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Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Diskussion rechtlicher und ethischer Aspekte

Studienarbeit 2007 31 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

1 Einleitung

2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
2.1 Einführung in das Themengebiet Massentierhaltung
2.1.1 Fakten zu der Massentierhaltung
2.1.2 Wirtschaftsfaktor Tier
2.2 Aktuelle Tendenzen

3 Massentierhaltung aus rechtlicher Sicht
3.1 Das Tierrecht in der deutschen Gesetzgebung
3.1.1 Das Tierschutzgesetz
3.1.2 Begriff Massentierhaltung im rechtlichen Kontext
3.1.3 Aktuelle Gegebenheiten
3.2 Das Tierrecht in der europäischen Gesetzgebung
3.2.1 Tierschutz im landwirtschaftlichen Betrieb auf EU-Ebene

4 Die Massentierhaltung aus ethischer Sicht
4.1 Ethische Grundprinzipien und Wertekonflikte
4.1.1 Mensch-Mensch-Interessenkonflikt
4.1.2 Mensch-Tier-Interessenkonflikt
4.1.3 Dualismus in der Alltagsmoral
4.1.4 Die Goldene Regel
4.2 Normative Betrachtung
4.2.1 Kants Bestimmung des Tieres
4.2.2 Kants Bestimmung des Menschen
4.2.3 Rechtfertigung der Massentierhaltung
4.2.4 Kritik an der Betrachtung des Tieres nach Kant:
4.3 Massentierhaltung aus utilitaristischer Sicht
4.3.1 Das Tier aus utilitaristischer Sicht
4.3.2 Kritik an der utilitaristischen Sicht
4.4 Die Massentierhaltung aus diskursethischer Sicht

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Gegenstand der hier vorgestellten Arbeit ist eine Darstellung der Massentierhaltung aus ethischer Sicht. Dazu wird die Thematik zuerst von der wissenschaftlichen sowie auch rechtlichen Seite betrachtet und anschließend wird auf die ethischen Aspekte genau eingegangen. Die Massentierhaltung ist eine gängige Methode durch einen ge- ringen Preis- und Zeitaufwand dem Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft ge- recht zu werden. Dabei ergeben sich viele kritische Bereiche, die hier dargestellt wer- den.

Schlagwörter: Massentierhaltung, Tierhaltung, Tiere, ethische Aspekte.

Abstract

The subject of the work is a representation of factory farming with the focus of ethical aspects. Therefore the scientific and legal views are presented and afterwards the ethical views of intensive mass animal farming are explained. Today it is a current method to produce cheap products in a little while to satisfy the consumer behaviour. Many of the critical topics are shown in this paper.

Keywords:

Factory farming, livestock husbandry, animals, ethical aspects.

1 Einleitung

In Deutschland werden pro Jahr über hundert Millionen Tiere gegessen und fast zehn Millionen Eier und 28 Millionen Tonnen Milch zu Verkauf angeboten.1 Dieser enorme Verzehr von Tierprodukten hat dazu geführt, dass die Nachfrage nur über eine intensi- ve Haltung gedeckt werden kann. Unterstützt wurde die Entwicklung auch aufgrund des Kaufverhaltens der Konsumenten. Das Verlangen nach billigen Produkten in gro- ßen Mengen führte dazu, dass etliche Kleinbetriebe auf dem Markt nicht standhalten konnten.

Die idyllische Vorstellung, dass Nutztiere frei lebend auf Weiden anzutreffen sind, entspricht nicht mehr der Realität und ist nur noch die Ausnahme. Nutztiere leben heutzutage in Agrarfabriken, erblicken nie das Tageslicht und müssen in rekordverdächtigen Zeiten wachsen, zunehmen und produzieren. Doch darf der Mensch Nutztiere unter solchen Gegebenheiten gebrauchen, ist das ethisch vertretbar und ist das Leiden der Tiere für das Wohlergehen der Menschen zu verantworten?

Im Rahmen dieser Studienarbeit werden diverse ethische Aspekte mit Fokus auf die Massentierhaltung aufgezeigt und diskutiert. Zur Einführung in das Themengebiet wird im zweiten Kapitel die wissenschaftliche Seite dargestellt, im Anschluss werden rechtli- che Aspekte angesprochen, die aufzeigen, welche Stellung das Tier im deutschen Rechtsystem einnimmt und welche Vorschriften auf EU-Ebene für die Haltung derzeit festgelegt wurden.

Das vierte Kapitel stellt als Grundlage für die weitere Betrachtung ethische Grundprinzipien und Wertekonflikte dar, daraufhin wird die intensive Haltung von der normativen und von der utilitaristischen Seite sowie diskursethisch genau betrachtet. Die Arbeit schließt mit dem fünften Kapitel ab, hier werden die Erkenntnisse nochmals kurz zusammengefasst und bewertet.

2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht

Einleitend wird zunächst für eine bessere Verständlichkeit die Entstehung der Massen- tierhaltung vorgestellt, dabei werden weitere relevante Fakten und aktuelle Tendenzen aufgeführt.

2.1 Einführung in das Themengebiet Massentierhaltung

Vor fünfzig Jahren stellten amerikanische Hühnerfarmer fest, dass sie durch die Haltung des Geflügels in Ställen, die Hühner günstiger verkaufen konnten als durch traditioneller Geflügelhaltung. Die neue Methode wurde schnell populär: Die Hühner kamen von den Feldern in längliche, fensterlose Ställe. Dies war der Grundstein für die Entwicklung der Massentierhaltung.2

Der Begriff Massentierhaltung, auch Intensivhaltung genannt, wird nicht klar und eindeutig in der Wissenschaft definiert. In einer gängigen, aber doch rudimentäre Beschreibung heißt es wie folgt:

Als Massentierhaltung wird die konzentrierte Haltung von Tieren, v. a. Geflügel, Rindern und Schweinen in großer Zahl auf engem Raum (z. B. Batteriehaltung von Legehennen) zur Erzeugung tierischer Nahrungsmittel bezeichnet. Massen- tierhaltung erfolgt mit sehr großen Beständen und meist nur einer Tierart.3

Im englischsprachigem Raum verwendet man dagegen den Begriff factory farming.

Einerseits, weil die Ställe Fabrikgebäuden ähneln, andererseits weil bei dieser Methodik alles darauf ausgelegt ist, lebende Tiere in Maschinen zu verwandeln, die verbildlicht nur zum Zweck des Produzierens leben.4

Hierbei wird auch ersichtlich, dass die Beschreibung keine genaue Tieranzahl oder Räumlichkeitsangabe beinhaltet, ab wann genau die Massentierhaltung beginnt und wo sie endet bleibt offen. Folglich liegt die Auslegung im Auge des Betrachters. Für die vorliegende Arbeit reicht jedoch die vorhandene Definition aus, da eine konzentrierte Haltung in großer Zahl auf engem Raum grundsätzlich nie vollkommen tiergerecht sein kann.

Die Konzentration der Tierhaltung hat wirtschaftlich betrachtet arbeitstechnische sowie auch ökonomische Gründe. Sowohl die Tieraufzucht, als auch die Haltung werden heu- te mittels einem sehr hohen Aufwand von technischen Hilfsmitteln ausgeführt. Dadurch können einerseits Personalkosten eingespart werden und andererseits können viele Arbeitsschritte automatisiert und teilweise schneller als manuellen Tätigkeiten durchgeführt werden.5

2.1.1 Fakten zu der Massentierhaltung

Der Fleischkonsum stieg in Deutschland zwischen 1950 und 2004 von 26,2 kg auf 60,7 kg pro Kopf und Jahr. Der Höchstwert wurde 1985 mit 66,1 kg erreicht.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Fleischkonsum in Deutschlandi

Im Ranking des Handelsblattes hat Deutschland mit der Fleischproduktion weltweit Platz vier mit 6.758 t eingenommen. Die weltweit führenden Produzenten sind China, USA und Brasilien.7

Im Folgenden werden weitere relevante Fakten von den wirtschaftlich wichtigsten Tiergruppen Huhn, Rind und Schwein aus der Massentierhaltung dargestellt:8

In Deutschland leben ungefähr 140 Millionen Tiere in intensiver Haltung, das sind:

- 54 Millionen Hühner
- 40 Millionen Schweine
- die restlichen 46 Millionen Tiere sind überwiegend Rinder und Kälber sowie auch Enten, Gänse und Puten.* Legehennen:

Die Tierhaltung erfolgte bis 2007 in Ställen mit aneinander gereihten Drahtkäfigen. Um Platz zu sparen, wurden bis zu fünf Käfige aufeinander gestapelt. Laut Verordnung hatte jedes Huhn im Käfig einen Lebensbereich von der Größe einer 2/3 DIN-A4-Seite. Der Platzmangel führt bei Hennen zu Verhaltensstörungen Verhaltenstörungen (Kanni- balismus und Federpicken), weshalb den Tieren die Schnäbel präventiv gekürzt wer- den.

Seit 2007 ist die Käfighaltung verboten, jedoch versuchen Halter das Verbot „... durch größere Käfige für mehr Tiere unter der irreführenden Bezeichnung „Kleinvoliere“ auf- zuweichen“.9

20 % der Tiere überleben die 15- bis 18-monatige Legeperiode nicht. Todesursache der Tiere sind Krankheiten, die psychisch bedingt sind, sowie auch Cholera, Salmonellose oder auch Osteoporose.

Masthühner:

Masthühner leben zusammen in Hallen von 50.000 bis 80.000 Tieren. Ihr Leben in der halbdunklen Anlage dauert ca. 6 Wochen in denen sie nie das Tageslicht erblicken.

Kälber:

Nach der Geburt werden die Kälber von der Mutterkuh getrennt und in kleinen, engen Holzboxen aufgezogen. Richtig bewegen können sich die Tiere hier nicht, ihre einzige Betätigung besteht in der Nahrungsmittelaufnahme, mit dem Ziel, schnell an Gewicht zuzulegen. Dazu bekommen sie eine flüssige Komplettnahrung, welche die Flüssigkeitszufuhr mittels Wasser ersetzt. Sie besteht aus Magermilchpulver, Talg, Walfett und Salz. Durch Salzzusatz wird das Tier bewusst durstig gemacht, um den Durst zu stillen muss das Tier wieder die Breinahrung aufnehmen, in Folge dessen eine schnellere Gewichtszunahme des Tieres stattfindet.

Nach 5 Monaten werden die Tiere, die dann ein Gewicht von ca. 250 Kilogramm erreicht haben, geschlachtet. Ein Tier aus einer konventionellen Aufzucht bräuchte mindestens 10 Monate für solch ein Schlachtgewicht.

Milchkühe:

Seit 1950 wurde durch Züchtung und Ernährung die Milchleistung der Kühe von durchschnittlich 1.000 Liter auf 6.000 Liter gesteigert. Auch die Milchkühe leben angekettet in engen Boxen und können sich aufgrund der Enge, sowie der stark angeschwollenen Euter kaum bewegen. Sie verbringen ihr ganzes Leben auf einer Stelle und kalben maximal drei bis viermal in ihrem Leben.

Schweine:

Die Aufzucht von Schweinen ist in drei Stufen unterteilt: Ferkelerzeugung, Vormast und Endmast. Die Ferkelerzeugung geschieht mittels künstlicher Besamung der Sau. Wenn die Ferkel zur Welt kommen, wird die Muttersau angegurtet oder zwischen Schutzbü- gel geklemmt, damit sie ihre Ferkel in der Enge nicht versehentlich zerquetscht. Auf- grund von Schutzmaßnahmen werden den Ferkeln die Zähne abgezwickt, sowie die Schwänze coupiert.

Nach vier bis fünf Wochen werden die Ferkel getrennt von der Mutter in einem Vor- maststall gemästet. In dunklen Ställen leben hier auf engstem Raum 80 bis 200 Tiere auf Gitterrosten. Wenn ihr Gewicht auf ca. 30 Kilogramm ansteigt, werden die Schwei- ne in kleinere Gruppen umgesiedelt. In dieser letzten Lebensphase, der Endmast wer- den sie innerhalb von 100 Tagen auf ca. 100 Kilogramm gemästet und anschließend geschlachtet.

Schlachtung in Deutschland10

Das statistische Bundesamt veröffentliche für das Jahr 2006 folgende Zahlen aus der deutschen Fleischproduktion. So wurden:

- 4,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch
- 1,2 Millionen Tonnen Rinder- und Kalbfleisch
- 1,0 Millionen Tonnen Geflügelfleisch

aus gewerblicher Schlachtung erzeugt.

Die Zahl der gewerblich geschlachteten Schweine ist im abgelaufenen Jahr um 1,9 Millionen Tiere oder 4,0% gestiegen und damit ähnlich stark wie im Vorjahr (+ 4,3%). [...] Die Zahl der gewerblich geschlachteten Rinder (einschließlich Kälber) erhöhte sich im abgelaufenen Jahr leicht um 40.000 oder 1,1% auf 3,7 Millionen Tiere. Die Schlachtun- gen von Kühen sanken dagegen um 1,5% und die von Kälbern um 4,5%. An der Erzeu- gung von Geflügelfleisch hatte Jungmasthühnerfleisch mit 575.000 Tonnen den größten Anteil (55,9%), [...]11

2.1.2 Wirtschaftsfaktor Tier

Massentierhaltung, so die Ansicht vieler Verfechter könne nicht mit artgerechter Tier- haltung vereinbar sein12, doch gibt es auch Befürworter und natürlich die Konsumen- ten, die mittels dem Einkauf der tierischen Produkte letztlich signalisieren, dass die Art und Weise wie das „Produkt“ hergestellt wurde, akzeptiert wird. Im Folgenden werden beide Seiten der Massentierhaltung aus wirtschaftlicher Sicht übersichtlich dargestellt.

Pro Massentierhaltung:

Wie erwähnt, kann mittels der Massentierhaltung „eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich...“13 bei minimaler Platzanforderung produziert werden.

Preis

Die tierischen Massenprodukte können viel günstiger auf dem Markt angeboten wer- den. So kann sich jeder Bürger Fleisch, Käse sowie weitere Milchprodukte täglich leis- ten. Und sehr viele Konsumenten kaufen weiterhin Produkte aus der Intensivhaltung.

Eine Umfrage legte dar, wie viel Euro Konsumenten bereit sind für ein Kilo Schweinefi- let oder Rumpsteak zu zahlen. Die Befragten Personen gaben an zwischen 6 und 14 Euro zu zahlen. Aber für diesen Preis gibt es kein Fleisch. Die Kunden sind Discounterpreise gewohnt - und nicht die vom Qualitätsmetzger. Dort kostet ein Kilo Schweinefilet aus Hessen 21 Euro, beim Discounter nur zehn Euro. Beim Metzger kostet das Rumpsteak 25 Euro je Kilo, beim Discounter nur knapp 15 Euro14.

Kosten

Das Produkt „Tier“ kann nur so günstig angeboten werden, weil an anderen Produktionsfaktoren eingespart wurde. Viele Arbeitsschritte werden wie schon erwähnt automatisiert, das spart Arbeitskräfte wodurch die Personalkosten sinken. Auch die Haltung der Tiere auf engem Raum spart Raumkosten, da die meisten Tiere nicht im Freien leben, werden zusätzliche Außenbereiche nicht benötigt.

Die Ställe der Tiere so aufgebaut, dass sie einfach und schnell zu reinigen sind, daraus resultiert ein minimaler Arbeitsaufwand. Kühe werden beispielsweise bei einigen Betrieben mittels Elektroschocks „erzogen“ richtig zu koten.

Ein elektrisch geladener Bügel über dem Rücken der Kühe wird angebracht Zum Koten und Harnen machen Kühe einen Buckel. Dabei berühren sie den Bügel und erhalten einen elektrischen Schlag. Mit der Zeit lernen sie, diesem Elektroschock auszuweisen, indem sie vor dem Koten und Harnen ein Schrittchen zurückweiche, soviel es die Anbindevorrichtung erlaubt. Damit wird erreicht, dass der Kot schön brav in den Kotgraben fällt.15

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall und hat das Ziel Kosten, in diesem Fall die Reinigungskosten der Tierumgebung einzusparen.

Zusammengefasst betrachtet sind die Kostenargumente der Befürworter von Intensiv- haltung die Hauptargumente neben der weiterhin starken Nachfrage der Konsumenten.

Contra Massentierhaltung:

Die Massentierhaltung tangiert viele kritische Bereiche, in der vorliegenden Arbeit wird der Fokus auf die wichtigsten Contra-Argument gesetzt, die im Folgenden aufgeführt werden:16

Tierrassen

Nur wenige Tierrassen sind für die Intensivhaltung geeignet und so werden besondere Tierrassen nicht weiter gezüchtet und sterben aus.

Überschüsse

Durch die Massentierhaltung kommt es oft zu überschüssiger Ware. Diese wird teilweise vernichtet oder auf dem Weltmarkt verkauft. Das kann wiederum die Wirtschaft in den Entwicklungsländern negativ beeinflussen.

Bedrohte Existenz kleiner Betriebe

Kleine, heimische Familienunternehmen mit traditioneller Tierhaltung können dem Preisdruck der großen Massenproduktion oft nicht standhalten und müssen zwangsweise die Produktion einstellen.

Anormales Verhalten der Tiere und medikamentöse Indikation

Tiere aus intensiver Haltung haben aufgrund des engen Raumes, indem sie leben Ver- haltensstörungen, sie verletzen sich selber und vegetieren meist apathisch vor sich hin. Um diese negativen Folgeerscheinungen einzudämmen, werden die Tiere mit Antide- pressiva ruhig gestellt. Zusätzlich müssen aufgrund einer hohen Infektionsgefahr und Ausbreitung von Epidemien bei Tieren auf eng gehaltenem Raum diese präventiv ge- impft werden. Die Überreste der Medikamente werden letztlich von den Konsumenten über die Fleischware verzehrt. Das Ausmaß möglicher Spätfolgen für Menschen lässt sich heute nur schwer abschätzen.

Nach jüngsten Untersuchungen der Allensbacher Institute sind 80 % der Bevölkerung gegen die Massentierhaltung. Als Grund wurde meist die Tierquälerei genannt, welche die Massentierhaltung mit sich zieht. An zweiter Stelle wurde angegeben, dass der Konsument aufgrund der Medikamentenverabreichung bei Tieren um seine eigene Gesundheit fürchtet.

2.2 Aktuelle Tendenzen

Konsumenten werden aufgrund vieler Berichte aus Medien wie Fernsehen, Internet und Presse auf das Thema Massentierhaltung aufmerksam gemacht. Bilder von halbtoten Tieren in engen, dunklen, dreckigen Ställen, die kümmerlich in ihrem eigenen Kot auf ihr Ende warten, brennen sich in die Köpfe der Konsumenten ein.

Alternative Möglichkeiten zur Massentierhaltung sind gegeben: Tierische Produkte aus artgerechter Haltung versprechen, dass Tiere bedarfsgerecht gehalten werden, keine Masthilfsmittel oder Medikamente verabreicht bekommen und über kurze Wege zu den Schlachthöfen transportiert werden.17 Landwirte, die Tiere artgerecht halten, produzie- ren nachweislich qualitativ hochwertigere Produkte. Doch aufgrund der Einhaltung di- verser Standards für die bedarfsgerechte Haltung dauert die Aufzucht länger und ist umständlicher. Folglich liegen die Preise der Produkte über den aus der Massentierhal- tung erzeugten Waren.18

Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass Agrarfabriken auch weiter mit intensiver Tierproduktion Waren zum Verkauf anbieten, da der erfolgreiche Absatz mit Dumpingpreisen in Supermärkten boomt. Es bleibt somit dem Konsumenten überlassen welche Richtung sich durchsetzen wird und ob sich auch langfristig Produkte aus artgerechter Tierhaltung mit höheren Preisen auf dem Markt fest platzieren können.

3 Massentierhaltung aus rechtlicher Sicht

Es gibt viele Vorschriften, die den Umgang mit den Tieren regeln. Im Weiteren werden die wichtigsten deutschen Gesetze, Verordnungen und EU-Regularien aufgelistet, für eine detaillierte Betrachtung aller relevanter Paragraphen wird jedoch aufgrund des Umfangs auf die jeweiligen Gesetzesvorlagen verwiesen.

3.1 Das Tierrecht in der deutschen Gesetzgebung

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es Rechtsvorschriften und Gesetze, die von Tierhaltern befolgt werden müssen und einen rechtlichen Rahmen für den richtigen Umgang mit Tieren vorgeben.

3.1.1 Das Tierschutzgesetz

Am 01.10.1972 wurde das Tierschutzgesetz (TierSchG) verfasst und wird seither regelmäßig weiter ausgebaut und an aktuelle Gegebenheiten angepasst. Um den Tierschutz eine stärkere Gewichtung zuzuschreiben, wurde es am 17.05.2002 auch in die deutsche Verfassung aufgenommen:

Artikel 20a:

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.19

Das TierSchG hat den Zweck, "aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen."20 Es schafft den Rahmen für den Umgang zwischen Mensch und Tier.

Grundsätzlich gilt: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen."21

Das TierSchG umfasst die wesentlichen Vorschriften zur Tierhaltung, zur Tötung von Tieren (Schlachtung), Eingriffe und Versuche an Tieren sowie zahlreiche Regelungen zur Zucht und zum Handel mit Tieren. Das Gesetz ist vor allem verwaltungsrechtlich gestaltet, so dass es die Tierhaltung von Nutztieren teilweise unter Erlaubnisvorbehalt stellt.22

[...]


1 vgl. Tierrechte (2006)

2 vgl. Redaktion Cicero (2007)

3 Umweltlexikon.de (2007)

4 Redaktion Cicero (2007)

5 vgl KATALYSE Institut (2007)

6 Wikipedia: Autor Cherubino (2007)

7 vgl. Wikipedia: Autor Cherubino (2007)

8 vgl. Animal Peace E.V. (2007)

* Enten, Gänse und Puten werden hier aufgrund des Umfangs nicht detailliert dargestellt

9 Selig M., M. Elsner (2006): Seite 8.

10 vgl. Statistisches Bundesamt (2007)

11 Statistisches Bundesamt (2007)

12 vgl. Wikipedia: Autor Amphibium(2007)

13 PETA-Deutschland e.V. (2007)

14 HR-Online.de (2007)

15 Verein gegen Tierfabriken Schweiz VgT (2007)

16 vgl. Wikipedia : Autor Amphibium (2007)

17 vgl. Andreae-Noris Zahn AG (2007)

18 vgl. Wikipedia: Autor Manecke (2007)

19 dejure.org. Artikel 20a (2007)

20 BRD Deutschland (2007) Tierschutzgesetz § 1

21 BRD Deutschland (2007) Tierschutzgesetz § 1

22 Wikipedia: Autor Buzer (2007)

Details

Seiten
31
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638894937
ISBN (Buch)
9783638894944
Dateigröße
3.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83183
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Wirtschaftlicher Faktor Massentierhaltung Ethisch

Autor

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