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Kennzeichen der Juniorenfirma als Ausbildungskonzept

Hausarbeit 2006 13 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Das Konzept Juniorenfirma
2.1. Geschichte
2.2. Die Juniorenfirma in der Praxis
2.3. Betreuung
2.4. Gründungsphase
2.4.1. Vorüberlegungen
2.4.2. Letzte Vorbereitungen

3. Schlüsselqualifikationen

4. Schluss

1. Einführung in die Thematik

„Learning by doing“ – es gilt für viele Beteiligte an der Ausbildung junger Menschen als selbstverständlich, dass dieses Motto das Wissen Auszubildender besonders positiv beeinflusst. Es gibt allerdings noch weitere wichtige Vorraussetzung für nachhaltiges Lernen. So soll beispielsweise der Lernende selbstständig, getrieben von eigener Neugier, sein Ziel erreichen. Hingegen der Lehrende könnte zunächst in den Hintergrund treten und in der Rolle eines Ansprechpartners fungieren. Diese kleine eben genannte Auswahl zahlreicher Vorrausetzungen ist in Form einer so genannten „Juniorenfirma“ gegeben.

„Juniorenfirmen werden von Auszubildenden oder Berufsschülern in eigener Verantwortung als Mini-Unternehmen zumeist unter dem Schirm des Auszubildenden gegründet und auf Dauer geführt. Produkte und Dienstleistungen, kaufmännische Geschäftsprozesse und der Gewinn – fast alles ist real. Auch der Gewinn für die Ausbildung, denn die Juniorenfirma gilt nicht nur bei Insidern als eine bewährte und geschätzte Ausbildungsmethode.“[1]

Mit dieser Arbeit möchte der Verfasser auf die Geschichte der Juniorenfirmen eingehen, sowie typische Kennzeichen charakterisieren. Dabei soll auf die Vorteile für die beteiligten Seiten ebenso wie auf die Gründungsanforderungen eingegangen werden.

Diese Arbeit richtet sich speziell an Unternehmen, die auf diese besonders wirtschaftspädagogisch wertvolle Form der Ausbildung bisher verzichtet haben und soll Mut machen, diesen Weg zu gehen. Aber auch im Schulsystem sollte dieses Konzept bzw. wenigstens die Theorie dieses Konzepts verankert werden.

Der Verfasser dieser Arbeit hat selbst während seiner Ausbildungszeit mitgeholfen, den Grundstein für eine Juniorenfirma zu legen. Daher hat er hat auch in der Praxis erfahren, welche Möglichkeiten durch diese Institution geboten werden und welche Anforderungen bestehen.

„Ziel jeglicher Ausbildung ist selbstverständlich die Vermittlung der im Ausbildungsrahmen­plan der einzelnen Ausbildungsberufe aufgeführten Kenntnisse und Fertigkeiten. Die Festigung dieser scheint in der Übungsfirma gut möglich zu sein, da der Auszubildende Tätigkeiten bis hin zur Sachbearbeiterebene übt und immer wiederholt bis er eine gewisse Arbeitsroutine erreicht hat.“[2]

2. Das Konzept Juniorenfirma

2.1. Geschichte

„Grundgedanke der Juniorenfirma ist das Modell „Kleinbetrieb im Großbetrieb“. Ergänzend zur traditionellen Form der dualen Ausbildung in der Berufsschule und an betrieblichen Arbeitsplätzen soll der Auszubildende – zumeist anstelle des betrieblichen Unterrichts konventioneller Prägung – in der sozialen Gruppe der Lehrlinge alle Überlegungen anstellen, Entscheidungen treffen und Arbeitsvollzüge durchführen, die auch in einer „echten“ Firma erforderlich sind.“[3]

Die Wurzeln der heutigen Juniorenfirmen finden sich im süddeutschen Raum der 70er Jahre.

1975 entstand bereits die erste reale Übungsfirma, die von der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG gegründet wurde. Wichtige Lernziele waren damals genauso wie auch heute noch unter anderem Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Kreativität und Kostenbewusstsein.

1983 gründeten sich 8 weitere Juniorenfirmen unter der Trägerschaft der Industrie- und Handelskammer Bodensee – Oberschwaben.

Die beteiligten Unternehmen schlossen sich anschließend zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Diese Gemeinschaft fungiert auch heute noch als Ansprechpartner rund um das Thema Juniorenfirma und organisiert eine jährliche Messe.

Inzwischen hat sich das Konzept fest in Deutschland etabliert. Man geht davon aus, dass ca. 360 Juniorenfirmen in Deutschland existieren, wobei eine Schätzung schwer ist, da zahlreiche Juniorenfirmen keiner Dachorganisation angehören oder sich nicht als Juniorenfirma bezeichnen.

Im Jahre 2000 kam es noch einmal zu einer Weiterentwicklung des Konzeptes. Aufgrund der gestiegenen Anforderungen an unternehmerisches Handeln in Zeiten von Globalisierung und Vernetzung wurde ein virtuelles Netzwerk von Juniorenfirmen aufgebaut. Dieser Netzwerk­verbund „Jeenet“ bietet allen interessierten Juniorenfirmen die Mitarbeit an und wird über eine gemeinsame, internetbasierte Lern- und Arbeitsplattform organisiert.[4]

2.2. Die Juniorenfirma in der Praxis

In einer Juniorenfirma lernen und arbeiten Schüler sowie Auszubildende selbstständig. In ihren Augen steht das Arbeiten im Vordergrund. Das ist auch gut nachvollziehbar, denn sie erwirtschaften reale Gewinne/ Verluste, indem sie mit Produkten handeln bzw. Dienstleistungen anbieten. Man findet also reale Waren- und Geldströme vor.

Selbstverständlich sollte für alle angebotenen Produkte / Dienstleistungen die Nachfrage überprüft werden sowie festgestellt werden, wie weit die Auszubildenden fähig sind, diese überhaupt herzustellen bzw. den entsprechenden Verpflichtungen nachzukommen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass beim Geschäftsfeld schlichtweg Kreativität gefragt ist.[5]

Wie arbeitet nun eine typische Juniorenfirma?

Diejenigen Auszubildenden, die für einen bestimmten Zeitraum in der Juniorenfirma eingeteilt sind (meist zwischen 3 Monaten bis zu 1 Jahr) führen „ihr Unternehmen“ selbstständig und in eigener Verantwortung. Der Grad der Selbstständigkeit hängt vom Mutterunternehmen ab. Allerdings sollte, um die bestmöglichsten pädagogischen Gewinne zu erzielen, den Lernenden eine wirklich aktive Rolle zugestanden werden. Nun kann man versuchen, diese Rolle zu konkretisieren. Allerdings ist auch hier zu bedenken, dass die Aktivitäten wiederum abhängig sind von den jeweiligen Rahmenbedingungen. Auf jeden Fall soll gewährleistet sein, dass sich die Auszubildenden selbst um die Akquise von Kunden und Aufträgen kümmern. Aber auch der weitere Kontakt zu den Kunden, der Abschluss von Verträgen, Berichte über den Auftragsstand und nicht zuletzt die Entgegennahmen von Kundenwünschen, sowie die Auslieferung des Endprodukts verbleiben in den Händen der Junioren. Dabei gehören längst ein eigener Internetauftritt sowie diverse Werbematerialien zum Alltag.[6]

Wer entscheidet eigentlich, welche Auszubildenden in der Juniorenfirma eingesetzt werden?

Hierzu ist zu sagen, dass innerhalb der Kultur deutscher Juniorenfirmen mehrere Wege bestritten werden. Selbstverständlich steht es jedem Ausbilder frei, selbst zu entscheiden, wie seine „Jungunternehmer“ und zu welchem Zeitpunkt diese zu einer Mitarbeit eingeteilt werden. Dieses System zeigt dahingehend Vorteile, dass der Ausbilder die freien Stellen innerhalb der Juniorenfirma mit den entsprechenden Kompetenzen besetzen kann. Man muss sich vorstellen, dass im laufenden Geschäftsbetrieb verschiedene Kenntnisse gefragt sind. So braucht man Auszubildende, die etwa in der Buchhaltung fit sind ebenso wie z.B. gute Einkäufer.

[...]


[1] Prof. Dr. Pütz, Helmut: Vorwort. IN: Dippl, Zorana; u.a. (Hrsg.): Das Ausbildungskonzept Juniorenfirma. Ein Praxishandbuch für Betrieb und Schule. Nürnberg: BW-Verlag, 1. Aufl., 2004, S. 7 – 8.

[2] Heiss, Harald: Probleme und Besonderheiten der beruflichen Erstausbildung in einer Übungsfirma. IN: Kutt Konrad, Selka Reinhard (Hrsg.): Simulation und Realität in der kaufmännischen Berufsbildung. Schriften zur Berufsbildungsforschung. Berlin: Beuth, 1986 [Schriften zur Berufsbildungsforschung, Band 64], S. 43 - 46. Hier S. 46.

[3] Fix, Wolfgang: Lernen als Abenteuer. In: Sommer, K.-H. (Hrsg.): Handlungslernen in der Berufsbildung – Juniorenfirmen in der Diskussion. Esslingen: 1985 [Stuttgarter Beiträge zur Berufs und Wirtschaftspädagogik, Bd. 3], S. 5-16.

[4] Vgl. Dippl, u.a., a.a.O., S. 40 – 42.

[5] Vgl. Dippl, u.a., a.a.O., S. 22.

[6] Vgl. Dippl, u.a., a.a.O., S. 22 – 23.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638908061
ISBN (Buch)
9783638908214
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83574
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Kennzeichen Juniorenfirma Ausbildungskonzept Grundlagen Wirtschaftspädagogik

Autor

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Titel: Kennzeichen der Juniorenfirma als Ausbildungskonzept