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Die Bedeutung der Freiheit in dem Begriff der Eudaimonia bei Aristoteles

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eudaimonia
2.1 Der Aristotelische Begriff der Eudaimonia
2.2 Eudaimonia als Lebensziel

3. Freiheit
3.1 Der Begriff der Autarkie
3.2 Unabhängigkeit vom Äußeren
3.3 Freiwilligkeit
3.4 Die Bedeutung der Freiheit

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In folgender Hausarbeit soll die Bedeutung der Freiheit im Begriff der Eudaimonia bei Aristoteles dargelegt werden. Im Zusammenhang mit „Eudaimonia“ gibt es viele Aspekte, die auf den ersten Blick näher liegen, um sie für eine eingehende Untersuchung heranzuziehen, so zum Beispiel Lust, Denken, gutes Handeln, Handlungsethik allgemein oder auch ein Vergleich der Eudaimonia nach Aristoteles mit einer anderen philosophischen Definition des Glücksbegriffs, nicht jedoch Freiheit. Im Verlauf der Hausarbeit soll deutlich werden, dass der Begriff der Freiheit ein elementarer, wenn auch oft vernachlässigter Bestandteil der Eudaimonia nach Aristoteles ist. Vernachlässigt wird dieser Aspekt häufig, da er vorausgesetzt und in einem bestimmten Umfang als selbstverständlich erachtet wird. Diese Hausarbeit soll nun eben diese Voraussetzungen aufzeigen und somit die Bedeutung, die Wichtigkeit der Freiheit herausarbeiten. Hierzu soll zuerst der Begriff „Eudaimonia“ erläutert und im Gesamtwerk „Nikomachische Ethik“ eingeordnet werden. Anschließend wird Eudaimonia auf die Funktion als Lebensziel zu dienen hin untersucht. Diese Darlegungen bilden den ersten Teil der Hausarbeit. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Freiheit. Zuerst soll der Begriff der Autarkie erklärt und erläutert werden. Anschließend sollen Bezüge zwischen Freiheit und Unabhängigkeit vom Äußeren hergestellt werden. Folglich soll auf ethisches Handeln eingegangen werden, was im Umfang der Begriffe Freiwilligkeit und Verantwortung erfolgen soll. So wird letztendlich im Rahmen einer kurzen Zusammenfassung die Bedeutung der Freiheit dargelegt. Der Schlussteil soll die gesamte Hausarbeit knapp reflektieren.

2. Eudaimonia

2.1 Der Aristotelische Begriff der Eudaimonia

Eudaimonia wird zumeist mit „Glück“ oder auch „Glückseligkeit“ übersetzt. Eine wirkliche, simultane Übersetzung für das altgriechische εύδαιμονία gibt es jedoch nicht, da keiner der westlichen, gebräuchlichen Begriffe mit dem der Eudaimonia übereinstimmt. Der aristotelische Begriff definiert sich durch Erreichbarkeit durch eigenes Tätigsein. Es geht um aktive Verwirklichung. So heißt es in der Nikomachischen Ethik, dass bei den Festspielen von Olympia nicht der den Siegeskranz erringt, der am schönsten und stärksten aussieht, sondern der Kämpfer und so erlangen auch die Menschen die Siegespreise des Lebens, die richtig handeln.[1] Des weiteren unterscheidet sich der Begriff der Eudaimonia von dem des Glücks, „daß echtes Glück etwas Dauerhaftes und nur schwer ins Wanken Geratendes ist“[2]. An dieser Stelle unterscheidet Aristoteles auch explizit die Vorstellung des Zufallsglücks, die am ehesten auch unserer Vorstellung und dem gebräuchlichen Ausspruch „Glück gehabt“ entsprechen würde, von seiner eigenen, der der Eudaimonia. Eudaimonia ist also eher eine durch eigenes Handeln erreichbare, langfristige, tiefe, innere Zufriedenheit. Besonders hervorzuheben wäre der Aspekt des Inneren, da wahres Glück ausschließlich mit einem selbst zu tun hat, äußere Umstände im positiven, wie im negativen Sinne dürfen aufgrund ihres geringen Einflusses vernachlässigt werden.[3] Das Erreichen der Eudaimonia hängt also von jedem selbst ab. Es wird ein weiterer Schwerpunkt auf Handeln im Sinne von tätig sein gesetzt. Somit wird der aristotelische Glücksbegriff als einfacher positiv-ethischer Eudämonismus bezeichnet, nach ihm wird „im sittlich guten Handeln selbst unmittelbar die Erreichung der Glückseligkeit gesehen und hieraus ein Antrieb zur frei gewollten Ausübung solchen Handelns gewonnen“.[4] Dieser Antrieb bildet die Grundlage für zukünftiges Handeln, womit eine Stetigkeit der Eudaimonia über das gesamte Leben eines Menschen gewährleistet wird, insofern er verfolgt wird. Des Weiteren unterscheidet sich der Begriff der Eudaimonia vom derzeit gebräuchlichen Glücksbegriff durch die Fähigkeit zur Grundlage einer Handlungsethik, da er nicht subjektiv und somit für jeden Menschen unterschiedlich definiert, ist.

2.2 Eudaimonia als Lebensziel

Eudaimonia als Lebensziel zu betrachten heißt die Zielsetzung auf ein Leben in Eudaimonia festzulegen. Somit ist Eudaimonia der Weg, wie auch das Ziel des Lebens. So sind also anfänglich die drei von Aristoteles formulieren Lebensformen zu betrachten. Die erste Lebensform widmet sich dem sinnlichen Genuss, die zweite Lebensform (bíos politikós) dem Dienste im Staat und die dritte (bíos theoretikós) dem Leben als Hingabe an die Philosophie.[5] Die erste Lebensform ist nach Aristoteles die der „grobschlächtigen Naturen“[6] und soll daher nicht weiter betrachtet werden. Die zweite Lebensform führt durch eigenes Handeln innerhalb des Staates, sowie für diesen zur Eudaimonia. Somit ist Eudaimonia als Gut definiert, welches durch eigenständiges Handeln erreichbar ist. Diese Lebensform ist der hauptsächliche und am genauesten ausgeführte Gegenstand der „Nikomachischen Ethik“. Die dritte Lebensform, die Philosophie widmet sich dem Erlangen von Eudaimonia durch Muße, Denken und Erkenntnis der Wahrheit. Auch auf diese Lebensform geht Aristoteles näher ein.

We need also to discover what is the right rule and what is the standard that fixes it. […] He [Aristotle] seems to give two answers. Most of the Ethics implies that good action is – or is a major element in – man’s best life, but eventually in Book 10 purely contemplative action is said to be eudaimonia.[7]

Bis zu Buch X beschrieb Aristoteles Glück als ein Tätigsein im Sinne der Trefflichkeit[8] Zu Beginn des siebten Kapitels in Buch X geht er von diesem Satz aus und beschreibt „höchste Trefflichkeit“ als etwas, das nur durch die oberste Kraft im Menschen erreichbar ist. Das Wirken dieser Kraft führt zu Eudaimonia, es kann sich bei diesem Wirken nur um geistiges Schauen handeln.[9] Denn geistiges Schauen ist das Höchste, das gottähnlichste im Menschen.[10] Demnach führt die geistige Schau also zur Eudaimonia. Nachfolgend beschreibt er die dritte Lebensform, bios theoretikos, als einzige, in der das Geistige an erster Stelle steht, als höchstes Gut definiert ist. Anschließend werden weitere positive Merkmale der geistigen Schau innerhalb dieser Lebensform beschrieben. Die geistige Schau hat die größte Stetigkeit, da man in ihr länger als in jeder anderen Tätigkeit verharren kann, unabhängig von der körperlichen Verfassung, des Alters, etc. Außerdem handelt es sich beim Philosophieren um die lustvollste aller Tätigkeiten, denn sie besitzt einzigartige Reinheit und Dauer. Lust ensteht weiterhin durch Freude an der Erkenntnis, sowie auch deren Umsetzung. So wird also ein Handeln aus der eigenen Erkenntnis heraus als lustvollstes Handlungsmotiv definiert. Vergleicht man dieses Motiv mit dem des noch Suchenden, der offensichtlich nur probieren kann, wenn er ohne Erkenntnis handelt und in Folge dessen auch weniger Erfolge hat oder mit dem, der nicht nach eigener Erkenntnis, sondern nach Befehlen oder Vorgaben anderer handelt, wird deutlich, dass eigene Erkenntnis das lustvollste Handlungsmotiv ist. Des Weiteren ist bei der geistigen Schau die größte Unabhängigkeit im Sinne von Autarkie, Selbstgenügsamkeit zu finden. Dies wird später ausführlich behandelt. Als letzten Punkt nennt Aristoteles die Muße. Er sagt Glück setze Muße voraus. Denn wer ununterbrochen handle, wie der, der im öffentlichen Leben steht, tut dies um Ziele außerhalb seines Handels zu erreichen (um Ansehen, Macht zu erlangen), jedoch nicht um ihrer selbst Willen.[11] Der Muße, contemplatio wird jedoch um ihrer selbst Willen nachgegangen. Man entspannt seinen Körper um entspannt zu sein, nicht um eines anderes Zieles Willen. Die Ausübung der geistigen Schau führt zum guten Handeln, denn wer nachsinnt und weiß, was gut ist, der wird nach Aristoteles auch danach handeln. Er wird durch das gute Handeln Erfolge haben, gute Taten als Auswirkungen guten Handelns erleben, Freude daran empfinden und „schmecken“ was es heißt gut zu handeln. So wird das Gute in ihn übergehen. Er wird ein guter Mensch. Aristoteles spricht von Eros; der, der gut handelt wird nach dem „Schmecken“ ein „Liebhaber“ guter Taten, für ihn wird der Genuss guten Handelns zur Selbstverständlichkeit, er wird durch Gewöhnung immer gut handeln. Dadurch wird er zum guten Menschen und handelt dann auch aus „Reflex“ gut, weil sein erster Gedanke bereits gut ist.

[...]


[1] Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch I, Kapitel 9, S. 20

[2] Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch I, Kapitel 10, S. 25

[3] Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch I, Kapitel 11, S. 28: „Also: irgendeinen Einfluß auf die Abgeschiedenen scheint das Wohlergehen der Freunde , desgleichen auch deren Mißgeschick, zu haben. Art und Grad dieses Einflusses ist aber so, daß weder der Glückliche unglücklich gemacht noch irgendeine andere derartige Änderung bewirkt wird.“

[4] J. Ritter (Hrsg.), „Historisches Wörterbuch der Philosophie“, Basel 1972. Band 2: D-F, S. 822

[5] vergl. Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch I, Kapitel 3, S. 9

[6] vergl. Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch I, Kapitel 3, S. 9

[7] O. Höffe (Hrsg.), Aristoteles: Die Nikomachische Ethik“, Akademie Verlag, Berlin 1995. S. 39, John L. Ackrill, Aristotle on Eudaimonia.

[8] Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch X, Kapitel 6, S. 287

[9] vergl. Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch X, Kapitel 7, S. 287-288

[10] vergl. Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch X, Kapitel 8, S. 293: „So muß denn das Wirken der Gottheit, ausgezeichnet durch höchste Seligkeit, ein reines Schauen sein. Und folglich hat jenes menschliche Tun, das dem Wirken der Gottheit am nächsten kommt, am meisten vom Wesen des Glücks in sich.“

[11] vergl. Aristoteles., „Nikomachische Ethik“ Reclam, Ditzingen 1992. Buch X, Kapitel 7, S. 287-289

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638890335
ISBN (Buch)
9783638890397
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83032
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Freiheit Begriff Eudaimonia Aristoteles Nikomachische Ethik

Autor

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