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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1.0 Einleitung

2.0 Sprachlicher Abstand
2.1 Übersicht über die Sprachen in Zimbabwe
2.2 Sprachfamilie und Entstehung
2.3 Dialekte und Pidginsprachen
2.4 Entlehnungen

3.0 Prestigeunterschiede

4.0 Sprachgemeinschaftstyp
4.1 Räumliche Erstreckung der Zwei- oder Mehrsprachigkeit
4.2 Soziale Erstreckung der Zwei- oder Mehrsprachigkeit

5.0 Funktionale Komplementarität
5.1 Arten der Funktionstrennung
5.1.1 Informelle Domäne
5.1.2 Kulturelle Domäne
5.1.3 Wirtschaftliche Domäne
5.1.4 Bildungsdomäne
5.1.5 Politische und administrative Domäne
5.1.6 Rechtliche Domäne
5.1.7 Domäne der Massenmedien
5.1.8 Internationale Domäne
5.2 Stabilität der Funktionstrennung

6.0 Standardisierung
6.1 Entwicklung der Standartsprache und eines Schriftsystems
6.2 Sprachlicher Ausbau und normative Institutionen

7.0 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetseiten

Abstract

Zimbabwe is a good example of language policy of african nations after independence. Although the indigenous languages, namely Shona and Ndebele, are official languages too, the former colonial language still plays an important role. English ist not just the medium of communication between locals and foreigners, but is also used more and more in the informal domains. This could be a result of the neglect of the promotion of the african languages. Facing the fact the country is politicaly and economicaly isolated, English as a world language gives not only the opportunity to communicate with foreigners in the country but also with the outside world. The two main indigenous languages Shona and Ndebele are both bantu languages, but they differ so much from each other that English is also used as the medium of communication between the members of the different language groups. The zimbabwean society is said to be diglossic. Beside the two main language groups you can find a variety of minority languages and dialects. Usually a Zimbabwean grows up with an indigenous dialect. Additionally a standardizated african language and English are taught at school. Diglossia depends on age, sex and level of education of the speaker. The ideal bilingual Zimbabwean is a under 35 year old male member of the middle or upper class. To cope with the diglossic situation in their country, the inhabitants have to be very flexible in using the different languages. The change from one languge to an other is called code-switching. This goes along with positive and negative effects. Some local linguists are very concerned about the fact that some citizens have problems to finish a complete sentence in Shona without using english vocabulary. Another negative fact is the direct replacement of english words to Shona, e.g. the names of the months or the numbers. Positive influences come from english words, which did not exist in the Shona language before. The Shona was enriched by words of areas like technology, government, commerce and medicine.

The english language owns very high prestige. That is why it is to be called the high-variety. While the indigenous african languages are to be called low-varieties. Under the indigenious languages there are prestige differences too. Shona is more popular than Ndebele. Even between the different Shona dialects you can find that Zezeru, spoken around Harare, is more popular than other dialects. That is why finally you can say there is a bilingual situation in Zimbabwe is to be discribed as very unballanced.

1.0 Einleitung

Ein Drittel aller menschlichen Sprachen wird auf dem afrikanischen Kontinent gesprochen. In Afrika gibt es rund 1500 verschiedene, gegenseitig nicht verständliche Sprachen. Die Sprecherzahl liegt zwischen ca. 60 Millionen und wenigen Hundert. Alle afrikanischen Staaten beherbergen mindestens eine, meist jedoch mehrere Sprachen innerhalb ihrer Grenzen. Dies resultiert aus der Kolonialzeit, in der die Grenzen ohne Rücksicht auf die einheimischen gesellschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Verhältnisse am „Reißbrett“ festgelegt wurden. In dieser Zeit wurde die Sprache der Kolonialmacht als allgemeines Kommunikationsmittel eingeführt und gefördert. Die Pflege der einheimischen Sprachen wurde jedoch vernachlässigt. Die Sprache der ehemaligen Kolonialherren wurde nach der Unabhängigkeit meist als offizielle Sprache beibehalten. Erst langsam wird in einer Reihe von Staaten dazu übergegangen, wenigstens im Grundschulbereich die afrikanischen Sprachen zu fördern.

Noch immer fällt es den Regierungen und Eliten schwer, Mehrsprachigkeit als Reichtum und Ressource zu begreifen. Afrikanische Sprachen werden als Problem und Entwicklungshindernis wahrgenommen.[1]

Myers-Scotton fragt:

“Who becomes a bilingual in Africa? The simple answer is, almost everyone who is mobile, either in a socio-economic or a geographic sense. While there are monolinguals in Africa, the typical person speaks at least one language in addition to his/her first language, and persons living in urban areas often speak two or three additional languages.”[2]

Auch in Zimbabwe findet man eine mehrsprachige Situation vor. Die ehemalige Kolonialsprache hat auch hier einen hohen Prestigewert. Für die Analyse des Variationsraumes der Mehrsprachigkeit in Zimbabwe wird in dieser Arbeit das Schema nach George Lüdi[3] verwendet. Mit Hilfe dieses Schemas ist es möglich, die Diglossie oder Mehrsprachigkeit zu differenzieren und die verschiedenen Typen der Diglossie zu bestimmen. Dazu stehen laut dem Schema sechs Variablen zur Verfügung: der sprachliche Abstand, der Sprachgemeinschaftstyp, die funktionale Komplementarität, die Standardisierung, der Erwerbstyp und das Sprachprestige. Die Auseinandersetzung mit dem Thema der Erwerbstypen soll in dieser Arbeit kein eigenes Kapitel gewidmet werden. Dieser Punkt fließt mit in die übrigen Kapitel ein.

Zunächst sollte eine Definition der Mehrsprachigkeit gegeben werden. Als mehrsprachig werden von Fishman alle Situationen bezeichnet, in der zwei oder mehr Sprachvarietäten unterschiedlich funktionalen Kontexten zugeschrieben werden. Ferguson spricht von einer klar funktionalen Differenzierung zwischen einer (sozial) niedrigen Sprachvarietät (L[ow]- Variety) und einer hohen Standartvarietät (H[igh]- Variety). Die H-Varietät unterscheidet sich dabei von der L-Varietät durch eine größere grammatische, lexikalische und stilistische Komplexität, sie ist kodifiziert und normiert, sie wird mit sozial prestigereichen Situationen assoziiert, ihre Vermittlung erfolgt erst sekundär durch die Schule, und sie wird nicht in der Alltagskommunikation, sondern in formellen Sprechsituationen und als Schriftsprache verwendet.[4]

Vergleiche mit mehrsprachigen Situationen anderer Länder würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und werden deshalb nicht angestellt.

2.0 Sprachlicher Abstand

2.1 Übersicht über die Sprachen in Zimbabwe

Die große Mehrheit der indigenen, einheimischen, vorkommenden Sprachen in Zimbabwe gehören zu der Familie der Bantu-Sprachen. Einheimische Sprachen sind neben den beiden dominanten Shona und Ndebele eine Vielzahl von Minderheitensprachen und Dialekten.

Obwohl nur 1% der Einwohner Zimbabwes Englisch als Muttersprache erwerben, kommt dem Englischen eine große Bedeutung zu.[5]

Wegen vermuteter Goldvorkommen wurde die Gebiete Maschonaland und Matabeleland ab 1890 durch die British South Africa Co. kolonisiert. 1896/97 führten die Shona und Ndebele den ersten bewaffneten Widerstandskampf. Ab 1923 wurde den europäischen Siedlern durch Großbritannien die Selbstverwaltung Südrhodesiens gewährt. 1963 wurde das Land nicht sich selbst überlassen, sondern die weißen Siedler proklamierten 1965 einseitig die Unabhängigkeit. (Kurze Zeit später nahmen die Nationalbewegungen ZAPU und ZANU den bewaffneten Befreiungskampf auf. Mit dem Lancasterhouse-Abkommen von 1979 wurde Frieden zwischen den Konfliktparteien geschlossen.) 1980 wurde der Afrikaner Robert Mugabe bei den ersten allgemeinen und freien Wahlen zum Sieger erklärt.[6]

Sprachpolitisch gab es keine Konflikte, denn auch während des Befreiungskampfes einte die englische Sprache die beiden unterdrückten Ethnien.

Ernsthafte Tendenzen zur Änderung der Amtssprache hat es nie wirklich gegeben.[7]

Zu den einheimischen Sprachen und dem Englischen kommen einige zugewanderte afrikanische Minderheiten wie Chewa/ Nyanja, Sena, Bemba, Sotho und Fengu sowie nicht-afrikanische Minderheiten. Dazu zählen Afrikaans, Portugiesen, Hindi, Juden, Italienern auch Griechen.[8]

2.2 Sprachfamilie und Entstehung

Shona, Ndebele und die meisten der vorkommenden Minderheitensprachen gehören zu der Familie der Bantu-Sprachen. Die Bantu-Sprachen zählen zu den Niger-Kongo-Sprachen, die ein Zweig der Niger-Kordofanischen Sprachfamilie sind. Bantusprachen werden neben in Zimbabwe im Süden Kameruns, im Kongo, in Gabun, Uganda, Kenia, Tansania, Angola, Sambia, Malawi, Mosambik, Namibia, Botswana und Südafrika gesprochen. Insgesamt wird die Zahl der Bantu-Sprecher auf über 200 Millionen geschätzt.[9]

Spezifische Kennzeichen aller Bantu-Sprachen sind meist die Zugehörigkeit zu den Tonsprachen mit 2 Tonstufen, eine Tendenz zu zweisilbigen Wurzeln und reduzierten Vokalsystemen, eine ausgeprägte Nominalklassifizierung sowie eine komplexe Verbmorphologie. Alle Bantusprachen besitzen bis heute gemeinsame Merkmale einer Proto-Sprache, des „Ur-Bantu“.[10]

Die beiden Volkssprachen, Shona und Ndebele, werden von rund 85% der Bevölkerung gesprochen. Shona wird von 70,8% und Ndebele von 14,6% der Bevölkerung gesprochen.[11]

Wann die Sprachen Shona und Ndebele genau entstanden sind, ist bis heute unklar. Belegt ist hingegen nur, dass das Gebiet des heutigen Zimbabwe ungefähr 200 v. Chr. von Bantu-Völkern besiedelt wurde. Um ca. 1000 n. Chr. entstand das Reich, das vom Volk der sogenannten Shona oder Maschona errichtet wurde. Der Name dieser Ethnie ist eine Erfindung der Kolonialherren. Aus den einzelnen Untergruppen der Shona entwickelten sich unterschiedliche Dynastien und Königreiche, die dann zum Ende des 19. Jahrhunderts durch äußeren Druck ihren Niedergang erlebten.[12] Denn um 1837 floh der Zulu-Stamm Ndebele mit seinem Führer Mzilikazi vor einem anderen Zulu-Stamm und den Buren aus dem heutigen Süd-Afrika, und ließen sich in dem Gebiet von Groß-Zimbabwe nieder. Sie siedelten um die Stadt Bulawayo.[13]

2.3 Dialekte und Pidginsprachen

Zu den vorkommenden Bantusprachen in Zimbabwe zählen neben Shona und Ndebele auch die Minderheitensprachen bzw. Dialekte Kalanga, Nyanja/Chewa, Tonga im Mudzi-Kreis, Shangani, Tonga, Barwe, Sotho, Venda, Chikunda, Xhosa, Sena, Hwesa und Nambya. Bei der einzigen vorkommenden Nicht-Bantusprache handelt es sich um Tshwawo.[14]

[...]


[1] Gerhardt 2004: 271ff.

[2] Zitat: Myers-Scotton 1993: 33.

[3] Lüdi 1989: 244.

[4] Bußmann 2002: 167.

[5] Chimhundu 1993: 36.

[6] Engel 2004: 343ff.

[7] Veit-Wild 1984: 104.

[8] Chimhundu 1993: 36.

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Bantusprache vom 23.01.2006.

[10] Bußmann 2002: 114.

[11] Laitin 1992: 134.

[12] http://www.afrikaprojekte.de/zimbabwe/kolonie0.htm vom 17.02.2006.

[13] Myers-Scotton 1993: 16f.

[14] Hachipola 1998: 1ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638001205
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83842
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Lehrstuhl für Sprachwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Mehrsprachigkeit Zimbabwe Sprachkontakt

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Titel: Mehrsprachigkeit in Zimbabwe