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Karl Jaspers Überlegungen zur Zukunft der Bundesrepublik Deutschland und deren Aktualität

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 16 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund des deutschen Einheitsstaates

3. Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

4. Das Wirken und Denken von Karl Jaspers

5. Die Anzeichen eines Weges zur Diktatur

6. Einzelinteressen versus Gemeinwohl

7. Betrachtungen Karl Jaspers im aktuellen politischen Kontext

8. Die Aussichten im Blickwinkel von Karl Jaspers

9. Resümee

Literaturangaben

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit im Bereich zur ideengeschichtlichen Begründung der zweiten deutschen Demokratie beschäftigt sich mit der Abhandlung des Politikwissenschaftlers Karl Jaspers.

Sein provokanter Titel „Wohin treibt die Bundesrepublik Deutschland“ gab schon in seinem Erscheinungsjahr großen Anlass zur Kritik und Reaktion und ist in den wesentlichen Bestandteil auch in der heutigen Zeit noch aktuell.

Vor diesem Hintergrund der Aktualität soll die Entwicklung Deutschlands historisch und politisch aufgezeigt werden. Es wird deutlich, dass die heutige Bundesrepublik Deutschland in ihrer Geschichte und Entwicklung stets von Veränderungen geprägt war.

Diese Ereignisse zum Anlass nehmend und die negativen Erfahrungen der ersten deutschen Demokratie, welche aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten zum Scheitern führten nimmt Jaspers als Grundlage für seine Publikation. Er zeigt auf, welche gesellschaftlichen Gegebenheiten, aber auch verfassungs-rechtlichen Unzulänglichkeiten von der Demokratie zum Nationalsozialismus führen konnten. Diese Konstellationen nimmt er in seinem Buch zum Anlass auch in der zweiten deutschen Demokratie nach Ansätzen zu suchen, welche ein erneutes Scheitern bewirken könnten.

In der Arbeit wird auf einzelne wichtige Umstände eingegangen, die gleichzeitig auch den biografischen Kontext Jaspers aufzeigen, vor welchem er sein denken und argumentieren rechtfertigt.

Nach der Aufarbeitung einiger Kernthesen des Buches mündet die Arbeit in der ausgangs gestellten Frage, wohin die Bundesrepublik Deutschland treibt und welche möglichen Ansätze gesehen werden können.

Weiterhin kommt der Autor noch einmal mit einer Reaktion auf die Kritik seiner Arbeit zu Wort, welche das Ausmaß der gesellschaftlichen Diskussion deutlich werden lässt und es auch notwendig macht.

Im Resümee wird der Verfasser dieser Arbeit nach Ansätzen suchen, Thesen und Konflikte Jaspers aufzugreifen und sie in die gegenwärtige politische Situation transformieren.

2. Hintergrund des deutschen Einheitsstaates

Die Geschichte der Deutschen ist eine Aneinanderreihung von Ereignissen, welche das ganze Europa bis zum heutigen Tage prägten.

Das Heilige Römische Reich deutscher Nationen (962 bis 1806) bis zur Reichszusammenführung durch den Reichskanzler Otto von Bismarck zum Deutschen Kaiserreich (1871-1918) und der Weimarer Republik (1919-1933), aber auch durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg geprägt, steht Deutschland heute als Staat mitten in Europa, im Zentrum der Macht. Mit seiner Verantwortung gegenüber seinen Einwohnern und Bündnispartnern als Wegbereiter der Europäischen Union aber auch mit allen seinen negativen Ereignissen in der Geschichte, welche zu Teilen auch heute noch das Denken der Menschen, den Umgang mit der Geschichte und seiner gesellschaftlichen Kultur prägen, muss sich die Bundesrepublik Deutschland heute in der globalisierten Welt mit allen Chancen und Risiken behaupten.

Deutschland ist, trotz seiner weitreichenden Vergangenheit und geschichtlichen bedeutenden Rolle eine vergleichsweise junge Demokratie im Zentrum Europas. Selbst diese junge Demokratie hat ihr Gesamtbild erst vollständig mit ihrer Wiedervereinigung der getrennten Landesteile 1990 formen können. Seit dem steht sie aufgrund der Entwicklungen auch heute noch in einem Entwicklungsstadium, welches zumindest gesellschaftlich bedingt auch nicht in absehbarer Zeit stagnieren wird. Der Wunsch nach einer geeinten nationalen Identität, Kultur und einer Flagge, die für das gesamte Staatsgebiet, Staatsvolk und der Staatsgewalt zieht sich durchgehend von dem Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland mit der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1990 hindurch. Die Bundesrepublik stand also in der Vergangenheit immer in dem Verlangen die Einigung der einzelnen deutschen Staatsgebiete zu vollziehen und sieht sich nach deren endgültigem Vollzug nun vor die generationenübergreifenden Aufgabe gestellt, ein gemeinschaftliches Identitätsbewusstsein zu schaffen.

3. Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Demokratie Deutschlands wird geprägt durch innere und äußere Faktoren. Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes 1945 war Deutschland zu einem hohen Maße auf äußere Faktoren angewiesen. Diese Lenkung bestimmte maßgeblich die weitere staatspolitischen Entwicklung und lässt sich auch heute noch vielerorts in Institutionen und dem politischen Geschehen wiederfinden.

Die politische Struktur oder auch überhaupt eine funktionstüchtige Politik installierte sich schon recht zeitig nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Unter der Aufsicht der Alliierten gründeten sich Parteien nach demokratischem Verständnis und mit eigener Arbeitsweise heraus. Die ersten Wahlperioden waren geprägt durch die zurückliegenden Ereignisse des Krieges. Die Bewältigung der Vergangenheit und der Wiederaufbau des deutschen Staates, der deutschen Demokratie, der deutschen Wirtschaft und der deutschen Kultur standen im Vordergrund. Hierbei war das Grundgesetz eine entscheidende Etappe, die alle staatsrechtlichen Abläufe für den Neubeginn der Demokratie regeln sollte und mit einigen Änderungen und zeitlichen Anpassungen noch bis heute regelt. Als langer dunkler Schatten hing über allen Geschehnissen immer die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Weiterhin war die Außenpolitik der jungen Bundesrepublik geprägt von der internationalen Versöhnung mit den Völkern vor allem mit Frankreich, Russland und Israel, in späteren Wahlperioden auch mit Polen.

Wichtigste Grundelemente sind hierbei der Grundsatz der Menschenwürde wie auch der gesamte restliche Grundrechtskatalog, die Einrichtung des Föderalismus, und der Zuschnitt der Aufgaben für den Bundespräsidenten und die weiteren verfassungsrechtlichen Organe.

Mit der Einrichtung dieser Artikel sollten den Versäumnissen der Vergangenheit und den Erfahrungen der Weimarer Republik Rechnung getragen werden. Eine legitime politische Entwicklung von der Demokratie bis hin zur Diktatur sollte mit allen Mitteln verhindert werden. Somit spiegelt das Grundgesetz einen Teil der deutschen Vergangenheit wieder, der in seiner Logik nur im geschichtlichen Zusammenhang zu begreifen ist und heute in Ausland teilweise nicht mehr nachvollzogen werden kann.

Als Beispiel ist hier der Bundespräsident zu nennen, welchem in erster Linie rein repräsentative Aufgaben obliegen und er keinen bindenden Einfluss auf die politischen Entwicklungen der Bundesrepublik Deutschland nehmen kann. In dieser Funktion hat er eine abweichende Rolle gegenüber anderen Staatsoberhäuptern westlicher Demokratien, die sich aus den Erfahrungen der Geschichte her begründen lässt und im Ausland als deutsche Sonderlichkeit wahr genommen wird.

Seine Amtsgeschäfte belaufen sich in erster Linie auf die notarielle Beglaubigung der staatlichen Aktivitäten in der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Unterzeichnung von Verträgen, zeichnet hier ein politischer Vertreter des betreffenden Ressources gegen.

4. Das Wirken und Denken von Karl Jaspers

Karl Jasper, Zeitzeuge, Philosoph und Bürger der Bundesrepublik Deutschland verfolgte die Ereignisse und die Installation der Demokratie in Deutschland kritisch. In teils aktiver Rolle verwies er auf die Mängel der neuen Demokratie, auf Mängel, die seines Erachtens vermeidbar wären und auf Mängel, die eben abermals zu einer neuen autoritären Herrschaft führen könnte, beziehungsweise die Entfaltung der Demokratie verhindern möge. Das Vorwort des zugrundeliegenden Werkes mit der Anführung „Ich werde das Unheil des gegenwärtiges Zustandes zeigen.“[1] gibt bereits Aufschluss über Jaspers persönlichen Standpunkt zum politischen und demokratischen System der jungen Republik. Hier gleicht sein Ansatz dem Machiavellis, den auch ihm schien es „ ,richtiger, die Wahrheit so darzustellen, wie sie sich in der Wirklichkeit findet, und nicht Wunschvorstellungen zu folgen’ “.[2]

Sein biografischer Hintergrund und die persönlichen Erfahrungen im Dritten Reich machen Jaspers zu einem qualifizierten Kritiker der jungen Demokratie der Bundesrepublik. Den Erfahrungen des Konzentrationslagers entronnen, wurde er zu einem der profiliertesten Wissenschaftler an der Heidelberger Universität nach deren Wiedereröffnung. Seine Enttäuschung über das bildungspolitische System ließen ihn an die Universität Basel wechseln, wo er quasi als „Beobachter im Krähennest“[3] die weiteren Entwicklungen der Bundesrepublik Deutschland analysierte und kommentierte. Er verstand sich in seiner Rolle auch weniger als Vater neuerer demokratischer Ansätze, sondern wollte viel mehr „eine Wiederholung oft vergessener Informationen und die Heraushebung des für unser Schicksal Wesentlichen“[4] in Erinnerung rufen.

Seine Ausführungen, welche die Waffen des logischen Verstandes nutzten, nehmen einen engen zeitlichen Rahmen ein, da die zugrunde liegende Publikation im Jahre 1965 vom Autor abgeschlossen wurde. Mit purem Verständnis wirft Jaspers indirekt die Frage auf, warum sich die Politiker der Wirklichkeit der gesellschaftlichen und demokratischen Wirklichkeit verschließen und stattdessen verschlossen in ihren Machtzentren agieren, jenseits der Bevölkerung.

[...]


[1] Jaspers, Karl: Wohin treibt die Bundesrepublik. Tatsachen – Gefahren – Chancen. R. Piper & Co. Verlag München 1966, Seite 3

[2] Hesselberger, Dieter: Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung. 11. Auflage, Sonderausgabe für die Landeszentralen für politische Bildung (ohne Verlag, Ort, Jahr)

[3] Strauch, Thomas: Niklas Luhmann. Beobachter im Krähennest. Philosophie heute. Junius Verlag GmbH, Hamburg 2001, (digitales Medium VHS)

[4] Jaspers, Karl: Wohin treibt die Bundesrepublik. Seite 2

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638005340
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84354
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Karl Jaspers Zukunft Bundesrepublik Deutschland Aktualität Begründung

Autor

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