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Die Problematik der Liebesbeziehung zwischen Lene und Botho in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen"

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abgrenzung des Themas und Erklärung der Vorgehensweise

2. Inhaltsangabe des Romans „Irrungen, Wirrungen“

3. Vorstellen der Hauptpersonen
3.1 Charakterisierung von Magdalene Nimptsch
3.2 Charakterisierung von Botho von Rienäcker

4. Die Problematik der Liebe zwischen Lene und Botho vor dem Hintergrund der Standesunterschiede
4.1 Die Problematik der Beziehung aus Lenes Sicht
4.2 Die Problematik der Beziehung aus Bothos Sicht

5. Eigene kritische Stellungnahme zum Thema

6. Literaturverzeichnis

1. Abgrenzung des Themas und Erklärung der Vorgehensweise

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema: „Die Problematik der Liebesbeziehung zwischen Lene und Botho in Theodor Fontanes Roman ´Irrungen, Wirrungen´“.

Zunächst fasse ich den Roman zusammen und stelle anschliessend die beiden Hauptpersonen vor, damit der Leser einen Eindruck der Handlung und der Charaktere bekommt. Danach gehe ich ausführlich auf die Beziehung zwischen Lene und Botho ein und verdeutliche die Problematik, auf der die Beziehung von Anfang an aufgebaut wird.

2. Inhaltsangabe des Romans „Irrungen, Wirrungen“

In Theodor Fontanes Roman „Irrungen, Wirrungen“ geht es um die Liebesbeziehung zwischen Botho und Lene. Baron Botho von Rienäcker, dem Adel angehörig und Leutnant des kaiserlichen Regiments und Magdalene Nimptsch, bürgerliche Plätterin, sind die Protagonisten des Romans. Sie begegnen sich im Jahre 1875 zum ersten Mal bei einer Schifffahrt auf einem See. Lene macht einen Ausflug mit einer Freundin und Botho ist mit einem Freund ebenfalls zu Wasser unterwegs. Der Kahn der Frauen gerät in Gefahr und wird von den charmanten Herren gerettet. Lene lässt sich gleich am ersten Tag von Botho nach Hause begleiten. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Liebesbeziehung. Botho ist beeindruckt von Lenes einfachem Lebensstil. Lene ist ein Findelkind und lebt mit ihrer Stiefmutter Frau Nimptsch, ebenfalls Plätterin, in einem Mietshaus einer Gärtnerei. Botho besucht Lene häufig und gliedert sich recht schnell in die kleinbürgerliche Familie Lenes ein, da er nicht den üblichen Vorurteilen, die man Leuten seines Standes zuspricht, entspricht. Obwohl frisch verliebt, macht Lene schon zu Beginn ihrer unstandesgemäßen Beziehung deutlich, dass sie sich darauf nichts einbilde und der Beziehung keine Zukunftschancen einräume, sie spricht darüber sogar mit Botho selbst, der diesem Thema jedoch immer wieder ausweicht. Auch im Gespräch mit seinem Onkel, der ihm die schlechte finanzielle Lage und die hohen Schulden der Familie von Rienäcker vor Augen führt und ihn davor warnt, sein bisschen Vermögen (zu vertun) oder (...) sich wohl gar mit einer kleinen Bourgeoise (zu verplempern) [1], anstatt sich durch eine Heirat mit der adligen Käthe von Sellenthin finanziell zu bereichern, schweigt Botho und meidet so eine Auseinandersetzung, in der er sich zu seiner Beziehung mit Lene bekennen müsste. Doch trotz dieser düsteren Vorausdeutungen bekommt der Leser zunächst einmal einen recht idyllischen Eindruck von der Beziehung der beiden. In der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten treffen sie sich mehrere Male zu romantischen Abendspaziergängen und unternehmen sogar einen kurzen Liebesurlaub im ländlichen Idyll von Hankels Ablage in Zeuthen [2]. Hier verleben beide einen glücklichen Nachmittag, bei dem Lene Botho sogar einen Blumenstrauß schenkt, den sie mit einem Haar von sich zusammenbindet. Trotz ihrer Warnung, dass Haar bindet, stimmt Botho diesem Ritual zu. Gemeinsam unternehmen sie eine Bootsfahrt und erkunden die ländliche Idylle. Doch gerade bei diesem romantischen Kurzurlaub kommt es zum endgültigen Knacks in der Beziehung der beiden. Am Tag nach der ersten gemeinsam verbrachten Liebesnacht tauchen plötzlich Bothos intimste Kameraden aus dem Offiziersclub mit ihren Mätressen, die aus dem Berliner Prostituiertenmillieu stammen, auf. Während Botho sofort auf deren clubinterne Redensart einsteigt (Zitat: Botho sah, welche Parole heute galt, und sich rasch hineinfindend, entgegnete er (...) mit leichter Handbewegung auf Lene: „Mademoiselle Agnes Sorel“.) [3], ist Lene wie vor den Kopf gestoßen und überaus gehemmt von der leichtlebigen Gesellschaft. Fortan kann, selbst nach der Verabschiedung der Kameraden Bothos, zwischen den beiden keine rechte Heiterkeit mehr aufkommen, die Rückfahrt ist gekennzeichnet durch eine Mischung von Verstimmung, Müdigkeit und Abspannung und endet schließlich in einem ernsten Gespräch, in dem Lene Botho eindringlich mit dem nahen Ende der Beziehung konfrontiert (Zitat: „Du fühlst selbst, dass ich Recht habe (...). Gestern (...) war unser letztes Glück und unsere letzte schöne Stunde“) [4]. Resigniert trennen sich beide voneinander, wissend, dass Lene Recht haben würde. Bereits am nächsten Tag erhält Botho einen Brief seiner Mutter, in dem sie ihm sehr eindringlich die finanzielle Situation der Familie von Rienäcker darstellt und ihm sagt, dass Bothos Onkel, der bisher immer bereitwilliger Geldgeber war, langsam anfange, der ewigen Bitten um finanzielle Unterstützung überdrüssig zu werden, zumal es ja offenkundig eine Lösung des Geldproblems gebe.

Beharrlich führt die Baronin von Rienäcker Botho den einzigen Ausweg aus der finanziellen Misere vor Augen: Er müsse endlich aufhören zu zögern und in die, bereits vor langer Zeit zwischen den Familien von Rienäcker und von Sellenthin arrangierte Verlobung zwischen ihm und der Tochter des Hauses von Sellenthin, Käthe, einwilligen. Die Familie von Sellenthin sei überaus vermögend, doch hinsichtlich des kontinuierlich schwindenden Rienäckerschen Vermögens und des völlig offensichtlichen Zögerns Bothos überaus gereizt und nicht mehr willens, länger auf eine Einwilligung Bothos in die geplante Verheiratung zu warten. Sie erwarteten einen endgültigen Entschluss von Botho, oder aber sie würden Käthe anderweitig vergeben [5]. Bothos Mutter betont, dass sie ihn nicht bei der Entscheidungsfindung beeinflussen wolle. Um jedoch den Ernst der Lage noch einmal zugunsten ihrer Wünsche auszudrücken, macht sie Botho am Schluss des Briefes explizit klar, dass sie nicht nur die Braut, sondern, was noch viel schlimmer wäre, auch noch den hilfsbereiten Onkel verlieren würden und dass das Glück der Familie in Bothos Händen liegt. Botho, der diese Entscheidung bisher nur allzu gern verdrängt hatte, sieht sich nunmehr gezwungen, sobald wie möglich einen Entschluss zu fassen. In der festen Ansicht, dass auch Lene so entschieden hätte, entscheidet er sich endgültig zugunsten seiner Familie und schreibt Lene einen Brief, in dem er die Beziehung der beiden beendet. Ein letztes gemeinsames Treffen verläuft unkompliziert und rational. Lene macht ihm keinerlei Vorwürfe. Sie akzeptiert seine Entscheidung.

Das Geschehen wird für eine kurze Zeit unterbrochen. Der Widereinstieg erfolgt im September. Botho und Käthe von Sellenthin haben in der Zwischenzeit geheiratet und eine Wohnung in der unmittelbaren Nähe von Lenes Zuhause bezogen. Als sich diese auf dem Weg zur Arbeit befindet, kommt es zu einer Begegnung mit Botho und seiner neuen Frau, die jedoch nur von Lene bemerkt wird. Sie erlebt Botho und Käthe als trautes, glückliches Ehepaar, was sie seelisch nicht verkraftet. Es gelingt ihr im letzten Augenblick, sich vor beiden zu verbergen, doch in einer Nebenstraße verliert sie die Fassung und bricht in völliger emotionaler Auflösung zusammen.

Hier macht Fontane den nächsten, diesmal jedoch weitaus größeren zeitlichen Einschnitt in seinem Roman und setzt erst im August des Jahres 1778 die Schilderung der Ereignisse fort. Der Leser bekommt erste Einblicke in die Ehe von Käthe und Botho, die diese so ganz anders darstellen, als Lene sie damals auf der Straße erlebte. Botho ist nicht in der Lage, Käthe aufrichtig zu lieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Immer wieder kommt ihm Lene in den Sinn, deren Einfachheit, Wahrheit und Unredensartlichkeit [6] ihm fehlen. Um ihrer Kinderlosigkeit entgegenzuwirken begibt sich Käthe auf eine Badekur. Während ihrer Abwesenheit erhält Botho einen überraschenden Besuch des Fabrikmeisters Gideon Franke. Nachdem Lene aus Angst, die zufällige Begegnung mit Botho und Käthe könne sich wiederholen, gemeinsam mit der alten Frau Nimptsch in eine neue Wohnung am anderen Ende Berlins gezogen war, hatte sie Gideon kennen gelernt. Als dieser begann, um sie zu werben, entschloss sich Lene gemäß ihrer aufrichtigen Art, ihm ihre vorherige Liebesbeziehung zu Botho zu beichten. Gideon Franke, obgleich ein sehr religiöser Mann, schätzt Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit höher, als das Gebot der Enthaltsamkeit vor der Ehe und erhält seine Werbung aufrecht. Doch bevor er Lene endgültig heiraten will beschließt er, Botho einen Besuch abzustatten und sich vom wirklichen Ende der Beziehung und von Lenes wahrheitsgemäßen Aussagen zu überzeugen. Das Gespräch mit Botho, in dem dieser die Ereignisse identisch wie Lene schildert und diese obendrein in den höchsten Tönen für ihre Charaktereigenschaften lobt, bestätigt Gideon Franke in seinem Vorhaben, Lene zu heiraten. Nachdem dieser gegangen ist, kehren die Erinnerungen an die Zeit mit Lene zu Botho zurück. Er erinnert sich an sein einstiges Versprechen an die alte Frau Nimptsch, ihr nach ihrem Tod (von dem er durch Gideon Franke erfuhr) einen Kranz aufs Grab zu legen. Auf dem Weg zum Friedhof überkommen ihn alte Erinnerungen in ihrer heftigsten und schmerzhaftesten Weise. Er erfüllt sein Versprechen, kehrt in seine Wohnung zurück und beschließt nun, sich endgültig von diesen allzu schmerzlichen Erinnerungen zu trennen. Symbolisch verbrennt er die Briefe Lenes und auch den Blumenstrauß, den sie ihm auf Hankels Ablage schenkte. Diese endgültige Trennung von seinen Erinnerungen kostet ihn viel Überwindung, doch am Ende muss er feststellen, dass auch ein solches Ritual die glückliche Zeit mit Lene nicht aus seinen Gedanken vertreiben kann (Zitat: „Ob ich nun frei bin? Will ich’s denn? Ich will es nicht. Alles Asche. Und doch gebunden.“) [7]. In den folgenden Tagen begegnet Botho dem adligen Bekannten Bozel von Rexin, der ihn um seine aufrichtige Meinung betrefflich einer Herzensangelegenheit bittet. Rexin erzählt Botho von seiner Liebe zu einer bürgerlichen Frau und seinem Vorhaben, mit dieser trotz der Standesschranken eine offizielle Beziehung einzugehen, selbst auf die Gefahr hin, dann alles zu verlieren. Botho sieht sich erneut mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und rät Rexin eindringlich von dieser Art der Untergrabung der

[...]


[1] Fontane, Theodor: Irrungen, Wirrungen. 4. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau Taschenbuch 2004. S.47, Z.

20 ff.

[2] Vgl. Lowski, Martin: Theodor Fontane. Irrungen, Wirrungen. In: Königs Erläuterungen und Materialien. Band

330. [3]. Auflage. Hollfeld: Bange 2005. S.17.

[3] Fontane, Theodor: Irrungen, Wirrungen. 4. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau Taschenbuch 2004. S. 83, Z.

3-6.

[4] Ebd. S. 92, Z. 29-34.

[5] Fontane, Theodor: Irrungen, Wirrungen. 4. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau Taschenbuch 2004. S. 95 f.

[6] Lowski, Martin: Theodor Fontane. Irrungen, Wirrungen. In Königs Erläuterungen und Materialien. Band 330.

3. Auflage. Hollfeld: Bange 2005. Ebd. S. 114, Z. 4 f.

[7] Fontane, Theodor: Irrungen, Wirrungen. 4. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau Taschenbuch 2004. S. 154, Z. 15 f.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638020039
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83289
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Germanistik
Note
1-
Schlagworte
Problematik Liebesbeziehung Lene Botho Theodor Fontanes Roman Irrungen Wirrungen Novellen Erzählungen

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