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Der Prozess der „gentrification“ - dargestellt an Beispielen in Köln

Seminararbeit 2002 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Prozess der Gentrification
2.1. Definition des Begriffes Gentrification
2.2 Phasen der Gentrification
2.3 Einflüsse auf den Prozess der Gentrification

3. Gentrification an Beispielen in Köln
3.1 Das Friesenviertel: Beispiel für konzerngesteuerte Stadtplanung
3.2 Die Südstadt: Sozialer Wandel eines Viertels
3.3 Das Agnesviertel: Rahmenplanung zur Verhinderung von Gentrification
3.4. Köln-Nippes: Lebensstile und ihre Auswirkungen auf den Gentrification-Prozess

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Prozess der Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete (Gentrification) ist schon seit einigen Jahren ein an Bedeutung zunehmendes Thema der Stadtgeographie und Stadtsoziologie. Die Erforschung des Phänomens begann in Nordamerika, wo der Prozess auch heutzutage rascher und intensiver abläuft als in Mitteleuropa. Schon Ende der 70er Jahre erschienen die ersten Arbeiten über die Ursachen und den Ablauf des Prozesses. Erst viel später wurde der Prozess auch in den Städten Europas beobachtet. Die erste deutsche Studie stammt aus dem Jahr 1988 (Dangschat und Friedrichs, 1988). Schwerpunkte der bisherigen Arbeiten sind die Darstellung und Systematisierung der Wanderungsbewegung, Abgrenzung der Träger und Betroffenen, sowie die Suche nach Ursachen und Gründen im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demographischen Bereich.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Prozess der Gentrification an Beispielen von Köln zu zeigen und diesen zu begründen. Gentrification ist ein Mehrebenenprozess. Dies wird im theoretischen Teil der Arbeit erläutert. Die operationale Definition der Gentrification hängt entscheidend von den für die Charakterisierung, insbesondere der Stadtteile, ausgewählten Beschreibungsdimensionen ab. Ob soziale oder kulturell bedingte Faktoren oder eher ökonomisch motivierte Interessen im Vordergrund stehen, kann nicht generell entschieden werden. Immer liegt ein spezifisches „Bedingungssyndrom“ (Huinink 1990, S.266) vor, das sich durch die hohe Interdependenz von Einzelfaktoren auszeichnet und das in jedem konkreten Einzelfall zu studieren ist. Dieses „Bedingungssyndrom“ ist ein Kriterium, wonach man den Prozess der Gentrification in unterschiedlichen Kölner Stadtteilen unterscheiden kann. Der dritte Teil dieser Arbeit nimmt Stellung zu bestimmten Kölner Stadtteilen und soll den dort stattfindenden Aufwertungsprozess anhand spezifischer Faktoren zeigen.

2. Der Prozess der Gentrification

Zum allgemeinen Verständnis ist es notwendig, diesen relativ wenig bekannten Begriff in seiner Vielschichtigkeit näher zu erläutern. Als Hintergrund der Ausführungen über die Stadt Köln wird der Begriff also erst definiert und dann als Prozess beschrieben.

2.1. Definition des Begriffes Gentrification

Unter Gentrification versteht man „ einen stadtteilbezogenen Aufwertungsprozess, der auf der Verdrängung unterer Einkommensgruppen durch den Zuzug wohlhabender Schichten basiert und zu Qualitätsverbesserungen im Gebäudebestand führt.“(Heineberg 2000, S.18).

Man reduziert den komplexen Begriff der „Gentrification“ auf zwei zentrale Bestandteile:

1. Die Reinvestition und Aufwertung des innenstadtnahen Wohnungsbestandes (Modernisierung, Mietpreissteigerung, Umwandlung in Eigentumswohnungen, Zweckentfremdung)und
2. Die Verdrängung oder den Austausch der alteingesessenen Bewohnerinnen und Bewohner sowie der zuletzt Zugezogenen („Pioniere“) und die Ersetzung durch jüngere, besser gebildete Bevölkerungsgruppen , die in der Regel aufgrund ihrer Berufsposition über höhere Einkommen verfügen und nicht in familiären Sozialstrukturen leben.

Gentrification findet nach den bisherigen Erkenntnissen in Wohngebieten statt, die durch die Kombination folgender Merkmale gekennzeichnet sind:

- In der Nähe des Stadtzentrums gelegen,
- um 1900 errichtete Wohngebäude,
- schlechter Zustand der Gebäude,
- niedrige Bodenpreise und niedrige Mieten,
- Bewohner mit niedrigem Sozialstatus

2.2 Phasen der Gentrification

Die im Rahmen der Gentrification stattfindende soziale Aufwertung lässt sich in vier Phasen gliedern:

In der Experimentierphase ziehen in das Gebiet Personen aus alternativen Milieus, Künstler, Studierende, Musiker, etc. Die Personen, die in dieser Phase einwandern, werden als Pioniere bezeichnet. Sie suchen die Nähe zu öffentlichen und privaten kulturellen Einrichtungen, aber auch die Nähe zur ihrem Arbeitsplatz in der Innenstadt. Sie sind risikobereit insofern, als dass sie den Zustand der Wohnungen um der preiswerten Miete willen in Kauf nehmen.

Die Bodenpreise im Gebiet steigen noch nicht, aber es werden vereinzelt Modernisierungen vorgenommen. Die Veränderungen werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

In der folgenden ersten Expansionsphase ziehen nicht nur weitere Pioniere ein, sondern zusätzlich Haushalte mit überdurchschnittlichem Einkommen – die Gentrifier. Bedeutende Teilgruppen der Gentrifier stellen die „ Yuppies “ (Young Urban Professionals) bzw. „Dinks “ (Double Income, No Kids) dar. Diese Gruppe ist risikoscheu, weil sie an einer dauerhaft guten Wohngegend interessiert ist und auch in die Wohnung mehr investiert. In dieser Phase beginnen Makler, auf das Gebiet aufmerksam zu werden. Das Interesse der Öffentlichkeit wird geweckt. Dadurch steigen die Mieten, was nach und nach zur Verdrängung der alteingesessenen Haushalte führt.

In der zweiten Expansionsphase ziehen wohlhabendere Haushalte ein; sie sind in der Lage, die jetzt geforderten höheren Mietpreise zu zahlen. Es steigen sowohl die Bodenpreise als auch die Mieten. Das Ausmaß der Modernisierung nimmt zu. Bau- und Entwicklungsgesellschaften beginnen, Neu- und Umbauvorhaben größeren Umfangs zu verwirklichen. Der Austausch der Bevölkerung spiegelt sich auch im Einzelhandelsbesatz wider. Zahlreiche neue Läden werden eröffnet, besonders Boutiquen und Antiquitätengeschäfte. Hierdurch steigt das Image des Gebietes, es ziehen noch mehr Menschen aus anderen Stadtteilen zu. Die alteingesessenen Bewohner müssen ausziehen, weil sie die gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen können.

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Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638908818
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83686
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Geographisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Prozess Beispielen Köln Proseminar Stadtgeographie

Autor

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