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Unternehmensführung zwischen Vertrauen und Kontrolle

Ein Plädoyer für die Reduktion von Unsicherheiten bei Aktionären durch Signale des Managements

Diplomarbeit 2007 117 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Kalkulatorisches Vertrauen
2.1 Coleman und Vertrauen als „Rational Choice“
2.1.1 Annahmen über den rationalen Akteur
2.1.2 Vertrauen als rationale Handlungsstrategie
2.1.3 „Gambling Choice“
2.1.4 Vertrauen als Grundlage der Investitionsentscheidung
2.2 Vertrauenskonzeption der Neuen Institutionenökonomik
2.2.1 Prinzipal-Agenten-Beziehung als Vertrauensbeziehung
2.2.2 Der Vertrag als Garant für Vertrauen

3 Agency-Theorie
3.1 Grundkonzepte der Agency-Theorie
3.1.1 Akteure und ihre spezifischen Eigenschaften
3.2 Hauptprobleme
3.2.1 Hidden Characteristics
3.2.2 Hidden Action
3.2.3 Hidden Information
3.2.4 Hidden Intention
3.3 Lösungsmöglichkeiten für Agencyprobleme
3.3.1 Reduktion von Informationsunterschieden
3.3.2 Auflösen von Zielkonflikten
3.3.3 Vertrauen zwischen Prinzipal und Agent
3.4 Anwendungsbereich bei Trennung von Eigentum und Kontrolle in Unternehmen

4 Corporate Governance
4.1 Der Versuch einer Definition
4.2 Die Entwicklung der Corporate Governance
4.3 Unterscheidung der Corporate Governance Systeme nach formalen Unterschieden
4.3.1 Single Board Struktur
4.3.2 Duales System mit Vorstand und Aufsichtsrat

5 Gestaltung der Corporate Governance nach den Konzepten der Agency-Theorie unter Berücksichtigung des Faktors Vertrauen
5.1 Ziele und Interessen der beteiligten Akteure
5.1.1 Die Eigentümer
5.1.2 Die Manager
5.2 Implementierung eines Aufsichtsrats als Kontrollorgan
5.3 Nutzen des Aufsichtsrats
5.4 Opportunismus als Grundannahme
5.5 Bedeutung von Vertrauen für die Corporate Governance
5.5.1 Reduktion von Vertrauen in agencytheoretisch geleiteten Corporate Governance Systemen
5.5.2 Vertrauen und Misstrauen als Ursache für Verhalten

6 Insiderhandel und dessen Signalwirkung
6.1 Rechtliche Grundlagen zu Insiderhandel
6.1.1 Problematik der Definition
6.1.2 Pflicht zur Offenlegung von Insiderkäufen
6.2 Insideraktivitäten und die damit verbundenen Signale
6.2.1 Insiderkäufe als Signal zur Reduktion von Unsicherheiten
6.2.2 Insidertransaktionen des Vorstandsvorsitzenden
6.3 Kritische Auseinandersetzung mit Insiderhandel
6.4 Ergebnisse einer Untersuchung zu Insidertransaktionen

7 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Kursverlauf der Aktie der Deutschen Bank AG und Volumen der Insiderkäufe

Abbildung 2 Kursverlauf der Aktie der Deutschen Bank AG und Volumen der Insiderverkäufe

Abbildung 3 Aufstellung der Insiderkäufe

Abbildung 4 Aufstellung der Insiderverkäufe

Abbildung 5 Insideraktivitäten des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG Dr. Josef Ackermann

Abbildung 6 Insidertransaktionen von Josef Ackermann ohne Volumen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Es war am 01. Februar diesen Jahres als die Deutsche Bank AG durch ihren Vorstandsvorsitzenden Dr. Josef Ackermann die Jahreszahlen aus 2006 auf einer Pressekonferenz verkündete. Er eröffnete diese Pressekonferenz mit den Worten:

„Drei zentrale Aussagen möchte ich gleich zu Beginn treffen. Erstens: Das Jahr 2006 war ein Rekordjahr für die Deutsche Bank. Nie zuvor haben wir operativ ein besseres Ergebnis erzielt. Zweitens: Unsere Aktionäre sollen von dieser Wertschaffung profitieren. Dank eines herausragenden Ergebnisses pro Aktie wollen wir der Hauptversammlung im Mai eine Dividende in Höhe von vier Euro vorschlagen, auch dies selbstverständlich ein neuer Höchstwert für die Deutsche Bank AG. Und drittens: Wir sind sehr zuversichtlich, unsere Wachstumsdynamik beibehalten zu können, denn wir sind sehr gut vorbereitet auf die Entwicklungen, die unser Geschäft in den nächsten Jahren nachhaltig prägen werden.“[1]

Bei diesen Ausführungen von Herrn Ackermann ist es nicht verwunderlich, dass der Kommentator der Live-Übertragung der Meinung ist: „Ehre, wem Ehre gebührt“.

Am darauf folgenden Tag kann man auch in der Süddeutschen Zeitung von dieser Pressekonferenz lesen. Die Stimmen sind hier nicht mehr ganz so positiv und überzeugt. Es gibt auch Kritik. So muss man lesen, dass die Deutsche Bank nicht mehr deutsch sei (vgl. Hesse, 2007, S. 19). Das Herz der einstigen Deutschland AG erzielt 75% seiner Gewinne im Ausland. Besonders in den wachstumsstarken Regionen China und Indien wächst die Deutsche Bank schnell. Außerdem stehen im erweiterten Führungsgremium der Deutschen Bank drei Deutsche acht Ausländern gegenüber. Und immer wieder schwingt auch der Mannesmann-Prozess mit. Saß nicht auch jener Mann, der im Februar diesen Jahres Rekordgewinne und Rekord-ausschüttungen für die Aktionäre erzielte, noch ein paar Monate zuvor auf der Anklagebank? So fasst die Frankfurter Allgemeine Zeitung zusammen, dass „(…) Josef Ackermann seit Anfang 2004 immer wieder die Anklagebank des Gerichtsaals drückte“ (Preuß, 2006, S. 15). Aber waren da nicht noch mehr Ereignisse, die uns in den letzten Jahren in Verbindung mit dem Namen Josef Ackermann einfallen? Doch natürlich, da gab es neben dem bereits erwähnten Mannesmann-Prozess noch die Kirch-Pleite (aus der ebenfalls eine Strafanzeige für Ackermann folgte) und natürlich auch der Arbeitsplatzabbau bei der Deutschen Bank im Jahre 2005 trotz Rekordergebnissen. Muss man sich da nicht fragen, ob man solch einem Vorstandsvorsitzenden vertrauen kann? Muss sich der potentielle Aktionär und damit dann auch Miteigentümer des Unternehmens nicht fragen, ob Ereignisse wie im Mannesmann-Fall Vertrauen überhaupt noch rechtfertigen? Oder ob etwa die Kontrolle versagt hat?

Diese Fragen sind durchaus relevant für Aktionäre oder jene die es werden wollen. Corporate Governance kommt nicht ohne die Frage nach Vertrauen in die Unternehmensführung aus. Dieser Aspekt wird häufig vernachlässigt und Kontrolle in den Vordergrund gestellt. Effektive Kontrolle und effektive Anreizsysteme scheinen das Allheilmittel einer Corporate Governance zu sein, die sich an den Prämissen der Agency-Theorie orientiert.

Eine weitere Frage, die sich stellt, ist, ob oben beschriebene Ereignisse überhaupt Eingang in die Kalkulation der Eigentümer finden und wenn ja, wie kann dies gezeigt werden?

Aufgrund dieser Vorüberlegungen ergeben sich vier Thesen, die es in dieser Arbeit zu betrachten gilt:

1. Ein entscheidender Faktor bei der Investitionsentscheidung ist die Kompetenz der Unternehmensführung und deren Vertrauens-würdigkeit.
2. Die Prämissen der Agency-Theorie, im Besonderen die Überbetonung von Kontrolle und die Opportunismus-Annahme, führen zu einer Reduktion von Vertrauen.
3. Signale durch das Management beeinflussen die Wahrscheinlichkeit einer Investition und damit der Vertrauensvergabe und bieten somit die Chance, Kontrolle zu reduzieren.
4. Insiderkäufe stellen Signale dar, die die Vertrauenswürdigkeit der Unternehmensführung erhöhen, da sie Unsicherheiten bezüglich des Verhaltens des Managements reduzieren.

Um diese Thesen zu bearbeiten, werde ich die Arbeit wie folgt aufbauen: Im zweiten Kapitel wird zuerst einmal betrachtet, mit welcher Konzeption von Vertrauen ich arbeiten werde. Ich habe mich hierbei für die Colemansche Vertrauenskonzeption entschieden, da bei ihm Vertrauen eine äußerst rationale Handlungsstrategie ist und einer Art Wette gleichkommt („Gambling Choice“). Dies bietet sich in dem Bereich, in dem wir uns bewegen werden, natürlich geradezu an. Ich denke, dass niemand davon ausgeht, dass ein Fondsmanager, der Aktien eines Unternehmens kaufen möchte, emotional entscheidet (z.B. weil ihm das Logo des Unternehmens so gut gefällt). Vielmehr handelt es sich um einen hochgradig rationalen Entscheidungsprozess darüber, ob der Unternehmensführung vertraut und auch zugetraut wird, das Unternehmen bestmöglich zu führen und die ganz individuellen Chancen des Unternehmens zu nutzen. In diesem Kapitel soll es vor allem darum gehen, zu verstehen, wann Vertrauen vergeben wird und warum in unserem spezifischen Fall eine Vertrauensentscheidung einhergeht mit einer Investitionsentscheidung.

Das dritte Kapitel widmet sich dann der Kontrolle. Da wir uns ja immer noch im Bereich der Unternehmensführung befinden, nutze ich hier den klassischen Ansatz, um zu erklären, warum Kontrolle eingesetzt wird. Natürlich handelt es sich dabei um die Agenturproblematik. Hierbei geht es vor allem darum, zu rekapitulieren, was Agenturprobleme bedingt und welche Lösungsmöglichkeiten es dafür gibt. Auch Anreizsysteme werden in diesem Kapitel thematisiert. Wichtig ist mir, dass auch hier eine Theorie angewandt wird, die von rational handelnden Akteuren ausgeht, um so das Akteursbild weitestgehend homogen zu halten.

Im vierten Kapitel erfolgt dann die Betrachtung der Corporate Governance. Es geht also darum, aufzuzeigen, wie sich Corporate Governance mit der Kontroll- und Überwachungsproblematik auseinandersetzt. Wichtig ist an dieser Stelle auch zu betrachten, welchen Stellenwert Kontrolle innerhalb der Corporate Governance einnimmt. Infolgedessen wird auch eine kurze Exkursion in die Geschichte der Corporate Governance und eine Unterscheidung des deutschen und des amerikanischen Modells folgen.

Dem fünften Kapitel kommt eine ganz entscheidende Rolle zu. Hier werden die bis jetzt getroffenen Aussagen zusammengeführt. Als besonders wichtig erachte ich es, an dieser Stelle aufzuzeigen, inwieweit spezifische Ereignisse in ihrer subjektiven Bewertung Einfluss auf die Vertrauensvergabe und damit auch auf die Investitionsentscheidung haben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, warum anfängliches Vertrauen (denn dies ist notwendig für eine Investitionsentscheidung, wie ich im zweiten Kapitel zeigen werde) der Kontrolle weicht. Weiterhin wird gezeigt, warum überbetonte Kontrolle zu einer Vertrauensreduktion führt. Um dies alles zu erklären, kam es zu einer Adaption der Formel Colemans, um so mehr Erklärungsgehalt für meine spezifische Betrachtung zu erhalten.

Das sechste Kapitel wird sich dann anschließend noch einmal vertiefend mit einer möglichen Konsequenz aus den davor erfolgten Feststellungen befassen. Als möglicher Ansatz zur Reduktion von Kontrolle scheinen Signale durch das Management recht praktikabel zu sein. Ich werde in diesem sechsten Kapitel insbesondere die Wirkung von Insidertransaktionen darstellen und aufzeigen, wie solche Transaktionen Unsicherheiten bezüglich einer Vertrauensentscheidung reduzieren. Dabei werde ich beispielhaft auf die Insidertransaktionen bei der Deutschen Bank eingehen.

Abschließend wird eine Zusammenfassung dieser Arbeit stehen und ein Ausblick gegeben.

2 Kalkulatorisches Vertrauen

Dieses Kapitel dient dazu, einen Einstieg in die Erklärungsmöglichkeiten des Vertrauensbegriffes zu finden. Vertrauen wurde in der Theoriegeschichte mannigfaltig diskutiert und analysiert. Die wohl bekannteste Ausarbeitung dazu ist die Niklas Luhmanns (vgl. Luhmann, 1968), der in Vertrauen einen Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität sieht. Ich werde meinen Fokus jedoch im Wesentlichen auf die Vertrauenskonzeption James S. Colemans legen. Die Ursache dafür liegt darin begründet, dass ich zum einen der Meinung bin, dass für eine Vertrauensentscheidung in Corporate-Governance-Systemen eine Darstellung auf der kalkulatorischen Basis besondere Erklärungsmöglichkeiten bietet. Zum anderen ist es notwendig, ein relativ homogenes Akteursbild zu Grunde zu legen, um so ein solides Fundament für den weiteren Verlauf der Arbeit zu schaffen. Es wäre nicht zuträglich, mehrere unterschiedliche Erklärungsansätze einzuführen, denen ein unterschiedliches Akteursbild zugrunde liegt. Aufgrund dessen, dass im weiteren Verlauf der Arbeit der Kontrollaspekt zwischen Eigentümern und Unternehmensführung über die Agency-Theorie erklärt wird, halte ich Ansätze kalkulatorischen Vertrauens, im Speziellen den von Coleman, für stimmig.

Die Vertrauenskonzeption Colemans lässt sich als kalkulatorisches Vertrauen beschreiben, da die Entstehung von Vertrauen ursächlich vom individuellen Kalkül abhängt. Entscheidend ist also die Frage, warum Vertrauen entsteht. Bei Colemans Ansatz wird Vertrauen dabei zur berechenbaren Größe. In der Vertrauenskonzeption der Neuen Institutionenökonomik wird Vertrauen als Prinzipal-Agenten-Beziehung dargestellt, in der Vertrauen eine rationale Handlungsalternative gegenüber Agenten darstellt, die in ihren Grundzügen opportunistisch sind.

Einen weiteren theoretischen Blickwinkel auf kalkulatorisches Vertrauen bietet die Spieltheorie. Ich werde diese jedoch nicht weiter verfolgen, sie sei aber der Vollständigkeit halber genannt.

2.1 Coleman und Vertrauen als „Rational Choice“

In den Grundlagen der Sozialtheorie stellt Coleman ausführlich seine Vertrauenskonzeption dar. Besonders Band 1 räumt dem Vertrauensbegriff und dessen konzeptioneller Fassung einen besonderen Stellenwert ein.

Grundsätzlich kann man Coleman in den aufgeklärten methodologischen Individualismus einordnen (vgl. Eberl, 2003, S. 59), auch wenn er selber festhält, dass es sich um eine „spezielle Variante“[2] (Coleman, 1991, S. 6) handelt. Eine Erklärung von Systemverhalten setzt nach seiner Auffassung nicht unbedingt voraus, dass eine Erklärung auf der Individualebene notwendig ist, die dann aggregiert wird. Die Individualebene stellt zwar so etwas wie einen „natürlichen Endpunkt“ (Coleman, 1991, S. 5) dar, es ist jedoch nicht notwendig, immer bis hinunter auf die Individualebene zu gehen. Sein Vorgehen ist dabei pragmatischer, wenn er sagt, dass eine Erklärung dann befriedigend ist, „(…) wenn sie für die besonderen Arten des Eingriffs, denen sie zugrunde liegen soll, von Nutzen ist“ (Coleman, 1991, S. 6 f.).

Das Anliegen Colemans ist es, das Verhalten sozialer Systeme zu erklären. Dies kann man bereits dem ersten Satz in Band 1 der Grundlagen der Sozialtheorie entnehmen. So sagt er, dass das zentrale Problem der Sozialwissenschaft darin besteht, „(…) zu erklären, wie ein soziales System funktioniert“ (Coleman, 1991, S. 1). Dabei stellen diese sozialen Systeme Phänomene auf der Makroebene dar. Eine direkte Erklärung solcher Phänomene ist jedoch schwierig, da hier die nötigen Variablen fehlen (vgl. Eberl, 2003, S. 59). Colemans Argumentation zufolge muss die Mikroebene in die Betrachtung mit einbezogen werden, da individuelle Akteure in den Systemen handeln. Der aufgeklärte methodologische Individualismus berücksichtigt dabei, „(…) dass die Interaktion zwischen den Individuen durchaus emergente Phänomene auf der Systemebene hervorrufen kann, ohne dass dies von den individuellen Akteuren intendiert oder antizipiert wurde“ (Eberl, 2003, S. 59).

Colemans Konzeption besteht dabei im Wesentlichen aus drei Elementen (vgl. Coleman, 1991, S. 33). Das erste ist der Übergang von der Makroebene zur Mikroebene. Dies bedeutet, dass bestimmte Phänomene, die auf der Makroebene existieren, auf der Mikroebene des Individuums zum Tragen kommen (vgl. Coleman, 1991, S. 2 ff.). Das zweite Element ist das individuell ausgerichtete Handeln der Akteure auf der Mikroebene, das sich, wie ich später noch zeigen werde, vor allem an der Nutzenmaximierung orientiert. Drittens muss dann noch der Übergang von der Mikro- zur Makroebene erfolgen. Dieser Übergang beruht auf Interdependenzen von Handlungen, was nichts anderes bedeutet, als dass Handlungen „(…) auf verschiedene Weise miteinander verknüpft werden (können) und so Ergebnisse auf der Makroebene erzeugen (…)“ (Coleman, 1991, S. 25).

2.1.1 Annahmen über den rationalen Akteur

Will man nun auf der individuellen Ebene den Ausgangspunkt für Erklärungen auf der Makroebene suchen, so bedarf dies eines spezifischen Akteursbildes. Dieses manifestiert sich in einer Abgrenzung von den Vorstellungen eines „homo sociologicus“. Darunter kann man ein vollkommen sozialisiertes Wesen verstehen. Problematisch daran ist, dass die „(…) Freiheit einzelner Personen, nach ihrem Willen zu handeln (…) nirgendwo in eine solche Theorie (…)“ (Coleman, 1991, S. 5) eingehen. Ausschlaggebend bei der Beurteilung von Individuen ist, wie sie in dem System funktionieren, ob sie sich konform zur Norm verhalten oder davon abweichen. Coleman grenzt an dieser Stelle deutlich ab. Als Erklärungsausgangspunkt kann nach ihm vielmehr ein „humanistisch geprägtes Menschenbild“ (Eberl, 2003, S. 59; vgl. Coleman, 1991, S. 5) verstanden werden. Die Konsequenzen aus diesem Menschenbild beinhalten deutliche Freiheitsgrade. Den Akteuren wird zugestanden, individuelle Entscheidungen zu treffen und eigenen Willen in diese Entscheidungen mit einzubringen. Das Handeln unter diesen Freiheitsgraden ist als rational zu begreifen. Der Akteur kann also Werte, Normen und sonstige Vorgaben, die für gewöhnlich auf der Makroebene anzusiedeln sind, reflektieren und entscheiden, inwieweit er diese annimmt oder nicht (vgl. Eberl, 2003, S. 59 f.). Er ist also auch in der Lage, bis zu einem gewissen Grad, die Folgen dieser Phänomene auf der Makroebene zu analysieren und zu seinen eigenen Entscheidungen in Bezug zu setzen. So wird ein Akteur wissen was passiert, wenn er sich an gewisse Regeln hält oder eben nicht. Nun kann auch der oben bereits angesprochene Makro-Mikro-Übergang besser verstanden werden.

Coleman selbst ist bei dieser Frage nicht sonderlich „geradlinig“. Er konstatiert zwar, dass Normen existieren und Personen diese auch (meistens) einhalten, geht aber in seinen Annahmen über den Akteur davon aus, dass er sich rational und „(…) unbeeinträchtigt von Normen und völlig eigennützig (…)“ (Coleman, 1991, S. 38) verhalten wird. Ursächlich für diesen Schritt ist die Tatsache, dass er einen eigenen Ansatz dafür liefern möchte, wie sich normative Systeme entwickeln und aufrechterhalten (vgl. Coleman, 1991, S. 39). Er ist sich darüber im Klaren, dass die Akteure in soziale Systeme eingebunden sind und sich dementsprechend auch den Regeln dieser Systeme anpassen, jedoch mit einem deutlichen Maß an Entscheidungsfreiheit. Trotz des Wissens über das Wirken von Normen, werden nach Coleman Handlungen nur zur besseren Interessensverwirklichung des Akteurs ausgeführt (vgl. Coleman, 1991, S. 39). In diesem Zusammenhang kann auch das Handeln der Akteure als rationale Entscheidung („Rational Choice“) gefasst werden.

Problematisch an der Konzeption Colemans ist jedoch das Problem der doppelten Kontingenz (vgl. Luhmann (1984), Parsons (1968)). Da der größte Teil seiner Grundlagen der Sozialtheorie auf der Annahme von strukturellen Interdependenzen (in Anlehnung an Friedman, 1977) aufbaut, ist die Umwelt des Akteurs als fix zu betrachten. Damit hat sein Verhalten keinen Einfluss auf diese Umwelt. Dies hat zur Folge, dass das Kalkül des Akteurs unabhängig von anderen Akteuren erfolgt. Dafür gibt es zwar grundsätzlich Lösungsstrategien und Routinen, die diesem Problem vorbeugen, wie z.B. Kultur, die aber nicht in Colemans Betrachtungen eingeflossen sind (vgl. Junge, 1998, S. 36).

2.1.2 Vertrauen als rationale Handlungsstrategie

Betrachten wir zuerst einmal die Grundelemente individuellen Handelns auf der Mikroebene. Coleman unterscheidet hier in „(…) zwei Arten von Elementen und zwei Arten, wie sie miteinander in Beziehung stehen“ (Coleman, 1991, S. 34). Dabei sind die Elemente Akteure und Dinge. Das Element Dinge unterscheidet er weiter in Ressourcen oder Ereignisse, abhängig von ihrem Wesen (vgl. Coleman, 1991, S. 34). Die Akteure verfolgen spezifische Interessen und verfügen entweder über Kontrolle über gewisse Dinge oder haben ein Interesse an ihnen. Will nun der Akteur gewisse Interessen verwirklichen, benötigt er Kontrolle über die Ressourcen oder Ereignisse. Dies ist solang unproblematisch, wie er die Kontrolle bereits hat und über die Ereignisse verfügen kann. Dann wird der Akteur die Kontrolle so ausüben, dass eine Deckung mit seinen Interessen stattfindet. Dies ist auch relativ einfach über ein Beispiel zu erklären: Wenn meine spezifische Ressource mein Auto ist, dann kann ich die Kontrolle darüber ausüben, wann ich es nutze und ob das Nutzen meines Autos in meinem Interesse liegt (natürlich ist dieses Beispiel vereinfacht, da die Kontrollausübung durch Benzin, Werkstattbesuche und dergleichen eingeschränkt ist). Interessant wird der Sachverhalt jedoch, wenn andere Akteure Ressourcen kontrollieren, an denen ein Akteur Interesse hat. Nur so können soziale Systeme entstehen, da die Akteure nicht vollständig die Ressourcen kontrollieren, die ihre Interessen befriedigen. Wenn wir das noch einmal auf das oben angeführte Beispiel anwenden, wird deutlich, dass die reine Kontrolle über die Ressource Auto nicht ausreicht. Da ich keine Kontrolle über die Ressource Benzin habe, muss ich mit anderen Akteuren, die diese Ressource kontrollieren, in Kontakt treten. Dies führt dazu, „(…) daß man Transaktionen irgendeiner Art mit anderen Akteuren eingeht“ (Coleman, 1991, S. 35 f.).

Nach Coleman lassen sich in diesem Handlungssystem drei Handlungsarten unterscheiden (vgl. Coleman, 1991, S. 39 f.). Bei der ersten, wird nur Kontrolle über die Ressourcen ausgeübt, die man bereits besitzt. Diese Art von Handlungen sind also sozial bedeutungslos, da man nicht mit anderen Akteuren in Kontakt treten muss. Die zweite Handlungsart, die nach Coleman den Großteil aller Handlungen darstellt, ist auf Tausch und damit Transaktionen ausgerichtet. Solche Handlungen erfolgen dadurch, dass die Ressourcen oder Ereignisse, die für den Akteur weniger interessant sind, gegen Ressourcen eingetauscht werden, die den Akteur mehr interessieren. Die dritte Handlungsart ist das einseitige Übertragen von Ressourcen. Dieser Transfer findet dann statt, wenn der Akteur davon ausgeht, dass die Übertragung der Ressourcen „(…) eher der Verwirklichung seiner eigenen Interessen dient, als wenn er sie selbst kontrolliert“ (Coleman, 1991, S. 40). Besonders wichtig ist es zu erkennen, dass alle Handlungstypen zielgerichtet und rational sind. Weiterhin wird deutlich, dass die individuelle Nutzenmaximierung (optimale Erfüllung der eigenen Interessen) im Vordergrund steht und die Entscheidung beeinflusst.

Die Frage, die nun entsteht, ist, in welche Handlungsart sich Vertrauen verorten lässt. Grundsätzlich scheint Vertrauen in die dritte Handlungsart zu fallen, bei der sich Vertrauen als einseitiger Transfer von Ressourcen darstellen ließe. Auf der Strukturkarte sozialer Handlungen fallen für Coleman Vertrauensbeziehungen in den Bereich der einseitigen Übertragung (vgl. Coleman, 1991, S. 43 ff.). Einen weiteren Anhaltspunkt Vertrauen als einseitigen Transfer zu fassen, bietet Colemans eigene Definition (vgl. Coleman, 1982, S. 282 f.). Ein wenig widersprüchlich scheint in diesem Zusammenhang jedoch, dass Coleman noch konstatiert, dass auch „(…) ausdrückliche Tauschgeschäfte (…) Vertrauen beinhalten“ (Coleman, 1991, S. 124) können. Inwieweit nun also Vertrauen als einseitiger Transfer verstanden werden muss, ist deswegen nicht sehr trennscharf.

Die Handlungsrationalität der Akteure bei Coleman ist relativ unkompliziert. Seine Konzeptionen beschränken sich (bis auf ein paar Ausnahmen) auf strukturelle Interdependenzen (vgl. Coleman, 1991, S. 36 ff.). Diese Form der Interdependenz ist dadurch gekennzeichnet, dass der Akteur davon ausgeht, dass seine Handlungen unabhängig von denen anderer Akteure sind. Da in solch einem System das soziale Umfeld keine Rolle spielt, kann Rationalität entweder als Entscheidungsproblem unter Sicherheit oder unter Risiko dargestellt werden.

Zusammenführend kann man jetzt festhalten, dass vor diesem theoretischen Hintergrund Vertrauen als rationale Handlungsstrategie verstanden werden kann, durch die man Risiko kalkulieren kann. Der Akteur muss zum Erreichen seiner Interessen Ressourcen investieren, um daraus Vorteile zu ziehen. Es ist dabei nicht entscheidend, ob dies nun als einseitiger Transfer verstanden wird oder ob auch ein Tausch unter gewissen Aspekten diese Bedingungen erfüllen kann. Viel wichtiger ist, dass kein Wissen darüber vorliegt, ob derjenige, dem Vertrauen gegeben wurde, auch vertrauensvoll handelt, so dass die erwarteten Gewinne und Vorteile wirklich eintreten. Da zwischen der Übertragung von Ressourcen und dem möglichen Gewinn somit ein zeitliches Fenster liegt, wird Vertrauen notwendig. Dies lässt sich an einem konkreten Beispiel verdeutlichen:

Ein Familienvater verfügt über 50.000 Euro Privatvermögen und beabsichtigt dieses in Aktien der Deutschen Bank anzulegen. Er möchte also Anteile an der Deutschen Bank von diesem Geld erwerben, in der Hoffnung, dass der Kurs steigt, das Unternehmen eine Dividende ausschüttet, kurz gesagt, dass eine ordentliche Rendite herauskommt. Dafür muss er jedoch erst einmal das Geld (Ressource) zur Verfügung stellen. Der Familienvater erwartet also, dass bei einer Abgabe der Kontrolle über die Ressourcen Gewinne eintreten. Er hat aber vermutlich kein sonderlich tiefes Wissen darüber, wie vertrauenswürdig die Unternehmensführung mit seinem Geld umgeht und wann die Gewinne zu erwarten sind. Der Familienvater steht also vor einer Entscheidung unter Risiko ob er investiert oder nicht. Vertrauen in das Management bildet den Anreiz für sein Investment.

Das oben angeführte Beispiel scheint auf den ersten Blick sehr schlüssig. Es vermag jedoch noch nicht zu erklären, wann Vertrauen im konkreten Fall geschenkt wird und welche Faktoren dies beeinflussen. Daher ist eine tiefere Betrachtung des Sachverhaltes notwendig.

2.1.3 „Gambling Choice“

Nachdem nun die Grundlagen dargestellt wurden, ist es notwendig, sich die Vertrauenskonzeption genauer anzusehen um auch die Frage, warum jemand investiert, beantworten zu können. Wie bereits deutlich wurde, stellt Vertrauen ein kalkuliertes Risiko bei Coleman dar. Derjenige, der Vertrauen schenkt (der Vertrauende), steht dabei vor der Aufgabe, die Entscheidung zu treffen, ob er vertraut oder nicht, also eine Entscheidung unter Risiko, da er Ressourcen investieren muss.

In Situationen, in denen Vertrauen auftritt, sind mindestens zwei Parteien notwendig. Die erste ist, wie oben bereits erwähnt, der Vertrauende. Coleman spricht hier von dem Treugeber (vgl. Coleman, 1991, S. 121). Die andere Partei ist der Treuhänder. Beide Parteien wollen ihre eigenen Interessen und Ziele realisieren und handeln deswegen zielgerichtet (vgl. Coleman, 1991, S. 121). Steht der Treugeber vor der Frage, ob er Vertrauen schenkt, so steht der Treuhänder vor der Frage, ob er dieses Vertrauen erfüllt. Er hat somit die Möglichkeit Vertrauen auch auszunutzen und den Erwartungen des Treugebers nicht gerecht zu werden. Folgt man Colemans Argumentation, so muss der Treuhänder in die Entscheidung, ob er Vertrauen missbraucht, aber auch die Konsequenzen mit einbeziehen. So kann es durchaus sein, dass ein Vertrauensmissbrauch zwar kurzfristig Gewinne verspricht, langfristig jedoch ein Verlust entsteht (vgl. Coleman, 1991, S. 122 f.).

Coleman hält nun vier wesentliche Merkmale von Vertrauen fest (vgl. Coleman, 1991, S. 124 f.). Ich werde diese nun an dem von mir eingeführten Beispiel des Familienvaters genauer darstellen. Der erste Punkt ist eine Ressourcenabgabe des Treugebers an den Treuhänder (als Treuhänder kann man in unserem konkreten Fall durchaus die Unternehmensführung/das Management verstehen). Dies bedeutet, dass der Vertrauende Ressourcen, über die er verfügt, an den Treunehmer abgeben muss. In unserem Beispiel wären dies die 50.000 Euro Privatvermögen. Der Treuhänder hat nun die Möglichkeit durch sein Verhalten diese Ressource einzusetzen, um entweder selber Gewinn zu machen, Gewinn für den Treugeber zu schaffen oder Gewinn für beide zu erreichen. Konkret bekommt also die Unternehmensführung die Ressource des Familienvaters um damit zu „arbeiten“. Der zweite Punkt, den Coleman anführt, ist eine Verbesserung der Situation, wenn sich der Treuhänder vertrauensvoll verhält und eine Verschlechterung, wenn er dies nicht tut. Auch in unserem Beispiel sollte klar werden, dass der Familienvater in der Erwartung mehr Geld zu erhalten investiert. So wird er von einer gut geführten Firma profitieren, von einer schlecht geführten wohl eher nicht. Als drittes wesentliches Merkmal von Vertrauen gilt nach Coleman, dass der Treugeber „(…) willentlich Ressourcen zur Verfügung stellt, ohne dass die andere Partei eine wirkliche Verpflichtung eingeht“ (Coleman, 1991, S. 124). Der Familienvater gibt freiwillig sein Geld an die Deutsche Bank ab, indem er Aktien derselbigen kauft. Natürlich besteht eine gewisse Verantwortung der Unternehmensführung darin, dieser Tatsache Rechnung zu tragen. In den letzten Jahren wurde auch intensiv eine Diskussion darüber geführt, inwieweit Unternehmen und Manager Mehrwert und Rendite für ihre Aktionäre schaffen müssen. Die Shareholder Value Diskussion nimmt genau dieses Problem in den Fokus (zu den wichtigsten Wegbereitern gehören u.a. Fruhan (1979), Copeland, Koller, Murrin (1993) und Rappaport (1986)). Trotz dieser Ansätze gibt es laut Coleman keine „wirkliche Verpflichtung“ für die Manager, Rendite für die Aktionäre zu schaffen. Darüber ist sich jedoch der Familienvater bewusst. Er weiß, dass es keine Verpflichtung von Seiten des Managements gibt, mit seinem Geld sorgsam umzugehen oder es zu mehren. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass von Seiten des Managements Signale kommen, die darauf schließen lassen, dass sorgsam mit dem Geld umgegangen wird und eine Wertsteigerung wahrscheinlich ist (dazu mehr in Kapitel 5). Der vierte und damit letzte Punkt ist die Zeitverzögerung. Es ist eindeutig, dass der Familienvater nicht sofortige Rendite erhält. Er muss erst abwarten wie sich das Management verhält und ob das in sie gesetzte Vertrauen erfüllt wird. Coleman sieht in der Zeitverzögerung auch eine Ursache für das Risiko einer solchen Handlung, denn durch zeitliche Asymmetrien entstehen bei einseitigen Handlungen oder Transaktionen Risiken für jene Partei, die Ressourcen investieren muss, bevor der Ertrag erzielt wird (vgl. Coleman, 1991, S. 115). Die Reduktion der Probleme durch Zeitasymmetrien ist nur möglich, wenn im gleichen Schritt eine Vertrauensreduktion erfolgt. Das bedeutet, dass durch unterschiedliche Vertragsformen zwar eine Absicherung und damit eine Überbrückung des Zeitproblems möglich ist, dadurch jedoch auch ein Verringern des notwendigen Vertrauens einhergeht. Vertrauen wird nur da wirksam, wo ein zeitliches Vakuum entsteht. Dieses zeitliche Vakuum wird durch Vertrauen gefüllt.

Doch wie erfolgt nun in der konkreten Situation eine Entscheidung, ob Vertrauen gegeben wird oder nicht? Da die Akteure ja rational handeln, sind sie sich ihrer Möglichkeiten bewusst und überlegen, welche der Möglichkeiten für sie am besten ihre Interessen bedienen. Die Größen, die dies berechenbar machen, sind der Einsatz (das, was der Akteur verlieren kann), der mögliche Gewinn und die Gewinnchance (vgl. Coleman, 1991, S. 125). Wie man aus diesem Elementen die mögliche Vertrauensentscheidung ableiten kann, formuliert Coleman folgendermaßen:

„Wenn die Chance zu gewinnen relativ zu der Chance zu verlieren größer ist als das Ausmaß des Verlustes (falls er verliert) relativ zum Ausmaß des Gewinnes (falls er gewinnt), kann er mit dem Eingehen der Wette einen Gewinn erwarten. Und wenn er rational handelt, sollte er sie abschließen.“ (Coleman, 1991, S.125).

Es liegt bei dieser Konzeption also die Annahme zugrunde, dass auch unter Risiko ein rational handelnder Akteur seinen Nutzen maximieren wird. Daraus lässt sich nun eine Formel bilden, die die entscheidenden Größen erfasst und eine Vertrauensvergabe berechenbar macht. Die Variablen, die dabei zum Einsatz kommen, sind (vgl. Coleman, 1991, S. 126):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus resultiert nach Coleman, dass Vertrauen geschenkt wird, wenn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.4 Vertrauen als Grundlage der Investitionsentscheidung

Betrachtet man die Formel nur flüchtig, so scheint es, als ob die entscheidenden Größen bei einer Vertrauensentscheidung der mögliche Gewinn und der mögliche Verlust sind. Dies ist jedoch ein Trugschluss, den ich am Beispiel einer Investitionsentscheidung verdeutlichen will. Im obigen Beispiel habe ich bereits grob dargestellt, was die vier wesentlichen Merkmale von Vertrauen sind. Jetzt stellt sich die Frage, welche Größen der Formel die Vertrauensentscheidung maßgeblich beeinflussen.

1. Gewinn

Der Gewinn befindet sich auf der Seite der Formel, die eine positive Vertrauensentscheidung bewirkt. Ist das Produkt aus Gewinn und Gewinnwahrscheinlichkeit größer als das Produkt aus Verlust und Verlustwahrscheinlichkeit, so wird Vertrauen gegeben. Wenn also der Gewinn steigt und alle anderen Größen konstant bleiben, dann wird irgendwann der Punkt erreicht, an dem eine Vertrauensvergabe die rationale Strategie zur Nutzenmaximierung darstellt. Das Problem, welches jedoch entsteht, ist, dass derjenige, der eine Vertrauensentscheidung treffen muss, Informationen über den möglichen Gewinn erwerben muss. In unserem Beispiel ist es relativ einfach, sich grundlegende Informationen über den möglichen Gewinn zu besorgen. So kann sich der Familienvater beispielsweise über die Dividende der Deutschen Bank ohne große Kosten informieren und hat damit einen relativ sicheren Anhaltspunkt, wie viel Rendite er auf jeden Fall erzielen wird. Er kann auch ohne weitere Schwierigkeiten die Umsätze und den Gewinn der Deutschen Bank einsehen und anhand dessen Berechnungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit tätigen. Er weiß jedoch nichts über die weitere Entwicklung des Kursverlaufes. Da dies natürlich auch Einfluss auf seine Kalkulation hat, entsteht hier ein Informationsdefizit. Natürlich hat er die Möglichkeit durch gewisse Analysen (z.B. Analysteneinschätzungen, Ratings, Chartanalyse, fundamentale Kennzahlen wie KGV[3] oder dergleichen) mögliche Szenarien in seine Betrachtungen mit einzubeziehen, er hat aber keine verlässlichen Informationen über den weiteren Kursverlauf. Hier gibt es Möglichkeiten seitens der Unternehmensführung dieses Informationsdefizit durch Signale, wie z.B. Insiderkäufe, zu beeinflussen (mehr dazu in Kapitel 6). Dies bewirkt aber nicht, dass mehr Informationen über den möglichen Gewinn bereitstehen, sondern eine Verschiebung des Informationsdefizits über die mögliche Kursentwicklung hin zu einer höheren Gewinnwahrscheinlichkeit.

2. Verlust

Die nächste Größe zur Berechnung einer Vertrauensentscheidung ist der Verlust. Diese Größe ist auf der Seite der Formel zu finden, die eine Entscheidung über Vertrauen in das Negative beeinflusst. Hier ist jedoch das Problem der Information relativ schnell abzuhandeln. Derjenige, der in ein Unternehmen investieren will, weiß genau, wie viel Geld er einsetzen wird und kennt damit seinen möglichen Verlust ganz genau. Zu diesem Verlust kommen unter Umständen noch andere Kosten wie die Kosten für Informationssuche und Zeitaufwand hinzu. Weiterhin ist es auch denkbar, dass andere Kosten, die nicht so exakt kalkulierbar sind, hinzukommen. So könnte nicht nur der materielle Verlust (eingesetztes Kapital) sondern beispielsweise auch der Verlust der Ehefrau durch Scheidung infolge des Geldverlustes oder Vergleichbares drohen, da die „letzten Reserven“ verspekuliert wurden. Diese Kosten lasse ich jedoch außen vor. Grundsätzlich gilt die Annahme, dass der mögliche Verlust über den Einsatz kalkulierbar ist.

3. Gewinnwahrscheinlichkeit

Die wohl entscheidende Größe für eine Vertrauensentscheidung ist die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes. Hier ist es äußerst schwierig, verlässliche Informationen zu gewinnen. Man weiß nämlich häufig am wenigsten darüber, „ob der Treuhänder das Vertrauen rechtfertigen wird“ (Coleman, 1991, S. 130). Somit ist das grundsätzliche Risiko, welches die Frage einer Investition in ein Unternehmen mit sich bringt, nicht das Problem der unvollständigen Information über den Gewinn und erst recht nicht über den Verlust. Die beiden Größen Gewinn und Verlust sind wie oben gezeigt, zu einem gewissen Maße kontrollierbar und auch kalkulierbar. Somit ergeben sich die größten Unsicherheiten hinsichtlich des Verhaltens des Managements. Entscheidend für die Abwägung, ob Vertrauen geschenkt wird, ist die Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders. Wenn wir nun unter Treuhänder die Unternehmensführung verstehen, so wird deutlich, dass nur eine vertrauenswürdige Unternehmensführung den Investor dazu veranlasst, in das Unternehmen zu investieren.

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt bei den Betrachtungen ist die Abhängigkeit der Gewinnwahrscheinlichkeit von den beiden anderen Größen Gewinn und Verlust. Ist die Summe aus Einsatz (möglicher Verlust) und Gewinn klein, ist eine richtige Vertrauensentscheidung nicht sonderlich schwerwiegend. Wird jedoch der Einsatz und der mögliche Gewinn größer, ist es nur allzu rational, sich weitere und genauere Informationen einzuholen. Diese Informationssuche macht solange Sinn, wie die Kosten der Suche nicht den möglichen Gewinn überschreiten (vgl. Coleman, 1991, S. 131). Sinn und Zweck der gewonnenen Informationen ist im Wesentlichen, Hinweise auf die Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders zu finden. Aufgrund dieser Gegebenheiten lassen sich auch Fehleinschätzungen erklären. Da das Ausmaß des möglichen Gewinns (oder Verlustes) die Intensität der Suche beeinflusst, verändert sich auch die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit (vgl. Eberl, 2003, S. 65). Es scheint meiner Auffassung nach daher nicht gerechtfertig, als Kritik die Vernachlässigung des Faktors Risiko ins Feld zu führen (vgl. Ripperger, 1998, S. 90 ff.). Der Faktor Risiko erhöht sich mit der Erhöhung der Summe von Einsatz und möglichem Gewinn. Daher ist bei der Erhöhung dieser Summe auch von einem erhöhtem Risiko auszugehen und damit verbunden einer intensiveren Suche nach Informationen. Somit lässt sich die Höhe des wahrgenommen Risikos aus dieser Summe ableiten. Je höher die Summe, desto höher das Risiko, welches eingegangen wird. Die Kritik Rippergers, dass sich Coleman „(…) ausschließlich am Verhältnis zwischen potentiellem Schaden und Nutzen“ (Ripperger, 1998, S. 90) orientiert, ist damit nicht haltbar.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass der Familienvater, der in die Deutsche Bank investieren will, eindeutige Informationen darüber hat, wie hoch sein möglicher Verlust sein wird. Er weiß auch, wie viele Gewinne er sicher erwarten kann (z.B. Dividende). Er steht jedoch vor dem Problem, dass er keine Informationen darüber hat, ob die Unternehmensführung vertrauenswürdig ist. Wenn wir nun konkret Herrn Ackerman als den aktuellen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank heranziehen, so wird deutlich, dass ein Abwägen schwierig wird. Wie eingangs geschildert, scheint er in Bezug auf den Mannesmann-Prozess nicht im Interesse der Aktionäre gehandelt zu haben. Dies führt eher dazu, dass man ihn als nicht sehr vertrauenswürdig einschätzen würde. Andererseits hat er mit der Deutschen Bank Rekordzahlen vorgelegt und die Dividende für die Aktionäre deutlich erhöht. Die Dividendenerhöhung bewirkt zum einen, dass der mögliche sichere Gewinn steigt und zum anderen ist dies ein klares Zeichen, dass er im Interesse der Aktionäre handelt und Mehrwert für die Aktionäre schaffen will. Somit erhöht er seine Vertrauenswürdigkeit und gleichzeitig den Gewinn.

Eine weitere Betrachtung der Einflüsse von Ereignissen und Handlungen in Zusammenhang mit der Unternehmensführung wird in Kapitel 5 folgen. An dieser Stelle werde ich noch einmal auf Colemans Formel zurückkommen und diese auch ein wenig abändern, um für unseren spezifischen Fall mehr Erklärungsgehalt zu erreichen.

2.2 Vertrauenskonzeption der Neuen Institutionenökonomik

Nachdem ich Colemans Vertrauenskonzeption in den wesentlichen Punkten dargestellt habe, möchte ich noch auf eine weitere Konstruktion kalkulatorischen Vertrauens eingehen.

Bevor ich mich genauer dem Vertrauen aus Sicht der Neuen Institutionenökonomik widme, gilt es festzuhalten, dass diese im Wesentlichen aus drei Ansätzen besteht. Zum ersten der Prinzipal-Agenten-Theorie (auf die ich in Kapitel 3 näher eingehen werde, um den Kontrollaspekt darzustellen), zum zweiten dem Transaktionskostenansatz und zum dritten der Theorie der Verfügungsrechte (Property-Rights-Ansatz). Grundlage der Neuen Institutionenökonomik bildet wie man bereits dem Namen entnehmen kann die Institution. Eine Definition der Institution kann dabei in zwei Richtungen gehen (vgl. Voigt, 2002, S. 33). Zum einen kann man eine Institution als das Ergebnis eines Spiels definieren (vgl. Schotter, 1981, S. 11) zum anderen kann man eine Institution auch als die Regel eines Spieles definieren (vgl. North, 1990, S. 3). Folgt man der Definition von North, so sind Institutionen Spielregeln, die menschliche Interaktion beschränken und so Orientierung schaffen. Hierbei kann man unterscheiden in Institutionen, die einen formellen Charakter haben und Institutionen, die eher informeller Natur sind. Institutionen, die formelle Strukturen aufweisen, sind beispielsweise Verträge oder Gesetze.

Ich bin bereits auf die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der Neuen Institutionenökonomik eingegangen. Aufgrund dieser Unterscheidungen gibt es auch unterschiedliche Ansätze um individuelles Verhalten zu erklären. Die wesentliche Unterscheidung kann zwischen Nutzenmaximierung bzw. Opportunismus und „bounded rationality“ (begrenzter Rationalität) getroffen werden (vgl. Eberl, 2003, S. 78). Die Annahme der Nutzenmaximierung ist vergleichbar mit der Konzeption Colemans. Die Akteure wägen also ihre Handlungsentscheidung aufgrund ihrer Präferenzen ab. Darüber hinaus gehen die Annahmen des Opportunismus, der besonders in der Prinzipal-Agenten-Theorie aber auch dem Transaktionskostenansatz zum Tragen kommt. Waren die Annahmen der Neoklassik noch auf egoistisches Verhalten der Akteure beschränkt, so führt die Annahme von opportunistischem Akteursverhalten dazu, dass man damit rechnen muss, dass die Akteure bereit sind, gezielt und bewusst die Situation zu manipulieren, ja sogar den Schaden anderer in Kauf zu nehmen. Akteure nutzen damit also Informationsasymmetrien (vgl. Williamson, 1985, S. 47).

Der Ansatz der „bounded rationality“ geht, wie der Name schon vermuten lässt, davon aus, dass die Akteure nie über vollständige Informationen verfügen und somit eine rationale Entscheidung nur begrenzt möglich ist. Die Akteure versuchen zwar rationale Entscheidungen zu treffen, erreichen aber aufgrund ihrer begrenzten Rationalität nur eine begrenzt rationale Entscheidung.

Aufbauend auf den bisher festgehaltenen Grundlagen lassen sich zwei Konzeptionalisierungen von Vertrauen formen. Zum einen kann Vertrauen als Prinzipal-Agenten-Beziehung und zum anderen als vertraglich abgesichertes Verhalten verstanden werden. Ich werde im Folgenden zuerst darstellen was konkret unter Vertrauen als Prinzipal-Agenten-Beziehung zu verstehen ist.

2.2.1 Prinzipal-Agenten-Beziehung als Vertrauensbeziehung

Colemans Akteure bei der Vertrauensproblematik waren der Treugeber und der Treuhänder. Innerhalb der Vertrauenskonzeption der Prinzipal-Agenten-Theorie wird aus den beiden Akteuren nun der Prinzipal (derjenige, der Vertrauen vergibt, also der Treugeber) und der Agent (derjenige, der Vertrauen annimmt, also der Treuhänder). Dadurch, dass der Prinzipal Vertrauen vergibt und der Agent dieses annimmt, entsteht eine Art impliziter Vertrauensvertrag (vgl. Ripperger, 1998, S. 48 ff.).

Der Prinzipal steht, bevor er eine Vertrauensbeziehung eingeht, vor den typischen Risiken, die von der Agency-Theorie beschrieben werden. Ich werde diese hier nur grob ansprechen und ausführlicher im folgenden Kapitel darstellen. Zum einen hat der Prinzipal das Problem, dass er sich den richtigen Agenten (Treuhänder) suchen muss („adverse selection“). Zum anderen muss er in Vorleistung gehen, was zu einer irreversiblen Investition führt und damit verbunden „hold-up“-Probleme nach sich zieht. Das bedeutet, dass eine „(…) vereinbarte Leistung einseitig nicht erbracht wird, in der Absicht den bisher gültigen Vertrag zu verändern“ (Vogt, 1997, S. 27). In Verbindung mit dem „hold-up“-Problem steht auch das so genannte „Shirking“. Auch hierbei handelt es sich um eine Form des nachvertraglichen Opportunismus. In Abgrenzung zum „hold-up“-Problem erfasst „Shirking“ die Leistungszurückhaltung. Es liegt also dann vor, wenn „(…) der bei Vertragsabschluss angenommene Fleiß und die erwartete Anstrengung und Sorgfalt bei der Vertragserfüllung nicht aufgebracht wurden“ (Vogt, 1997, S. 29). Der Begriff „Shirking“ steht auch in Verbindung mit dem Begriff „Moral Hazard“ (vgl. Arrow, 1985, S. 38). In der Übersetzung findet man häufig den Begriff „Bummeln“ (vgl. Vogt, 1997, S. 31).

In der Prinzipal-Agenten-Theorie wird Vertrauen nun als mögliche Alternative zu Kontrolle konzipiert. Vertrauen ist also in der Lage, die Agenturkosten zu senken, da die Kontrollkosten reduziert werden. An Stelle von Kontrolle tritt in diesem Fall Vertrauen. Es ist aber auch klar, dass sich durch einen erhöhten Vertrauenseinsatz, das Risiko mindestens im selben Maße erhöht. Dadurch, dass Kontrolle durch Vertrauen ersetzt wird, entsteht ein Informationsdefizit des Prinzipals in Bezug auf das Verhalten des Agenten. Dies wird bei der Annahme von opportunistischen Akteuren natürlich kritisch. Des Weiteren muss man davon ausgehen, dass das Risiko sich vermutlich stärker erhöht als eine Kontrollreduktion durch Vertrauen eintritt, da auf der Basis von opportunistischen Akteuren Vertrauen ein größeres Risiko entwickelt als Kontrolle.

2.2.2 Der Vertrag als Garant für Vertrauen

Die Annahmen über die Akteure ändern sich bei Vertrauen durch vertraglich abgesichertes Verhalten nicht wesentlich. Auch hier wird ganz im Sinne der Neuen Institutionenökonomik opportunistisches Verhalten zu Grunde gelegt. Es sei hier angemerkt, dass es schwierig ist, zu beurteilen, inwieweit „(…) die Rigorosität dieser Annahme von verschiedenen Institutionen ablenkt, die in der Realität zu einer erheblichen Reduktion des tatsächlichen und des von anderen erwarteten opportunistischen Verhaltens führen“ (Vogt, 1997, S. 27). Verschiedene Autoren haben dieses Problem aufgezeigt (vgl. z.B. Alchian/Demsetz (1972)). Grundlage der Überlegungen ist wie bei den Annahmen der Prinzipal-Agenten-Theorie, dass die Akteure zu opportunistischem Verhalten bereit sind. Dadurch entsteht bei den Akteuren Misstrauen, welches durch Sicherheiten und somit klare Verträge begrenzt werden kann. Das vertrauensvolle Verhalten basiert auf der Grundlage von Verpflichtungen, die beide Vertragspartner eingehen. Wenn die handelnden Akteure zu dem Schluss kommen, dass ihr Vertragspartner sich nicht opportunistisch verhalten wird, da dieses Verhalten durch ein Vertragsverhältnis eingeschränkt ist. Eine vollkommene Absicherung scheint nur schwer realisierbar und es würde zudem die Frage entstehen, ob man noch von Vertrauen im eigentlichen Sinne sprechen kann, da kein Risiko mehr vorliegt. Die Kalkulation der Akteure ist dementsprechend eine Abwägung darüber, ob das Vertragsverhältnis ausreicht um opportunistisches Verhalten zu minimieren und damit eine Vertrauensvergabe zu rechtfertigen.

Dieser kurze Überblick über die Vertrauenskonzeption der Neuen Institutionenökonomik zeigt auf, dass man eine kalkulatorische Konzeption von Vertrauen auch anders als Coleman fassen kann. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass die Neue Institutionenökonomik einen Schritt über Coleman hinaus geht und den Akteuren die Nutzung von Arglist und bewusster Täuschung erlaubt. Von mir außer Acht gelassen wurde die spieltheoretische Darstellung von Vertrauen, die auch ein kalkulatorisches Moment trägt.

In Bezug auf den weiteren Verlauf der Arbeit gilt es festzuhalten, dass es meiner Meinung nach sinnvoll ist, den Ansatz Colemans zu nutzen, um zu erklären, warum Akteure in ein Unternehmen investieren und warum dies mit Vertrauen in die Unternehmensführung verbunden ist. Der Umkehrschluss ist, dass die Akteure vor einer Investition in ein Unternehmen, die Unternehmensführung und das Management für glaubwürdig halten und somit das Risiko, dass die Investition mit sich bringt, eingehen. Ich habe bereits gezeigt, dass sichere Informationen über den möglichen Verlust und begrenzte Informationen über den Gewinn den Treugebern zur Verfügung stehen. Das Informationsdefizit liegt also bei der Wahrscheinlichkeit, mit der ihre Erwartungen erfüllt werden. Auf diese Wahrscheinlichkeit hat ein glaubwürdiges Management Einfluss. Wenn also eine positive Entscheidung über eine Investition fällt, kann davon ausgegangen werden, dass der Treugeber der Unternehmensführung vertraut hat[4]. Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie aus anfänglichem Vertrauen in die Unternehmensführung ein Kontrollanspruch entsteht. Das nächste Kapitel soll aus der Perspektive der Agency-Theorie heraus darstellen, warum Kontrolle der Unternehmensführung notwendig ist. Es geht mir in dem folgenden Kapitel besonders darum, zu zeigen, dass bei einer Trennung von Unternehmensführung und Kapitalbesitz die Agency-Theorie starke Überwachungsmechanismen impliziert. Im weiteren Verlauf gilt es dann die soeben aufgeworfene Frage zu untersuchen, warum anfängliches Vertrauen in die Unternehmensführung durch einen Kontrollanspruch der ehemaligen Treugeber ersetzt wird und nicht weiterhin Vertrauen essentiell zwischen Unternehmensführung und den Besitzern ist.

[...]


[1] Mitschrift der Live-Übertragung der Pressekonferenz am 01.02.2007 um 10 Uhr auf dem Nachrichtensender N24.

[2] Coleman selbst ist der Auffassung, dass diese Variante des methodologischen Individualismus am ehesten der von Karl Popper entspricht (vgl. Popper, 1963).

[3] KGV steht für Kurs-Gewinn-Verhältnis und gibt Aufschluss darüber, wie ein Unternehmen zum aktuellen Kurs an der Börse, gemessen an den erwirtschafteten Gewinnen, bewertet ist. Dadurch entsteht eine Vergleichbarkeit innerhalb von Unternehmen in ähnlichen Branchen.

[4] Die Alternative wäre, dass exorbitante Gewinne in Aussicht standen und aufgrund dessen das Kalkül zu einer positiven Vertrauensentscheidung führte.

Details

Seiten
117
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638878470
ISBN (Buch)
9783638878647
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84187
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Schlagworte
Unternehmensführung Vertrauen Kontrolle

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Titel: Unternehmensführung zwischen Vertrauen und Kontrolle