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Frauenbewegung in der Frauenliteratur der 60er und 70er Jahre in der DDR

Diplomarbeit 1999 51 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

0. Einleitung

I. DIE FRAUENBEWEGUNG
1.1. ERSTE IMPULSE ZUR FRAUENBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND
1.2. GESELLSCHAFTLICHE UND POLITISCHE STELLUNG DER FRAU IN DER DDR IN DEN 60er UND 70er JAHREN DES 20. JHs.
1.3. Entstehende Frauenliteratur

II. AUTHENTISCHE PROTOKOLLE DER FRAUEN IN DER DDR MAXIE WANDER

III. BRIGITTE REIMANN - FRANZISKA LINKERHAND
3.1. EMANZIPATION IM PRIVATLEBEN
3.2. IDEE DER SELBSTVERWIRKLICHUNG

IV. IRMTRAUD MORGNER "LEBEN UND ABENTEUER DER TROBADORA BEATRIZ NACH ZEUGNISSEN IHRER SPIELFRAU LAURA"
4.1. DER VERGLEICH DER STELLUNG DER FRAU IN DEM 70er UND 60er JAHREN MIT DER STELLUNG DER FRAU IM MITTELALTER
4.2. DER MITTLERE WEG ZUR PARTNERSCHAFT

V. ZUR PROBLEMATIK DER WEIBLICHEN ÄUßERUNG

VI. SCHLUßBETRACHTUNG

VII. RESÜMEE

IX. LITERATURVERZEICHNIS:

ANLAGEN

0. Einleitung

Die anscheinend garantierte Gleichbewertung der Frau mit dem Mann brachte im Laufe des Befreiungsprozesses erste Probleme mit.

Die Frauen fangen an , sich erste Fragen zu stellen. Ist das wirklich wahr? Haben die Frauen gleiche Rechte in der Gesellschaft? Kann man sich verwirklichen, selbstfinden, wenn in unserer Gesellschaft alte Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau, dazu verkrustete Ansichten über die neue Rolle der Frau und ihre Entdeckung herrschen?

Ist es eigentlich in einer von Männern beherrschten Gesellschaft möglich, sich als Frau durchzusetzen und vielleicht auch auf die Mutterrolle und Rolle der Frau im Haushalt zu verzichten, wenn es jahrhundertelang anders war?

In meiner Arbeit widme ich mich dem Thema "Frauenbewegung in der Frauenliteratur in der damaligen DDR in den 60er und 70er " widmen. Zuerst erwähne ich die Entwicklung der Tendenzen der Frauenbewegung in verschiedenen Bereichen des Lebens, die schon im 19. Jh. allmählich an Bedeutung gewann. Dann beschreibe ich die Situation in der DDR, wie sich dort die Frauen mit dem Problem der Eingliederung in das grsellschaftliche Geschehen und die Selbstverwirklichung in der Gesellschaft mit sozialistischen Ideen auseinandersetzen, wo die Gleichberechtigung der Frau in der Verfassung fest verankert ist.

Ich möchte in dieser Arbeit beobachten, wie die Frauen in der DDR mit dem Problem des neuen Rollenverständnisses und der Angst vor neuen Verantwortungen und Pflichten kämpfen.

Diese Erscheinungen zeige ich auf den Werken der DDR- Autorinnen der 60er und 70er Jahre, die sich mit den Problemen und Schwierigkeiten der "arbeitenden Frauen" befassen.

I. DIE FRAUENBEWEGUNG

In diesem Kapitel möchte ich die Anfänge der Frauenbewegung und erste Versuche der Frauen in Deutschland, die nicht mehr dem Mann und der Männerwelt unterworfen werden wollen, andeuten. Die Frauen fangen an, sich zu wehren und auf sich aufmerksam zu machen.

"Die Frauen werden sich vergessen wollen, wenn sie selbst an sich denken vergessen!" (HERZ - NAVE, R. 1982; S. 10).

Ich beschreibe kurz die Ausgangslagen der Frauenbewegung in Deutschland und die Weiterentwicklung der Anfangstendenzen. Davon ziehe ich dann die charakteristischen Merkmale der Bewegung heraus.

Die Frauenbewegung betrifft allgemein viele Gebiete des gesellschaftlichen Lebens. Eines von den Gebieten war auch die Frauenliteratur, wo die ersten literarischen Versuche der Frauen immer deutlicher wurden.

1.1. ERSTE IMPULSE ZUR FRAUENBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND

Die ersten wichtigeren Impulse zur Frauenbewegung in Deutschland treten zum erstenmal ans Licht. Als Gründerin der Deutschen Frauenbewegung gilt LUISE OTTO - PETERS (1819 - 1895). Für die Gesellschaft bedeutete es Veränderung der Weltanschauung und die Begriffe wie Gleichheit, Freiheit und Selbständigkeit wurden in Frage gestellt.

1843 forderte Luise Otto- Peters folgendes: "Die Teinahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht." Gerade sie und später auch andere frauen wie z. B. ALICE SCHMIDT (1833 - 1902) und HENRIETTE GOLDSCHMIDT (1825 - 1920) befessten sich mit dem Problem der Entfaltung der Persönlichkeit der Frau. Sie verlangen, daß die Frau die Möglichkeit bekommt, sich weiterzubilden und dadurch ihre Ideen zu realisieren.

"Man hat doch einen Traum" ( WANDER, M. 1978, S. 87).

Luise Otto- Peters schrieb damals in einer Frauenzeitschrift: "Eine Versündigung nicht nur am Weibe, sondern an der Menschheit, am Prinzip der Schöpfung ist es: das Weib in Knechtschaft zu stoßen und darin zu erhalten, es auf den engen Kreis der Häuslichkeit beschränken zu wollen und somit auszuschließen von jenen anderen Zwacken der Menschentums."

Schon die Frau im 19. Jh. erkannte, daß sie in einer Männerwelt lebt. Sie leidet darunter, weil Familie, Beruf, Bildung, Kirche, Politik und auch der Staat von Männern eingerichtet wurden.

Die Gesellschaft in dieser beachtet noch nicht die Bedürfnisse der Frau. Die Frau verlangt Recht auf Arbeit und muß sich es hart erkämpfen.

"Wir verlangen, daß die Arena der Arbeit auch für die Frauen geöffnet wird" (TWELLMANN, L. 1972; S. 3 ).

Warum strebte sich eigentlich die Frau nach dem Recht auf Bildung und Arbeit? Die Frau will nämlich unabhängig von dem Einkommen ihres Mannes sein, sie will auf eigenen Füssen stehen. Damals, wenn die Frau unverheiratet blieb, hatte sie bloß eine einzige Möglichkeit, Gouvernante oder Gesellschaftlerin in einer reichen Familie zu werden. Sie wurde dafür selbständig schlecht bezahlt. "Die Frau bedeutete eine allgemein bemittelte Zwitterstellung zwischen Familiengehörigkeit und DIENSTBOTEN - DASEIN" (HERZ-NAVE, R. 1982; S. 12).

Später ergab sich allmählich die Möglichkeit, Lehrerinnenberuf vollzuziehen. Die frau aus der niedrigen Schicht konnte leider nur als Arbeiterin in einer Fabrik oder als Dienstmädchen oder Wäscherin in einer wohlhabenden Familie eingestellt werden. Aber auch in den mittleren oder Bürgerschichten herrschte oft schlechte finanzielle Situation. Theoretiker M. TWELLMANN, der sich in seinen Werken mit dem Thema der Frauenbewegung intensiv befasst, schreibt: "Oft herrschte echte Not in den Familien, der dann in der üblichen Weisse durch Sparen und heimlich ausgeführte /standesgemäße/ Näh -, Stick -, Häkel - und anderen Handarbeiten begegnet werden mußte - heimlich!"

Die Frauen, die nicht berufstätig waren, wurden oft gezwungen, zu heiraten, weil es für sie eine VERSORGUNGSINSTITUTION darstellte. In der Ehe sah dei Frau eine bestimmte Rettung. Die Gesellschaft setzte der Frau klare Aufgaben fest, die schon in der Bibel eingeprägt waren, und zwar war es musterhafte Vollziehung der Mutterrolle und der Arbeit im Haushalt. "Und es ist kein Zweifel, daß das geistige Niveau der bürgerlichen Frau durch diese Beschränkung des Kreises ihrer Verantwortung und ihrer Pflichten sank, daß OBERFLÄCHLICHKEIT, KLEINLICHKEIT, REIZBARKEIT, PUTZSUCHT usw.,überdurchschnittlich zunahm" (HERZ - NAVE, R. 1982; S. 14).

Weil jede betroffene Frau mit ihrem Schicksal allein blieb, kam man dann später auf die Idee des Zusammenhaltens aller interessierten Frauen. Die Frauen fangen an, sich zu treffen und über "heiße Themen" zu diskutieren. 1865 wurde erste Frauenkonferenz veranstaltet und in demselben Jahr auch DER ALLGEMEINE DEUTSCHE FRAUENVEREIN gegründet. Danach wurden auch viele Schwierigkeiten in der gesellschaft wahrgenommen, die mit der Frauenbewegung zusammenhingen. Der Bewegung wurde vorgeworfen, daß die Frauen die RUHIGE FAMILIENOASE zerstören wollen. Die bisherige Rolle der Frau wurde als natürliche, von dem GOTT bestimmte Rolle verstanden.

"Der Mann ist für Kampf und Arbeit bestimmt, dei Frau aber in der Pflege reiner warmer und inniger Gefühle, in der Bewahrung der Güter, die der Mann erworben, in der Ordnung, Leitung und dem Schmuck des Hauses, die von Gott ihre anvertraute Aufgabe suchen" (HERZ - NAVE, R. 1982; S. 16).

Gegen die Frauenbewegung traten sowohl Männer als auch Frauen auf. Die Frauen als Gegnerinnen betonten die "gottgewollte Abhängigkeit" von Frau an ihrem Mann. Alles war damals für Frauen schwierig ,weil die Frauen auf dem politischen Feld ebenfalls keine Rechte besaßen. Am schlimmsten sah die Situation der Frauen in Preußen und in Bauern aus, Preußen war ein Staat auf der militärischen basis und Bauern wurde stark von den religiösen Ansichten beeinflußt.

Die Frauen waren finanziell völlig auf ihren Ehemann angewiesen.

"Die Fraueneigenschaften, die zu jener Zeit in der Gesellschaft erwünscht waren, waren folgende: UNSCHULD, SANFTMUT, BESCHEIDENHEIT, SCHAMHAFTIGKEIT u. a. Die Frauen wollten darum der Gesellschaft beweisen, daß sie auch andere Pflichten "auf sich nehmen" können, indem sie die alten Pflichten einwandfrei erfüllt hatten" (vgl. HERZ - NAVE, R. 1982; S. 18).

Unter anderem wurden immer häufiger verschiedene Konferenzen der Frauenverbände veranstaltet. Die Frauen setzen sich aber von Anfang an schwierig durch, weil in dem deutschen Staat noch alte und KALTE TRADITIONEN überdauerten.

"Noch verhalten sich Frauen wie eine Minderheit, obwohl sie eine MEHRHEIT sind" (HERZ - NAVE, R. 1982; S. 48). Später verstummte die Frauenbewegung für eine bestimmte Zeit.

Eine neune Welle der Frauenbewegung wird dann in den 60er Jahren des 20. Jhs. wahrgenommen. das Phänomen spitzte sich gemeinsam mit der Studentenbewegung 1968 zu. Die Studenten verlangten vor allem Freiheit in allen Lebenssphären, die auch die Frauenbewegung beinhalten sollten. Die deutsche Frauenbewegung wurde auch von den amerikanischen und französichen Frauenstudien wesentlich beeinflußt.

Man fängt an, von der Sexualität hemmungslos zu reden und es wird mit den Frauenproblemen verbunden.

"Denn die Studentinnen begannen plötzlich zu merken, dßa ihre männlichen Kommilitonen zwar nach außen antiautoritäre Verhaltensmuster forderten, sich selbst aber im Innenbereich - und somit die Studentinnen und Partnerinnen gegenüber - recht autoritär verhielten" (HERZ - NAVE, R. 1982; S. 50).

Den Frauen wurde dieser Zustand langsam bewußt und sie bildeten dann eigene Gruppen und handelten mit Männern. es ist höchste Zeit, von den früher verbotenen Themen zu sprechen, sonst erreichen die Frauen keine Veränderung.

"Die TABUISIERUNG hat zur Folge, daß das spezifische Ausbeutungsverhältnis, unter dem die Frauen stehen, verdrängt wird, wodurch gewährleistet wird, daß die Männer ihre alte, durch das PATRIARCHAT gewonnene Identität noch nicht aufgeben müssen" ( FRANFURTER FRAUEN, 1975; S. 160).

Einige Studien nehmen sogar an, daß die von Frauen veröffentlichte Sexualität auch zur ENTTABUSIIERUNG der Homosexualität führte. Es wird oft über das Dilema der ungewünschten Schwangerschaft und der Schwangerschaftsunterbrechung diskutiert. Es entstehen bestimmte Frauenzentren, in denen die Frauen kooperieren können. Es wird viel polemisiert und geplant. "Bis Ende der 70er Jahre entwickelte sich in der BRD - neben Schweiz - das dichteste Netz von Frauenzentren in Europa" (FRANKFURTER FRAUEN, 1975, In: HERZ - NAVE, R. 1982, S. 53).

Die Frauenbewegung in der DDR wurde von der Bewegung in der BRD beeinflußt. Einige Züge übernahm die Frauenbewegung aus den USA und aus Frankreich.

In den 70er Jahren spürt man schon erste feministische Tendenzen. Die Frauen wollen die soziale Lage der Frau DURCH FRAUEN SELBST verändern, sie wollen nicht mit dem Mann zusammenarbeiten. Der Mann wird von ihren Konzeptionen völlig ausgeschieden. "Feminismus ist nicht nur eine politische Überzeugung. Es ist eine neue Lebensform, die wir uns Schritt für Schritt erkämpfen müssen" (FRANKFURTER FRAUEN, 1975, S. 39f.). Manche radikalen Wellen der Frauenbewegung lehnen alles ab, was männlich ist. Die Frauen starten erste feministische Projekte, es werden viele Gesundheits- und Therapiezentren für Frauen eingerichtet, denn "nur Frauen können die Frauen verstehen." Sie greifen die gesellschaftlichen Tabus an. Es werden maßhaft die Phänomene wie Gewalt in der Ehe, Vergewaltigung und Mißhandlung der Frauen besprochen.

Im kulturellen Bereich entstehen auch mehrere Frauenverlage (z. B. "Frauenoffensive"in München, "Frauenselbstverlag" in Berlin...), FRAUENBUCHHANDLUNGEN; FRAUENZEITSCHRIFTEN (z. B. "Courage" oder "Emma"...), im literarischen Bereich tritt oft in den Vordergrund der Begriff FRAUENLITERATUR. Es handelt sich um Literatur von, für und über Frauen, sie ist aber nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer geeignet. Die Autorinnen veranstalten oft Lesungen ihrer Werke, bei dieser Gelegenheit trifft sich auch das Frauenpublikum zusammen. In der Öffentlichkeit wird schon die literarische Bezeichnung "SCHREIBENDE FRAUEN" verwendet.

Der Prozeß der Befreiung der Frau wird dadurch noch nicht beendet. Dei Frauen bekommen zu jener Zeit und ebenfalls heutzutage immer mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und auch in anderen Sphären des Lebens bringen die Frauen ihre Fertigkeiten zur Geltung.

1.2. GESELLSCHAFTLICHE UND POLITISCHE STELLUNG DER FRAU IN DER DDR IN DEN 60er UND 70er JAHREN DES 20. JHs.

Nach der Gründung der DDR (1949) bahnt sich der Staat seinen eigenen Weg. Die DDR war sog. "sowjetische Besatzungszone" und übernahm auch die gesellschaftlichen Ideen von der Sowjetunion. In der DDR wird langsam die sozialistische Gesellschaftsordnung aufgebaut. Die kommunistische Partei Deutschlands gewinnt an Bedeutung. Der Mensch wird schnell den Ideen des Sozialismus unterworfen und muß sich natürlich anpassen.

Ich will hiermit nicht mit den Ideen des Sozialismus sympatisieren, sondern ich will mich ausschließlich auf die Frau konzentrieren und versuchen, die Vorteile dieser Epoche und vor allem das Verständnis für Frauenbedürfnisse in der DDR herauszuziehen und zu entdecken.

Der Staat stellt der Frau eine neue Rolle in Aussicht. Dadurch werden ihr viele bisher unbekannte Horizonte geöffnet. Das Regime wollte nämlich allen Menschenschichten und beiden Geschlechtern entgegenkommen. Damit ist es aber nicht zu behaupten, daß die DDR laute ideale Grundsätze prägte, aber es ist zu erwähnen, daß es gerade in dieser Zeit wesentlich auf die Frau aufmerksam gemacht wurde und ihr dadurch auf dem Weg der Selbstverwirklichung geholfen wurde.

Die Verfassung verspricht völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau (Mit der Frage, ob es auch für die Wirklichkeit gilt, werde ich mich in anderen Kapiteln befassen). "In der DDR werden alle Mitglieder der Gesellschaft - auch Männer und Frauen - sozial gleichgestellt" (KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978; S. 74). Die Frau soll gleich wie der Mann behandelt werden und die Arbeits- und Lebensbedingungen der Frau sollen verbessert werden. Die Frau kann sich auch in interessanteren Tätigkeitsgebieten verwirklichen und hier dann einen festen Platz einnehmen.

Kurz gesagt - die gesellschaftliche Stellung der Frau in der DDR soll befestigt werden. Eine berufstätige Frau wird nicht zur Ausnahme, sondern zur GEWOHNHEIT, angesehen von der berufstätigen Frau mit Kindern. Die Frau wird allgemein gefördert, sie übernimmt auch verschiedene Männerberufe und setzt sich mit dieser für sie neuen Lage auseinander. Sie wird gleich wie der Mann BEZAHLT. "Die Persönlichkeitsentwicklung der Frauen erfordert, daß die Frauen ihre berufliche Tätigkeit noch erfolgreicher nach ihren Aufgaben als Mütter und in der Familie vereinbaren können" ( KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978, S. 75).

Das Gesetz beinhaltet ebenfalls das Recht der Frau auf Bildung und Weiterbildung. Dadurch wuchs schnall die Zahl von Frauen, dei über eine abgeschlossene Fach- und Hochschulbildung verfügen konnten. Die Veränderung der Familientradition und des alten Zustandes sollte noch auf andere Lösungsmöglichkeiten aufmerksam machen. "Die traditionelle Gewohnheit, daß die Frau den weitaus größten Teil der noch im Haushalt zu erledigenden Arbeiten ausführt und daher weitaus weniger Freizeit als ihr Ehepartner hat, wird weiter zurückdrängt" ( KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978; S. 79f.).

Der Staat ermöglicht der Frau spätere Karriere und die Frau darf sich schon in politische Angelegenheiten einmischen. Ebenfalls das Problem der "arbeitenden Mütter" wird durch Kinderbetreuung und Versorgung gelöst. In den 60er und 70er Jahren werden in der DDR reichliche Kinderkrippen- und Kindergartenplätze beschaffen. Ihre Einführung wird dann zwar in vielen nichtkommunistischen Ländern in Frage gestellt, weil diese Institutionen das Kind den Eltern und vor allem der Mutter zu früh "entnehmen." Es wird gefördert, daß sich die Frau lieber der Betreuung der Säuglinge und der Kleinkinder widmen sollte. Die Schaffung der Kinderbetreuungsinstitutionen reagierte auf die Befürchtungen der Frauen, aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden zu werden.

Die Frau hatte auch die Möglichkeit, auf die traditionelle Rolle der Frau zu verzichten und lieber den Weg zu ihrer persönlichen Entwicklung zu wählen.

"Spannt man die Frau in den engen Rahmen von Heim und Familie, so führt das zur DEFORMATION IHRER PERSÖNLICHKEIT" (KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978, S. 88).

Die Frauenbewegung in der DDR geht zweifellos von der Frauenbewegung in der BRD heraus. Aber es wurde später manches gegen die Frauensituation und Rechte der Frauen in der BRD eingewendet. Im folgendem Absatz erwähne ich einige Beispiele.

Dem kapitalistischen System wurde vorgeworfen, daß die Frau auf verschiedene Weisen diskriminiert wird.

"Die Orientierung, Hausfrau zu sein, zielt darauf, die Frauen von der Berufstätigkeit und der gesellschaftlichen Organisierung abzuhalten, um ihnen dann die Möglichkeit zu nehmen, sich für die Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen einzusetzen. ( KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978, S. 93 )."

Die Frauen in der BRD befürchten die Gefahr, nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden zu werden. "Was sie auch macht, es wird gegen sie verwendet... Sie ist berufstätig, handelt sie fahrlässig gegenüber ihrer Kinder. Ist sie nicht berufstätig, wird sie als DROHNE AM HERD betrachtet .

( KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. 1978, S.93 )." Aber was in der DDR negativ beurteilt wurde, wurde in der BRD als Vorteil betrachtet und zwar - die Frau widmet sich mehr dem Kind und konzentriert sich auf seine Erziehung.

So entstanden z. B. auch Ansichten, daß die Frau als minderbezahlte Arbeitskraft in der BRD gilt, daß es da an der ökonomischen Gleichberechtigung fehlt und daß die Frau dadurch ausgebeutet wird ( vgl. DIE FRAU, S. 139 ). "Nicht nur, daß finanzielle Not die Frau in die Fabrik trieb, sondern ihre Arbeitskraft wurde auch von Anfang an vom KAPITALISTEN gebraucht und mißbraucht... (DIE FRAU , S. 138 )."

Die Frau kämpfte immer mit ihrer traditionellen Aufgabe - im Haushalt zu bleiben und dem Ehemann unterworfen zu sein. So mußte sie oft auf Ausbildung überhaupt oder auf weitere Ausbildung verzichten. "Das veranlaßte die Frauen in großer Zahl zur Arbeit in Fabriken, in Büros und im Dienstleistungssektor (KUHRIG, H. / SPEIGNER, W. , S. 87 )."

1.3. Entstehende Frauenliteratur

Die Frau als Thema wurde schon vor Jahrhunderten im literarischen Bereich angesprochen. Der Frau wurde immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Im ersten Teil erwähne ich kurz die globale Entwicklung der Frauengestalten im Laufe der Geschichte in den literarischen Werken , im zweiten Teil orientiere ich mich auf die Frauenliteratur allgemein und vor allem in der DDR , ihre Herauskristalisierung und Hauptthemen, die sich hier widerspiegeln.

Frauengestalten und ihre Entwicklung

Die Frauengestalt erscheint in der Literatur schon in der Antik. In Deutschland kommt die Frau als Hauptthema in höfischen Epen vom 13. Jh. und im Minnendienst vor, wo sie verherrlicht und angehimmelt wird. Die Frau bleibt noch jahrhundertelang fromm, gehorsam und tugendhaft. Im 17. Jh. verlangt die gesellschaftliche Situation "unabhängige Position des deutschen Bürgertums" und die Frauen setzen sich ebenfalls darum ein. Erotische Probleme der Heldinnen kommen da zum erstenmal ans Licht. Im 18. Jh. gibt`s ein breites Spektrum der Frauenheldinnen - der Frauen BÜRGERINNEN, die Wert auf weitere Bildung and andere Freiheiten legen. Der erste sogenannte Frauenroman war "Die Geschichte des Fräulein von Sternheim" von SOPHIE DE LA ROCHE. G, E. LESSING ist der Autor der ersten dt. Tragödie mit einer bürgerlichen Heldin - "Miß Sara Sampson". Er hat die Frauen zu Titelgestalten seiner Werke erhoben ( vgl. DIE FRAU, 1979; S. 202 ). "Die Hauptthemen waren unter anderem Entehrung bürgerlicher Mädchen durch adelige Offiziere, Kindesmord als Folge der Entehrung und sozialer Ausweglosigkeit (Gretchen in Goethes Faust ), Pflichtgefühl dem Verlobten gegenüber ( Lotte in "Die Leiden des jungen Werther" ) und viele andere" ( DIE FRAU, 1979; S.203f. ). Theodor Fontane schildert später Frauengestalten, die der konventionellen Gesellschaft unterliegen müssen. Die Frau wird immer mehr von den gesellschaftlichen Zwängen befreit, kämpft gegen Faschismus, KÄMPFT FÜR IHRE RECHTE.

In der DDR - Literatur nach 1945 und später treten eigenständige Frauengestalten in den Vordergrund ( vgl. DIE FRAU, 1979; S. 209 ). Sie streben nach der Gleichberechtigung und nach der weiteren Perspektive, sie verlangen einen gewissen Anspruch ans Glück und an Persönlichkeitsentwicklung. Die Frau wird selbstbewußt und emanzipiert. "Vielleicht ist es Emanzipation, daß Dinge, die früher zu Katastrophen geführt haben, heute kein Problem mehr sind. Daß eine Frau sagen kann: Wenn du nicht mitmachst, dann mache ich das alleine. Obwohl das nicht einfach ist" (WANDER, M. 1978; S. 15 ). Sie wird oft in der Auseinandersetzung mit dem Mann und im menschlichen Zusammenleben gezeigt. ( vgl. DIE FRAU, 1979; S. 210 ).

FRAUENLITERATUR

Dieser Termin wurde früher irrsinnig falsch verstanden und immer mit SENTIMENTALITÄT, SCHÖNFÄRBEREI DER LIEBE und den "kitschigen Frauenromanen in der roten Bibliothek " verbunden. In der Wirklichkeit handelt es sich um Literatur FÜR, VON, und ÜBER FRAUEN. "Was sie als Frauenliteratur an den Markt bringen, unterscheidet sich jedoch mitunter von anderer Literatur nur dadurch, daß ihr Verfasser eine Frau ist" ( FRANKE, H. P. / ULLRICH, G. 1983; S. 180 ).

Der Begriff Frauenliteratur ist in den 70er Jahren entstanden und seit dieser Zeit wurde er verwendet und geprägt. Die Entstehung dieser Strömung in beiden Ländern (DDR und BRD ) hängt zweifellos mit der Frauenbewegung zusammen, die zuerst in Westdeutschland entstanden ist und die sich später in der DDR verbreitet hat. Die Frauen haben gegen ihre Ausbeutung protestiert. "Auch der demokratische Frauenbund Deutschlands mußte sich in eine gelenkte Auseinandersetzung einfügen" ( BARNER, W. 1994; S. 736 )

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Details

Seiten
51
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638154079
ISBN (Buch)
9783656561262
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8433
Institution / Hochschule
Univerzita Pardubice
Note
1
Schlagworte
Frauenbewegung Frauenliteratur Jahre

Autor

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Titel: Frauenbewegung in der Frauenliteratur der 60er und 70er Jahre in der DDR