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Die Legitimation der Terreur. Robespierres Rede über die Prinzipien vom 5. Februar 1794

Eine kurze Darstellung

Seminararbeit 2002 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Zeitliche Einordnung und Intention der Rede

3) Der Aufbau der Rede

4) Politische Prinzipien: Tugend und Terror
4.1) Die Tugend
4.2) Der Terror
4.3) Tugend und Terror

5) Die Gefährdung der Revolution
5.1) Merkmale der Konterrevolutionären
5.2) Die Gegner der Revolution
5.3) Das allgegenwärtige Komplott gegen die Revolution

6) Schlußfolgerungen
7) Schluß
8) Quellen- und Literaturverzeichnis
9) Anhang: Robespierres Rede vor dem Konvent am 5. Februar 1794 über die Prinzipien der politischen Moral hier zu finden:

Robespierre, Maximilien, Über die Prinzipien der politischen Moral. Rede am 5. Februar 1794 vor dem Konvent, in: Groenewold, Sabine, EVA Reden, B d. 28, Stuttgart 2000, S. 7 - 43

1) Einleitung

Die Zeit der Schreckensherrschaft (terreur) markiert die letzte und zugleich blutigste Phase der zweiten Revolutionsphase der französischen Revolution, manche Autoren sehen darin sogar das Ende der Revolution oder zumindest der revolutionären Weiterentwicklung.1 Wer sich mit der französischen Revolution beschäftigt, kommt also nicht umher, sich mit der Schreckensherrschaft zu beschäftigen. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, daß die Schreckensherrschaft eine Bedingung für das Verstehen der französischen Geschichte von der französischen Revolution bis zur Etablierung der noch heute geltenden Staatsform der Republik nach 1870 ist, da die erste Republik Frankreichs unter Robespierre durch den Terror derart in Verruf geriet, daß man von der Staatsform der Republik Abstand nahm.2 Denn „indem sie [die Erinnerung an den Terror] die Errichtung der Demokratie mit einer blutigen Diktatur verband, gab der Terror den Konterrevolutionären Argumente an die Hand und flößte den Liberalen Furcht ein; sie hat die Republikaner behindert oder gespalten und die Sozialisten isoliert ... es gelingt der Republik nicht, ihr Image von dem Blut zu trennen, das in ihrem Namen geflossen ist.“3

Doch nicht nur für das Verständnis der französischen Geschichte ist der Terror ein wichtiger Schlüssel, auch für das Verständnis nachfolgender, totalitärer linker Systeme im 20. Jahrhundert gilt es, die Schreckensherrschaft zu betrachten, setzte sich doch in der „extremen, kommunistischen Linken ... im 20. Jahrhundert ein Kult des Terrors, verbunden mit dem von Robespierre, als revolutionäre Notwendigkeit durch“4, vor allem während des Stalinismus. Wenn Stalin seine Form der Herrschaft unter anderem mit dem Terror Robespierres begründete, lag das gar nicht so fern, denn Robespierres vielzitierte Formel des „Despotismus der Freiheit gegen die Tyrannei“5 „spielte für den Jakobinismus dieselbe Rolle wie die „Diktatur des Proletariats“ in der Marxschen Revolutionstheorie.“6

Eine weitere Parallele zum Kommunismus ist, daß der Makel des Terrors

die Republik und die Demokratie überschattete und in Verruf brachte, ähnlich wie heute, wo von der Mehrheit der Bevölkerung der Kommunismus nicht unbedingt wegen der kommunistische Idee an sich abgelehnt wird, sondern vor allem aufgrund des im Namen des Kommunismus begangenen – nach heutiger vorherrschender Bewertung – Unrechts.

Maximilien Robespierre war nun der Begründer und Vorantreiber der Schreckensherrschaft, ohne ihn scheint der Terror in der Form, wie es ihn gab, kaum möglich, Robespierre begründet und rechtfertigt den Terror wie kein anderer. Daher soll in dieser Arbeit Robespierres Rede vom 5. Februar 1794 vor dem Nationalkonvent über die Prinzipien der politischen Moral analysiert werden. In dieser Rede prägte er die Formel des „Despotismus der Freiheit gegen die Tyrannei“, teilweise gilt sie als das politische Testament Robespierres.7 In jedem Fall ist sie ein zentrales Zeugnis zur Begründung des Terrors, in ihr wurde „der Terror als Terminus voll entfaltet und präzise ins politische Programm eingepaßt.“8 In der deutschsprachigen Fachliteratur gibt es bisher keine allein auf die Rede selbst zentrierte Analyse der Rede vom 5. Februar 1794, in dieser Arbeit soll nun allein sie Basis der Analyse sein. Dabei möchte ich die Rede nach Möglichkeit nicht einfach der Reihe nach „von vorne bis hinten“ analysieren, sondern auf verschiedene Aspekte eingehen, die zur Begründung und Beschreibung des Terrors in dieser Rede eine Rolle spielen. Da Robespierre das edle und verschwommene Ziel der Tugend durch Terror erreichen will, möchte ich einen Teil dieser Arbeit dieser Thematik widmen: Wie wird die Tugend, wie der Terror definiert und wie stehen dieses Prinzipien im Zusammenhang?

Ein anderer Teil der Arbeit soll Aussagen über die Gruppen betrachten, auf die der Terror angewendet werden sollte und wurde. Wer hatte es gemäß Robespierre verdient, Opfer des Terrors zu werden, und durch welche Richtlinien und Begründungen kam es dazu, daß die weitaus größte Zahl der Opfer nicht aus den ehemals herrschenden Schichten, sondern aus dem dritten Stand stammten – etwa 84% der Opfer entstammten dem dritten Stand, 31% waren sogar Sanscoulotten,9 in deren Kreisen der Terror am

nachdrücklichsten gefordert wurde.

Auf diesen Einzelbetrachtungen aufbauend soll dann versucht werden, die Schlußfolgerungen, die sich aus Robespierres Aussagen ergeben, zu formulieren und nachzuvollziehen. Als „Vorbemerkungen“ beschreibe ich kurz die Situation, in der Robespierre die Rede hielt und ich gebe einen kurzen Überblick über den Aufbau der Rede.

Leider liegt mir die Rede aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht im Original vor, als Basis dient mir die Übersetzung der Europäischen Verlagsanstalt aus dem Jahr 2000. Die Zahlen in Klammern bezeichnen immer die Zeile in der Rede Robespierres im Anhang.

2) Zeitliche Einordnung und Intention der Rede

Als Robespierre die Rede am 5. Februar 1794 hielt, war die zweite Phase der Revolution „in ihr letztes, radikales, blutiges Stadium eingetreten.“10 Die Revolution schien zu diesem Zeitpunkt durch Erfolge gegen äußere und innere Feinde gefestigt, so daß der „gemeinsame Feind“ als einigendes Element verblaßte und die Parteien im Jakobinerklub wieder mehr auseinander traten und es im Jakobinerklub drei Gruppen gab: Die Gruppe der „Ultrarevolutionären“ oder „Hebertisten“ um Hebert, die eine Verschärfung des Terrors forderten, die Gruppe der „Gemäßigten“ oder „Dantonisten“ um Danton, die die Intensität des Terrors mildern und eine große Zahl von Verdächtigen freilassen wollten, und die Gruppe um Robespierre . Die Rede vom 5. Februar 1794 fällt nun in diesen Machtkampf, and den Konvent und weitere Zuhörer gerichtet war sie zu großen Teilen (siehe bei 3) eine Kampfansage an die von Robespierres Standpunkt abweichenden Gruppen der Dantonisten und der Hebertisten. In den folgenden Monaten März und April entschied Robespierre diesen Machtkampf für sich, vom 21. bis 24. März wurden die Hebertisten verurteilt und hingerichtet, vom 2. bis 5. April folgten ihnen die Dantonisten aufs Schafott.

3) Der Aufbau der Rede

Im ersten Teil der Rede formulierte Robespierre allgemein die Ziele des

revolutionären Handelns (bis 131). Dabei nannte er zu Beginn „Vernunft“ und „Allgemeinwohl“ als entsprechende Ziele (50). Wenig später folgt das Ziel der Freiheit (58-61), deren Garant die Erfüllung der „unvergänglichen Wahrheit“ sei (60). Dann zeichnete Robespierre das Idealbild einer zu verwirklichenden Ordnung, in der persönliche Eigenschaften dem Staat dienstbar gemacht werden (81-98).

[...]


1 Vgl. Schulin 1988, S. 225

2 Vgl. Furet 1996, S. 207 und Schultz 2000, S. 83

3 Furet 1996, S. 207

4 Ebd.

5 Kunh 1999, S. 106

6 Ebd., S. 106 f.

7 Vgl. Schultz 2000, S. 75

8 Ebd.

9 Vgl. Greer 1935, S. 166

10 Schultz 2000, S. 45

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638153485
ISBN (Buch)
9783638853781
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8360
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich 5, Gesellschaftswissenschaften
Note
1
Schlagworte
terreur Schreckensherrschaft Terror Robespierre Französische Revolution Guillotine

Autor

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Titel: Die Legitimation der Terreur. Robespierres Rede über die Prinzipien vom 5. Februar 1794