Lade Inhalt...

Nietzsche als Christ und die Liebe zur Menschheit

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Christentum
2.1 Nietzsches Bild vom Christentum
2.2 Die heutige Stellung des Christentums
2.3 Der Schatten von Gott
2.4 Nietzsches Religionskritik

3. Die Liebe zur Menschheit

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In folgender Hausarbeit soll Nietzsches Christlichkeit und seine Liebe zur Menschheit untersucht werden. Hierzu sollen seine zentralen Aussagen, die oftmals herausgelöst aus ihrem Kontext und ohne Zusammenhang mit Nietzsches Gründen für diese Ansichten, betrachtet werden. Zunächst soll Nietzsches Aussage „Ich bin nicht eine Stunde meines Lebens Christ gewesen.“ untersucht werden. Auf dieser Grundlage soll sein Bild vom Christentum näher beleuchtet werden. Dieses wird dann dem heutigen Bild gegenübergestellt. Daraufhin soll die Aussage „Gott ist tot.“ näher betrachtet werden. Es soll festgestellt werden, was genau der Gegenstand Nietzsches Verurteilung ist. So wird Nietzsches Kritik am Christentum zusammengefasst und abschließend beleuchtet. Nachfolgend wird diese Kritik interpretiert, um so als Grundlage für die Untersuchung zu dienen, ob Nietzsche die Menschheit liebte.

2. Das Christentum

2.1 Nietzsches Bild vom Christentum

Als Sohn und auch Enkel eines Pfarrers wurde Nietzsche früh mit dem Christentum konfrontiert. Seine Erziehung war christlich geprägt und so sollte auch er die Familientradition fortsetzen und sein Leben der Kirche widmen. Dies widerstrebte dem jungen Nietzsche jedoch der Art, dass er seine Ausbildung abbrach und später behauptete, nicht eine Stunde seines Lebens Christ gewesen zu sein. Diese Aussage bezieht sich auf Nietzsches eigenes Bild von einem Christen, auf ein Bild, von dem er sich scheinbar distanzieren möchte.

Es könnte sogar sein, dass Nietzsche in seinem Kampf gegen ein bestimmtes Christentum Tatbestände entdeckt hat, die genuiner christlich sind, als alles, was die christliche Theologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als christlich gelehrt hat.[1]

Nietzsches „bestimmtes Christentum“ bezieht sich auf das, was er vorgefunden hat, das bürgerliche Christentum des späten neunzehnten Jahrhunderts. Dies ist es auch, was er kritisiert. Nietzsche verurteilt die Moral der Menschen, die sich als Christen bezeichnen. Des Weiteren kritisiert er den Theologen David Friedrich Strauss, der durch seine komparative Geschichtsbetrachtung den mythischen Jesus vom historischen unterscheidet und somit dazu beiträt, dass aus der Religion eine Religionswissenschaft wird. Nietzsche stellt die Frage, ob wir noch Christen sind und kommt, wie auch Strauss, zu dem Schluss, dass ein wirkliches Christentum nicht existent ist. Nietzsche, oftmals als „Zerstörer des Christentums“ bezeichnet, findet das Christentum also schon zerstört vor.

Es ist also nicht Nietzsche, der das Christentum vernichtet, wie in 90% der Nietzsche-Literatur behauptet wird, sondern Nietzsche findet das Christentum als ein ma0geblich durch die Theologie Vernichtetes bereits vor. Nicht Nietzsche ist es, der sagt: Ihr sollt keine Christen mehr sein. Sondern Nietzsche stellt fast, dass Theologen selber sagen, wir seien keine Christen mehr.[2]

Ein weiterer Kritikpunkt Nietzsches an Strauss ist dessen Sicht auf den Zusammenhang zwischen Welterkenntnis und individueller Lebensordnung. Strauss beantwortet seine Frage, wie wir die Welt erkennen mit dem Darwinismus. Also einem ständigen Kampf aller gegen alle, bei dem die Starken überleben und die Schwachen zu Recht untergehen. Diese Weltinterpretation sollte, Nietzsche zufolge, die Antwort auf die Frage, wie wir unser Leben ordnen sollen, beeinflussen. Die Antwort Strauss’ vertritt jedoch keinen Sozialdarwinismus, sondern ein Leben in ethischer Übereinstimmung mit dem Gattungsinteresse. Hier wirft Nietzsche ihm und damit der bürgerlichen Kultur insgesamt Inkonsequenz und Heuchelei vor.[3] Nietzsches Motiv zu dieser Kritik war also das Streben nach Ehrlichkeit und Konsequenz.

Denn dieser Kampf [Nietzsches gegen das Christentum] war letztlich immer gegen die als heuchlerisch empfundene christliche Moral gerichtet. Nietzsche hat den Kampf gegen die christliche Moral, wie gegen die bürgerliche Kultur aus Moralität geführt.[4]

Die Konsequenz und Härte, mit der Nietzsche die Umsetzung der Schlussfolgerungen fordert, zeugt erst einmal vom Mangel an christlichen Werten wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Dies zu untersuchen soll jedoch Aufgabe eines späteren Kapitels sein. Eben diese Werte gehören aber auch zu dem, was Nietzsche beim Bürgertum vermisst.

Ursprünglich als Wirklichkeit geglaubte Glaubensinhalte mit Ausstrahlungen, die das gesamte menschliche Wesen betreffen, wurden in der Zeit des Idealismus zu bloßen Ideen mit fraglicher Eigenwirklichkeit verdünnt, ihr Sinn geändert und umgefälscht.[5]

An dieser Stelle muss hervorgehoben werden, dass im Christentum von einem ursprünglich positiven Menschenbild auszugehen ist, da Gott keine schlechten Menschen schaffen würde. Das „menschliche Wesen“ ist also erst einmal ein gutes. So ist für Nietzsche hier die Verfälschung der Werte durch das Bürgertum als Zeichen des allgemeinen Zerfalls des Christentums anzusehen.

Des Weiteren beschreibt Nietzsche eine zunehmende Unpersönlichkeit im menschlichen Verhältnis zu Gott. Er stellt fest, dass zunehmend von „dem Göttlichen“ anstatt von „Gott“ gesprochen wurde.

Dem Menschen ist die Beziehung zu Gott immer neutraler und unpersönlicher geworden.[6]

Nietzsche empfand dies als positive Entwicklung, da sich die Menschen somit, durch ihr Streben zur Modernität und Wissenschaft, dem Atheismus näherten. Er beschreibt diese Entwicklung später als einen „schwer errungenen Sieg des europäischen Gewissens“[7]. Auch hieraus geht wieder Nietzsches Kritik an der mangelnden Ehrlichkeit und Moralität des Christentums hervor.

Die Bestimmtheit, mit der Nietzsche den Atheismus vertritt, lässt in Anbetracht seiner religiösen Erziehung und seines früheren, festen Glaubens, auf eine große Enttäuschung schließen. Diese lag in der Beobachtung der Christen und seinen Reflexionen bezüglich des Seins und des Sollens in der Ausübung des Glaubens. Wie bereits angedeutet lebte Nietzsche in der Zeit des naturwissenschaftlichen Umbruchs. Die Wichtigkeit rationalen Denkens nahm zu; ebenso die Popularität des Atheismus’, der bspw. von Schopenhauer stark propagiert worden ist. Das, was Nietzsche vorfindet, halbherziger Glaube, ein Glaube der lediglich noch als Hilfe suchendes Klammern aus Angst vor einem Umbruch existiert, stellten den überzeugten Christen vor eine Entscheidung.

[...]


[1] Rohrmoser, Günter. Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart. München: Olzog, 2000. 25.

[2] Edb. 36.

[3] Vgl. ebd. 40.

[4] Ebd. 40.

[5] Siegmund, Georg. Nietzsche der „Atheist“ und „Antichrist“. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 1946. 83.

[6] Ebd. 84.

[7] Ebd. 86.

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638002271
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84176
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,5
Schlagworte
Nietzsche Christ Liebe Menschheit Unzeitgemäße Betrachtungen

Autor

Zurück

Titel: Nietzsche als Christ und die Liebe zur Menschheit