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Voltaire - Candide ou l’Optimisme - Eine Kritik am Optimismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 19 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Candide – Das Werk
2.1 Historischer Hintergrund und Entstehung von Candide
2.2 Inhaltliche Zusammenfassung
2.3 Hauptfiguren in Candide

3. Der Aufbau des Werkes
3.1 Äußere Struktur und Stil
3.2 Innere Struktur
3.2.1 Zentrale Themen
3.2.2 Die verschiedenen Etappen
3.2.3 Die Ironie in Candide

4. Inhaltliche Interpretation des Werkes
4.1 Candides Entwicklung
4.2 Eldorado
4.3 Der Garten

5. Fazit: Candide ou l’Optimisme – Eine Kritik am Optimismus

6. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internetquellen

1. Einleitung

Als einer der wichtigsten Philosophen der französischen Aufklärung wollte Voltaire die Menschen dazu bewegen, sich gegen Intoleranz, Fanatismus und Aberglauben zu wehren. Gedankenfreiheit und die Würde des Menschen waren ihm dabei besonders wichtig. Schon in jungen Jahren fiel Voltaire durch seine satirischen Schriften auf und wurde mehrfach in die Bastille gesperrt, bis er schließlich nach England ins Exil ging, wo er vor allem vom Philosoph Locke stark beeinflusst wurde. Nach einem jahrelangen Briefwechsel mit Friedrich II. von Preußen lebte er in Berlin an dessen Hof, bis er sich in Genf niederließ. Seine Literatur wie zum Beispiel La Henriade (1728), Zaïre (1732), Lettres philosophiques (1734) und Micromégas (1752) befasste sich mit den aktuellen Problemen der Gesellschaft. Er gehörte gemeinsam mit Montesquieu, Holbach und Rousseau zu den Verfassern der berühmten französischen Encyclopédie ou dictionnnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers von Diderot.[1] Obwohl Voltaire eine zentrale Figur des 18. Jahrhunderts darstellt und sein Ruhm lange anhielt, werden seine Werke kaum noch gespielt oder gelesen. Candide ou l’Optimisme ist jedoch eine Ausnahme.[2] Trotz Zensur und drohender Strafen kritisiert Voltaire in seinem Werk auf ironische und zum Teil amüsante Weise die Missstände der damaligen Zeit. Er entführt den Leser auf eine Reise um die Welt, zeigt ihm u.a. die Ungerechtigkeit der Ständegesellschaft, die Machtmissbräuche der Kirche, die Willkür der Inquisition, das Schicksal der Sklaven und den Realitätsverlust der Noblesse. Neben herausragenden Werken der Aufklärung wie zum Beispiel die Lettres persanes von Montesquieu (1721) und Diderots Jacques le Fataliste (1773) spiegelt Candide ou l’Optimisme die Idee dieser Epoche, für Toleranz und Glaubensfreiheit zu kämpfen, besonders gut wieder.

Im nun Folgenden soll es vor allem um die Hintergründe der Entstehung von Candide ou l’Optimisme gehen, wobei eine kurze inhaltliche Zusammenfassung, sowie die charakteristische Darstellung der Hauptfiguren mit in diese Hausarbeit einfließen. Mit Hilfe einer Analyse des Aufbaus Candides, sollen erste Rückschlüsse auf die Absichten Voltaires gezogen werden. Schließlich erfolgt eine inhaltliche Interpretation des Werkes, in der die wichtigsten Themen herausgearbeitet werden sollen.

2. Candide – Das Werk

2.1 Historischer Hintergrund und Entstehung von Candide

Die Auffassung des Philosophen Leibniz, dass die Welt die beste aller möglichen Welten ist, und alles in ihr ein notwendiges Übel sei[3], wird in Voltaires Candide kritisiert. Doch wer war Leibniz? Gottfried Wilhelm von Leibniz war ein Philosoph, Wissenschaftler, Diplomat, Bibliothekar und Historiker. Neben dem Algorithmus, seinen Gedichten, sowie seiner Tätigkeit als politischer und juristischer Berater, widmet er sich in seinem Werk Théodicée von 1710 der Entstehung unserer Welt. Seiner Ansicht nach, ist diese zwar keinesfalls perfekt, aber die bestmögliche Welt, die Gott erschaffen konnte.[4] So dass alles Schlechte, was in der Welt passiert letztendlich zu etwas Gutem führt und das Schicksal des Einzelnen dem Wohle der Gemeinschaft dient.

Un mal apparent peut donc cacher un bien: ce jeune garçon qui vient de mourir serait devenu un assassin; cette maison a pris feu, mais elle cachait sous ses ruines un trésor immense, etc.[5]

Für Voltaire allerdings gibt es viele Beweise dafür, dass diese Philosophie keinesfalls begründet ist. Er verliert im Jahre 1749 seine beste und langjährige Freundin Madame du Châtelet, wodurch sich seine Philosophie verfinstert.[6] Als im Jahre 1755 ein Erdbeben die Stadt Lissabon zerstört und Tausenden von Menschen das Leben nimmt, ist Voltaire so stark berührt, dass er das Gedicht Poème sur le désastre de Lisbonne schreibt. Er konnte das Beben selbst in seinem Haus in Genf, das er liebevoll „Les Délices“[7] nannte, spüren.[8] Nur ein Jahr nach dem schrecklichen Ereignis in Lissabon bricht zwischen Frankreich und England der Siebenjährige Krieg aus. Für Voltaire waren diese Geschehnisse keinesfalls eine Vorhersehung Gottes, sondern die Widerspiegelung des Elends in der Welt. Den Glaube in den Frieden verloren und verärgert durch den Optimismus anderer Philosophen wie zum Beispiel Jean-Jacques Rousseau und Alexander Pope, schrieb er in einem Kommentar zu Candide folgendes:

Gottes Gerechtigkeit sei für das Elend verantwortlich, das die Menschen auf dieser Welt ertragen müssen, in seiner Barmherzigkeit werde er sie aber im Jenseits dafür entschädigen.[9]

Diese ironische Aussage untermalt die Einstellung Voltaires zur Welle des Optimismus. Einer Legende nach schrieb Voltaire Candide in wenigen Tagen, man geht jedoch davon aus, dass er dafür ungefähr Zehn Monate benötigte. Trotz dass es zu dieser Zeit noch eine starke Zensur gab, ließ Voltaire sich nicht am Schreiben hintern. Mehrmals saß er in der Bastille und Werke wurden verbrannt, weil er mit seiner Kritik vor allem der Kirche ein Dorn im Auge war. Candide ou l'optimisme, traduit de l'allemand par M. le docteur Ralph ist eine Erzählung, die im Jahre 1759 anonym in Genf als das wohl bekannteste Werk Voltaires erschien. Natürlich gab es nie einen Dr. Ralph. Er ist Voltaires eigene Erfindung, zum Schutze vor der Zensur. Candide lässt sich zwar sehr schwer einer bestimmten Gattung zuordnen, kann jedoch als Satire[10] und Bildungsroman[11] verstanden werden. Einerseits sind Voltaires Darstellungen überzogen und gesellschaftliche Gegebenheiten werden lächerlich gemacht, andererseits gibt es einen Protagonist, der sich im Verlauf der Erzählung weiterentwickelt und sich in diese Gesellschaft eingliedert.

2.2 Inhaltliche Zusammenfassung

Die Erzählung basiert auf der Geschichte der jungen Hauptfigur Candide, der die seltsamsten Abenteuer erlebt, schreckliche Momente übersteht und in die fantastischsten Verwicklungen gerät. Dabei lässt er den Leser stets an seinen Eindrücken und Gedanken teilhaben. Der Name Candide stammt aus dem Latein und bedeutet „ehrlich“, „aufrichtig“, aber auch „naiv“.[12]

[...]


[1] Vgl. Charpentier, Michel et Jeanne, Voltaire, Paris : Édition Nathan, 1991, S. 5 ff.

[2] Vgl. Ayer, Alfred, Voltaire- Eine intellektuelle Biographie, Weinheim: Beltz Athenäum Verlag,

1994, S. 161.

[3] Ayer, Alfred, Voltaire- Eine intellektuelle Biographie, S. 161.

[4] Vgl. Leibniz – philosophe de l’universel, in: Magazine Littéraire, Nr. 416, Januar 2003, S. 19 ff.

[5] Décote Georges, Profil d’une œuvre, Candide – Voltaire, Paris : Collection Pol Gaillard, 1992, S. 22.

[6] Vgl. ebd., S. 10.

[7] Auf deutsch: Die Freuden

[8] Vgl. Voltaire, Note sur Candide dans Romans et contes, édition établi par René Pomeau, Paris:

Garnier - Flammarion, 1966, S. 170.

[9] Ayer, Alfred, Voltaire- Eine intellektuelle Biographie, S. 162.

[10] Vgl. ebd. , S. 161.

[11] Vgl. Charpentier, Michel et Jeanne, Voltaire, S. 63.

[12] Vgl. http://www.raffiniert.ch/svoltaire.html [Stand: 6.02.2007]

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638908610
ISBN (Buch)
9783640277537
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83668
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
Voltaire Candide Kritik Optimismus Literaturwissenschaft Romanistik Literatur

Autor

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Titel: Voltaire - Candide ou l’Optimisme   -  Eine Kritik am Optimismus