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Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges - ein chronologischer Aufriss

Seminararbeit 2006 15 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Ausgangslage in Europa vor dem Ersten Weltkrieg
2.1. Wirtschaftliche Verbindungen in Zeiten des Imperialismus
2.2. Politische und militärische Bündnisse
2.3. Spannungen im europäischen System

3. Serbien, Österreich-Ungarn und Russland. Interessenkonflikte in der Balkanfrage

5. Reaktionen auf das Attentat - Die Julikrise

6. Der Ausbruch des Krieges

7. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Vermutlich gab es zeitgleich mit den ersten Schüssen, die im Ersten Weltkrieg fielen, viele Spekulationen darüber, wie es zu dieser dramatischen Auseinandersetzung kam und wer die Schuld daran trug. Die neuere Geschichtsschreibung jedoch beschäftigte sich „sine ira et studio“[1] mit dem Ausbruch, dem Verlauf und dem Ende des Ersten Weltkrieges, wie Theobald von Bethmann Hollweg dies seinerzeit schon in seinen „Betrachtungen zum Kriege“ gefordert .hatte.

Die ausgiebige Forschung über den Krieg konnte vor allem aufgrund der breiten Quellengrundlage, zum einen in Form von diplomatischen Schriftstücken der Botschaften und Vertretungen der Großmächte und zum anderen in Form von zeitgenössischen Schriften über den Krieg in bewerkstelligt werden.

In erster Linie stand die Frage nach der Verantwortlichkeit für den Krieg und insbesondere die Auswirkungen der deutschen Außenpolitik vor dem Kriegsausbruch im Zentrum der Diskussion. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges soll deshalb explizit nicht sein, wer dafür verantwortlich war, dass es zum Krieg kam. Dies ist zwar ein ebenso interessanter Aspekt der Thematik, stellt aber im Kontext des Kriegsausbruchs einen komplexeren Bereich dar.

Der Historiker John Keegan beginnt sein Buch über den Ersten Weltkrieg mit den Worten:

Der Erste Weltkrieg war ein tragischer und unnötiger Konflikt. Er war unnötig, weil die Kette der Ereignisse, die zu seinem Ausbruch führte, während der fünfwöchigen Krise (...) noch jederzeit hätte unterbrochen werden können.“[2]

Eine derartige Formulierung suggeriert der Erste Weltkrieg wäre das Resultat einer kurzen Krise, die ihren Ursprung im Attentat vom 28. Juni 1914 hatte. In der Tat markiert die Ermordung des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand in Sarajewo durch eine serbische Terrororganisation einen Schicksalstag der europäischen Geschichte. Nur stellt sich die Frage, ob dies allein der Grund dafür sein konnte, die sogenannte Julikrise nicht wie andere Krisen zuvor zu lösen, sondern in einem Weltkrieg enden zu lassen.[3]

Deshalb soll hier eine chronologischer Aufriss geleistet werden, wie eine regionale Krise auf dem Balkan entstand und sich zum Weltkrieg entwickelte; darüber hinaus sollen manche Überlegungen angestellt werden, wieso einzelne Staaten, den 28. Juli als Kriegsauslöser begriffen.

Es muss zunächst auf die politische Ausgangslage in Europa und im Besonderen auf die Bündnissysteme eingegangen werden. Des weiteren soll das Attentat von Sarajewo als Spitze eines regionalen Konflikts dargestellt werden. Die Betrachtung von Reaktionen auf das Attentat bis zum eigentlichen Kriegsausbruch, mit dem Kriegseintritt der einzelnen europäischen Mächte vervollständigt die Darstellung.

2. Die Ausgangslage in Europa vor dem Ersten Weltkrieg

2.1. Wirtschaftliche Verbindungen in Zeiten des Imperialismus

Das Ende des 19. Jahrhundert wurde durch die Industrialisierung wesentlich geprägt. Neue Fertigungsmethoden, neue Materialien und technische Innovationen, gerade auch im marinen Bereich veränderten die Welt. Aufgrund dieser Neuerungen bestand für die europäischen Mächte die Möglichkeit den Globus in nie dagewesener Gründlichkeit zu erkunden und zu bereisen. Dies führte auch dazu, dass europäische Staaten vermehrt Kolonien auf der ganzen Welt gründeten, um ihren Einflussbereich zu erweitern, aber vor allem auch um den steigenden Bedarf an Rohstoffen kostengünstig durch die Ressourcen fremder Kontinente zu decken. In diesen Zeiten des Imperialismus entstanden so weltweite wirtschaftliche Vernetzungen. Die Schnelligkeit und Effizienz der Schifffahrts- und Eisenbahntechnik erlaubte es nämlich die Kolonien aktiv in das europäische Wirtschaftssystem mit einzubeziehen, ja sogar die Kolonien als neue Märkte zu nutzen.[4] Was hatte diese Globalisierung jedoch für Auswirkungen auf das Verhältnis der Großmächte Europas untereinander? Zum einen waren die Länder wegen der unterschiedlichen Rohstoffvorkommen in den Kolonien sehr aufeinander angewiesen. Zum anderen bedingten Spezialisierungen auf bestimmte Produkte, wie zum Beispiel Textilien oder Maschinen einen regen Handel untereinander. Weiterhin brachte die Möglichkeit des schnelleren und billigeren Reisens den Tourismus mit sich. Nach der Jahrhundertwende war es vielen solventen Bürgern möglich Reisen zu den Badestränden Frankreichs und Italiens oder auch in die Alpen zu unternehmen, wodurch nicht nur ein kultureller Austausch stattfand sondern das Reisen auch als ein Wirtschaftszweig etabliert wurde, der die europäischen Länder näher zusammenbrachte.[5]

Diese engen wirtschaftlichen Verknüpfungen bedingten eine enge Zusammenarbeit, auch von politischer Seite. So entstanden Handelsverträge und Wirtschaftsabkommen um günstige und friedliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Keegan bemerkt in diesem Zusammenhang, dass wegen der „friedlichen Produktivität, die so stark auf internationalen Warenaustausch und internationale Zusammenarbeit angewiesen war“[6], ein Krieg in Europa als unwahrscheinlich galt. Eine ähnliche Einschätzung äußert Bethmann Hollweg, der beispielsweise das Wirtschaftsabkommen über Marokko vom Februar 1909 als probates Mittel beschrieb, die Beziehung zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich langfristig vor Reibungen zu bewahren.[7] Die wirtschaftlichen Verbindungen und Interdependenzen innerhalb Europas, welche durch die Ausweitung des Wirtschaftsraumes auf die ganze Welt nur noch verstärkt wurden, führten in der Folge zu einem vernünftigen Nebeneinander der Staaten.

[...]


[1]..Bethmann Hollweg, Theobald von: Betrachtungen zum Kriege I. Vor dem Kriege, Berlin 1919,.S. 187.

[2] Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Hamburg 22000, S.13.

[3] Vgl. Salewski, Michael: Der Erste Weltkrieg, Paderborn u.a. 2003, S.84f.

[4] Vgl. Keegan, 2000 (wie Anm. 3), S. 22.

[5] Ebd., S. 29.

[6] Ebd., S. 21.

[7] Bethmann Hollweg, 1919 (wie Anm. 1.), S. 4f.

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638004305
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83824
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Lehrstuhl für Neueste Geschichte
Note
2,2
Schlagworte
Ausbruch Ersten Weltkrieges Aufriss Weltkrieg

Autor

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