber hinaus die äußerst technische Sprachform für den Leser häufig zu Verständnisschwierigkeiten führt, entwickelte sich die „Metaphysik“ dennoch zu „einem der wirkungsmächtigsten Werke der abendländischen Philosophie“[17]. Durch ihre schon in der Antike beginnende Kommentierung übte sie einen „maßgeblichen Einfluß auf die (früh-)christliche Theologie, die arabische Philosophie und auf die Philosophie der Hochscholastik“[18] aus. Von ARISTOTELES ausgehend entwickelte sich die Metaphysik zum „Mittelpunkt der Philosophie“[19]. Sein Werk diente thematisch als Vorbild für die geschichtliche Entfaltung der „Ontologie, der Lehre von obersten Grundsätzen des Beweisens, der philosophischen Theologie und nicht zuletzt der Universalienfrage“[20].

Bei der Lektüre der „Metaphysik“ stellt man fest, dass der Text oft unterschiedliche Ansätze bietet, um sich ein und derselben Problemstellung zu nähern: „Was im einen Zusammenhang als erledigt gelten konnte, wird in einem anderen Zusammenhang erneut problematisiert und einer modifizierten Lösung zugeführt“[21]. Einige Stellen weisen zudem gedankliche Entwicklungen auf, „bei denen die einzelnen Schritte nicht vom Anfang der Argumentation aus vorherbestimmt werden können“[22]. Zentrale Passagen und Kapitel sind daher bis heute für verschiedene Deutungen und Interpretationen offen.

[...]


[1] Steht der Begriff „Metaphysik“ im Folgenden in Anführungszeichen, wird auf das Werk des ARISTOTELES Bezug genommen, ansonsten ist mit Metaphysik allgemein die Wissenschaft bzw. die philosophische Disziplin gemeint, die sich mit den letzten Gründen und Ursprüngen des Seins beschäftigt.

[2] BARNES 1992, S. 5.

[3] Vgl. KUNZMANN/BURKARD/WIEDMANN 2003, S. 47.

[4] Ebd.

[5] MEYER 2000, S. 175.

[6] BARNES 1992, S. 6.

[7] KUNZMANN/BURKARD/WIEDMANN 2003, S. 53.

[8] RAPP 2001, S. 146.

[9] SCHWARZ 2000, S. 4.

[10] KUNZMANN/BURKARD/WIEDMANN 2003, S. 49.

[11] SCHWARZ 2000, S. 12.

[12] Ebd.

[13] Vgl. SEIDL 1989, S. XI ff.

[14] Ebd., S. XV.

[15] Ebd.

[16] Ebd., S. XX.

[17] RAPP 1996a, S. 1.

[18] Ebd.

[19] MEYER 2000, S. 186.

[20] RAPP 1996a, S. 1 f.

[21] Ebd., S. 2.

[22] Ebd., S. 3.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638007672
ISBN (Buch)
9783638913515
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84393
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Philosophisches Seminar
Note
gut

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