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Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken

Diplomarbeit 2006 96 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Begriffsabgrenzungen
2.1.1 Risiko und Liquidität
2.1.2 Liquiditätsrisiken in Banken
2.1.3 Liquiditätsrisikomanagement im Kontext des Risikophasenmodells
2.2 Entwicklungen im Liquiditätsmanagement von Banken

3 Aufsichtsrechtliche Anforderungen und gesetzliche Bestimmungen
3.1 Quantitative Anforderungen
3.2 Qualitative Anforderungen

4 Methoden im Liquiditätsrisikomanagement von Banken
4.1 Messung von Liquiditätsrisiken
4.1.1 Anforderungen an die Methoden
4.1.2 Risikomaße
4.1.3 Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken
4.1.3.1 Liquiditätskoeffizienten des Grundsatzes II
4.1.3.2 Risikostrukturkennzahlen
4.1.3.3 Liquiditätsablaufbilanz
4.1.3.4 Liquidity at Risk Konzept
4.1.3.5 Money at Risk Konzept
4.1.4 Beurteilung der Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken
4.1.4.1 Liquiditätskoeffizienten des Grundsatzes II
4.1.4.2 Risikostrukturkennzahlen
4.1.4.3 Liquiditätsablaufbilanz
4.1.4.4 Liquidity-at-Risk-Konzept
4.1.4.5 Money at Risk Konzept
4.1.5 Zusammenfassende Beurteilung
4.2 Bewertung von Liquiditätsrisiken
4.3 Steuerung von Liquiditätsrisiken
4.3.1 Methoden zur Steuerung von Liquiditätsrisiken
4.3.1.1 Aktive Steuerungsmaßnahmen und deren Instrumente
4.3.1.2 Passive Steuerungsmaßnahmen und deren Instrumente
4.3.2 Beurteilung der Methoden zur Steuerung von Liquiditätsrisiken

5 Liquiditätsrisikomanagement in der Praxis

6 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Liquidität im Unternehmen

Abbildung 2: Risikoarten in Banken

Abbildung 3: Liquiditätsrisiken in Banken

Abbildung 4: Das Risikophasenmodell

Abbildung 5: Kennzahlen des Grundsatzes II

Abbildung 6: Ausgewählte Risikostrukturkennzahlen

Abbildung 7: Liquiditätsablaufbilanz und kumulierte Liquiditätsablaufbilanz

Abbildung 8: Beispiel für eine Ausgleichstransaktion

Abbildung 9: Risk Map

1 Einleitung

Liquidität, Rentabilität und Sicherheit stellen die finanzwirtschaftlichen Ziele von Kreditinstituten[1] dar. Die Liquidität kann dabei als unabdingbare Nebenbedingung für das unternehmerische Handeln angesehen werden, weil die Aufrechterhaltung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit die Voraussetzung für die Erwirtschaftung von

Gewinnen verkörpert.[2] Da bei Nichterfüllung von fälligen Zahlungsverpflichtungen unmittelbar die Existenz des Kreditinstitutes bedroht ist, scheint es sinnvoll zu sein, das Liquiditätsrisiko innerhalb des Risikomanagements eines Kreditinstitutes zu betrachten und geeignete Maßnahmen zu finden, dieses Risiko minimieren.[3] Allerdings spielte das Liquiditätsrisikomanagement in der Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle im Risikomanagement von Banken. Zurückführen lässt sich dieses u. a. auf die These: „Die Liquidität folgt der Bonität“.[4] Es wurde davon ausgegangen, dass jedes Kreditinstitut mit entsprechender Bonität bei einem Liquiditätsengpass am

Kapitalmarkt die notwendigen Mittel beschaffen kann. Mit Hilfe dieser These wurde in der Vergangenheit gegen die explizite Messung, Bewertung und Steuerung von

Liquiditätsrisiken argumentiert.[5] Die These kann jedoch aufgrund von aktueller Entwicklungen nicht weiter aufrecht gehalten werden. Es führen beispielsweise der Strukturwandel an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sowie der Strukturwandel in der Art der Finanzierungsquellen zu erhöhten Liquiditätsrisiken und damit auch zu erhöhten Liquiditätskosten, so dass die Betrachtung des Liquiditätsrisikos für die Kreditinstitute an Bedeutung gewinnt. Auch aufsichtsrechtlich wird zukünftig durch die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) eine Betrachtung aller wesentlichen Risiken – somit auch die Betrachtung des Liquiditätsrisikos – gefordert. Die MaRisk fokussieren dabei insbesondere eine qualitative Betrachtung der Risiken und fordern „angemessene Systeme für die Messung, Überwachung und Kontrolle“[6] derselben. In der Literatur wird aber darauf hingewiesen, dass anerkannte Methoden und Konzepte im Liquiditätsrisikomanagement fehlen.[7] Diese Problemstellung wird in den folgenden Ausführungen aufgegriffen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Methoden im Liquiditätsrisikomanagement vorzustellen und zu beurteilen. Es werden dabei neben den traditionellen auch die innovativen – neu entwickelten – Methoden zur Liquiditätsrisikomessung vorgestellt und kritisch begutachtet. Zudem werden die Methoden und Instrumente zur Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken erläutert und ebenfalls bewertet.

Die Vorgehensweise wird im Folgenden dargestellt: Im Anschluss an diese Einleitung werden im zweiten Kapitel grundlegende theoretische Abgrenzungen und Definitionen bereitgestellt und die aktuelle Bedeutung des Themas aufgezeigt. Deshalb werden zu Beginn wichtige Begriffe – die für die weiterführenden Ausführungen von zentraler Bedeutung sind – definiert und erläutert. Ferner werden die Entwicklungen im Liquiditätsrisikomanagement aufgezeigt, indem neben den traditionellen Liquiditätstheorien und den aktuellen Anforderungen im Bereich Liquiditätsmanagement die gegenwärtig gestiegene Bedeutung des Liquiditätsmanagements aufgezeigt wird.

Im dritten Kapitel werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen im Liquiditätsmanagement von Banken mit dem Ziel dargestellt, einen Überblick über die derzeitigen Regelungen zu geben und auf aktuelle Veränderungen – z. B. die Einführung der MaRisk – hinzuweisen.

Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet Kapitel vier. In diesem werden die Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken untersucht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken. Hier hat aufgrund der neuen qualitativen Anforderungen durch die MaRisk, eine starke Weiterentwicklung stattgefunden, indem z. B. neue Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken entwickelt wurden. Die Vorgehensweise zeichnet sich im ersten Teil des vierten Kapitels dadurch aus, dass zuerst – insbesondere auf Grundlage der Ansprüche der MaRisk – Anforderungen an die Methoden der Liquiditätsrisikomessung formuliert werden und auf die Risikomaße eingegangen wird. Im Anschluss daran werden Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken vorgestellt und kritisch auf Basis der formulierten Anforderungen beurteilt. Der zweite Teil beschäftigt sich im Anschluss mit der Bewertung von Liquiditätsrisiken. Die zentrale Frage lautet hier: Mit welchen Methoden kann das Ergebnis der Risikomessung bewertet werden, um Handlungsempfehlungen für angemessene Steuerungsmaßnahmen ableiten zu können? Nach Darstellung dieser Methoden liegt der Fokus auf den Steuerungsmaßnahmen. Es erfolgt eine Vorstellung der verschiedenen Steuerungsalternativen und eine Beurteilung im Hinblick auf deren Eignung zur Beeinflussung von Liquiditätsrisiken.

Das Kapitel fünf gibt einen Einblick in die Praxis, indem verschiedene empirische Datenquellen kombiniert werden. Anhand öffentlicher Quellen, wie z. B. dem Risikobericht in Geschäftsberichten, nimmt sich diese Kapitel vor, eine Antwort auf die Frage zu liefern, welche der vorgestellten Methoden in der Praxis des Liquiditätsrisikomanagements Relevanz besitzen.

Die Arbeit schließt im Kapitel sechs mit einem Fazit ab, in dem die wichtigsten

Erkenntnisse zusammengefasst werden und ein kurzer Ausblick gegeben wird.

2 Grundlagen

Ziel dieses Kapitels ist die Grundlagen für das gewählte Thema darzustellen. Besonders wichtig ist es deshalb wesentliche Begriffe zu erläutern und thematisch abzugrenzen. Diese Begriffsabgrenzungen erfolgen im ersten Teil dieses Kapitels. Im zweiten Teil werden die Entwicklungen im Liquiditätsrisikomanagement vorgestellt. Die traditionellen Liquiditätstheorien und die aktuellen Entwicklungen im Liquiditätsrisikomanagement werden thematisiert.

2.1 Begriffsabgrenzungen

Dieser Teil der Arbeit erläutert die für das Thema essentiellen Begriffe und beginnt im ersten Abschnitt mit Definitionen und Erläuterungen zu den Begriffen „Risiko“ und „Liquidität“. Darauf aufbauend erfolgt eine Einordnung der Liquiditätsrisiken in bankbetriebliche Risiken und eine Begriffbestimmung. Ebenso wird die besondere Bedeutung des Liquiditätsrisikos für Kreditinstitute herausgestellt. Weiterhin wird der Begriff „Liquiditätsmanagement“ beschrieben und in das Risikophasenmodell – welches ebenfalls vorgestellt wird – eingeordnet.

2.1.1 Risiko und Liquidität

In der Literatur sind insbesondere durch die große Verbreitung des Begriffs „Risiko“ in unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten zahlreiche Definitionen aufzufinden.[8] Dennoch lassen sich zwei Grundrichtungen der in der Betriebswirtschaftslehre verwendeten Definitionen erkennen: Zum einen handelt es sich um den ursachenbezogenen Ansatz aus der entscheidungstheoretischen Risikotheorie, der dem Eintritt bestimmter unsicherer Ereignisse Wahrscheinlichkeiten zuordnet. Zum anderen wird der wirkungsbezogene Ansatz beschrieben, der die Risikoauswirkungen in den

Fokus stellt.[9] Diese beiden Ansätze sind nicht unabhängig voneinander zu betrachten. Vielmehr wird die ursachenbezogene Interpretation der wirkungsbezogenen vorausgesetzt.[10]

Schulte und Horsch definieren aufbauend auf dem ursachen- und wirkungsbezogenen Ansatz den Begriff „Risiko“ folgendermaßen:

„Risiko resultiert ursachenbezogen aus der Unsicherheit zukünftiger Ereignisse – wobei dies regelmäßig mit einem unvollständigen Informationsstand einhergeht – und schlägt sich wirkungsbezogen in einer negativen Abweichung von einer festgelegten Zielgröße nieder.“[11]

Aufgrund der Tatsache, dass der Risikobegriff zentral für die hier dargestellten Ausführungen ist, bedarf es einer weiteren Ausdifferenzierung des wirkungsbezogenen Risikoansatzes. Diese Differenzierung erfolgt über die Begriffe des Risikos im engeren Sinne (i .e. S.) und des Risikos im weiteren Sinne (i. w. S.) die im Folgenden dargestellt werden. Während das Risiko i .w. S. positive oder negative Abweichungen einer stochastischen Zielgröße (Erwartungs- bzw. Mittelwert) von einem Referenzwert beschreibt, bezieht sich das Risiko i. e .S. nur auf die negativen Abweichungen.[12] Somit beschreibt die oben genannte Definition von Schulte und Horsch das Risiko i .e. S. Das Risiko i. e. S. wird für diese Arbeit zugrunde gelegt, da das Liquiditätsrisiko – wie später noch erläutert – immer in Form von negativen Abweichungen vom Referenzwert auftritt.

Der Begriff „Liquidität“ lässt sich ebenfalls in zwei verschiedenen Ausprägungen unterscheiden: Zum einen handelt es sich um die Liquidität auf Märkten und zum andren um die Liquidität einer Unternehmung.[13] Da diese Arbeit den Fokus auf die Methoden im Liquiditätsrisikomanagement von Banken legt, wird nur die Liquidität einer Unternehmung betrachtet.[14] Die ABBILDUNG 1 visualisiert die Differenzierungen des Begriffs Liquidität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Liquidität im Unternehmen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zeranski, S. (2005), S. 40-41.

Die Liquidität im Unternehmen lässt sich demnach in eine formale Liquidität – damit sind die aufsichtsrechtlichen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen[15] gemeint – und eine funktionale Liquidität untergliedern. Die funktionale Liquidität umfasst die dispositive und die strukturelle Liquidität.

Die dispositive Liquidität beschreibt die Sicherung der jederzeitigen, d.h. aktuellen Liquidität im Kreditinstitut und kann durch die Liquiditätsgleichgewichtsbedingung überprüft werden. Mit Hilfe dieser kann werktäglich kontrolliert werden, ob ausreichend Zahlungsmittel zur Verfügung stehen. Diese Überprüfung erfolgt, indem der Saldo des Anfangsbestandes an Zahlungsmitteln zuzüglich der Einzahlungen und abzüglich der Auszahlungen gebildet wird. Für ausreichende Liquidität sollte das Ergebnis größer oder gleich Null sein.[16]

Die strukturelle Liquidität dagegen sichert die Voraussetzungen für die dispositive Liquidität. Im bilanziellen wie auch im außerbilanziellen Geschäft nimmt sie eine Vorsteuerung vor, indem Geldversorgungs- und Geldverwendungsprozesse synchronisiert werden.[17]

Nach dieser differenzierten Betrachtung des Begriffs „Liquidität“ wird im Rahmen dieser Arbeit folgende Definition zugrunde gelegt:

„Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, jederzeit seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können“[18], d.h. die Zunahmen von Aktiva refinanzieren und die Verbindlichkeiten bei Fälligkeit erfüllen zu können.[19]

2.1.2 Liquiditätsrisiken in Banken

Das Liquiditätsrisiko spiegelt nur eine Risikoart wieder, die in Kreditinstituten von Bedeutung ist. In ABBILDUNG 2 werden weitere im Geschäft von Kreditinstituten relevante Risiken dargestellt und eine Einordnung des hier untersuchten Liquiditätsrisikos vorgenommen.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Risikoarten in Banken[21]

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Büschgen, H. E. (1998), S. 870; Becker, P./ Peppmeier, A. (2006), S. 390; BaFin (2005b), AT 2.2.

Kennzeichnend für das Liquiditätsrisiko in Banken ist, dass es nur in einer negativen Abweichung vom Referenzwert auftreten kann. Da zu wenig vorgehaltene Liquidität ein Kreditinstitut in Zahlungsschwierigkeiten bringen kann und zu viel vorgehaltene Liquidität negative Auswirkungen auf die Ertragslage hat[22], kann das Eingehen des Liquiditätsrisikos ausschließlich als Risiko und niemals als Chance interpretiert werden.

Für die weitere Verwendung des Begriffs Liquiditätsrisiko in dieser Arbeit, ist es hilfreich, das Liquiditätsrisiko[23] in seiner weiten und in seiner engen Fassung zu thematisieren. Das Liquiditätsrisiko i. w. S. beschreibt den Sachverhalt, dass der tatsächliche Zahlungsmittelbedarf größer ist, als der geplante Zahlungsmittelbedarf und somit nicht alle Forderungen termingerecht erfüllt werden können.[24] Das Liquiditätsrisiko

i. e. S. dagegen resultiert aus den zufälligen Schwankungen der Einzahlungen und Auszahlungen um die jeweiligen Erwartungswerte.[25] Bei diesen Schwankungen kann es sich genauso um betragsmäßige Abweichungen wie um zeitpunktbezogene

Abweichungen handeln.[26] Das Liquiditätsrisiko i. w. S. bezieht sich also auf die Liquiditätsrisiken, die auch durch andere Risikoarten entstehen, d.h. über alle Risikoarten subsumiert werden, wohingegen das Liquiditätsrisiko i. e. S. nur die Zahlungsabweichungen bei den jeweiligen Aktiv- und Passivgeschäften beschreibt.[27] Für die hier dargestellten Überlegungen wird das Liquiditätsrisiko i. e. S. zugrunde gelegt, da

einerseits der Einbezug der anderen Risikoarten als zu komplex angesehen wird und andererseits sich die in Kapitel vier untersuchten Methoden nur auf die Liquiditätsrisiken i. e. S. beziehen. Zur Verdeutlichung der Unterscheidung zwischen dem Liquiditätsrisiko i. e. S. und i. w. S. ist es hilfreich zwischen derivativen und originären

Liquiditätsrisiken zu unterscheiden. Derivate Liquiditätsrisiken sind die mittelbare Folge des Auftretens anderer Risikoarten[28] und werden hier nicht näher betrachtet. Originäre Liquiditätsrisiken resultieren dagegen unmittelbar aus Liquiditätsproblemen und können in Abruf-, Termin-, und Refinanzierungsrisiken unterteilt werden.[29] Die Summe aus derivativen und originären Liquiditätsrisiken beschreibt somit das Liquiditätsrisiko i. w. S. Originäre Liquiditätsrisiken sind nach der hier zugrunde gelegten Definition als Liquiditätsrisiken i. e. S. zu betrachten. In ABBILDUNG 3 wird dieser Zusammenhang graphisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Liquiditätsrisiken in Banken

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Büschgen, H. E. (1998), S. 900 und Zeranski, S. (2005), S. 50.

Im Folgenden werden die drei Arten originärer Liquiditätsrisiken kurz beschrieben:

(1) Das Refinanzierungsrisiko[30] entsteht aufgrund positiver Fristentransformation[31], d.h. wenn die Kapitalbindungsfristen der Aktiva länger sind als die der Passiva.[32] Somit stehen langfristige Kredite kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber. Falls die Verbindlichkeiten dann nicht prolongiert oder durch Neugeschäft substituiert werden, entstehen Liquiditätsengpässe bei der Rückzahlung dieser Verbindlichkeiten.[33] Das Refinanzierungsrisiko wird als passiv bezeichnet, da es aus dem Passivgeschäft des Kreditinstitutes resultiert.[34]
(2) Das Terminrisiko entsteht aktivisch aufgrund von unplanmäßiger Verlängerung der Kapitalbindungsdauer des Aktivgeschäftes beispielsweise durch den verspäteten Eingang von Tilgungs- oder Zinszahlungen. Passivisch kann das Terminrisiko aufgrund von nicht geplanter vorzeitiger und vertragswidriger Verfügungen seitens der Einleger über ihr Guthaben vorkommen.[35]
(3) Auch das Abrufrisiko kann aktivisch und passivisch begründet sein. Aktivisch entsteht es aus der unerwarteten aber vertragskonformen Inanspruchnahme von Kreditlinien und passivisch aus dem unerwarteten Abzug von fälligen Einlagen durch die Kunden. Es besteht also darin, dass die tatsächliche Inanspruchnahme von Kreditlinien bzw. der tatsächliche Abzug von Einlagen über den Erwartungen liegt.[36]

Es lassen sich also zwei Hauptursachen für die beschriebenen Arten von Liquiditätsrisiken festhalten. Erstens die betragliche oder terminliche Kapitalbindungsfristentransformation und zweitens die autonome, vertragskonforme aber nicht erwartete oder die vertragswidrige[37] Disposition der Kunden.[38] Folglich stellen die Zahlungsströme innerhalb eines Kreditinstitutes einen wesentlich beeinflussenden Faktor des Liquiditätsrisikos dar. Jedes Kreditinstitut muss bei der Planung seiner Liquidität

neben den festen, bekannten Zahlungsströmen auch – soweit möglich – die autonomen Zahlungsströme[39] berücksichtigen.[40] Das Liquiditätsrisiko ist also signifikant von der detaillierten Kenntnis und dem effizienten Management der Zahlungsstromdifferenzen über alle Laufzeiten abhängig.[41] Charakteristisch für das Liquiditätsrisiko ist ebenso seine Dimensionalität. Der Begriff der Dimensionalität bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Liquiditätsrisiko bei Risikoeintritt durch schwankende Tragweiten[42] gekennzeichnet ist. Es können also bei Eintritt des Risikos verschiedene negative Abweichungen vom Zielwert vorkommen.[43]

Die eigenständige Steuerung der Liquidität wird durch die Unvollkommenheit der Geld- und Kapitalmärkte begründet; dieses führt dazu, dass die Liquidität im Unternehmen ein betriebswirtschaftliches Problem darstellt.[44] Informationsasymmetrien zwischen Kapitalnehmer und -geber, aber auch je nach Marktsituation unterschiedlich hohe Transaktionskosten führen dazu, dass der Geld- und Kapitalmarkt in der Realität nicht vollkommen ist. Damit wird die Steuerung der Liquidität für jedes Kreditinstitut zu einem notwendigen und an individuellen Maßstäben orientierten Handlungsfeld.

Besonders in Kreditinstituten wird im Vergleich zu Nichtbanken der Liquidität bzw. dem Liquiditätsrisiko eine hohe Bedeutung zugesprochen. Begründet werden kann diese These durch das hohe bewegte Liquiditätsvolumen einer Bank, aber auch dadurch, dass sich die Zahlungswirkungen eines Kreditinstitutes aus mehreren Quellen, genauer formuliert dem Aktiv-, Passiv-, und außerbilanziellen Geschäft, ergeben.[45] Ebenfalls ist anzumerken, dass Geldflüsse von Banken häufig komplexer sind und zusätzlich ineinander verflochten sein können.[46] Ein weiterer Grund für die hohe

Bedeutung der Liquidität in Kreditinstituten ist die schwierige Planbarkeit der zukünftigen Ein- und Auszahlungen, da Kreditinstitute zum einen aus Kulanzgründen häufig vertragswidrige Dispositionen der Kunden zulassen und zum anderen vertragskonforme Dispositionen der Kunden nur schwer einschätzen können, da diese autonom erfolgen.[47] In diesem Zusammenhang ist auch der „Vertrauensaspekt“ nicht zu vernachlässigen. Die Grundlage für Bankgeschäfte ist das Vertrauen der Kunden

gegenüber dem Kreditinstitut. Daher ist wichtig, dass die Liquidität auch Maximalbelastungen standhalten kann, womit das Vertrauen der Kunden gewahrt wird.[48] Letztendlich ist es die spezifische Finanzmittelstruktur, die von den Kreditinstituten durch ihren hohen Fremdkapitalanteil verkörpert wird. Dieser hohe Fremdkapitalanteil verpflichtet zu regelmäßigen Zahlungen an die Gläubiger und hat somit auch Einfluss auf die Liquiditätslage.[49]

Auch der Gesetzgeber deutet implizit durch aufsichtsrechtliche Anforderungen und gesetzliche Bestimmungen, die die Liquidität von Kreditinstituten überprüfen und bestimmte Vorgaben machen[50], auf die besondere Bedeutung der Liquidität in Banken gegenüber Nichtbanken hin. Gegenüber anderen Risikoarten in Banken kann bei den Liquiditätsrisiken eine Sonderstellung festgestellt werden. Liquiditätsrisiken werden zwar durch Vorgaben begrenzt, aber nicht – wie es bei anderen Risikoarten der Fall ist – mit Eigenmitteln unterlegt. Eine Begründung für diese Regelung kann u. a. sein, dass beispielsweise eine hohe Eigenmittelausstattung im Falle eines Bank Runs[51] das Liquiditätsproblem weder löst noch verbessert.[52] Dem entgegengesetzt muss angemerkt werden, dass Banken beispielsweise durch den Interbankengeldmarkt oder durch Geschäfte mit der Zentralbank mehr Möglichkeiten zur Liquiditätsbeschaffung haben als Nichtbanken.[53]

Trotzdem ist den Liquiditätsrisiken bei Banken eine höhere Aufmerksamkeit zu schenken als bei Nichtbanken. Im nächsten Teil dieser Arbeit folgen deshalb Ausführungen zum Liquiditätsmanagement und zur Liquiditätssteuerung in Banken.

2.1.3 Liquiditätsrisikomanagement im Kontext des Risikophasenmodells

Bevor der Begriff Liquiditätsmanagement in das Risikophasenmodell eingeordnet wird, erfolgt eine inhaltliche Abgrenzung: Aufgabe des Liquiditätsmanagement[54] ist es, die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Zahlungsmittelzuflüsse und -abflüsse durchzuführen, so dass die Zahlungsfähigkeit des Kreditinstitutes gesichert wird.[55] Die zukunftsorientierte Gestaltung der Liquiditätsposition, welche sich aus der

Gegenüberstellung von Liquiditätsrisiken und -reserven ergibt, kann also als Kernaufgabe des Liquiditätsmanagement identifiziert werden. Die Zahlungsströme aus der Geschäftstätigkeit dienen demnach als zentrale Prognose- und Steuerungsgröße für die Liquiditätssituation.[56] Dabei ist es das Ziel, die Liquiditätskosten unter der

Bedingung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit zu minimieren.[57] Aus dieser Zielsetzung lassen sich die folgenden Anforderungen für ein modernes bankbetriebliches Liquiditätsrisikomanagement ableiten:

- Der Einbezug bilanzieller und außerbilanzieller Positionen
- Die Berücksichtigung statischer und dynamischer Effekte
- Die Ausrichtung auf den Normalfall, aber auch auf den Krisenfall
- Der Einbezug verhaltensorientierter Annahmen[58]

Im Risikophasenmodell – dargestellt in ABBILDUNG 4 – lassen sich die Elemente Risikobeurteilung, -steuerung, -kommunikation und -überwachung als Liquiditätsrisikomanagement bezeichnen. In der Literatur sind zahlreiche Darstellungen des Risikophasenmodells[59] beschrieben. Die hier aufgeführten Grundelemente Risikoidentifikation, Risikobeurteilung, Risikosteuerung und Risikoüberwachung/ -kommunikation sind den MaRisk[60] entnommen und inhaltlich ergänzt worden. Die Betrachtung erfolgt im Hinblick auf das zu untersuchende Liquiditätsrisiko. Übergreifend über den einzelnen Phasen des Risikomanagementprozesses liegt die einheitliche Definition der Risiken, um eine systematische und strukturierte Erhebung der Risiken zu ermöglichen.[61] Auch die Formulierung einer Risikostrategie, die die unternehmensindivi-duelle Risikobereitschaft bzw. das angestrebte Sicherheitsniveau ausdrückt, ist

phasenübergreifend im Risikomanagementprozess anzusehen.[62]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Das Risikophasenmodell

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 18; Wimmer, K. (2004), S. 247; BaFin (2005b) AT4.3.2.

Die erste Phase des Risikophasenmodells ist die Risikoidentifikation, in der Risiken erkannt und erfasst werden, so dass alle Chancen und Risiken systematisiert und strukturiert werden können.[63] Bei der Risikobeurteilung – der zweiten Phase – wird innerhalb des Liquiditätsrisikomanagements eine möglichst vollständige quantitative Bewertung der Liquiditätsrisiken vorgenommen. Berücksichtigt werden hier auch mögliche Wechselwirkungen[64], so dass unter Umständen eine Risikoaggregation[65] möglich ist.[66] Im Anschluss daran erfolgt die Risikobewertung, indem die Risikoposition und die Risikotragfähigkeitskapazität – also die Risikovorsorge – gegenübergestellt werden. Dadurch ist das Kreditinstitut in der Lage abzuschätzen, ob es sich

eine Übernahme der Risiken leisten kann. Dieser Ansatzpunkt stellt einen der beiden Grundsätze einer ertragsorientierten Risikopolitik nach Schierenbeck dar und bildet die Entscheidungsgrundlage für Kreditinstitute, ob und in welcher Höhe Liquiditätsrisiken eingegangen werden.[67] Hieraus kann wiederum entsprechender Handlungsbedarf abgeleitet werden, der dann in Phase drei – der Risikosteuerung – umgesetzt wird.[68] Ziel der Risikosteuerung ist es, alle relevanten Risikopotenziale durch ein umfassendes Instrumentarium zu beeinflussen.[69] Die Möglichkeiten der Risikosteuerung werden in Kapitel vier genauer beschrieben. Die Phase vier des Risikophasenmodells überwacht die Genauigkeit und Aktualität der Analysemethoden genauso wie die Kosten und Nutzen der Steuerungsinstrumente und kontrolliert die organisatorische Umsetzung. Damit kann eventueller Handlungsbedarf in Bezug auf die Methoden und Verfahren erkannt werden und weitere Modifizierungen bzw. stetige Verbesserungen im unternehmensindividuellen Risikophasenmodell herbeigeführt werden.[70] Die Risikokommunikation an interne und externe Stellen schließt die letzte Phase des Risikophasenmodells ab. Diese eingeleiteten Modifizierungen oder die festgelegten Zeitraster stoßen einen neuen Risikomanagementprozess an, der wiederum in Phase eins beginnt.

2.2 Entwicklungen im Liquiditätsmanagement von Banken

Die Entwicklungen im Liquiditätsrisikomanagement von Banken reichen von traditionellen Liquiditätstheorien bis hin zu aktuellen Entwicklungen, die u. a. durch neu gestellte aufsichtsrechtliche Anforderungen gekennzeichnet sind. Daher stellt dieser Teil der Arbeit zuerst die traditionellen Liquiditätstheorien vor. Anschließend wird auf die gestiegene Bedeutung des Liquiditätsmanagements hingewiesen und diese

begründet. Zuletzt werden die aktuellen Regelungen für das Liquiditätsmanagement in Kreditinstituten genannt.

Zu den traditionellen Liquiditätstheorien zählen die Goldene Bankregel, die Bodensatztheorie, die Shiftability Theorie und die Maximalbelastungstheorie:

(1) Die von Hübner formulierte Goldene Bankregel fordert eine exakte betrags- und laufzeitmäßige Übereinstimmung von Aktiv- und Passivgeschäften. Zwar wurde sie im Geschäft von Kreditinstituten nie streng verwirklicht, wirkte sich aber dennoch erheblich auf das Denken in Kapitalüberlassungs- und Kapitalbindungsfristen der Kreditinstitute aus.[71]
(2) Die auf Wagner basierende Bodensatztheorie berücksichtigt zum einen das Prolongationsprinzip, welches besagt, dass fällige Einlagen nicht alle gleichzeitig von den Gläubigern abgezogen werden. Zum anderen wird das Substitutionsprinzip
ebenfalls miteinbezogen, da Wagner davon ausgeht, dass Verfügungen durch Kunden zum Teil durch neue Einlagen kompensiert werden. Aufbauend auf beide Prinzipien wird ein langfristiger Bodensatz bestehend aus kurzfristigen Einlagen zugrunde gelegt, der für langfristige Anlagen geeignet ist.[72]
(3) Die Shiftability Theory von Knies fordert eine Anlagepolitik, die darauf ausgerichtet ist, dass bei besonders hohen Liquiditätsbeanspruchungen liquide Mittel über die Veräußerung von Vermögensgegenständen vor deren vertraglicher Fälligkeit ohne größere Verluste beschafft werden können.[73]
(4) Die vierte traditionelle Liquiditätstheorie ist die von Stützel betrachtete Maximalbelastungstheorie. Diese Theorie verlangt, dass die Summe der Verluste beim vorzeitigen Verkauf von Vermögensgegenständen das Eigenkapital des Kreditinstitutes nicht übersteigen darf.[74]

Kritisch lässt sich zu den traditionellen Liquiditätstheorien anmerken, dass diese

Bezug zu Bilanzgrößen nehmen und nicht an liquiditätswirksamen Zahlungsströmen orientiert sind. Somit tragen sie zur Planung und Bestimmung der dispositiven Liquidität eines Kreditinstitutes nur bedingt bei.[75] Dieser kritische Gesichtspunkt trägt

sicherlich dazu bei, dass keiner dieser Ansätze allgemeine Anerkennung gefunden hat. Trotzdem stellen sie Anhaltspunkte für das Liquiditätsrisikomanagement in Kreditinstituten dar.[76]

Liquiditätsrisiken führten in der Vergangenheit im täglichen Geschäft von Kreditinstituten bei gesicherter Solvenz eher ein Schattendasein. In der wissenschaftlichen Forschung hinsichtlich des Risikomanagements von Banken spielten sie bisher eine untergeordnete Rolle. Begründet werden kann diese geringer Bedeutung von Liquiditätsrisiken durch die früher vorherrschende Meinung, dass Liquidität der Bonität

[...]


[1] Die Begriffe „Kreditinstitut“ und „Bank“ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

[2] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 896.

[3] Vgl. Bonn, R. (2006), S. 121.

[4] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 52.

[5] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 52.

[6] Vgl. Ramke, T./ Schöning, S. (2006), S. 681.

[7] Vgl. European Central Bank (2002), S. 29; Hölscher, R./ Haas, O. (2001), S. 901; Pfingsten, A./ Maifahrt, M./ Rieso, S. (2005), S. 36; Börner, S. (1998), S. 9; Zeranski, S. (2005), S. 4; Ensberg, P./ Früh, B. (2000), S. 238.

[8] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 14; Schiller, B./ Bitz, C. (2003), S. 36; Zeranski, S. (2005),

S. 48.

[9] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 14; Rolfes, B./ Krimße, S. (2000), S. 626.

[10] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 15.

[11] Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 15.

[12] Vgl. Schiller, B./ Bitz, C. (2003), S. 36. Auch Büschgen differenziert den Begriff Risiko ähnlich.

Allerdings bezeichnet er die positiven Abweichung vom Erwartungswert als Chance, vgl. Büschgen,

H. E. (1998), S. 865.

[13] Vgl. Buhl, C. (2004), S. 7. Meyer zu Selhausen und Schöning nehmen inhaltlich eine ähnliche

Untergliederung vor und unterscheiden in objektbezogene und subjektbezogene Betrachtungsweise, vgl. Meyer zu Selhausen, H. (1995), S. 1388; Schöning, S. (2004a), S. 385.

[14] Untersuchungen zur Liquidität auf Märkten sind bei Buhl zu finden und werden hier nicht näher betrachtet, vgl. Buhl, C. (2004), S. 19-177.

[15] Ausführliche Darstellungen zu den aufsichtsrechtlichen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen im Hinblick auf die Liquidität von Banken erfolgen in Kapitel drei.

[16] Vgl. Zeranski, S. (2005), S. 40-41; Bonn, R. (2006), S. 37.

[17] Vgl. Zeranski, S. (2005), S. 40. Angermüller, Eichhorn und Ramke unterscheiden zwischen struktureller und operativer Liquidität mit inhaltlich synonymen Erläuterungen, vgl. Angermüller, N. O./ Eichhorn, M./ Ramke, T. (2006a), S. 485.

[18] Becker, P./ Peppmeier, A. (2006), S. 46.

[19] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2000), S. 1.

[20] Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen den einzelnen Risikoarten werden hier nicht näher betrachtet. Ausführungen zum Zusammenhang zwischen Liquiditäts- und Erfolgsrisiken werden von Angermüller, Eichhorn und Ramke sowie von Büschgen beschrieben, vgl. Angermüller, N. O./ Eichhorn, M./ Ramke, T. (2006a), S. 481; Büschgen, H. E. (1998), S. 902. Neben der Erläuterung anderer Risikoarten werden von Wagner auch der Zusammenhang und die Wechselwirkungen von Liquiditätsrisiken zu anderen Risikoarten herausgestellt, vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 7-10.

[21] Eine sehr differenzierte Systematisierung der Risiken in Kreditinstituten nehmen Schulte und Horsch vor, vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 24. Für die in dieser Arbeit aufgeführten Untersuchungen ist allerdings die in Abbildung 2 dargestellte Kategorisierung ausreichend. Weitere Erläuterungen zu den genannten Risikoarten sind in Becker, P./ Peppmeier, A. (2006), S. 389-391; Schierenbeck, H. (2003), S. 3-8 oder Wimmer, K. (2004), S. 257 zu finden. Originäre Risiken resultieren unmittelbar aus der entsprechenden Risikoart und sind nicht Folge des Auftretens anderer Risikoarten, vgl. Hölscher, R./ Haas, O. (2001), S. 900.

[22] Wenn das Kreditinstitut mehr Liquidität als notwendig bereithält, verzichtet es auf Erträge, die durch eine rentablere Mittelverwendung der überschüssigen Liquidität hätten entstehen können.

[23] Auch beim Liquiditätsrisiko kann zwischen subjektivem, d. h. der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens, und objektivem Liquiditätsrisiko, d. h. der Fähigkeit von Vermögensgegenständen diese zu liquidieren, unterschieden werden, vgl. Meyer zu Selhausen (1995), S. 1388. Allerdings wird hier von der Betrachtung des Liquiditätsrisikos auf Märkten abgesehen und es erfolgen nur Erläuterungen zum Liquiditätsrisiko von Unternehmen.

Ausführungen zur direkten Verknüpfung zwischen den beiden Begriffen des Liquiditätsrisikos sind bei Buhl zu finden, vgl. Buhl, C. (2004), S. 8.

Im weiteren Verlauf der Arbeit ist ebenfalls mit der Verwendung des Begriffs „Liquiditätsrisiko“ oder „Liquidität“ immer der Bezug zum Unternehmen zu sehen und nicht der Bezug zum Markt.

[24] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 896. Bauer unterscheidet in diesem Zusammenhang ähnlich und beschreibt das Liquiditätsrisiko i. w. S. als „Risiko der Illiquidität einer Bank“, Bauer, A. (1991), S. 2.

[25] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 896 oder Bauer, A. (1991), S. 2. Debus und Kreische sowie Krumnow differenzieren bei der Abgrenzung des Begriffs „Liquiditätsrisiko“ nicht zwischen zwei Betrachtungsebenen, sondern beschreiben nur das Liquiditätsrisiko i. e. S., Vgl. Debus, K./ Kreische, K. (2006), S. 59 oder Krumnow, J. (2000), Begriff „Liquiditätsrisiko“.

[26] Vgl. Hölscher, R./ Haas, O. (2001), S. 900.

[27] Vgl. Bauer, A. (1991), S. 2.

[28] Als Beispiel können die Erfolgsrisiken und die operationellen Risiken genannt werden. Diese können nicht nur ertragsmindernde Effekte, sondern auch liquiditätsmäßige Konsequenzen mit sich bringen, vgl. Hölscher, R./ Haas, O. (2001), S. 900. Literaturhinweise zu Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen den einzelnen Risikoarten sind in Fußnote 20 zu finden.

[29] Vgl. Hölscher, R./ Haas, O. (2001), S. 900.

[30] In der Literatur finden sich für den Begriff „Refinanzierungsrisiko“ auch die Begriffe „Substitutionsrisiko“, „passivisches Liquiditätsrisiko“ oder „Liquiditätsanpassungsrisiko“, vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 900; Becker, P./ Peppmeier, A. (2006), S. 47.

[31] Fristentransformation in Kreditinstituten beschreibt entweder ungleiche Zins- oder Kapitalbindungsfristen des Aktiv- und Passiv-Geschäftes. Hier liegt der Fokus folglich auf den differierenden Kapitalbindungsfristen im Aktiv- und Passiv-Geschäft, aus denen direkt Liquiditätsrisiken resultieren. Unterschiedliche Zinsbindungsfristen dagegen haben Zinsänderungsrisiken zur Folge, die wiederum nur indirekt Auswirkungen auf die Liquidität eines Kreditinstitutes haben und daher hier nicht weiter untersucht werden.

[32] Die Kapitalbindungsfrist ist i. d. R. beim Aktivgeschäft höher als beim Passivgeschäft. Dies resultiert zum einen aus den Präferenzen der Kunden (Tendenz bei Krediten eine feste Kalkulationsgrundlage zu haben) und zum anderen durch die Erfolgserwartung des Kreditinstitutes durch Fristentransformation der Aktiva und Passiva bei normaler Zinsstruktur (steigende Zinsen bei steigender Kapitalbindungsdauer) die eigene Ertragslage zu verbessern.

[33] Vgl. Schöning, S. (2004a), S. 386.

[34] Vgl. Schöning, S. (2004a), S. 386; Schierenbeck, H./ Seidel, E./ Rolfes, B. (1998), S. 125.

[35] Vgl. Zeranski, S. (2005), S. 51 oder Büschgen, H. E. (1998), S. 900. Das Terminrisiko wird in der Literatur unterschiedlich definiert. So beschreibt Schöning z. B., dass das Terminrisiko aus Verzögerungen oder Ausfällen der Zahlungsmitteleingänge resultiert, vgl. Schöning, S. (2004a), S. 386. Genau gesehen lässt sich allerdings der Ausfall von Zahlungsmitteleingängen dem Ausfallrisiko und somit den Erfolgsrisiken zuordnen. Brüggestrat dagegen beschreibt das Terminrisiko lediglich als aktivisches Risiko und stellt die vorzeitige Verfügung von Einlagen als Abrufrisiko dar, vgl. Brüggestrat, R. (1990), S. 91. Büschgens Ausführungen sind inhaltlich die Grundlage für die Ausführungen von Zeranski, vgl. Zeranski, S. (2005), S. 51. Aufgrund der sehr detaillierten Betrachtung, logischen Argumentation und der für den weiteren Verlauf dieser Arbeit hohen Relevanz der Untersuchungen von Zeranski werden hier seine Ausführungen zu Termin- und Abrufrisiken berücksichtigt.

[36] Zeranski, S. (2005), S. 51; Büschgen, H. E. (1998), S. 900.

[37] Vertragswidrige Dispositionen durch Kunden werden von den Banken – zum Teil aus Kulanz-gründen oder um die gesamte Kundenbeziehung nicht zu gefährden – zugelassen, vgl. Börner, C. (1998), S. 3.

[38] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 899; Zeranski, S. (2005); S. 50 oder Börner, C. (1998), S. 3.

[39] Autonome Zahlungen können als Ein- und Auszahlungen eines Kreditinstitutes definiert werden, deren Höhe und Zahlungszeitpunkt bei normalem Geschäftsbetrieb nicht im Einfluss des Kreditinstitutes steht. Dazu gehören z. B. Kundenzahlungen im In- und Auslandszahlungsverkehr oder Zahlungen aus Wertpapiertransaktionen der Kunden, vgl. Zeranski, S (2006a), S. 4-5.

[40] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 4.

[41] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 2.

[42] Als Tragweite wird hier die negative Zielverfehlung angesehen, die sich bei Eintritt des Risikos

ergibt, vgl. Bonn, R. (2006), S. 121.

[43] Vgl. Bonn, R. (2006), S. 123. Das Gegenstück zum dimensionalen Risiko stellt das dichotome Risiko dar, welches durch nur einen Wert für die negative Abweichung vom Zielwert beschrieben werden kann, vgl. Bonn, R. (2006), S. 123.

[44] Vgl. Zeranski, S. (2005), S. 1.

[45] Vgl. Becker, P./ Peppmeier, A. (2006), S. 47.

[46] Vgl. Zeranski, S. (2005), S. 32.

[47] Vgl. Witte, E. (1995), S. 1383; Zeranski, S. (2005), S. 36.

[48] Vgl. Witte, E. (1995), S. 1383.

[49] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 898.

[50] Detaillierte Erläuterungen zu den aufsichtsrechtlichen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen sind in Kapitel drei zu finden.

[51] Ein Bank Run bezeichnet die Situation, dass zahlreiche Anleger aufgrund von z. B. negativen Schlagzeilen über die Zahlungsfähigkeit der Bank zeitgleich ihre Einlagen bei der Bank abziehen möchten. Dies kann zur Folge haben, dass der Bank zu dem Zeitpunkt nicht genügend Liquidität zur Verfügung steht und sie somit in einen Liquiditätsengpass gerät.

[52] Vgl. Hartmann-Wendels, T./ Pfingsten, A./ Weber, M. (2004), S. 415. Begründet werden kann dies dadurch, dass Eigenmittel zum Zeitpunkt des Liquiditätsengpasses i. d. R. nicht kurzfristig zur Verfügung stehen, vgl. Koopmann, J./ Rauser, J. (2005), S. 38.

[53] Vgl. Angermüller, N. O./ Eichhorn, M./ Ramke, T. (2006a), S. 478.

[54] Die Begriffe Liquiditätsmanagement und Liquiditätssteuerung werden in der Literatur häufig synonym verwendet. Für diese Arbeit ist eine differenzierte Unterscheidung ebenfalls nicht notwendig, aber es wird einheitlich der Begriff „Liquiditätsmanagement“ verwendet. Erforderlich dagegen ist die Abgrenzung des Begriffs „Liquiditätssteuerung“ gegenüber der „Risikosteuerung“ im Risikophasenmodell, welches im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch erläutert wird.

[55] Vgl. Krumnow, J. (2000), Begriff „Liquiditätsmanagement“.

[56] Vgl. Brüggestrat, R. (1990), S. 99.

[57] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 38; Angermüller, N. O./ Eichhorn, M./ Ramke, T. (2006a), S. 478.

[58] Vgl. Andrae, S. (2003), S. 531. Das Liquiditätsrisikomanagement lässt sich innerhalb der Organisation eines Kreditinstitutes dem Treasury-Management zuordnen. Neben der Liquiditätssicherungsfunktion gehören die Transformationsfunktion, die Preisstellungsfunktion und die Koordinationsfunktion zu den vier Kernfunktionen des Treasury-Managements, vgl. Schierenbeck, H. (2003), S. 615-616. Bei Schierenbeck befinden sich auch weitere Erläuterungen zu den vier Kernfunktionen des Treasury-Managements.

[59] Andere in der Literatur verwendete Begriffe sind z. B. Risikomanagementprozess oder Phasenschema des Risikomanagement. Inhaltlich beschreiben sie aber - wenn auch mit unterschiedlichen Ausdifferenzierungen - den gleichen Sachverhalt.

[60] Vgl. BaFin (2005b), AT 4.3.2. Die MaRisk werden detailliert in Kapitel drei dargestellt.

[61] Vgl. Denk, R./ Exner-Merkelt, K./ Ruthner, R. (2006), S. 21.

[62] Vgl. Junginger, M. (2005), S. 113.

[63] Vgl. Denk, R./ Exner-Merkelt, K./ Ruthner, R. (2006), S. 21.

[64] Die Darstellungen in dieser Arbeit lassen die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Risikoarten außer Acht und beziehen sich nur auf Liquiditätsrisiken. Die Risikoaggregation in der Phase der Risikobeurteilung wird in den Ausführungen des vierten Kapitels daher nicht berücksichtigt.

[65] Mit Hilfe der Risikoaggregation sollen Wechselwirkungen der Risiken oder der Ursachen der Risiken berücksichtigt werden, da diese zu Risikokompensationen bzw. zur Verstärkung der Risiken führen können, vgl. Denk, R./ Exner-Merkelt, K./ Ruthner, R. (2006), S. 23.

[66] Vgl. Denk, R./ Exner-Merkelt, K./ Ruthner, R. (2006), S. 22-23.

[67] Vgl. Schierenbeck, H. (2003), S. 2-3; Obst, G./ Hintner, O. (2000), S. 1446-1447; Rolfes, B./ Kirmße, S. (2000), S. 657-658. Der zweite Grundsatz nach Schierenbeck überprüft, ob sich die Übernahme von Risiken lohnt. Da das Liquiditätsrisiko aber nur als Risiko und nicht als Chance auftreten kann, wird dieser nicht weiter betrachtet.

[68] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 18.

[69] Vgl. Diederichs, M./ Form, S./ Reichmann, T. (2004), S. 193.

[70] Vgl. Schulte, M./ Horsch, A. (2002), S. 18.

[71] Vgl. Meyer zu Selhausen, H. (1995), S. 1390-1391.

[72] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 5.

[73] Vgl. Meyer zu Selhausen, H. (1995), S. 1392.

[74] Vgl. Hartmann-Wendels, T./ Pfingsten, A./ Weber, M. (2004), S. 421.

[75] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 5. Hartmann-Wendels spricht weitere Kritikpunkte und Problemfelder der traditionellen Liquiditätstheorien an, die hier nicht näher betrachtet werden, vgl. Hartmann-Wendels, T./ Pfingsten, A./ Weber, M. (2004), S. 416-421.

[76] Vgl. Wagner, R. u. a. (2002), S. 4. Auf die fehlende Annerkennung bzw. eine fehlende geschlossene Liquiditätstheorie verweisen auch Zeranski und Meyer zu Selhausen, vgl. Zeranski, S. (2005), S. 38 bzw. Meyer zu Selhausen, H. (1995), S. 1390.

Details

Seiten
96
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638865692
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83109
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Schlagworte
Kritische Beurteilung Methoden Messung Bewertung Steuerung Liquiditätsrisiken Banken
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Titel: Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken