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Martin Luther und die Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. von 1520

Seminararbeit 2006 25 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung der Bannandrohungsbulle von 1520 in Martin Luthers
Lebenslauf

3. Papst Leo X. und seine Bannandrohungsbulle von
3.1 Zur Person von Papst Leo X
3.2 Die Bannandrohungsbulle
3.2.1 Ursachen
3.2.2 Inhalt
3.2.3 Folgen

4. Schlussbemerkung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Gott hatte nach seiner Weisheit den seligen Lutherum zu einem öffentlichen Lehrer seiner Kirche: ja, zu demjenigen Werkzeug ausersehen und berufen, durch welches die gesegnete Reformation sollte angefangen und fortgesetzt werden. Er konnte demnach vermöge dieses von oben herab überkommenen Amts nicht anders; denn daß er den Menschen den rechten Weg des Heils zeigte.“[1]

Martin Luther und der Reformation ist es zu verdanken, dass es die evangelische Kirche, die heute oftmals als selbstverständlich gesehen wird, überhaupt gibt. Er hatte eine enorme theologische, politische, kirchliche und gesellschaftliche Bedeutung.[2] Er war der richtige Mann, der die aus den politischen, sozialen und kirchlichen Missständen seiner Zeit entstandene „gefährliche Gärung zum Ausbruch“[3] brachte. Dabei spielt vor allem das Jahr 1520 eine wichtige Rolle, bei Hellmut Diwald zum Beispiel wird es als Schlüsseljahr bezeichnet.[4] In ihm schrieb Martin Luther die drei reformatorischen Hauptschriften „An den christlichen Adel deutscher Nation“, „De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Für diese Hausarbeit ist jedoch ein anderes wichtiges Ereignis dieses Jahres von besonderer Bedeutung. Sie möchte sich vor allem mit der Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. auseinandersetzen, welche im Juni 1520 ausgefertigt, im Oktober von Martin Luther erhalten und im Dezember von ihm verbrannt wurde. In welchem Kontext dies in Martin Luthers Leben geschehen ist, soll ganz zu Beginn der Hausarbeit untersucht werden, bevor sie sich dann im zweiten Teil intensiv mit der Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. beschäftigt. Dabei wird zuerst einmal dessen Person und sein Leben etwas näher beleuchtet. Der Bulle, ihren Ursachen, ihrem Inhalt und ihren Folgen wird sich anschließend gewidmet. Da es unzählige Schriften von Martin Luther selbst, seinen Anhängern und seinen Gegnern gibt, konnte in dieser Hausarbeit nur ein sehr geringer Teil von Quellen seinen Einsatz finden. Dennoch wurde versucht, die Ereignisse der Zeit und die Ansichten der verschiedenen Positionen mittels diesen, im Rahmen der Hausarbeit möglichen, zu verdeutlichen.

2. Einordnung der Bannandrohungsbulle von 1520 in Martin Luthers Lebenslauf

Die Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. erreichte Martin Luther im Oktober 1520. Am 10. Dezember 1520 verbrannte er sie gemeinsam mit dem Kanonischen Recht, womit er sich von dem herrschenden Kirchenrecht distanzierte. Diesen Geschehnissen im mittleren Abschnitt von Martin Luthers Leben gingen schon mehrere wichtige Ereignisse voraus. Martin Luther entwickelte sich von einem einfachen Mönch zu einem Reformator, welcher einen Dorn im Auge der katholischen Kirche darstellte. Er schrieb, predigte und kritisierte damit vor allem Praktiken und Lehren der bestehenden Kirche.

Geboren wurde Martin Luther vermutlich am 10. November 1483 in Eisleben in der Grafschaft Mansfeld. Seine Eltern, Hans Luder und Margarete, geb. Lindemann, siedelten im darauffolgenden Jahr in das kleinere Tal-Mannsfeld über. Dort arbeitete sich der Vater zum Hüttenmeister im Kupferbergbau empor.[5] Hans Luder erlangte eine gute gesellschaftliche Stellung, er erwarb in Mansfeld volle bürgerliche Rechte und wirkte als Vertreter der Bürgerschaft gegenüber dem Magistrat seiner Stadt. Die bürgerlich-rechtlichen, allgemein-sozialen Umstände städtischen Lebens waren bedeutsam für die Entwicklung Martin Luthers. Seine Kindheit prägte auch ein überwiegend positives Verhältnis zu seinen Eltern, trotz der damals üblichen strengen Erziehung. Etwa ab 1490 besuchte Martin Luther die Stadtschule in Mansfeld und ging darauffolgend 1497 für ein Jahr nach Magdeburg zur Domschule. Dort wohnte er bei den Brüdern vom gemeinsamen Leben, einer von den Niederlanden ausgehenden Frömmigkeitsbewegung. Nach diesem Jahr zog er weiter nach Eisenach und war dort Schüler auf der Pfarrschule St. Georgen. Er fand bei den Familien Schalbe und Cotta Unterkunft und Verpflegung. Bedeutsam waren seine religiösen Erfahrungen aus dieser Zeit, bedingt durch die kirchliche Aktivität seiner Gastfamilien und den engen Kontakt mit Johannes Braun, einem Geistlichen der Eisenacher Marienkirche. Martin Luther schloss seine Schulzeit 1501 mit dem Erreichen des Zieles, Latein lesen, schreiben und sprechen zu können, ab und begann im gleichen Jahr das Studium in Erfurt. Dieses zeichnete sich durch ein philosophisches allgemeinbildendes Grundstudium, dem Studium der artes liberales aus, bevor später das Studium an einer der drei höheren Fakultäten, Theologie, Jurisprudenz oder Medizin möglich war.[6] Den Baccalaureus – Abschluss legte er 1502 ab und 1505 folgte die Promotion zum Magister artium. Nun hatte Martin Luther die Absicht den Vorstellungen seines Vaters entsprechend das Rechtsstudium aufzunehmen. Dann aber geschah ein Ereignis, welches sein Leben stark verändern sollte. Es spielte sich auf seiner Rückreise aus Mansfeld am 2. Juni 1505 ab. Er kam dabei in ein schlimmes Gewitter und als ein Blitz nicht unweit von ihm einschlug, gelobte er, als Mönch in ein Kloster zu gehen. Er entschied sich für ein Augustiner-Eremiten Kloster in Erfurt.[7] Mit dem Eintritt in das Kloster am 17. Juli 1505 musste er seine Lehrtätigkeit, zu der er an der artistischen Fakultät für zwei Jahre verpflichtet gewesen wäre, aufgeben. Im einjährigen Noviziat lernte er die Regeln und Satzungen des Klosters, übte sich in der Selbsterforschung und Beichte, las in der Bibel. Zum Abschluss des Jahres legte er in einem feierlichen Gottesdienst das Mönchsgelübde ab. Nach diesem sogenannten Profeß wurde Martin Luther dazu bestimmt Priester zu werden. Die Priesterweihe erhielt er vermutlich im Februar oder April des Jahres 1507.[8] Nun bestimmte ihn sein Ordensvorgesetzter zum Studium der wissenschaftlichen Theologie, gleichzeitig aber hatte er die Aufgabe am Ordensstudium seines Klosters als Philosophielektor zu wirken. In der selben Funktion wurde er 1508 auch nach Wittenberg gerufen, um an der Universität auszuhelfen. Er blieb vorerst ein Jahr und erreichte dort den Titel Baccalaureus biblicus. Im gleichen Jahr, 1509, promovierte er in Erfurt zum Baccalaureus sententiarius. Zu seiner ersten Romreise brach er 1510 auf, um in Angelegenheiten seines Ordens mit dem Ordensgeneral zu verhandeln. Es ging um die vom Generalvikar der deutschen Augustiner-Reformkongregation Johann von Staupitz geforderte Wiedervereinigung von Observaten mit dem übrigen Orden. Als Martin Luther zurückkehrte, hatte er seine Meinung gegenüber dieser Angelegenheit geändert und stand somit im Gegensatz zu seinem Kloster. Als Folge dessen wurde er von Johann von Staupitz 1511 nach Wittenberg versetzt, welches zum Zentrums seines Wirkens wurde. An diesem Ort promovierte er auch im Oktober 1512 zum Doktor der Theologie[9] und hatte damit die Berechtigung selbstständig theologisch im Rahmen einer Professur zu arbeiten und sein eigenes Urteil im theologischen Meinungsstreit abzugeben. Er übernahm sogleich die Bibelprofessur von Johann von Staupitz.[10] Daneben machte dieser ihn zum Konventprediger und 1514 wurde er vom Wittenberger Rat zum Predigen an die Stadtkirche gerufen. Zusätzlich war die Tätigkeit als sächsischer Distriktvikar der Reformkongregation 1515 bis 1518 seine Aufgabe. In dieser Zeit begann auch Martin Luthers Konflikt mit den Kirchenobersten in Rom. Im Jahre 1517 kritisierte er in Predigten und später in Briefen die von der Kirche zur Buße eingesetzte Praxis des Ablasses. Dem Brief an Albrecht von Mainz, welcher für den Vertrieb des Ablasses in den Kirchenprovinzen Mainz und Magdeburg zuständig war, legte er außerdem die 95 Thesen bei. Dieser schickte sie weiter an Papst Leo X.. Die Ablasskritik wurde als ein Angriff auf den Papst und seine Gewalt angesehen, sodass im Sommer 1518 gegen Martin Luther der römische Prozess eröffnet wurde. Es folgten das Verhör in Augsburg durch Cajetan im Oktober 1518 und die Leipziger Disputation im Sommer 1519, wobei Martin Luther immer wieder für seine Meinung eintrat. Nachdem 1519 wegen der Kaiserwahl rücksichtnehmend auf Friedrich den Weisen, dem kursächsischen Landesherrn, welcher Wittenberg zu seiner zweiten Residenz mit Universität und Kloster ausbaute und dessen Verhältnis zu Martin Luther sehr gut war, keine weiteren Schritte gegen Martin Luther unternommen worden waren, griff Rom den Prozess 1520 wieder auf. Hier kam es nun zu der Verschickung der päpstlichen Bannandrohungsbulle, welche Martin Luther verbrennt. Er blieb auch auf dem folgenden Reichstag zu Worms im April 1521 bei seiner Meinung und wiederrief seine Schriften nicht, sodass er in die Reichsacht erklärt wurde. Bis 1522 verbrachte Martin Luther seine Zeit auf der Wartburg, wohin er nach einem vorgetäuschten Überfall gebracht wurde. Dort hielt es ihn aber nicht mehr, nachdem er von den Unruhen in Wittenberg hörte. Es folgte eine Zeit der Auseinandersetzung vor allem mit den Bauern, Erasmus von Rotterdam und den Sakramentsgegnern. Während dieser Zeit heiratete Martin Luther 1525 die ehemalige Nonne Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder hatte. Seit 1518 war es unter Martin Luther schon zu Reformen im kirchlichen Alltag gekommen, nun arbeitete er trotz gesundheitlicher Problem weiterhin intensiv an der Neuordnung der Kirche. Neben dem Schreiben und der Veröffentlichung von zahlreichen Schriften war Martin Luthers Hauptaufgabe das Predigtamt in Wittenberg. Ab 1535 war er dort Dekan der theologischen Fakultät. Er starb nach einem von Anfechtungen und Auseinandersetzungen geprägten Leben, welches er ganz Christus und seiner Lehre widmete, am 18. Februar 1546 in Eisleben.[11]

3. Papst Leo X. und seine Bannandrohungsbulle von 1520

3.1 Zur Person von Papst Leo X.

Giovanni de´Medici übte das päpstliche Amt von 1513 bis 1521 als Papst Leo X. aus. Er wurde am 11.Dezember 1475 als zweiter Sohn von Lorenzo il Magnifico in Florenz geboren. Schon frühzeitig wurde er auf seinen Einsatz in einem geistlichen Amt vorbereitet. Im Alter von sieben Jahren empfing er die Tonsur und schon mit dreizehn Jahren wurde er Kardinal unter Innozenz VIII.. Jedoch wurden ihm die damit verbundenen Insignien und des weiteren Sitz und Stimme im Kardinalskollegium erst drei Jahre später übertragen. Die Humanisten Marsilio Ficino und Angelo Poliziano kümmerten sich um die Erziehung von Giovanni und prägten stark dessen Einstellung zu Kunst und Kultur. Er studierte von 1489 bis 1491 Theologie und das kanonische Recht in Pisa. Anschließend kam er nach Rom, wo er an dem Konklave teilnahm, welches Alexander VI. zum Papst machte. Nachdem er später nach Florenz zurückkehrte, 1494 aber mit seiner Familie vor den Franzosen nach Bologna fliehen musste, bereiste er mit seinem Vetter Giulio Deutschland, Frankreich und die Niederlande. 1500 schließlich zog es ihn wieder nach Rom zurück und er bekam unter Papst Julius das Amt des Legaten von Bologna und der Romagna. Am 11. April 1512 geriet er als Befehlshaber des spanisch-päpstlichen Heeres bei dem Versuch der Vertreibung der Franzosen aus Italien in französische Gefangenschaft, welcher er aber in Mailand entkommen konnte. Er zog sich nach Florenz zurück, wo die Familie Medici mit Hilfe des Papstes die Herrschaft zurückgewinnen konnte. Dort erhielt er noch kurz vor seiner Papstwahl am 11. März 1513 die Weihe zum Priester- und Bischofsamt. Mit 37 Jahren wurde er nach einem sehr kurzen Konklave zum jüngsten Papst der Kirchengeschichte. Die politischen Hauptaufgaben von Papst Leo X. entstanden vor allem aus der Auseinandersetzung mit Frankreich. Innerkirchlich bestand eine wesentliche Aufgabe in der Beschäftigung mit der durch Martin Luthers Ablasskritik in Gang gekommenen kirchlichen Reform. Papst Leo X. hatte die Absicht mittels der Erneuerung des Ablasses, welcher von Papst Julius II. in dessen Amtszeit verkündet worden war, den Neubau der Peterskirche zu finanzieren. Er gewann Albrecht von Mainz für die Aufgabe des Ablassvertriebes, wodurch der in Wittenberg lebende Martin Luther von dem Vorgehen Kenntnis erhielt und mit seinen 95 Thesen eine mehrere Jahre dauernde Auseinandersetzung mit der Kirche in Rom begann, welche zu einer konfessionellen Spaltung in Europa führte. Die in diesem Zusammenhang stehende Bannandrohungsbulle gegen Martin Luther wurde von Papst Leo X. am 15. Juni 1520 ausgefertigt, doch sie brachte Martin Luther nicht von seinen Ansichten ab. Den Höhepunkt der Spaltung erlebte Papst Leo X. nicht mehr mit, er starb am 1. Dezember 1521. Er wird als geistreich, lebenslustig und liebenswert[12], friedliebend, vorsichtig, bedächtig, klug, mild und großmutig bezeichnet[13]. Martin Luther selbst schrieb 1518 über ihn, dass er ein sehr guter Papst sei, dessen Gelehrsamkeit und Integrität für alle Ohren entzückend wären.[14] Allgemeine Vorwürfe ihm gegenüber betreffen die Versäumnisse im Zusammenhang mit der konfessionellen Spaltung und dem Mangel an ernster Entschlossenheit die Probleme seiner Zeit als geistliches Oberhaupt der Kirche zu lösen.[15] Vor allem achtete er nicht auf die Missstimmung besonders in Deutschland, welche ihre Ursache in den hohen Geldforderungen der Kurie hatte. Zwar gab es zahlreiche Klagen, doch die Kirche in Rom wiegte sich in Sicherheit und ignorierte diese. Vielmehr steigerte Leo X. die beständige Geldnot durch seine maßlose Verschwendung. Für die Eskalation dieser Situation war dann Martin Luther ausschlaggebend.[16]

[...]


[1] Walch, J. G.: Historische Einleitung in die Streitigkeiten Lutheri mit den Papisten und in die dahin gehörige Schriften, S. 3.

[2] Vgl. Brecht, M.: Luther I, S. 524.

[3] Freiherrn von Pastor: Geschichte der Päpste im Zeitalter der Renaissance und der Glaubensspaltung von der Wahl Leos X. bis zum Tode Klemens´ VII (1513-1534), S. 223.

[4] Vgl. Diwald, H.: Luther. Eine Biographie, S. 148.

[5] Vgl. Brecht, M.: Luther I, S. 514 – 519.

[6] Vgl. Schwarz, R.: Luther, S. I 4ff.

[7] Vgl. Brecht, M.: Luther I, S. 514f.

3 Vgl. Schwarz, R.: Luther, S. I 11ff.

4 Vgl. Brecht, M.: Luther I, S. 515.

[10] Vgl. Schwarz, R.: Luther, S. I 25f.

[11] Vgl. Brecht, M.: Luther I, S. 516-524.

[12] Vgl. Simon, G.: Leo X., Papst (1513-1521), S. 744- 747.

[13] Vgl. Freiherrn von Pastor: Geschichte der Päpste im Zeitalter der Renaissance und der Glaubensspaltung von der Wahl Leos X. bis zum Tode Klemens´ VII (1513-1534), S. 29ff.

[14] Vgl. Bäumer, R.: Martin Luther und der Papst, S. 19.

[15] Vgl. Simon, G.: Leo X., Papst (1513-1521), S. 747.

[16] Vgl. Freiherrn von Pastor: Geschichte der Päpste im Zeitalter der Renaissance und der Glaubensspaltung von der Wahl Leos X. bis zum Tode Klemens´ VII (1513-1534), S. 223f.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638889728
ISBN (Buch)
9783640315635
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82863
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Evangelische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
Martin Luther Bannandrohungsbulle Papstes

Autor

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Titel: Martin Luther und die Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. von 1520