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Umgang mit Leistungsheterogenität - Wochenplanarbeit in einer jahrgangsgemischten Gruppe (3./4.Schuljahr)

Examensarbeit 2006 74 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Evangelische Grundschule Oberissigheim
2.1) Pädagogisches Konzept
2.2) Lernen in altersgemischten Gruppen
2.3) Unterrichten in Stammgruppen

3.) Wochenplanarbeit
3.1) Rahmenrichtlinien zur Wochenplanarbeit
3.2). Pädagogische Intention des Wochenplans
3.3) Organisation des Wochenplans
3.3.1) Aufbau des Wochenplans
3.3.2) Verhaltens- und Arbeitsregeln
3.3.3) Selbstkontrolle und Fremdkontrolle
3.3.4) Materialien
3.3.5) Kompetenzen
3.3.6) Selbsttätigkeit der Schülerinnen und Schüler
3.4) Vorteile der Wochenplanarbeit
3.5) Nachteile der Wochenplanarbeit

4.) Umgang mit Leistungsheterogenität
4.1) Das didaktische Prinzip der Differenzierung im Hessischen Rahmenplan der Grundschule
4.2) Differenzierung
4.2.1) Äußere Differenzierung
4.1.2) Innere Differenzierung
4.2.2.1) Formen der inneren Differenzierung
4.2.3) Zieldifferentes Lernen
4.3) Leistungsheterogenität der Stammgruppe 3/4

5.) Umgang mit Leistungsheterogenität - Wochenplanarbeit in jahrgangsübergreifenden Gruppen
5.1) Wochenplanarbeit innerhalb der 3. bzw. 4. Klasse Differenzierung bei einem einheitlichen Plan
5.2) Wochenplanarbeit innerhalb der 3. bzw. der 4. Klasse der Stammgruppe 3/4 der Evangelischen Grundschule Oberissigheim
5.3) Wochenplanarbeit innerhalb der Stammgruppe 3/4 in der Evangelischen Grundschule Oberissigheim – 3 verschiedene Leistungsniveaus
5.4) Wochenplanarbeit und Zieldifferentes Lernen

6.) Vergleich der Wochenpläne im Hinblick auf den Umgang mit Leistungsheterogenität

7.) Interview
7.1) Das fokussierte Interview
7.2) Ergebnisse und Interpretation des Interviews

8.) Resümee „Unterstützt jahrgangsübergreifendes Lernen einen anderen Umgang mit Leistungsheterogenität?“

9.) Literaturverzeichnis

Anlagen:
Anlage A – Wochenplan 09.10.2006-13.10.2006
Anlage B – Wochenplan 25.09.2006-29.09.2006
Anlage C – Wochenplan Deutsch
Anlage D – Wochenplan Mathematik
Anlage E - Interviewtranskription

1.) Einleitung

Der Gedanke, mich mit der Thematik des Umgangs mit Leistungsheterogenität zu beschäftigen, kam mir während meiner regelmäßigen Hospitationen, die ich freiwillig und so oft es ging, versucht habe an der Evangelischen Grundschule Oberissigheim durchzuführen. Die Schule zeichnet sich durch ihr reformpädagogisches Konzept aus und ist geprägt durch die Grundidee Peter Petersens.

Während meiner Hospitationen fiel mir immer wieder auf, dass der Schulvormittag sowohl in der gesamten Schule, als auch in den jeweiligen Stammgruppen rhythmisiert und von immer wiederkehrenden Elementen wie dem täglichen Morgenkreis, der selbstständigen Arbeit der Kinder mit ihren Wochenplänen, sowie das Vorstellen der Arbeitsergebnisse geprägt ist. Von Anfang an habe ich es bewundert, wie die Kinder selbstständig an ihren Wochenplänen arbeiten und wie sie jeden Tag aufs Neue ihre eigenen individuellen Fortschritte machen. Zu Beginn meiner Hospitationen war mir nicht klar, wie man dem individuellen Leistungsstand eines jeweiligen Kindes gerecht werden kann, doch nach einiger Zeit haben sich auch für mich neue Erkenntniswege aufgetan.

Der Umgang mit der Leistungsheterogenität im Allgemeinen und der Umgang mit Leistungsheterogenität innerhalb einer jahrgangsgemischten Klasse im Speziellen, haben mich während meines kompletten Studiums interessiert, so dass ich mich innerhalb meiner wissenschaftlichen Hausarbeit für das erste Staatsexamen mit diesem Thema näher beschäftigen möchte. Wichtig ist mir, mich mit einem Thema zu beschäftigen, welches direkt etwas mit der Praxis meiner späteren Grundschularbeit zu tun hat. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Hausarbeit erhoffe ich mir, neue Sichtweisen und Ideen für den Umgang mit Leistungsheterogenität innerhalb der Wochenplanarbeit anzueignen.

Zunächst möchte ich mein methodisches Vorgehen erläutern:

Zu Beginn der wissenschaftlichen Hausarbeit möchte ich als erstes auf das Profil der Evangelischen Grundschule in Bruchköbel-Oberissigheim näher eingehen, um dann in einem weiteren Schritt das pädagogische Konzept der Schule und das Lernen in altersgemischten Gruppen zu beschreiben. Im Anschluss daran werde ich mich der reformpädagogischen Idee Peter Petersens widmen und über die Formen des Unterrichtens in Stammgruppen schreiben.

Der sich daran anschließende Teil dieser wissenschaftlichen Hausarbeit beschäftigt sich ausgiebig mit der Wochenplanarbeit. Hier sollen unter anderem die Rahmenrichtlinien und die Pädagogische Intention der Wochenplanarbeit näher beleuchtet werden, um dann im Anschluss sowohl auf die Organisation der Wochenplanarbeit als auch auf die Vor- und Nachteile näher einzugehen. In diesem Abschnitt soll es zunächst nur um die eigentliche Wochenplanarbeit an sich gehen.

Der zweite große Teil befasst sich dann mit dem Umgang mit Leistungsheterogenität. Hier sollen unter anderem die verschiedenen Möglichkeiten der Differenzierung aufgezeigt werden. Im Anschluss daran wird dann auf die Leistungsheterogenität innerhalb der Stammgruppe 3/4 der Evangelischen Grundschule Oberissigheim näher eingegangen. Hier soll geklärt werden ob die Leistungsheterogenität nur innerhalb der kompletten Stammgruppe oder auch innerhalb der einzelnen Jahrgänge existiert.

Der darauf folgende Teil versucht die vorherigen Abschnitte miteinander zu verbinden. Nun geht es um die Frage, wie man mit der Leistungsheterogenität innerhalb der Wochenplanarbeit in jahrgangsübergreifenden Gruppen umgehen kann. Wichtig ist mir hierbei, dass deutlich wird, dass der Wochenplan als eine spezifische Chance für den Umgang mit Leistungsheterogenität angesehen werden kann.

Im Folgenden werden verschiedene Wochenpläne der Evangelischen Grundschule Oberissigheim miteinander verglichen. Innerhalb dieses Vergleichs, der die Entwicklung der Wochenplanarbeit an der Evangelischen Grundschule in Oberissigheim aufzeigt, soll es um die Frage gehen, in wie weit der Wochenplan die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schülerinnen und Schüler der Stammgruppe 3/4 differenziert.

Der nächste Abschnitt dieser Arbeit soll sich dann mit den Ergebnissen meines Interviews befassen. Hier werde ich die Ergebnisse des, mit einer Lehrerin der Evangelischen Grundschule Oberissigheim geführten, Interviews darstellen.

Die Auswertung meines Vergleichs, des Interviews und meiner Hospitationen sollen einen Einblick in die alltäglichen Möglichkeiten des Umgangs mit Leistungsheterogenität innerhalb der Wochenplanarbeit in einer jahrgangsgemischten Gruppe geben, aufbauend auf den vorangegangenen theoretischen Teil.

Als Abschluss dieser wissenschaftlichen Hausarbeit soll zum Einen Bilanz dieser wissenschaftlichen Hausarbeit gezogen werden und zum Anderen der Frage nachgegangen werden, ob jahrgangsübergreifendes Lernen nicht von sich aus einen anderen Umgang mit Leistungsheterogenität fördert.

2.) Evangelische Grundschule Oberissigheim

Im Rahmen meiner Examensarbeit habe ich an der Evangelischen Grundschule Oberissigheim hospitiert, um mir den Umgang mit Leistungsheterogenität innerhalb der Wochenplanarbeit genauer anzuschauen. Doch zunächst einmal möchte ich auf das Profil der Schule näher eingehen.

Die Evangelische Grundschule Oberissigheim ist eine von drei Grundschulen in Bruchköbel. Sie liegt im Ortsteil Oberissigheim, der 1450 Einwohner zählt. Die Evangelische Grundschule Oberissigheim beherbergt mittlerweile vier Lehrerinnen, eine Erzieherin, eine FSJlerin, zwei Integrationshelfer und zwei Förderschullehrerinnen, die stundenweise zur beratenden Unterstützung zur Verfügung stehen, sowie 78 Schülerinnen und Schüler. Die Evangelische Grundschule in Bruchköbel-Oberissigheim hat ihren Schulbetrieb am 01. August 2003 zunächst mit zwei Gruppen der Jahrgangsstufe 1 und 2 aufgenommen. Insgesamt wurden zu diesem Zeitpunkt 32 Schülerinnen und Schüler eingeschult, sowie zwei Lehrerinnen eingestellt. Das soziale Umfeld der Evangelischen Grundschule Oberissigheim lässt sich auf deren Besonderheit, eine kleine Dorfschule zu sein, zurückzuführen. Im Schulprogramm der Evangelischen Grundschule Oberissigheim wird auf dieses soziale Umfeld hingewiesen: „Der Stadtteil Bruchköbel-Oberissigheim hat rd. 1.450 Einwohner und vereinigt die Vorteile einer intakten Dorfstruktur mit dem Leben und Arbeiten im Rhein-Main-Gebiet. Oberissigheim wurde als Standort für diese evangelische Grundschule ausgewählt, weil

- dort Eltern (…) die Initiative ergriffen und konkretisiert haben,
- der Kirchenvorstand und die Kirchengemeinde diese Initiative zu ihrer Sache gemacht haben (…)“ (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.3)

Dies zeigt, dass die Evangelische Grundschule Oberissigheim eine Schule ist, die sowohl von der Kirchengemeinde, als auch von den Eltern ins Leben gerufen wurde. Die Struktur einer ´Dorfschule´ trägt hier dazu bei, dass die Schule ihren familiären Charakter nicht verliert. Die Schülerinnen und Schüler, die diese Schule besuchen, „(…) lernen (…) den christlichen Glauben kennen, sie setzen sich mit ihm auseinander und können seine lebensgestaltende Kraft erfahren.“ (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.1).

Der Schulvormittag wird durch verlässliche Rhythmen und Rituale gestaltet. Sie strukturieren nicht nur den einzelnen Schultag sondern auch die Woche, den Monat und das Jahr. „Gleitender Schulanfang, gemeinsamer Schulbeginn, Unterrichtsphasen und Ess-, und Trink-, sowie Spielpausen, bilden die Grundstruktur eines Schulvormittags mit einer verlässlichen Schulzeit bis 12.00h für die Jahrgansstufen eins und zwei und bis 13.00h für die Jahrgangsstufen drei und vier“ (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.6).

Der Unterricht an der Evangelischen Grundschule Oberissigheim beginnt zwischen 7.45h und 8.00h mit einem offenen Anfang, während dessen sich die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Schulgebäudes frei bewegen und je nach Belieben innerhalb der Gruppenräume beschäftigen können.

Der Schultag wird mit einem gemeinsamen Kreis, an dem sich alle Gruppen beteiligen, im Forum der Schule eröffnet. Die gesamte Schule startet gemeinschaftlich mit Liedern, einem Gebet und einem Wunsch für den Tag, in den Tag. Danach begeben sich die Gruppen in ihre Gruppenräume und beginnen mit der Arbeitsphase I des jeweiligen Schultages. Zu Beginn dieser ersten Arbeitsphase findet in jeder Gruppe ein Morgenkreis statt, in dem die Kinder ausführlich von ihren alltäglichen Erlebnissen, besonders aber vom Wochenende, erzählen können. Die Zeit des Morgenkreises wird aber auch dazu genutzt, den Kindern die Möglichkeit zu geben, ein von ihnen selbst ausgesuchtes und vorbereitetes Lesestück den anderen Kindern vorzulesen. Dies ist ein Ritual, das von allen Lehrkräften eingehalten und gerne vollzogen wird. Auch den Kindern macht die Teilnahme am Morgenkreis sichtlich Spaß.

In der darauf folgenden Arbeitsphase I haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zwischen 8.10h und 9.40h an ihren Wochenplänen zu arbeiten oder sich gemeinsam mit der Lehrerin ein neues Thema, eine neue Arbeitsmethode oder dergleichen zu erschließen.

Von 9.40h bis 10.00h findet die Spielpause, die entweder auf dem schuleigenen Gelände (Bolzplatz, Wiese,…) oder bei Regen im Schulgebäude selbst statt. Im Anschluss daran, von 10.00h – 10.15h findet im jeweiligen Gruppenraum eine gemeinsame Ess- und Trinkpause statt. In der Pause besteht die Möglichkeit Spielgeräte, wie zum Beispiel Bälle, Hüpfseile, Holzfahrzeuge und ähnliches auszuleihen.

Um 10.15h beginnt die Arbeitsphase II, in der entweder erneut am Wochenplan gearbeitet wird oder der Sport-, Kunst-, Musik- und Sachunterricht stattfindet. Die zweite Arbeitsphase endet um 11.45h, an sie schließt sich eine fünfzehnminütige Spielpause an. Während dieser Bewegungszeit ist auch Zeit für einen gemeinsamen Ausklang des Schultages für die Jahrgangsstufe eins und zwei.

Arbeitsphase III für die Jahrgangsstufe drei und vier startet um 12.00h und endet um 12.45h. Während dieser Zeit findet entweder ganz normaler Unterricht (Wochenplanarbeit, Kunst-, Musik-, Religions- oder Sachunterricht) oder das schulinterne Förderprogramm für die Jahrgangsstufen eins und zwei statt. Von 12.45h-13.00h findet erneut eine Pause statt.

Für die meisten Kinder endet der Schultag spätestens um 13.00h, doch auch jetzt gehen noch nicht alle Kinder nach Hause, denn von 12.45h – 13.30h findet der Förderunterricht für die Jahrgangsstufe drei und vier statt (vgl. Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.6f.). „Nach dem Unterricht besteht ein Betreuungsangebot (Angebot eines Mittagessens und einer begleiteten Spielzeit) in der Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Oberissigheim bis 15.00h (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S. 7) .“

Am Nachmittag werden verschiedene Arbeitsgemeinschaften angeboten. Hierzu zählen unter anderem Backen/Kochen, Schulgarten, Theater oder kreatives Gestalten. Der Schulchor, der zur gleichen Zeit stattfindet, wird von einer Lehrerin der Evangelischen Grundschule Oberissigheim geleitet. Diese Arbeitsgemeinschaften werden von Eltern, Mitgliedern des Fördervereins oder anderen Gliedern der dörflichen Gemeinschaft angeboten und durch den Förderverein verlässlich organisiert.

2.1) Pädagogisches Konzept

Die Evangelische Grundschule Oberissigheim hat ihr eigenes evangelisches Profil, welches wiederum in engem Kontakt mit dem pädagogischen Konzept der Schule steht. Diese Grundschule möchte den heranwachsenden Kindern ermöglichen, sich als von Gott und den Menschen angenommen zu erfahren, ihre Identität zu bilden und ihnen eine allgemeine Grundbildung zu vermitteln, auf die sie an den weiterführenden Schulen aufbauen können (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.2).

Die Unterrichtsgestaltung orientiert sich an dem Leitgedanken des Hessischen Rahmenplans der Grundschule von der wechselseitigen Abhängigkeit und Verknüpfung von Erziehung, Unterricht und Schulleben und wird mit dem schuleigenen Curriculum, das auf das evangelische Konzept der Schule eingeht, ergänzt.

Die didaktischen Prinzipien und Leitsätze der Evangelischen Grundschule Oberissigheim lassen sich in elf Unterpunkte gliedern:

1.) Der Unterricht beinhaltet ein breites Angebot mit unterschiedlichen intellektuellen und kognitiven Herausforderungen, das jedem Kind nach seinen Lernvoraussetzungen, Begabungen, Bedürfnissen und auch Neigungen offen steht. Dadurch wird die individuelle Förderung und Forderung gleichermaßen ermöglicht und das Lerntempo, die Aufgabenstellung und der Schwierigkeitsgrad individuell angepasst. Auf diese Weise kann die Schule sowohl den Anforderungen der lernschwachen, als auch den Anforderungen der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler gerecht werden. (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.6f.)
2.) Das Prinzip „fördern statt ausgliedern“ wird am Beispiel von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf deutlich. Soweit es dem einzelnen Kind dienlich und im Rahmen der Schule realisierbar ist, werden auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Schule aufgenommen. (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7)
3.) Der Schulvormittag wird, wie in Punkt 2 bereits beschrieben, rhythmisiert, dabei wird der Unterricht selbst in zwei bis drei Blöcken über den Vormittag verteilt. Dadurch entsteht eine größere Flexibilität in der Gestaltung des Unterrichtsvormittages. (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7)
4.) Feste Öffnungszeiten, wie in Punkt 2 bereits beschrieben, werden garantiert, das hat zur Folge, dass kein Kind wegen Unterrichtsausfall oder dergleichen früher von der Schule nach Hause geschickt wird. Die Kinder der Jahrgangsstufe eins und zwei werden bis 12.00h, die Kinder der Jahrgangsstufe drei und vier bis 13.00h beaufsichtigt. (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7)
5.) „Vom Morgenkreis zum Vortrag; Morgenkreis und Abschlussritual gestalten den Tag und geben Raum, Erlebtes anderen zu berichten. Weiterhin bieten sie den Schülern Gelegenheit, sich in der freien Rede zu üben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Erlebtes zusammenzufassen. Zugleich werden die Schüler dabei entdecken, dass gemeinsam Erlebtes unterschiedlich wahrgenommen und gewichtet wird.“ (Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7).
6.) „Wochenplan und Freiarbeit; offene Unterrichtsformen und freies Lernen fördern die Eigeninitiative, Selbststeuerung und Selbstständigkeit und ermöglichen ein individuelles Lerntempo.“ (Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7).
7.) Lebensnahes und ganzheitliches Lernen stehen im Zentrum des pädagogischen Konzeptes. Die Kinder sollen erfahren, dass Körper, Geist und Seele nicht auf unterschiedliche Bereiche oder Fächer aufgeteilt werden. Der mehrdimensionale Zugang zu einem Thema, einem Sachverhalt oder ähnlichem wird angestrebt. (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7).
8.) Außerschulische Lernorte sollen, so oft es geht und so oft es die jeweilige Thematik im Unterricht zulässt, wahrgenommen werden (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.7f.).
9.) Unter dem Aspekt der Verlangsamung sollen die Lehrkräfte der Schule Zeit haben, auf die kleinen und großen Fragen der Schüler einzugehen und die Kinder so zu ermutigen, ihre Hypothesen und Antwortversuche auf ihre Fragen zu formulieren (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.8).
10.) Fächerübergreifendem Arbeiten, sowie Arbeits-, Feier- und Erfahrungsformen soll in der Schule durch Projekte aber auch durch Phasen der Freiarbeit Raum gegeben werden (vgl. Gesamtkonzept Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.8). Feste und Feiern haben im pädagogischen Konzept der Evangelischen Grundschule Oberissigheim einen hohen Stellenwert. So hat sich „(…) eine Art eigener Festkalender der Schule entwickelt. Beginnend mit einer Monatsfeier im Februar, die grundsätzlich von Kindern für Kinder veranstaltet wird und an der Schülerinnen und Schüler Gelerntes präsentieren, dem Frühlingsfest vor den Osterferien, übergehend in das Sommerfest, das Herbstfest und mündend in der Adventsfeier vor Weihnachten, entwickelte sich eine schuleigene Feierkultur. Die Zeit zwischen den größeren Festen ist immer wieder bereichert von Monatsfeiern, die in Monaten ohne Ferien stattfinden.“ (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.10)

Auf den elften Punkt, nämlich der Leitidee des Lernens in altersgemischten Gruppen, wird im folgenden Abschnitt genauer eingegangen.

2.2) Lernen in altersgemischten Gruppen

Die Schule vertritt ein reformpädagogischorientiertes Konzept. Ihr pädagogisches Handeln ist auf die Jenaplan-Pädagogik von Peter Petersen gestützt. Für die innere Schulorganisation werden Stammgruppen gebildet.

Das Lehren und Lernen in altersgemischten Gruppen hat viele Vorteile, so fördert es zum Beispiel die Offenheit der Kinder verschiedener Alters- und Entwicklungsstufen untereinander. Diese alters- und entwicklungsheterogenen Gruppen setzen sich wie folgt zusammen:

Es gibt jeweils zwei Stammgruppen, in denen die Jahrgangsstufen eins und zwei gemeinsam unterrichtet werden und es gibt jeweils zwei Stammgruppen, in denen die Jahrgangsstufen drei und vier gemeinsam Unterrichtet werden. Im Schulprogramm der Evangelischen Grundschule wird die Bildung von Stammgruppen folgendermaßen begründet: „Jahrgangsübergreifende Gruppen stärken das soziale Leben und Lernen. Das einzelne Kind kann hier individuell gefördert werden. In altersgemischten Lerngruppen finden die Kinder familienähnliche Altersstrukturen. Im Umgang miteinander erfahren sie ein „Geben“ und „Nehmen“ in stetiger Abwechslung. Die Entwicklung von Akzeptanz und Toleranz wird positiv beeinflusst und dabei die Teamfähigkeit gefördert. Der Entwicklung des Selbstbewusstseins kommt eine hohe Bedeutung zu und im Austausch mit den anderen Kindern der Lerngruppe wird die eigene Lernentwicklung nachvollziehbar (Schulprogramm Evangelische Grundschule Oberissigheim, S.6).

In den Stammgruppen arbeiten die Schülerinnen und Schüler fächerübergreifend und projektorientiert. Feste Bestandteile des Schultages sind unter anderem: Wochenpläne, Gruppenarbeit, Gespräche, Feste und Feiern, die die Kinder in ihrer Entwicklung und Selbstständigkeit fördern sollen.

Der Wochenplan, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, bietet den Kindern Gelegenheit Patenschaften füreinander zu übernehmen. So helfen die leistungsstärkeren Kinder den leistungsschwächeren Kindern. Dabei ist es von keinerlei Bedeutung, ob ein Kind der höheren oder niedrigeren Jahrgangsstufe einem leistungsschwächeren Kind etwas erklärt. Hierbei ist lediglich das ´Voneinander und Miteinander´ lernen von Bedeutung. Die Kinder lernen innerhalb solcher Arbeitsphasen Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen und entwickeln dabei eine gewisse Selbstständigkeit. Gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit können aber nicht nur in den Fächern Deutsch, Mathe, Sachunterricht gefördert werden, sie können auch in fächerübergreifenden Projekten, in denen die Bereiche Sport, Musik oder auch Kunst einbezogen werden, angeregt werden (vgl. Faust-Siehl 1999, S.52).

2.3) Unterrichten in Stammgruppen

Statt der üblichen Jahrgangsklasse, hat der Reformpädagoge Peter Petersen das System der Stammgruppen eingeführt. Petersen versteht unter einer Stammgruppe: „(…) eine Sozialform, die sich unter Führung eines erwachsenen Erziehers planvoll gestaltet, absichtlich Mittel der geistigen Gemeinschaft sein will und unabhängig daran arbeitet, ihre Organisationseinheit als bloßes Mittel zu erhalten, sie niemals Selbstzweck werden lassen.“ ( Petersen 1968, S.26).

Die Stammgruppenbildung bei Petersen erfolgt nach folgendem System: Zum einen gibt es die Untergruppe, in der alle Kinder des 1.-3. Schuljahres vereint sind, zum anderen gibt es die Mittelgruppe, die alle Kinder des 4.-6. Schuljahres beinhaltet. Nach Petersen wird somit die Grundschulzeit nicht auf vier Jahre festgelegt, vielmehr erfolgt hier ein Übergang in die nächst höhere Stammgruppe nach dem dritten Schuljahr. Des Weiteren gibt es noch die Ober- sowie die Jugendlichengruppe. Die Obergruppe besteht aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge sechs bis acht, die Jugendlichengruppe aus den Jahrgängen acht bis zehn (vgl. Petersen, 1968, S.26f.).

Die Einrichtung solcher Jahrgangsklassen zielt bewusst auf die Heterogenität des tatsächlichen Lebens. Jedes einzelne Kind durchläuft normalerweise alle drei Jahre einen Gruppenwechsel. Ist das jeweilige Kind allerdings noch nicht in der Lage, in die nächst höhere Stammgruppe zu wechseln, kann es seiner individuellen Entwicklung entsprechend noch ein Jahr länger in seiner Stammgruppe bleiben (vgl. Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.39f.).

„Die Vereinigung von jeweils drei Jahrgängen ist keinerlei Willkür. Sie ergab sich in Jena. (…) Kinder einer solchen Phase – also von durchschnittlich drei Jahren – gehören irgendwie seelisch – und was noch wichtiger für den Pädagogen ist – allgemeinmenschlich enger zusammen, d.h. sie bedeuten etwas Besonderes füreinander, können sich gegenseitig besonders viel sein und geben“ (Petersen zitiert nach Laging 1999, S.126). Die vorherrschenden Altersunterschiede innerhalb dieses Prinzips der Stammgruppen fördern die geistige, sowie die allgemeine Gemeinschaft. Die Kinder lernen von Anfang an mit der vorhandenen Heterogenität umzugehen. Konkurrenzkampf, wie er in Jahrgangsklassen häufig vorzufinden ist, findet eher selten statt. Die Schülerinnen und Schüler lernen das jeweilige Wissen der Mitschülerinnen und Mitschüler zu nutzen. Sie lernen Hilfe von anderen Kindern anzunehmen, aber auch anderen Kindern bei deren Problemen zu helfen.

Der eigentliche Unterricht findet nicht wie in vielen Jahrgangsklassen frontal statt, sondern in ´ gruppenunterrichlichen Verfahren´. Die jeweilige Stammgruppe kann während dieser Zeit selbstständig an ein- bis zwei- und viersitzigen Tischen arbeiten. Schon in der Untergruppe sollen die Schülerinnen und Schüler vom ersten Schultag an Lesen, Schreiben und Rechen, sowie Malen und Zeichen (vgl. Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.86). Dem Lehrer kommt hierbei lediglich die Rolle des Wegbegleiters zu, der den Kindern unter anderem auf dem Weg zur Schrift hilft, ihnen bei Fragen zur Seite steht. Allerdings kann er auch dort eingreifen, wo es zu schädlichen Gruppenbildung innerhalb der ´gruppenunterrichtlichen Verfahren´ kommt (vgl. Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.86).

Für das erste Schuljahr findet ein bis zweimal wöchentlich eine Stunde lang der ´Einführungskurs´ statt. Dieser Einführungskurs dient dazu, den Kindern: „ (…) das Verhalten im Schulraume, in die Anfänge des Lesens, Schreibens und Rechnens an Hand verschiedenartigster Arbeitsmittel, mit Hilfe von Lernspielen usw. einzuführen, sie den rechten Gebrauch zu lehren, (…)“ (Petersen zitiert nach Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.86).

Ab dem dritten Schuljahr gibt es zwei bis dreimal in der Woche die so genannten ´Niveau-Kurse´, die alle zur selben Tageszeit liegen müssen. Petersen sieht diese Kurse als eine Chance an, bei der es darum geht, sämtliche Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Begabungen auf so viele ´Niveau-Kurse´ zu verteilen, wie Lehrerinnen und Lehrer vorhanden sind. Diese Einteilung erfolgt allerdings nur in den Fächern Deutsch und Mathematik. Sinn und Zweck ist es die Schülerinnen und Schüler innerhalb dieser kleinen Gruppen besser betreuen und fördern zu können, da sie nach ihrer Intelligenz geordnet sind (vgl. Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.86f.).

Für die Kinder, die nach dem dritten Schuljahr in die Mittelgruppe wechseln, gibt es ´Einschulungskurse´, in denen sie: „(…) diese und jene Techniken für die Durchführung der jetzt anders gearteten Gruppenarbeit erlernen müssen, wie: Berichte anfertigen, Tabellen anlegen, Landkarten, besonders auch Nebenkarten richtig benutzen, und in neue Techniken eingeführt werden: Gebrauch von Tusche, Feder, (…)“ (Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.87).

Zusätzlich gibt es noch ´Wahlkurse´, welche dazu dienen, die Interessen und Begabungen der Kinder extra zu fördern. Schülerinnen und Schüler aus der Mittel-, sowie aus der Obergruppe treten diesen ´Wahlkursen´ freiwillig bei und verpflichten sich dabei für den angegebenen Zeitraum regelmäßig an dem jeweiligen Kurs teilzunehmen (vgl. Hansen-Schaberg/Schoning 2002, S.88).

3.) Wochenplanarbeit

Der Wochenplan wird oft im Zusammenhang mit den Begriffen ´Offener Unterricht´ und ´Freie Arbeit´, aber auch mit dem Begriff des ´jahrgangsübergreifenden Lernens´ innerhalb der pädagogischen und schulpolitischen Diskussion genannt. Der Unterricht geht vor allem auf den gesellschaftlichen Wandel und der daraus resultierenden Änderung von Schule und Unterricht ein. Er bietet die phasenweise Öffnung des Unterrichts für selbstständiges Lernen an.

Kinder haben vielfältige und unterschiedliche Lernwege und Arbeitsstile. Jedes Kind ist ausgestattet mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten, Interessen und Begabungen. Der Wochenplan bietet viele verschiedene Möglichkeiten zur Differenzierung und zum individuellen Lernen (vgl. Reiß/Eberle 1997, S.26f.).

Die Wochenplanarbeit soll im Folgenden als eine spezifische Chance für den Umgang mit Heterogenität innerhalb des Unterrichts beleuchtet werden.

3.1) Rahmenrichtlinien zur Wochenplanarbeit

Innerhalb des Rahmenplans wird die Wochenplanarbeit als ein Organisationsmodell beschrieben, welches flexibel im Unterricht eingesetzt werden kann und Lehrer und Kindern die Möglichkeit bietet, differenziert zu arbeiten.

Innerhalb der Wochenplanarbeit werden in der Regel Aufgaben aus unterschiedlichen Fächern ausgewählt und zusammengestellt. An jedem Tag in der Woche wird eine feste Wochenplanarbeitszeit festgelegt, während der die Schülerinnen und Schüler mit der Bearbeitung dieser Aufgaben beschäftigt sind (vgl. Hessisches Kultusministerium –Rahmenplan Grundschule 1995, S.287).

3.2). Pädagogische Intention des Wochenplans

Unter dem Begriff der ´Wochenplanarbeit´ wird ein Konzept der Unterrichtsorganisation verstanden (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.16). Das pädagogische Konzept der Wochenplanarbeit baut auf dem vorherrschenden Rahmenplan der Grundschule auf.

Durch den Wochenplan teilt der Lehrer den Schülerinnen und Schülern mit, welche Arbeitsleistungen diese innerhalb eines bestimmten Zeitraums (meistens innerhalb einer Woche) zu leisten haben. Des Weiteren dient der Wochenplan den Kindern als eine Art Orientierung. Er soll den Schülerinnen und Schülern helfen die Arbeitsaufträge selbstständig zu er- und zu bearbeiten (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.16). Dabei sollen die Aufgaben soweit wie möglich in Eigenverantwortung erledigt werden.

Dem Lehrer kommt hierbei die Rolle des Lernbegleiters zu. Von ihm gehen nur sehr wenige direkte Arbeitsanweisungen und Hilfen aus. Er steht allerdings Kindern zur Verfügung, die gemessen an ihrem individuellen Lernstand, wirklich Hilfe benötigen. Doch auch hierbei geht es darum, dem Kind lediglich beratend oder erklärend zur Seite zu stehen und es auf den richtigen Lösungsweg zu bringen.

Lernberatung bedeutet aber nicht nur die Kinder auf den richtigen Lösungsweg zu bringen, sondern sie auch mit den richtigen Arbeitsmethoden und Arbeitstechniken für den Umgang und für das Arbeiten und das Lernen mit dem Wochenplan vertraut zu machen (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.11ff.).

In Bezug auf die Leistungsheterogenität der Schülerinnen und Schüler ist die pädagogische Leitidee, die hinter der Wochenplanarbeit steht, die, dass nicht alle Schüler zur selben Zeit mit denselben Lernmethoden dieselben Aufgabenstellungen erledigen (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.11f.).

Die Wochenplanarbeit ist für Lehrer geeignet, zu deren didaktischem Konzept es gehört, dass Unterricht am Interesse des Schülers ausgerichtet ist und dass Begriffe wie etwa ´Selbstständigkeit des Schülers´ oder differenziertes Lernen und Lehren zum täglichen Unterrichtsgeschehen dazu gehören. Auch dass der vorherrschende Unterricht auf handlungsorientierten Methoden aufgebaut ist, dass im Unterricht selbstständig gedacht und gehandelt wird und dass soziale Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Teamfähigkeit oder Kooperationsfähigkeit herrschen, sollten für den Lehrer wichtige Leitideen sein.

3.3) Organisation des Wochenplans

Um mit der Wochenplanarbeit beginnen zu können, müssen zunächst einmal die räumlichen Bedingungen, wie zum Beispiel Sitzordnung, frei zugängliche Lese- und Übungsecken, Platz für den Morgenkreis oder den generellen Stuhlkreis, eine Spielnische, sowie erreichbare Lern- und Übungsangebote mit Materialien geschaffen werden.

Nachdem die räumlichen Bedingungen geschaffen sind, muss man mit den Kindern die Lern- und Übungsangebote sowie die Materialien besprechen. Dies kann auf der Grundlage einer Einführung durch die Lehrkraft erfolgen. Im Anschluss daran kann damit begonnen werden, mit den Schülerinnen und Schülern die unterschiedlichen Arbeitsformen wie zum Beispiel Einzel-, Gruppen- oder Partnerarbeit zu erarbeiten. Die Kinder können diese Lern- und Arbeitsverfahren nun einüben. Die sozialen Regeln, die das Arbeiten mit dem Wochenplan erleichtern sollen, müssen gemeinsam mit den Kindern entwickelt werden.

Zu Beginn der Woche erhalten die Kinder einen schriftlichen Plan, auf dem die verschiedenen Aufgaben vermerkt sind. Abhängig davon, ob es sich um einen fachbezogenen oder einen fächerübergreifenden Wochenplan handelt, stammen die Aufgaben entweder nur aus einem Fach (zum Beispiel Mathematik) oder aus mehreren Fächern (zum Beispiel Mathe, Deutsch, Sachunterricht, Kunst oder dergleichen).

Die Wochenplanstunden sind im Stundenplan fest verankert, so gibt es an vielen Schulen täglich zum Beispiel einen Arbeitsblock von zwei Schulstunden, an dem die Kinder ihre Wochenpläne bearbeiten oder fertig stellen können.

Dabei entscheiden die Schülerinnen und Schüler selbst in welcher Reihenfolge, in welchem Lerntempo und in welcher Sozialform sie die Aufgaben erledigen möchten. Das Bearbeiten der Aufgaben in Einzel-, Partner-, oder Gruppenarbeit ist allerdings immer abhängig von der jeweiligen Aufgabenart und der jeweiligen Aufgabensituation (vgl. Claussen 1996, S.54f.).

Was passiert jedoch, wenn der Wochenplan am Ende der Woche von einigen Schülerinnen und Schülern nicht fertig gestellt wurde? Wenn die Kinder aus Überforderung mit dem Wochenplan nicht fertig werden, so kann das verschiedene Bedeutungen haben. Zum einen kann die Struktur des Wochenplans für einige Kinder zu unübersichtlich sein. Diese Kinder warten dann häufig auf Anweisungen des Lehrers. Hier könnte die Lehrkraft versuchen den Wochenplan so zu konzipieren, dass für diese Kinder die Struktur erkenntlicher wird und sie lernen können, ihre Zeit sinnvoll einzuplanen (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.42). Zum anderen können manche Teilaufgaben für einige Schülerinnen und Schüler inhaltlich zu schwierig sein. Hier besteht die Möglichkeit, dass diese bestimmte Aufgabe mit Begründung von der Lehrerin oder dem Lehrer erlassen werden, oder eine andere Aufgabe gestellt werden kann, die von dem Kind eigenständig bearbeitet werden kann. Oft reicht es aber schon aus, wenn die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern weitere notwendige Informationen, die zur Bearbeitung der Aufgabe nützlich sein könnten, gibt (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.42). Denkbar ist aber auch, dass „(…) zu viele Aufgaben, die als einzelne nicht zu schwierig sind, in einer begrenzten Zeit bearbeitet werden sollen.“ (Huschke/Mangelsdorf 1995, S.42). Hier wäre es entweder sinnvoll den Schülerinnen und Schülern einen Teil des Plans zu erlassen, oder weitere Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel in Freiarbeitsstunden oder während des Differenzierungsunterrichts (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.42f.).

3.3.1) Aufbau des Wochenplans

Der Wochenplan, der dem Schüler entweder als Blatt ausgeteilt wird, oder der gut sichtbar als Plakat in der Klasse aufgehängt wird, enthält grundlegende Angaben wie zum Beispiel die Wochenplannummer, das Datum, den Namen des Kindes, die Klasse und verschiedene Symbole für die unterschiedlichen Fächer, die Methoden oder die Sozialformen (vgl. Peschel 2002, S.14).

Der Wochenplan enthält sowohl einen Pflichtteil als auch einen Wahl(pflicht-)teil oder Zusatzaufgaben zur Differenzierung. Die Aufgaben des Pflichtteils sind so gewählt, dass sie möglichst von allen Kindern bewältigt werden können. Bei schwächeren Schülerinnen und Schülern ist auch eine Reduzierung des Pflichtteils möglich (vgl. Claussen 1996, S.55f.). Innerhalb des freiwilligen Teils, der bearbeitet werden soll, wenn die Schülerinnen und Schüler ihren Pflichtteil abgeschlossen haben, können die Kinder nach ihren eigenen Bedürfnissen, ihrem individuellen Können und ihren persönlichen Vorlieben auswählen. Sofern es keinen direkten Zusammenhang oder eine logische Reihenfolge der Aufgaben gibt, können die Kinder selbst entscheiden, wann sie welche Aufgaben wie erledigen. Aus der Gliederung des Wochenplans muss deutlich werden, welche Aufgaben zusammen gehören oder nacheinander bearbeitet werden müssen (vgl. Huschke/Mangelsdorf 1995, S.17).

Die auf dem Wochenplan vorfindbaren Arbeitsanweisungen sollten möglichst klar und einfach formuliert sein.

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Details

Seiten
74
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638859608
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83138
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,89
Schlagworte
Umgang Leistungsheterogenität Wochenplanarbeit Gruppe Schuljahr)

Autor

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Titel: Umgang mit Leistungsheterogenität - Wochenplanarbeit in einer jahrgangsgemischten Gruppe (3./4.Schuljahr)