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Wettbewerb der Regionen in Zeiten der Globalisierung

Seminararbeit 2005 21 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Globalisierung
2.1 Entwicklung und Wirkung globaler Finanzmärkte
2.2 Entwicklung und Wirkung globaler Produktion und Investitionsströme
2.3 Entwicklung und Wirkung globalen Handels

3 Regionalisierung – Eine Strategie zur Schaffung von Wettbewerbs- fähigkeit für den Weltmarkt
3.1 Neue institutionelle Rahmenbedingungen – Von der staatlichen zur regionalen Steuerung
3.2 Neustrukturierung der Unternehmen
3.3 Kooperation
3.4 Netzwerke in Regionen
3.5 Regionale Ordnung
3.6 Die Bildung von Industrieclustern und deren Steuerung

4 Typisierung der Regionen
4.1 Typ 1: Design-, wissens- und kulturbasierte Regionen
4.2 Typ 2: Gewachsene Industrieregionen (auf die Weiterentwicklung reifer Technologien spezialisiert)
4.3 Typ 3: Desintegrierte Wirtschaftsregionen
4.4 Typ 4: Exportorientierte Routineproduzenten ohne eine einheimische Konzern- und Wissensbasis

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit den 1970er Jahren ist die Weltwirtschaft durch Globalisierung geprägt. Globalisierungsprozesse führten dazu, dass nationale Volkswirtschaften sich umstellen mussten, damit ihre Akteure auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben. Diese Arbeit untersucht, welche Wirkungen wirtschaftliche Globalisierung auf nationale Volkswirtschaften hatte und wie Regionen sich auf die neuen Wettbewerbsbedingungen einstellen oder einstellen müssen.

Zunächst wird in Kapitel 2 die Entwicklung der Globalisierung beschrieben und auf ihre Wirkung hin untersucht. In Kapitel 3 wird der Prozess der Regionalisierung als eine Strategie für mehr Wettbewerbsfähigkeit erläutert. Hierbei wird vor allem auf Kooperation, Netzwerke, Cluster und Spezialisierung eingegangen. Schließlich wird in Kapitel 4 eine Typisierung von Regionen beschrieben, mit deren Hilfe man die diversen Probleme und Entwicklungspotentiale von Regionen einordnen kann.

2 Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man „die raum-zeitliche Ausdehnung sozialer Praktiken über staatliche Grenzen, die Entstehung transnationaler Institutionen und Diffusion kultureller Muster […] – ein Prozess, der sich durch seinen Tiefgang, seine Geschwindigkeit und seine Reichweite von konventionellen Formen der Modernisierung unterscheidet“ (Müller 2002, S. 8). Globalisierung findet also in verschiedenen Bereichen statt, von der Wirtschaft über Kultur bis Politik.

Hier soll jedoch auf die Globalisierung im ökonomischen Sinne eingegangen werden. Schirm (2004, S. 67) definiert Globalisierung als „wachsender Anteil grenzüberschreitend verlaufender privatwirtschaftlicher Transaktion an der gesamten Wirtschaftstätigkeit.“ Bereits in den 1970er Jahren setze der jetzige Globalisierungsprozess ein. Doch erst in den 1980er Jahren trat sie in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, „als die Verflechtung nationaler Ökonomien mit globalen Märkten und der globale Wettbewerbsdruck in vielen Staaten zu einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel beitrugen“ (Schirm 2004, S. 67) und die Liberalisierung der Volkswirtschaften voranschritt.

In den Medien wird Globalisierung oft sehr negativ dargestellt und als Gefahr für nationale Volkswirtschaften gesehen. Doch ist die Wirkung der Globalisierung oft überbewertet. So finden transnationale Bewegungen von Kapital und Produktion fast ausschließlich in OECD-Staaten, also den Industriestaaten, statt. Und in diesen haben transnationale Aktivitäten auch heute noch einen geringen Anteil am Bruttosozialprodukt. Man darf auch nicht vergessen, dass Globalisierung sich der Beeinflussung durch die Nationalstaaten entzieht. So wurde sie durch wirtschaftspolitische Entscheidungen, vor allem der Industriestaaten, wie z. B. die Liberalisierung des Welthandels im GATT oder der Deregulierung nationaler Ökonomien, gefördert. Schließlich ist Globalisierung kein neuer Prozess. Seit Beginn der Kolonisierung gibt es sie. Aufgrund der Weltkriege nahmen jedoch transnationale Bewegungen ab und stiegen erst wieder seit den 1970er Jahren im stärkeren Maße an (vgl. Schirm 2004, S. 68f).

Globalisierung ist durch gestiegene globale Mobilität und Verflechtung privater wirtschaftlicher Aktivitäten entstanden (vgl. Schirm 2004, S. 69). Dies bedeutet, dass Märkte und wirtschaftliche Akteure in ihrer Ausbreitung bzw. ihrem Handlungsfeld nicht mehr auf Nationalstaaten beschränkt sind, sondern sich über mehrere Staaten bis hin zu der gesamten Welt ausbreiten können. Damit entziehen sie sich der einzelstaatlichen Kontrolle und Nationalstaaten verlieren an Bedeutung und sind in ihrem Handeln an den Druck des Weltmarktes gebunden. Dies gefährdet in erster Linie den Wohlfahrtsstaat.

Da eine Regulierung der Weltwirtschaft nur auf der globalen Ebene möglich ist, dies im größeren Maßstab jedoch noch nicht realisierbar ist, ist die Politik in den Nationalstaaten dazu gezwungen ihre wirtschaftspolitischen Strategien zu ändern und die Fähigkeit zu erlangen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie dies aussehen kann, wird in Kapitel 4 diskutiert. Doch zunächst wird die Entwicklung der Globalisierung und deren Wirkung auf nationale Ökonomien anhand der globalen Finanzmärkte, der globalen Produktion und Investitionsströme und dem globalen Handel untersucht.

2.1 Entwicklung und Wirkung globaler Finanzmärkte

Es gibt drei Ursachen, die von großer Bedeutung für das Wachsen globaler Finanzmärkte waren. Zu ihnen gehört das Ende des Bretton-Woods-Systems von 1944, welches die Weltwirtschaftordnung nach dem Zweiten Weltkrieg regelte (vgl. Schirm 2004, S. 72). Ziel des Systems war es eine Weltwirtschaftskrise wie in den 1920er Jahren zu verhindern und die Offenheit nationaler Volkswirtschaften zu erhalten und damit Staaten zu hindern protektionistisch zu handeln. Dazu wurde ein fester Gold-Dollar-Kurs eingerichtet, um stabile Währungsverhältnisse zu schaffen, der Kapitalverkehr kontrolliert und Hilfe für Staaten, die in Zahlungsschwierigkeiten stecken, geschaffen (Gründung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds).

1971 kündigten die USA jedoch ihr Gold-Dollar-Versprechen, da ihre Verschuldung seit Ende der 1960er Jahre stieg und sie ihre ökonomische Leitfunktion durch das wirtschaftliche Erstarken Europas verloren (vgl. Schirm 2004, S. 73). Die nun existierenden flexiblen Wechselkurse führten zur Zunahme von Wechselkursschwankungen und Währungsgeschäften und damit auch zu einem steigenden Kapitalaustausch zwischen Ländern.

Eine weitere Ursache der Globalisierung liegt in den Deregulierungen in Großbritannien und den USA seit Mitte der 1970er Jahre. Dadurch sollte die Attraktivität der beiden Länder als Finanzplatz gesteigert werden, um neues Kapital ins Land zu schleusen und damit Finanzdefizite auszugleichen (vgl. Schirm 2004, S. 73). Dadurch stieg das Transaktionsvolumen in Richtung dieser Länder stark an.

Durch den Fall des Bretton-Woods-Systems nahm in den Folgejahren das Volumen der internationalen Anlage- und Kreditgeschäfte stark zu, verursacht durch die Expansion transnationaler Unternehmen (vgl. Schirm 2004, S. 74). Desweiteren stiegen die Ölpreise stark an, so dass erdölexportierende Länder neue Anlagemöglichkeiten suchten. Diese waren jedoch so hoch, dass sie vom Wirtschaftskreislauf nicht vollständig aufgenommen werden konnten, was schließlich ein bedeutender Grund für die Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren war.

Welche Wirkung hatte nun die Globalisierung der Finanzmärkte? Binnenorientierte Modelle gerieten durch den Konkurrenzdruck auf der globalen Ebene in eine Krise. Offene Systeme dagegen hatten einen Vorteil. „Die Kosten (Kapitalabfluss) einer binnenorientierten Nicht-Beachtung globaler Märkte haben sich erhöht, und die Anreize (Kapitalzufluss) einer Ausrichtung an globalen Märkten sind gestiegen“ (Schirm 2004, S. 78). Dies förderte den Trend hin zu mehr transnationalen Aktivitäten noch mehr.

Durch das Ausrichten an globale Märkte sank jedoch auch die Möglichkeit auf wirtschaftliche Entwicklungen einzuwirken. Die meisten wirtschaftspolitischen Instrumente verloren an Effizienz (vgl. Schirm 2004, S. 80), so sind keynesianische Instrumente, wie sie zur Steuerung der Konjunktur weit verbreitet waren, kaum zu gebrauchen. So müssen sich andere Strategien überlegt werden, die in der Lage sind positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft einzuwirken.

2.2 Entwicklung und Wirkung globaler Produktion und Investitionsströme

Unter globaler Produktion soll die Herstellung eines Gutes in mehreren Ländern verstanden sein (vgl. Schirm 2004, S. 81). Die Entwicklung der globalen Produktion und Investitionen sind eng mit der Entwicklung der globalen Finanzmärkte verbunden. So expandierten seit den 1970er Jahren transnationale Unternehmen im großen Umfang. In den 1950er und 1960er Jahren wurden ausländische Direktinvestitionen von Firmen überwiegend dazu getätigt, um in einem anderen Land Produktionsstätten aufzubauen und ihre Güter hier vollständig herzustellen. Dadurch wurden Transportkosten gespart, Marktzugangsbeschränkungen (z. B. Zölle) umgangen oder die Verkaufschancen gesteigert (vgl. Schirm 2004, S. 82f).

Seit den 1970er Jahren trat jedoch eine weitere Form von Aktivität in den Vordergrund. So wurden nun Teile der Produktion oder auch der Forschung und Entwicklungsaktivitäten eines Unternehmens an ausländische Standorte verlagert, da dort z. B. die Lohnkosten geringer, Rohstoffe leichter verfügbar oder die Nähe zu Zulieferern größer waren.

Ein weiterer Grund für steigende globale Produktion liegt in den Industrialisierungserfolgen mehrer Entwicklungsländer (z. B. „Tigerstaaten“, Brasilien). Sie boten interessante Produktionsstandorte für transnationale Unternehmen und in ihnen entstanden wiederum solche Unternehmen (vgl. Schirm 2004, S. 83f).

Durch die in 3.1 angesprochenen Marktliberalisierungen sanken zudem die Kosten für transnationale Unternehmen, im Ausland zu investieren. „Global tätige firmen erreichen eine gegenüber nationalen Konkurrenten höhere Produktivität, da sie transnational operieren, Skaleneffekte erzielen und im globalen Wettbewerb bestehen müssen“ (Schirm 2004, S. 87). Der Konkurrenzdruck steigt also und Unternehmen, die national tätig sind, sind dazu gezwungen, sich an den Bedingungen des Weltmarktes anzupassen (vgl. Schirm 2004, S. 84f).

Die Globalisierung der Produktion hat nun zur Folge, dass Staaten mit anderen Staaten um die besseren Standortvorteile in Konkurrenz treten. Sie sind dazu gezwungen Deregulierungen oder Infrastrukturverbesserung durchzuführen, um ihren Anteil am Welthandel zu behalten oder zu steigern und mobiles Investitionskapital am Standort zu halten. Es ist leichter geworden Produktion und Kapital an andere Orte zu verschieben (vgl. Schirm 2004, S. 88).

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Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638894876
ISBN (Buch)
9783638894920
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83158
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sozialwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Wettbewerb Regionen Zeiten Globalisierung Einführung Arbeits- Wirtschafts- Organisationssoziologie

Autor

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