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Die Einflussnahme von Anglizismen in der deutschen Sprache in Bezug auf das 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition des Anglizismus Begriffes
2.1 Terminologie
2.2 Die drei Anglizismen Typen nach Yang

3. Entlehnung
3.1 Nullsubstitution
3.1 Teilsubstitution
3.2 Vollsubstitution

4. Die Eingliederung von Anglizismen
4.1 Soziale und politische Gegebenheiten
4.2 Die frühe Entlehnungsphase im 18. Jahrhundert
4.3 Die Entlehnungswelle im 19. Jahrhundert

5. Sparten der Einflussnahme von Anglizismen im Alltag
5.1 Gebrauch von Anglizismen in Gesellschaft und Alltag
5.2. Anglizismen in der Industrie
5.3 Anglizismen im Bereich Kleidung und Stil
5.4 Anglizismen in der Welt der Geschäftsleute

6. Fazit

7. Quellenangaben

8. Anhang

1. Einleitung

Die deutsche Sprache ist natürlich in ihrer Geschichte von vielen Sprachen beeinflusst worden. Im Mi

ttelalter beispielsweise übten das Französische und das Lateinische einen bedeutenden Einfluss aus. Jedoch wird der Entlehnung aus der englischen Sprache in die deutsche Sprache eine Sonderstellung zugesprochen. Broder Carstensen sagt sogar, dass keine Sprache das Deutsche so beeinflusst hat wie die Englische.

Betrachten wir den heutigen Sprachzustand, so können wir dieser Aussage anscheinend zustimmen:

- Ich gehe in die City zum shoppen, kaufe mir eine used Jeans und ein cooles Sweatshirt und trinke anschließend einen Milchshake mit meiner Freundin.
- Tanz dich mit cooler Musik und ´nem hippen Beat fit in den Frühling.
Schau dir den Blockbuster im Fernsehen an – bloß nicht wegzappen – oder leih´ dir doch
zum Chillen einfach eine DVD aus.

- So richtig relaxen kann man aber auch mit dem Wellness-Angebot im Fitness-Studio um die Ecke. Irgendwann muss man ja auch mal abschalten, wenn man in der täglichen Newstime nur noch mit Kidnapping, US-Army, Slums, Not und Elend bombardiert wird. Außerdem steht man sowieso schon kurz vor der Midlife-Crisis, weil man plötzlich gecheckt hat, dass man im Alter von 42 Jahren mit den trendigen Klamotten der Teens doch nicht mehr ganz up to date ist und von allen anderen insgeheim als Freak abgestempelt wird…

Die Anglizismen sind also, wie wir hier sehr deutlich sehen können, zumeist fest in unseren Sprachgebrauch integriert und erscheinen uns auch nicht als fremd. Das Phänomen der Übernahme und der Einflussnahme dieser auf die deutsche Sprache soll Hauptbestandteil meiner Arbeit sein. Hierzu stelle ich zu Beginn meiner Arbeit die drei Anglizismus-Typen vor, gehe auf die Terminologie der Entlehnung ein und erläutere anschliessend die Übernahme und die Einflussnahme englischsprachiger Elemente anhand von Beispielen aus dem alltäglichen Leben.

„Eines der auffälligsten Phänomene der Gegenwart in allen Sprachen der Welt, so auch in der deutschen Sprache, ist der verstärkte Gebrauch und eine immer umfangreichere Verwendung von Anglizismen“.[1]

2. Definition des Anglizismus Begriffes

2.1 Terminologie

Der Terminus „Anglizismus“ hat sich in der Vergangenheit gewandelt und erfährt heute keine eindeutige Definition. Ursprünglich bezeichnete das Wort „Anglizismus“ eine Entlehnung aus dem Englischen. Die heute weit verbreitete Definition des Anglizismus Begriffs umfasst alle englischsprachigen Entlehnungen ohne Beachtung der Lehnbildung. Der Anglizismusbegriff wird von W. Yang folgendermassen definiert:

„Anglizismus ist der Oberbegriff von Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch, dem britischen Englisch sowie den übrigen englischen Sprachbereichen, wie Kanada, Australien, Südafrika u.a.“[2]

Schon eine genaue Unterscheidung zwischen den Entlehnungen aus dem britischen (englischen) Englisch (= Britizismus) und dem amerikanischen Englisch (= Amerikanismus) ist zumeist ausgeschlossen oder unzweckmäßig. Denn entgegen früherer Meinungen[3], bewegen sich die britische und amerikanische Sprache nicht auseinander, sondern aufeinander zu. Durch die gleiche muttersprachliche Basis ist der gegenseitige Terminologieaustausch stark gefördert. Ursache dafür sind die intensiven Kontakte beider Länder in der Handelspolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur:

„Während früher tatsächlich im britischen und amerikanischen Englisch sowohl im umgangssprachlichen als auch im technischen Vokabular auffällige Sonderentwicklungen stattfanden – man denke etwa an das railway – railroad - Vokabular oder an die motor car – automobile- Terminologie-, ist in neuerer Zeit [...] eine große amerikanische Vereinheitlichung in den modernen Fachwortschätzen eingetreten“[4]

In der Raumfahrt- und Computertechnologie beispielsweise, besteht eine beinahe absolute terminologisch amerikanische Einheitlichkeit. Eine zusätzliche Erschwernis der Feststellung aus welchem englischen Sprachbereich entlehnt wurde, ist „dass viele englische Wörter erst durch amerikanische Vermittlung Eingang in die deutsche Sprache fanden“.[5]

Martin Lehnert benutzt daher den Begriff „Anglo-Amerikanismus“ um nicht entscheiden zu müssen, ob es sich um einen Britizismus oder Amerikanismus handelt.

Für die vorliegende Arbeit werde ich mich auf die Anglizismendefinition nach W. Yang beziehen.

2.2 Die drei Anglizismen Typen nach Yang

In seiner Publikation Anglizismen im Deutschen, am Beispiel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ differenziert W. Yang drei Typen von Anglizismen in

- Konventionalisierte Anglizismen,
- Anglizismen im Konventionalisierungsprozess und
- Zitatwörter, Eigennamen und Verwandtes.[6]

2.2.1 Konventionalisierte Anglizismen

Unter konventionalisierten Anglizismen versteht Yang weitgehend integrierte Wörter, welche der sich aktiv am täglichen Leben beteiligten Deutschen bekannt sind. Jeder der z.B. Zeitung liest und Fernsehen sieht, ist diesen Wörtern schon einmal begegnet: „Computer, Manager, Jeans,...“ Nach dem Sprachgefühl vieler Deutscher sind sie keine Fremdwörter mehr oder werden nicht mehr als solche erkannt, obwohl sie sich in der Artikulationsart und/oder Orthographie häufig anders verhalten als einheimisches Wortgut. Die Aussprache und Orthographie wurde zumeist der deutschen Artikulationsart angepasst. So wurde beispielsweise orthographisch aus dem englischen Stop - Stopp[7] oder aus club – Klub[8]. Artikulatorisch werden z.B. aus auslautenden englischen stimmhaften Konsonanten im Deutschen stimmlose, wie es bei trend der Fall ist. Im Englischen wird es [trend] gesprochen und im Deutschen [trєnt].

2.2.2 Anglizismen im Konventionalisierungsprozess

Diese Anglizismen sind vielen Deutschen noch fremd, werden aber schon verwendet. Beispiele dafür sind die Wörter Factory, Gay und Underdog. Für Factory und Gay gibt es im deutschen ein analoges Wort: Factory = Fabrik und Gay = homosexuell. Das Wort „Underdog“ hat dagegen keine Entsprechung im Deutschen, mit dem ein sozial Benachteiligter gemeint ist. Für diese Wörter im Konventionalisierungsprozess wird im Deutschen vorrangig das entsprechende deutsche Wort oder die entsprechende deutsche Formulierung benutzt. Mit der Zeit werden aus diesen Anglizismen im Konventionalisierungsprozess entweder konventionalisierte Anglizismen oder sie verschwinden völlig aus dem deutschen Sprachgebrauch.

2.2.3 Zitatwörter, Eigennamen und Verwandtes

Diese Anglizismen werden nur in Zusammenhang mit englischsprachigen Ländern oder in einer bestimmten Situation gebraucht. Anschauliche Bespiele dafür sind die Wörter High School, Sheriff und Cowboy. Der Begriff „High School“ hat im Deutschen keine Entsprechung, denn das Schulsystem in Amerika ist anders aufgebaut als in Deutschland. Es wird dort nicht bei den weiterführenden Schulen in die drei Leistungsstufen Hauptschule, Realschule und Gymnasium unterteilt, sondern die Schüler besuchen die High School und qualifizieren sich hier zum Studium am College oder an der Universität . Das Wort College ist dabei ein sprachtypisch ähnlicher Fall wie High School.[9]

Im Deutschen gibt es ebenfalls keine berittenen männlichen Rinderhirten, die Cowboy genannt werden, sondern der Begriff bezeichnet eine Eigenart der Amerikanischen Kultur.[10] Auch gibt es kein entsprechendes Wort im deutschen für Sheriff. Im „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ von Küpper sind folgende Bezeichnungen für Sheriff im Deutschen verzeichnet: Heimleiter, Schulleiter, Klassensprecher, Klassenbester, Schulhausmeister, Polizeibeamter, Feldjäger.[11]

[...]


[1] Lehnert, Martin: Anglo - Amerikanisches im Sprachgebrauch der DDR.

[2] Yang, W.: Anglizismen im Deutschen.

[3] u.a. Noah Webster, Henry Swet, H.L. Mencken, Robert Burchfield

[4] Lehnert, Martin: Anglo - Amerikanisches im Sprachgebrauch der DDR.

[5] Yang, W. : Anglizismen im Deutschen.

[6] Vgl. Yang, W. : Anglizismen im Deutschen. S. 9f.

[7] vgl. hierzu DUDEN: Die Grammatik. Abschnitt 115 - Fremdwortschreibung

[8] Vgl. Yang, W. : Anglizismen im Deutschen.

[9] Vgl. Yang, W. : Anglizismen im Deutschen.

[10] Vgl. Carstensen, Broder: Anglizismen-Wörterbuch: Der Einfluß des Englischen auf den

deutschen Wortschatz nach 1945.

[11] Küpper, H. : Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. 1987b

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638020046
Dateigröße
820 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83292
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Germanistik
Note
1
Schlagworte
Einflussnahme Anglizismen Sprache Bezug Jahrhundert Sprachgeschichte Thema Anglizismen

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Titel: Die Einflussnahme von Anglizismen in der deutschen Sprache in Bezug auf das 19. Jahrhundert