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Wortbildung und deren Bedeutung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 16 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nominationsbildung

3. Wortbildung und Flexion

4. Wortbildung und Wortschöpfung

5. Motivation und Lexikalisierung

6. Konstituente und unmittelbare Konstituente

7. Konstituentenanalyse

8. Wortbildungsmodell und Wortbildungsprodukt

9. Zusammenfassende Betrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Funktionieren des Sprachsystems stellt man sich als Kombination und Ineinandergreifen der einzelnen sprachlichen Einheiten vor. Aus Laute setzen sich die Wörter zusammen, aus den Wörtern wiederum die Sätze, und schließlich werden Sätzen zu einem Text zusammengefügt.

Wird das Wort selbst analysiert und, soweit möglich, in seine Bestandteile zerlegt, spricht man von der Morphologie und Wortbildung. Sie umfasst die Formenlehre, das heißt die Flexionslehre und die Wortartenlehre, teilweise auch die Wortbildungslehre. Die Flexionslehre und die Wortbildungslehre unterscheiden sich dabei auf folgende Weise: In der Flexionslehre werden die Formen der Wörter beschrieben. Dagegen untersucht die Wortbildungslehre, wie aus vorhandenen sprachlichen Mitteln neue Wörter hervorgehen, zum Beispiel häuslich, Hausbau. Während also die Flexion verschiedene Formen desselben Wortes konstituiert (also Haus /Haus –es usw.), entstehen durch Wortbildung neue Wörter.[1]

Auf die Flexion und die Wortschöpfung soll im Rahmen der Arbeit später darauf eingegangen werden. Sie stellen zwei Themen dar, mit denen ich mich in meiner Arbeit beschäftigen möchte. Ein anderer zu behandelnder Punkt wird die Nominationsbildung, das heißt die Benennungsbildung, sein. Dabei steht besonders die Begriffsdefinition im Vordergrund.

Des Weiteren möchte ich auf die Begriffe der Motivation und der Lexikalisierung eingehen und versuchen zu klären, welche Rolle sie für die Wortbildungsmorphologie spiele.

Darauf folgen dann Ausführungen zu den Konstituenten, unmittelbaren Konstituenten und die Demonstration einer Konstituentenanalyse an einem selbst gewählten Beispiel.

Die arbeit wird dann beschlossen von dem Gliederungspunkt, in dem es mir um Wortbildungsmodelle und Wortbildungsprodukten gehen soll, gefolgt von einigen zusammenfassenden Betrachtungen.

2. Nominationsbildung

Explizit aufgeführt wird die Nominationsbildung bei Fleischer/Barz und als Synonym für den Begriff der Benennungsbildung verwendet. Man versteht darunter den Prägungsakt einer neuen Benennungseinheit. Dies geschieht mittels verschiedener Verfahren auf semantischer, syntaktischer oder morphologisch-struktureller Ebene. Jeder der drei Prozesse greift dabei auf bereits vorhandenes Sprachmaterial zurück.

Ich möchte nun genauer auf die einzelnen Verfahren eingehen:

Das semantische Verfahren beinhaltet die Veränderung der Bedeutung eines Ausgangelementes. Dabei können auch Veränderungen in der Orthografie und der Flexion auftreten. In einem neueren Wörterbuch findet man zum Beispiel verschiedene Begriffe anders definiert als in einem Älteren. Es erfolgt eine Homonymisierung, das heißt es existieren zwei gleichlautende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung. Ursachen dafür liegen in einer Semenveränderung und demzufolge in einem gewandelten Verständnis des Begriffs. Das Ergebnis des semantischen Verfahrens besteht darin, dass es zum Schwund eines Homonyms kommt. Die ältere Begriffsdefinition schwindet und es bleibt eine völlig neue Nominationseinheit bestehen.

Im Rahmen des syntaktischen Verfahrens steht im Vordergrund der Wortartwechsel. Dieser ist verbunden mit der Entstehung neuer Wörter. Die Begriffsklassen verändern sich. Substantiviert man beispielsweise das Adjektiv ‚luftig’, so erhält man das Wort ‚Luft’. Die Begriffsklassenveränderung vollzieht sich in diesem Beispiel durch den Wechsel von einer Eigenschaft zu einer Substanz.[2]

Von Wortbildung im eigentlichen Sinne spricht man beim morphologisch-strukturellen Verfahren. Die zentralen Mechanismen sind Kompostion und Derivation. Dabei wird in die formale Struktur eines Wortes eingegriffen. Diese Eingriffe sind gekoppelt an syntaktische und semantische Prozesse.

3. Wortbildung und Flexion

Flexion wird definiert als Beugung beziehungsweise als Wortformenbildung. Sie untergliedert sich in Deklination und Konjugation, die in Kürze noch genauer erläutert werden. Durch die Flexion wird keine Veränderung der Wortgrundbedeutung vorgenommen. Im Gegensatz dazu wird jedoch durch die Prozesse der Wortbildung, das heißt durch Derivation (Ableitung) und Komoposition (Zusammensetzung) eine veränderte Wortbedeutung hervorgerufen.

„Die Flexion verändert die Wortform, was dazu dient, das Verhältnis des betreffenWortes zu anderen Wörtern im Satz auszudrücken.“[3] Es handelt sich um die Abwandlung der Nomina beziehungsweise der Vera. Deklination stellt dabei die Beugung der Substantive, Adjektive und Pronomina nach Kasus, Genus und Numerus dar, während die Konjugation die Verba nach Person, Numerus, Tempus, Genus und Modus beugt, wie die Abbildung 1 auf der folgenden Seite verdeutlicht.

Man spricht auch von einer fließenden Grenze zwischen dem Prozess der Flexion und dem der Wortbildung, genauer den der Derivation. Einen solchen Grenzfall stellt die Komparation der Adjektive dar. Die Regelmäßigkeit der Bildung verleitet dazu die Adjektivkomparation mit der Bildung der Flexionsformen gleichzusetzen. Auch die Tatsachen, dass die Komparation die Wortgrundbedeutung nicht verändert, lässt diesen Schluss logisch erscheinen. Als Beispiel möchte ich die Steigerungsformen des Adjektivs ‚schön’ anbringen: schön – schöner – am schönsten. In Bezug auf die Regelmäßigkeit der Bildung muss allerdings hingewiesen werden. Ausnahmen wie gut – besser – am besten setzen die Annahme außer Kraft, dass die Adjektivkomparation wegen ihrer regelmäßigen Bildung mit den Flexionsformen gleichzusetzen sei. Handelt es sich nun um Wortbildung der Flexion? Die Antwort muss ich schuldig bleiben, da mir keine eindeutige Zuordnung möglich ist. Der zutreffende Begriff der Übergangserscheinung verweist rückführend auf den Begriff der fließenden Grenze.

Ein Beispiel für das Zusammenwirken von Flexion und Wortbildung möchte ich in wenigen Worten erläutern. So können mangelnde Pluralformen, die im grammatischen Paradigma Lücken hinterlassen, durch Komposita, das heißt durch das Produkt eines Wortbildungsprozesses, ersetzt werden. Zum Beispiel existiert zu den Nomen ‚Getreide’ keine Pluralform. Der Plural kann aber durch das Kompositum ‚Getreidearten’ ausgedrückt werden.

[...]


[1] Vgl. Bergmann, R./ Pauly, P./Schlaefer, M., Einführung in die deutsche Sprachwissenschaft, Heidelberg 1981 (Germanische Bibliothek, Neue Folge 5), S. 159f.

[2] Vgl. Fleischer, W./Barz, I: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache, Tübingen, 1995, S. 7.

[3] Vgl. Lyons, J.: Einführung in di moderne Linguistik, 8. Auflage, München, 1995, S. 198.

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638153652
ISBN (Buch)
9783640737390
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8382
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Morphologie Wortbildung Konsituentenanalyse

Autor

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Titel: Wortbildung und deren Bedeutung