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Albert Speer und die Rüstungsindustrie Deutschlands im 2. Weltkrieg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 21 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Aufstieg in den inneren Kreis um Hitler

2. Der Absturz Todts und Speers Ernennung zum Minister

3. Die ersten Schritte im Amt und das neue Organisationsschema
3.1 Der Amtsantritt und die Problemstellung
3.2 Das neue Organisationsschema

4. Der Verlauf der Rüstungsbemühungen
4.1 Die Erweiterung der Kompetenzen
4.2 Das Ende des Krieges und der „Nero“-Befehl

Fazit

Quellen

Literatur

Einleitung

Sebastian Haffner schrieb in einem 1944 in der amerikanischen Sonntagszeitung „Observer“ veröffentlichten Portrait, Albert Speer sei „als Lenker der Kriegsmaschinerie für die Nazis sogar wichtiger als Hitler.“[1]

Auch wenn Speers Verstrickungen und sein Wissen um Konzentrationslager und Zwangsarbeiter derzeit eher diskutiert werden, wird dies nur am Rande Thema dieser Arbeit sein. Vielmehr soll aufgezeigt werden, wie ein Architekt im Deutschland der Nazi-Zeit zu einer Position wie von Haffner beschrieben kam und in der Speer 1944/45 die gesamte Rüstung von Heer, Marine und Luftwaffe beherrschte und zusätzlich das Bauwesen, die Reichsbahn, Verkehr und Transport kontrollierte.

Die Mittel und Maßnahmen, mit denen er die Rüstungsproduktion optimierte und funktionieren ließ und wegen denen nach dem Ende des Krieges Angehörige des „United States Strategical Bombing Survey“ nach dem Minister suchten, der „in der deutschen Kriegsproduktion offenbar sichtlich Wunder vollbracht“[2] hatte, um zu erfahren, wie es möglich war, dass die Rüstungskapazität Deutschlands trotz ständiger Bombenangriffe bis zum Herbst 1944 stetig gesteigert werden konnte, sollen von Interesse sein. Ebenso stellt sich die Frage, wie viel der zweifellos gestiegenen Produktionszahlen auf Speers Maßnahmen beruhten und inwieweit er von den Umständen und der Arbeit seines Vorgängers Todt profitierte.

Bracher hält zwar die Speer-Memoiren zur Analyse des Nationalsozialismus für nur „sehr begrenzt“ tauglich[3], jedoch sind sie für eine Dokumentation von (rüstungs-) politischen Vorgängen der Zeit durchaus interessant und brauchbar.

1. Der Aufstieg in den inneren Kreis um Hitler

Im Jahre 1905 geboren zählte Albert Speer zu der Generation von Studenten, die den Aufstieg der Nationalsozialisten Anfang der dreißiger Jahre unterstützte.[4] Kommilitonen von der TH Berlin überredeten ihn im Dezember 1930 zum Besuch eines Hitler-Auftrittes und er wurde im Januar 1931 Mitglied Nr. 474481 der NSDAP.[5]

Der spätere Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke, den er, laut seinen „Erinnerungen“, durch die Mitgliedschaft in einem „Automobilclub“ kennen lernte[6] (bei welchem es sich tatsächlich um das NS-Kraftfahrerkorps handelte[7] ), verschaffte ihm diverse Aufträge an Parteigebäuden, u.a. am Gauhaus in der Berliner Vossstraße - womit Speer erstmals die Aufmerksamkeit Hitlers erregte.[8] Nach dem Regierungswechsel erhielt er im Frühjahr 1933 den Auftrag, Goebbels Ministerwohnung auszubauen. Durch die schnelle Fertigstellung dieser konnte Speer erstmals die Aufmerksamkeit Hitlers erregen und durfte dessen Dienstdomizil in der Wilhelmsstraße neu gestalten.[9]

Schon bald danach gehörte er zum engeren Kreis um Hitler, der einen jungen Architekten gesucht hatte, dem er seine hochtrabenden Baupläne für die Zukunft anvertrauen konnte. Nach kurzer Zeit war Albert Speer auch aus der Propagandamaschinerie nicht mehr wegzudenken: Hitler erkannte sein Organisationstalent und ließ ihn Reichsparteitage, die Massenfeiern und Aufmärsche inszenieren.

Bald darauf wurde Speer „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ im Range eines Staatssekretärs, nur Hitler selbst Rechenschaft schuldig.[10] Beweis für seine weit reichenden Möglichkeiten ist beispielsweise die Absetzung des Berliner Bürgermeister Julius Lippert[11], der sich nicht ausreichend kooperativ zeigte, sich weigerte, vom Generalbauinspektor einseitige Weisungen entgegenzunehmen und auf einer gegenseitigen Abstimmung und Zusammenarbeit bestand. Laut Speers „Erinnerungen“ ging die Initiative zu Lipperts Entlassung allerdings allein von Hitler aus.[12] Die verschiedenartige Schilderung dieser Begebenheit in glaubhaften Quellen und Speers Autobiographie gibt bereits einen Hinweis darauf, wie sehr Wahrheit und Selbstdarstellung des ehemaligen Reichsarchitekten in diversen Fällen auseinander liegen.

1939 zählte Albert Speer zu den Befürwortern des Krieges, da er in Hitler einen „Held der antiken Sage“ sah, „der ohne zu zögern, im Bewusstsein der Stärke, die abenteuerlustigsten Unternehmungen einging und souverän bestand“.[13]

Als sich das Kriegsglück zu wenden begann, wurden Speers Talente dann in anderen Bereichen als der Architektur benötigt.

2. Der Absturz Todts und Speers Ernennung zum Minister

Albert Speers Vorgänger auf dem Posten des „Rüstungsministers“, Fritz Todt, war ein von Hitler geschätzter Mann und aufgrund seiner fachlichen Fähigkeiten bereits ein halbes Jahr nach der „Machtergreifung“ zum Generalinspekteur für das Straßenwesen befördert worden. Dieser Verantwortlichkeit fügte er später die des Generalbevollmächtigten für die Bauwirtschaft und ab 1940 des Reichsministers für Bewaffnung und Munition hinzu. Todt starb am 8. Februar 1942 durch einen Flugzeugabsturz bei Rastenburg in Ostpreußen, dessen Ursache ungeklärt blieb. Er befand sich auf dem Rückflug vom Führerhauptquartier Wolfsschanze, wo er Hitler vergeblich von der Aussichtslosigkeit einer Fortsetzung des Krieges zu überzeugen versucht hatte – Todt hielt den Krieg bereits seit dem November 1941 und dem Scheitern der Blitzkriegstrategie für verloren.[14] Ein Umstand, der zu erheblichen Spannungen zwischen Hitler und seinem Minister in den vorangegangenen Monaten geführt hatte.[15] Während nun Reichsmarschall Göring zu Hitler eilte, um die Aufgaben Todts in seinen Vier-Jahres-Plan einzugliedern, war dessen Entscheidung, Speer als Nachfolger in allen Ämtern Dr. Todts zu ernennen, bereits gefallen. Bereits im Frühjahr 1939 war Hitler an Albert Speer herangetreten, um ihn zur Übernahme von einem der drei Ministerposten Todts, speziell des Bauwesens inklusive der Errichtung des Atlantikwalls, zu bewegen, um Todt in seiner Arbeit zu entlasten. Zu der Zeit argumentierte Speer, dass Bau und Rüstung in einer Hand verbleiben sollten und lehnte ab.[16] Doch nun lag der Fall anders und so wurde seine Ernennung fünf Tage nach der Vereidigung am 15. Februar im Führerhauptquartier bekannt gegeben.[17] Hitler traf damit seine „wichtigste Personalentscheidung während des Krieges“[18], wie Heinrich Schwendemann in der „Zeit“ postulierte.

Speer waren die Managementmethoden Todts und dessen direkte Befehle an die Industrie vertraut[19] - Todt verhinderte, dass die Wehrmacht der Industrie explizite Vorschriften machte, solange der Produktionssoll erfüllt wurde[20] - doch nutzte der neue Minister, anders als sein Vorgänger, einen Umgangs- und Arbeitston, mit dem er keine Rücksichten auf persönliche Empfindlichkeiten nahm oder Respekt vor Autoritäten zeigte. Dr. Walter Schieber, Staatssekretär und Leiter des Zulieferungsamtes, sagte über Speer nach dessen Antrittsbesuch: „Ihm fehlt Todts menschliche Wärme. Sogar sein Herz ist kalt.“[21] Goebbels notierte diesbezüglich in seinem Tagebuch: „Gerade als Außenseiter empfinde der neue Minister keinen Respekt vor großen Namen und stehe als Zivilist innerlich auch nicht wie Todt, der doch zuviel Soldat gewesen sei, vor jedem General stramm“ und an selber Stelle zu Speers Umgang mit den Gauleitern: „Speer behandelt die Gauleiter zu sehr von oben herab und verprellt sie deshalb. Speer ist zu wenig in der Partei aufgewachsen, als dass er wüsste, wie man mit Gauleitern umzugehen hat.“[22]

[...]


[1] Zitiert nach: Van der Vat, Dan: Der gute Nazi. Albert Speers Leben und Lügen. Berlin 1997

[2] Galbraith, Jon Kenneth: Wirtschaft, Friede und Gelächter. München 1976, S. 236

[3] Bracher, Karl Dietrich: Die deutsche Diktatur. Entstehung, Struktur, Folgen des Nationalsozialismus. Köln 1993, S. 546

[4] Wiegrefe, Klaus: Der charmante Verbrecher. In: Der Spiegel Nr. 18/02.05.2005, S. 76

[5] Speer, Albert: Erinnerungen. Frankfurt/Main, Berlin 1969, S. 32ff.

[6] Speer: Erinnerungen, S. 35

[7] Dülfer, Jost: Albert Speer – Management für Kultur und Wirtschaft. In: Schmelser, Roland/Syring, Enrico/Zitelmann, Rainer: Die braune Elite, Bd.1. Darmstadt 1999, S. 259

[8] Speer: Erinnerungen, S. 38

[9] Wiegrefe, S. 77

[10] Wiegrefe, S. 77

[11] Fest, Joachim: Speer. Eine Biographie. Frankfurt/Main 2001, S. 124f. und Breloe, Heinrich: Speer und Er. Hitlers Architekt und Rüstungsminister. Berlin 2005, S. 119

[12] Speer: Erinnerungen, S. 87

[13] Speer: Erinnerungen, S. 177

[14] Fest, S. 177

[15] Fest, S. 175

[16] Fest, S. 181f.

[17] Van Der Vat, S. 157

[18] Schwendemann, Heinrich: Architekt des Todes. In: Die Zeit 28.10.2004 Nr.45

[19] Speer: Erinnerungen, S. 212

[20] Van Der Vat, S. 160

[21] Van Der Vat, S. 176

[22] Goebbels, Joseph: Joseph Goebbels Tagebücher, Bd.5 1943-1945. Herausgegeben von Ralf Georg Reuth. Erweiterte Sonderausgabe 1999. München 1999, S. 2009

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638899789
ISBN (Buch)
9783638912037
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83443
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Albert Speer Rüstungsindustrie Deutschlands Weltkrieg Arbeit Arbeiter Industrie Wirtschaft Nationalsozialismus

Autor

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Titel: Albert Speer und die Rüstungsindustrie  Deutschlands im 2. Weltkrieg