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Das audiologische Vorgespräch

Vorbereitung und Durchführung

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

2 Grundlegende Vorbetrachtungen
2.1 Bezug zum Modul
2.2 Bezug zu den Ausbildungsstandards
2.3 Zielvorstellung des Unterrichts
2.4 Leitfragen

3 Erläuterung der Unterrichtssequenz
3.1 Die Klasse
3.2 Planung der gesamten Unterrichtssequenz „Audiologisches Vorgespräch“
3.3 Exemplarisch: Didaktisch-methodische Planung der zweiten Doppelstunde
3.4 Kompetenzen und Lernziele

4 Evaluation
4.1 Evaluation der ersten Leitfrage
4.1.1 LF 1a: Situationsbezug und Lebensweltorientierung
4.1.2 LF 1b: Produktorientiertheit
4.1.3 LF 1c: soziales Lernen
4.2 Evaluation der zweiten Leitfrage

5 Schlussfolgerungen und Konsequenzen für die zukünftige Arbeit

6. Quellenverzeichnis

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

Der Hörgeräteakustiker[1] erfasst im audiologischen Vorgespräch die medizinische Vorgeschichte (Anamnese[2]) in Bezug auf die Entwicklung der Hörminderung, den gegenwärtigen Gesundheitszustand, die aktuelle Lebenssituation sowie die Wünsche und Erwartungen des Kunden an ein Hörsystem.

Die durch das Gespräch mit dem Kunden gewonnenen Informationen sind wichtig, um eine spätere Versorgung und Anpassung eines Hörsystems kundengerecht durchführen zu können. Abgesehen davon schafft dieses Gespräch eine gewisse Vertrauensbasis zwischen dem Hörgeräteakustiker und dem Kunden, die für die weitere gemeinsame Zusammenarbeit notwendig ist.

Mit dem audiologischen Vorgespräch sollen die verschiedenen Ursachen und Symptome des Hörverlustes ergründet werden, um in der folgenden Diagnostik, der Tonaudiometrie[3], den Sitz eines Hörschadens eingrenzen zu können.

Es stellt aber auch die Grundlage für die quantitative Bewertung eines Hörschadens dar.

Ziel der vorliegenden Hausarbeit, die im Rahmen der Fachrichtung Gesundheit verfasst wurde, ist es zu klären, wie die Theorie des audiologischen Vorgesprächs in einem projektorientierten Unterricht mit einer Schülergruppe fachlich und methodisch vermittelt werden kann, so dass die Schüler bei der Durchführung des audiologischen Vorgesprächs zukünftig sicherer und kundengerecht agieren können.

Im Folgenden wird der Bezug zum Modul, zu den Ausbildungs- und Fachstandards für die Fachrichtung Gesundheit hergestellt und aufgrund der Zielvorstellung der Unterrichtseinheit Leifragen formuliert. Diese werden anschließend mit Hilfe von Schülerevaluationen und Evaluationen durch die Lehrkraft in Ausbildung (LiA) beantwortet. Anhand der Ergebnisse der Evaluationen zieht die LiA Rückschlüsse für ihre weitere Unterrichtstätigkeit.

2 Grundlegende Vorbetrachtungen

2.1 Bezug zum Modul

Die vorliegende Arbeit stellt inhaltlich einen Bezug zum Modul „ Projektunterricht – ein Ansatz zur Förderung schüleraktiven Unterrichts“[4] her. Im Zentrum des Moduls stand die Entwicklung von verschiedenen berufsbezogenen und problemorientierten Projekten[5], die alle Ebenen des beruflichen Handelns berücksichtigen sollten.

In diesem Modul wurde erarbeitet, wie ein erfolgreicher Projektunterricht von der Planung über die Durchführung bis zur Präsentation der Ergebnisse und deren Reflexion entwickelt und an der Schule zukünftig umgesetzt werden kann.

Die Projektarbeit ist eine Methode handlungsorientierten[6] Lernens, bei der sich Lernende zur Bearbeitung einer Aufgabe oder eines Problems zusammenfinden, um in größtmöglicher Eigenverantwortung immer auch handelnd-lernend[7] tätig zu sein.

Dabei geht es um komplexe Aufgabenstellungen, bei deren Lösung die Lernenden selbständig planen, logische Arbeitsschritte entwickeln, Aufgaben gemeinsam lösen, sowie die Qualität der Lösung auch eigenverantwortlich bewerten sollen. Die Problem- bzw. Aufgabenstellungen sind realer Natur, in Bezug auf die Lebens- bzw. Berufswelt der Auszubildenden.

Für ein Projekt müssen laut Gudjons (1986, 58 – 67) folgende Merkmale erfüllt werden:

1. Situationsbezug und Lebensweltorientierung
2. Orientierung an den Interessen der Beteiligten
3. Selbstorganisation und Selbstverantwortung
4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz
5. Zielgerichtete Projektplanung
6. Produktorientiertheit
7. Einbeziehung vieler Sinne
8. Soziales Lernen
9. Interdisziplinarität
10. Grenzen

Werden alle zehn Merkmale in einer Unterrichtseinheit umgesetzt, so handelt es sich dabei um eine Projektmethode in der Reinform. Meist lässt der Schulalltag jedoch aus zeitlichen und organisatorischen Gründen keine Reinform zu und man ist gezwungen, Kompromisse einzugehen. In diesen Fällen, wenn die Merkmale nur teilweise verwirklicht werden können, spricht man von einem projektorientierten Unterricht.

Weiterhin wurde im Modul erarbeitet, dass der Schwerpunkt eines projektorientierten Unterrichts oder eines Projektunterrichts auf der „Verzahnung“ von Theorie und Praxis liegt. Es geht also nicht darum „auch mal etwas Praktisches“ zu tun, sondern theoretische und praktische Arbeitsschritte sinnvoll zu verbinden. Dies erfordert eine entsprechende Praxisrelevanz des zu bearbeitenden Projektthemas und damit auch immer einen Situations- und Berufsbezug.

Die Verbindung von Theorie und Praxis ermöglicht der Lerngruppe durch ihr aktives, gemeinsames Handeln Lernerfahrungen zu erleben, die weit über ein bloßes Anhäufen von Fachwissen hinausgehen.

Der Einzelne kann in der Projektgruppe seine individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen und erweitern. Gleichzeitig gestaltet er den Entwicklungsprozess von der Problem- und Zielformulierung bis zur Präsentation eines Ergebnisses aktiv mit, was im Gegensatz zu herkömmlichen Arbeitsweisen (bloßes Anhäufen von theoretischem Wissen, Abkoppeln einzelner Arbeitsschritte vom Ganzen) meist zu einer stärkeren Identifikation führt, die sich in hohem Engagement und Verantwortungsgefühl äußert. Das gemeinsame Arbeiten der Gruppe schult die Fähigkeiten in Kommunikation, Kooperation, den Umgang mit Konflikten und Kritik. Gleichzeitig wird die Teamfähigkeit gefördert.

Die Lehrenden verlassen innerhalb dieser Unterrichtssequenzen weitgehend ihre traditionell-primäre Rolle der Wissensvermittlung und werden zu Lernbegleitern, die Lernanlässe organisieren und bei der Entwicklung von Lösungsstrategien als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

An der bundesoffenen Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker in Lübeck wird der Theorieunterricht durch wöchentliche vier- oder achtstündige Projekt- und Praxistage (PPT) mit jeweils einer Klassenhälfte ergänzt. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung der Handlungskompetenz. Darunter versteht man die Bereitschaft und Fähigkeit des Einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.

Die PPT-Tage bieten günstige Bedingungen für die handlungsorientierte Gestaltung des Lernens in Bezug auf die Gruppengröße (14 bis 17 Schüler). Durch die Klassenteilung können schüleraktive Methoden gezielter umgesetzt werden.

Die zu behandelnden Themen bieten einen hohen Berufsbezug, der dazu beiträgt, dass die Schüler sehr motiviert sind, sich mit der jeweiligen Thematik zu beschäftigen. Dabei können sie ihr bisheriges Wissen und ihre Erfahrungen ins Unterrichtsgeschehen einbringen. In der Regel steht am Ende dieses projektorientierten und teamorientierten Unterrichts die Präsentation eines Produktes und/oder des Prozesses.

2.2 Bezug zu den Ausbildungsstandards

Neben der Realisierung des Modulbezugs soll es durch die Bearbeitung dieser Hausarbeit und der Durchführung der Unterrichtseinheit zur Umsetzung verschiedener allgemeiner Ausbildungsstandards[8] und Fachstandards im Bereich Gesundheit[9] bei der LiA kommen. An folgenden allgemeine Ausbildungsstandards und Fachstandards soll gearbeitet werden:

Allgemeine Ausbildungsstandards:

Planung, Durchführung und Evaluation von Unterricht

Die LiA

- fördert die Selbständigkeit der Lernenden durch eine Vielfalt schüleraktivierender Unterrichtsformen, insbesondere durch Vermittlung von Lern- und Arbeitsstrategien.
- die LiA plant und führt den projektorientierten Unterricht mit Hilfe
verschiedener Methoden (Mind-Map, Stilles Schreibgespräch, Gruppenarbeit,
Rollenspiel mit Videoaufnahme) durch.
- evaluiert den eigenen Unterricht systematisch unter Einbeziehung der Lernenden.
- die Schüler führen mit Hilfe eines Fragebogens eine Evaluation durch.

Bildungs- und Erziehungseffekte

Die Lernenden tragen im Unterricht der LiA Verantwortung für den eigenen Lernprozess.

- die Schüler fertigen in Kleingruppen eine Videoaufzeichnung zu ihrem
Rollenspiel an, welches als Produkt am Ende des Tages vorliegen muss,
damit das Rollenspiel im Plenum reflektiert werden kann.

Fachstandards für die Fachrichtung Gesundheit:
Die LiA ...

- plant Unterricht so, dass der Aspekt der Patienten-/Kundenorientierung im
Berufsfeld und im Fachgebiet Pflege vermittelt wird und dass in den Berufen des
Gesundheitswesens das Individuum mit seinen Bedürfnissen und Ressourcen in
den Mittelpunkt gestellt wird.
- die Schüler sollen durch die Durchführung eines Rollenspiels die Notwendigkeit einer sachgerechten und kundenorientierten Auseinandersetzung im beruflichenBereich erkennen und lernen, angemessen auf Kommunikationssituationen und Kommunikationspartner zu reagieren.

Ob diese allgemeinen Ausbildungs- und Fachstandards durch die LiA erfüllt wurden, kann erst retrospektiv im Rahmen der Evaluation geklärt werden.

Im Folgenden wird die Zielvorstellung des Unterrichts verdeutlicht, bevor die LiA auf die Leitfragen eingeht.

2.3 Zielvorstellung des Unterrichts

Ziel dieses PPT-Tages ist es, das die Schüler Informationen zum audiologischen Vorgespräch sammeln und in Anlehnung an den betrieblichen Arbeitsprozess strukturieren. Sie sollen hinsichtlich ihrer Rolle im Dialog mit dem Kunden sensibilisiert werden, eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen und ein Gespräch zielorientiert führen zu können. Im Rahmen praktischer Übungen wird den Schülern die Möglichkeit eröffnet, sich in die Rolle eines Kunden zu versetzen, um auf diese Weise die Belastungssituation des Kunden während des audiologischen Vorgesprächs zu erleben.

Für die handlungsorientierte Umsetzung des Unterrichtes soll ein projektorientierter Unterricht durchgeführt werden, in dem folgende Aspekte im Vordergrund stehen:

- der Situationsbezug und die Lebensweltorientierung
- die Produktorientiertheit
- das soziale Lernen.

Zunächst muss geklärt werden, was unter a) dem Situationsbezug und der Lebensweltorientierung, b) der Produktorientiertheit und c) unter dem sozialen Lernen zu verstehen ist.

Zu a)

„Der Lehrer muß sich darüber klar werden, für welche Lebensqualität er seine Schüler ausbildet und ob das, was er ihnen zu vermitteln versucht und sie handelnd erfahren läßt, sie befähigt, in ihrem zukünftigen Beruf und Leben so selbstbestimmt, so wenig entfremdet, so solidarisch wie möglich zu existieren.“ (Geisler 1976, 35).

Die Auswahl der Inhalte sollte sich an komplexen, lebens- und berufsnahen, ganzheitlich zu betrachtenden Problembereichen orientieren.

Einerseits wird der Schüler dadurch motiviert dem Unterricht zu folgen und andererseits kann das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts umgesetzt werden. (Vgl. Gudjons 2003, 255).

[...]


[1] Zum Zweck der besseren Lesbarkeit verzichte ich auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise. Wenn im Folgenden die männliche Form, z.B. Schüler gebraucht wird, ist damit stets auch die weibliche Form, z.B. Schülerin, gemeint.

[2] Anamnese: griechisch „Erinnerung“, bedeutet: In-Worte-Bringen von Vergangenem

[3] Ziel der Messung ist die Erstellung eines Audiogramms, die grafische Darstellung der Unterschiede zwischen der aktuellen und der physiologischen Hörschwelle, mit Hilfe eines Audiometers.

[4] Veranstaltungsnummer: 21-627704

[5] Eine Gruppe plante ein Projekt zum Thema „Drogen“ und eine andere nahm sich dem Thema „Sexualität“ an.

[6] Handlungsorientierter Unterricht: „Mit diesem Begriff wird ein Unterrichtskonzept bezeichnet, das den
SchülerInnen einen handelnden Umgang mit den Lerngegenständen ermöglichen soll, bei dem
materielle oder soziale Tätigkeiten der SchülerInnen den Ausgangspunkt des Lernprozesses bilden.
Ziel ist, durch diese aktive Auseinandersetzung die Trennung von Schule und Leben ein Stück weit
aufzuheben.“ (Gudjons 2003, 250).

[7] Und dass „unter Einbeziehung des Kopfes, des Gefühls, der Hände, Füße, Augen und
Ohren, der Nase, des Mundes und der Zunge, also möglichst vieler Sinne.“ (Gudjons 1986, 63).

[8] Vgl. Landesverordnung über die Ordnung des Vorbereitungsdienstes und die Zweiten Staatsprüfun- gen der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein vom 22. April 2004

[9] Vgl. Informations-CD vom IQSH: „Material zu den Modulen“

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638009492
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83858
Note
2,0
Schlagworte
Vorgespräch Referendariat

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