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Das Entstehen von Umweltbewusstsein und Umweltpolitik als Grundlagen Nichtstaatlicher Organisationen (NGO)

Seminararbeit 2007 25 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitende Betrachtung und Klärung wichtiger Begriffe
1.1) Einleitung
1.2) Was versteht man eigentlich unter „Nichtstaatlichen Organisationen“?

2) Das Entstehen von Umweltbewusstsein und Umweltpolitik – Darstellung der Grundlagen für Nichtstaatliche Organisationen
2.1) Vorbetrachtung bis 1969 – Von den Anfängen des Naturschutzes
2.2) 1969 bis 1974 – Die Etablierung des Umweltbegriffs und seine Folgen
2.3) 1974 bis 1979 – Abschwung in der Umweltpolitik, Aufschwung bei den NGOs
2.4) 1980 bis 1985 – Konsolidierung in der Umweltpolitik, neue NGOs und Parteien
2.5) 1986 bis 1989 – Super-GAU und Modernisierung
2.6) 1990 bis 1998 – Modernisierung und/oder Nachhaltigkeit?
2.7) ab 1998 – Ökosteuer, Klimawandel und Globalisierung – Rück- und Ausblicke

3) Verwendete Literatur

1) Einleitende Betrachtung und Klärung wichtiger Begriffe

1.1) Einleitung

Nichtstaatliche Organisationen in der Umweltpolitik – ob Greenpeace, WWF (World Wide Fund For Nature), der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Robin Wood oder auch Untergruppen von „attac“, nahezu täglich können wir zumindest von einigen dieser Organisationen lesen, hören und/oder sehen – wenn auch mit z.T. stark schwankender Ausführlichkeit.

Zu überwiegenden Teilen geht es in diesen Meldungen, Anmerkungen und Berichten nämlich nicht um groß-angelegte, besonders öffentlichkeitswirksame Aktionen oder Blockaden. Diese gibt es zwar weiterhin (so ist z.B. jede Atommüll-Bewegung mit Protesten verbunden), jedoch drängt sich hierbei der Eindruck auf, dass diese Tatsache schon fast als Normalität angesehen und entsprechend abgetan wird.

Vielleicht ist dieser Umstand ja wirklich auch auf eine Art „Gewöhnungsmentalität“ zurückzuführen, vielleicht ist es aber auch der Wandel hin zu einer schnelllebigen und komplexer werdenden Informationsgesellschaft, welche mit ihrer schier unendlich-wirkenden Vielfalt von mehr oder minder wertvollen Informationen den Umweltschutzanliegen Konkurrenz macht. Umweltschutz – so scheint es – gerät angesichts manch sicherheits- und weltpolitischer Meldung oftmals ins Hintertreffen.

Mangelt es aber wirklich an Interesse für umweltpolitische Themen?

Die Betrachtung auf nationaler Ebene könnte diesen Anschein durchaus erwecken. Bei nicht gerade wenigen Menschen gilt Ökologie als „Job- und Konjunkturkiller“ und z.B. die ökologische Stromerzeugung allein schon als unwirtschaftlich. Wirtschaftlichkeit – in Zeiten von schwächerem Wachstum und globaler Konkurrenz erscheint sie vielen als Hauptaugenmerk, dem möglichst vieles untergeordnet werden sollte.

Demgegenüber stehen jedoch z.B. verschärftere umweltpolitische Gesetze und Auflagen, das seit etlichen Jahren etablierte (wenn auch z.T. mit großen Lücken behaftete) Mülltrennsystem und neuerdings sogar eine „Bio-Welle“ bei Lebensmitteln. Es gibt also durchaus Bewegung im ökologischen Denken, welche sich wahrscheinlich immer dann beschleunigt, wenn sich Menschen von Umweltauswirkungen oder –folgen beeinflusst oder bedroht sehen.

So erscheint uns heute das Wort „Globalisierung“ nicht mehr so fern, geschweige denn als ein Fremdwort. Auch der „Klimawandel“ oder auch „globale Erwärmung“ ist derzeit in aller Munde und in allen Medien – ja hier macht das größte ökologische Problem unserer Zeit auch dementsprechend große Schlagzeilen. Aber offensichtlich erst nachdem viele Menschen große Flutmassen, Stürme von zerstörerischster Kraft und zuletzt ungewöhnlich hohe Temperaturen bis hin zu 15, 16 oder 17 Grad Celsius im Dezember 2006 als nicht mehr ganz geheuer ansahen – und einen zwar noch als Ausnahme geltenden, aber doch recht wahrscheinlichen Vorgeschmack von verändertem Klima erlebten.

Auch die Nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) haben ihrerseits diese Entwicklungen z.T. schon über Jahre mitverfolgt und haben sich auf die geänderte Interessenlage und dadurch benötigte Überzeugungskräfte eingestellt. So stellen NGOs in der heutigen Zeit vor allem ihnen vorhandene Analysen und Sachverstand zur Verfügung und dienen so als eine Art „Frühwarneinrichtung“.

Für meine Hausarbeit wird daher die folgende Frage von entscheidender Bedeutung sein: Welche Rollen spielten und spielen die Nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) in der Umweltpolitik und in der öffentlichen Meinung – angesichts dieser zum Teil äußerst dramatischen Entwicklungen?

Ich vermute dabei, dass sich beim Nachgehen dieser Frage sehr schnell zeigen wird, dass Umweltpolitik anderen politischen und wirtschaftlichen Formen schon weit voraus ist und zwar auch, aber längst nicht mehr nur lokal und national wirkt, sondern zu einer weltweiten Bewegung und Angelegenheit geworden ist. Aber auch einige Probleme z.B. bei der Realisierung und der Wirksamkeit von Informationsangeboten, Aktionen oder Konferenzen werden sich – so ist zu Vermuten – im Verlauf der Hausarbeit aufzeigen.

Bevor ich aber zu den eigentlichen Hauptfeldern meiner Hausarbeit komme, möchte ich zunächst für diese Hausarbeit und auch zu meinem eigenen Verständnis den Begriff der „Nichtstaatlichen Organisationen (NGOs)“ abstecken.

1.2) Was versteht man eigentlich unter „Nichtstaatlichen Organisationen“?

Der Begriff “Nichtregierungsorganisation“ bzw. „Nichtstaatliche Organisationen“ leitet sich aus dem englischen „non-governmental organization“ ab, daher auch die vielfach gebrauchte Abkürzung „NGO“.

Zusammenschlüsse und Verbände, die dem heutigen Begriff „NGO“ entsprechen würden, gab es dabei erstmals schon im 19. Jahrhundert. So geht beispielsweise die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung auf ein Gründungskomitee und eine darauf folgende Gründungskonferenz in den Jahren 1863/1864 zurück. Bis heute beruft sich die Bewegung analog ihrer Gründungstradition auf staatliche Unabhängigkeit und Neutralität zum Schutz des Lebens.

Der Begriff „non-governmental organization“ (NGO) wurde an sich erst 1949, also rund 80 Jahre nach der Gründung der Rotkreuz-Bewegung, geprägt und bekannt. (vgl. Take; Wiesbaden 2002) Er existiert dabei trotzdem schon weitaus länger, als es die überwiegende Zahl der heute bekannten Organisationen (gerade die des Umweltsektors) gibt. So wurden verschiedenste NGOs, meist mit internationaler Politikausrichtung, schon seit 1949 in den „Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der UNO“ (Brand; Münster 2000, S. 16) miteinbezogen. Bis zum heutigen Tage gibt es unter diesem Dach eine Vielzahl von Verbänden und Zusammenschlüssen. (vgl. ebd.)

Da die UNO (United Nations Organization) also die moderne Form der NGOs maßgeblich mitgestaltete und dies noch immer versucht, wundert es nicht, dass ihrerseits auch eine umfassende Liste von Anforderungen an Organisationen und Zusammenschlüsse existiert, um einen Zusammenschluss auch als NGO (im Sinne der UNO) beschreiben zu können. Diese Anforderungen liefern somit auch eine mögliche Teil-Definition.

Als Nichtstaatliche Organisation (NGO) gilt demnach ein privat organisierter Zusammen-schluss von Menschen, welcher zum einen staatlich und parteilich unabhängig und nicht gewinn- und profitorientiert zustande kommt und zum anderen auf Freiwilligkeit (z.B. auf freiwilliger Arbeit, aber auch auf Spendenbereitschaft) und gewisser Dauerhaftigkeit beruht. (vgl. Wörner; Marburg 2004)

Sofern die staatliche Unabhängigkeit – welche ganz offensichtlich besonders in finanziellen Belangen gegeben sein muss – gewahrt bleibt, ist also z.B. in der Bundesrepublik Deutschland ein mit der Verfassung/geltenden Gesetzen konformer und eingetragener, möglichst auch als gemeinnützig anerkannter Verein eine potentielle „Nichtstaatliche Organisation“. In der wissenschaftlichen Definitions-Herangehensweise ist dabei von großer Bedeutung, dass sich dieser nicht an den Eigeninteressen seiner Mitglieder orientiert – neben der Unabhängigkeit nach außen muss also auch eine gewisse Unabhängigkeit nach innen gegeben sein – sowie „nicht ethnisch, national, religiös oder geschlechtsspezifisch exklusiv“ ist. (vgl. ebd.)

Nichtstaatliche Organisationen nehmen also meist eine stellvertretende Interessens-wahrnehmung für sich in Anspruch, welche sie in zunehmendem Maße professionell und dauerhaft organisieren und ausüben müssen.

Der Aktionsradius einer NGO steht dabei in einer gewissen Abhängigkeit zu a) den sich selbst gesteckten Zielen und ihrem Verwirklichungsaufwand, b) dem gezeigten freiwilligen Engagement von Mitgliedern oder Sympathisanten (in Form von freiwilliger Arbeit oder auch Spendenbereitschaft) sowie c) letztlich der erreichbaren und erreichten Öffentlichkeit. Im Gegensatz dazu bietet die schon angesprochene Unabhängigkeit zahlreiche Vorteile. So kann eine NGO sowohl nur auf lokaler Ebene, aber genauso gut auch auf nationaler oder internationaler Ebene tätig werden.

Entscheidend ist dabei also die (politische) Zielsetzung im Verbund mit einer Orientierung an Gemeinnützigkeit sowie universellen Prinzipien. Die schon angesprochene mögliche Verbindung zu Abteilungen und Einrichtungen der Vereinten Nationen (UNO) hängt weiterhin ggf. ganz von den Zielen und gewählten Standorten ab.

Mit dieser Ausrichtung und auf dieser Basis gibt es derzeit eine Fülle von NGOs, die – allgemein gesehen – eine Vielfalt von Leistungen und humanitären Funktionen zu vertreten versuchen. Dabei ist eine Spezialisierung auf bestimmte Aufgaben oder Themenbereiche schon mit der eigentlichen Gründung möglich, z.B. auf Menschenrechte, Gesundheit, Armut, Ernährung oder – für diese Hausarbeit von besonderer Bedeutung – eben auch auf den Umweltbereich.

Der schon unter 1.1 schon angesprochene Wandel der Gesellschaften, und damit auch der Anforderungen an eine NGO ermöglicht bei geschickter Nutzung und Arbeit eine Reihe von Möglichkeiten. So gelten NGOs weithin als „besonders demokratisch, bürgernah, sozial-integrativ, unbürokratisch, flexibel und innovativ“. (Take; Wiesbaden 2002)

Auf der anderen ergeben geänderte Bedingungen nicht nur Vorteile, daher leiden NGOs heute nicht selten unter gesteigerten Anforderungen; denn die zunehmende „Institutionalisier-ung, Bürokratisierung und Professionalisierung der Organisationsstrukturen vieler NGOs“ sind im Begriff die eben genannten Möglichkeiten (wie z.B. die besondere Form der Demokratie) z.T. stark einzuschränken.

Im ungünstigsten Fall können auch die stark gestiegenen materialistischen und organisatorischen Anforderungen zu einer deutlichen Einschränkung der NGO-Arbeit führen; so sind heutige „NGOs oft durch überforderte und überlastete Mitarbeiter, schlechte technische Ausstattung (besonders in den Entwicklungsländern), Finanznot und durch ein niedriges Informationsniveau, was politische Verhandlungsprozesse angeht, gekennzeichnet.“ (Take; Wiesbaden 2002)

Aus diesen Gründen gelten NGOs in der wissenschaftlichen Wahrnehmung heute zum einen als die am meisten überschätzen Akteure, was ihren Einfluss und ihre Möglichkeiten betrifft, zum anderen gelten sie aber auch als eine Art „Hoffnungsträger einer zivilgesellschaftlichen und demokratischen Entwicklung.“ (Wörner; Marburg 2004)

Besonders die Funktion eine Art Hoffnungsträger zu sein, hat in den vergangenen Jahren wieder zu einem Bedeutungszuwachs der NGOs geführt – gerade unter dem (durchaus subjektiven) Eindruck, dass nationalstaatliche Institutionen der Interessenvermittlung angesichts stetig steigender Komplexität der Aufgaben und insgesamt anwachsender Globalisierung zum Teil an ihre Grenzen gekommen zu sein scheinen.

Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit wird daher zusätzlich zu untersuchen sein, ob dieser eben angedeutete eher subjektive Bedeutungszuwachs, der den „Nichtstaatlichen Organisationen“ in den vergangenen Jahren zunehmend zugesprochen wird, auch unter objektiven Gesichtspunkten bestätigt werden kann. Entsprechend dem Thema dieser Hausarbeit wird sich diese Einschätzung ggf. hauptsächlich auf den Umweltbereich beziehen. Um aber überhaupt zu einer Art Fazit gelangen zu können, wird zunächst die Darstellung von umweltpolitischen Grundlagen und die Entstehung von Umweltbewusstsein und Umwelt-politik im Vordergrund stehen – schließlich gründen und berufen sich viele heutige „Nichtstaatliche Organisationen“ des Umweltbereichs zu großen Teilen auf diese Basis.

2) Das Entstehen von Umweltbewusstsein und Umweltpolitik – Darstellung der Voraussetzungen für Nichtstaatliche Organisationen

Um mich bei der Darstellung von Grundlagen in der Umweltpolitik/-bewegung überhaupt beschränken zu können – schließlich hat die überwiegende Mehrzahl aller demokratischen Staaten eine umweltpolitische Geschichte und Entwicklung vorzuweisen – möchte ich mich bei meiner Darstellung auf die Bundesrepublik Deutschland beschränken, was meiner Meinung nach auch das Naheliegendste ist.

Dabei möchte ich besonders, so hoffe ich zumindest, aufzeigen, ab welchen Jahren sich die ersten NGOs gründeten, was sie antrieb bzw. welche Ziele sie verfolgten, welche Unterstützung sie erfuhren und an welchen Punkten sie ansetzten, um sich letztlich überhaupt etablieren zu können.

2.1) Vorbetrachtung bis 1969 – Von den Anfängen des Naturschutzes

Obwohl sich der Beginn der systematischen und institutionellen Umweltpolitik grob auf das Jahr 1971 datieren lässt (vgl. Take; Wiesbaden 2002), sind in Deutschland schon zu Ende des 19. Jahrhunderts die ersten „Natur- Landschafts- und Heimatschutzverbände“ (vgl. ebd.), welche programmatisch den Naturschutz vertraten, entstanden. Ihre Zahl wurde im Jahr 1918 auf insgesamt 264 Verbände und Organisationen geschätzt, von denen einige sogar heute noch existieren – auch wenn viele in anderen Verbänden aufgegangen sind.

Zwar ließ sich zu dieser, aus umweltpolitischer Sicht, frühen Zeit noch nicht zwischen ehrenamtlichem und staatlichem Engagement und Einfluss differenzieren, dennoch kann die Tatsache, dass eine Vielzahl von Natur- Landschafts- und Heimatschutzverbänden existierte, als „früher Erfolg der noch jungen Naturschutzbewegung“ (ebd.) angesehen werden.

Auch während in der Zeit der Weimarer Republik (also von 1919 bis 1933) hielten die Mitgliederzuwächse der Naturschutzvereine an, auch wenn das staatliche Engagement für den Naturschutz für die Mitglieder sehr enttäuschend verlief – trotz z.B. der Einführung von §150, welcher dem Landschaftsschutz den Verfassungsrang zusprach. Die Erwartungshaltungen in den Verbänden und Vereinen konnten sich mit der politischen Wirklichkeit schlicht nicht decken.

Diese Entwicklung wurde in der darauf folgenden Zeit des nationalsozialistischen Regimes nur weiter forciert. Vorschusslorbeeren der Naturschutzverbände, z.B. für die „Verabschiedung eines reichseinheitlichen Naturschutzgesetzes“ (vlg. Take; Wiesbaden 2002) vom 26. Juni 1935 sollten sich rasch als Fehleinschätzungen erweisen, nahm die in erster Linie auf Totalitarismus, Machtzuwächse und schließlich Eroberung und Krieg abzielende Ausrichtung der nationalsozialistischen Politik (mit Folgen wie etwa stark forcierter (Kriegs-)Industrie oder zerstörten Landschaften) quasi keine Rücksicht auf umweltpolitische Belange – auch nicht auf menschliche.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 lässt sich eine Phase der „umweltpolitischen Stagnation“ (ebd.) ausmachen. Diese erscheint jedoch als wenig verwunderlich, wurde die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg doch anfangs noch von wirtschaftlichen Nöten, später durch einen z.T. rasanten Wirtschaftsaufbau und –aufschwung geprägt.

Diese Feststellungen sind dabei durch die vorliegende Literatur nur für die neu entstandene Bundesrepublik Deutschland belegbar. Da sich jedoch anfangs auch in der ebenso neu gegründeten DDR eine (wenn auch in unterschiedlicher Weise) neue Wirtschaft etablieren musste bzw. sollte, ist zu vermuten, dass auch hier umweltpolitische Belange in den Hintergrund gerieten. Die Vermutung geht sogar soweit, dass umweltpolitische Belange in der gesamten DDR-Zeit stets hinter wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren zurück blieben. Dies ausführlich darstellen zu können, würde hier an dieser Stelle wahrscheinlich zu weit gehen und obendrein nicht dem Thema der Hausarbeit entsprechen.

In jedem Fall gerieten nach dem Zweiten Weltkrieg umweltpolitische Belange in der BRD ins Hintertreffen. Und trotzdem einige neue Naturschutzverbände (wie z.B. der „Deutsche Naturschutzring“ im Jahr 1950) entstanden und die bestehenden Verbände in den 1950er-Jahren wieder einen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnten, wurden politische Forderungen nur in seltenen Fällen aufgestellt – die Verbände konzentrierten sich vielmehr auf den direkten Natur- und Landschaftsschutz.

In den frühen 1960er-Jahren setzte dann auch rasch eine Stagnation bei den Mitgliederzahlen der Naturschutzverbände ein. Neben den fehlenden Mobilisierungseffekten ist hier evtl. auch ein erstmals weit verbreitetes Wohlstandsniveau mit einem ausgeprägten Konservatismus zu vermuten – nicht einmal unbedingt in politischer Form, sondern als eine weit verbreitete Überzeugung von den vorherrschenden Zuständen. Die vorliegende Literatur bemerkt hierzu: „Die politische Kultur der frühen Bundesrepublik war von obrigkeitsstaatlicher Tradition, Harmoniebedürftigkeit und Aufbaumentalität gekennzeichnet und bot Protestbewegungen zunächst keine Basis.“ (Take; Wiesbaden 2002)

Dabei gab es schon zu dieser Zeit, mehrere Jahre bevor Begriffe wie „Umweltbewusstsein“ oder „Umweltkrise in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, zahlreiche verschmutzte Gewässer und eine z.T. stark belastete Luft. Als z.B. Willy Brandt schon im Jahr 1961 mit dem Wahlspruch „Blauer Himmel über der Ruhr“ antrat, wurde dies – trotz des eigentlich für jede(n) sicht- oder auch riechbaren Verschmutzungsgrades – kaum ernst genommen.

Ende der 1960er-Jahre und darauf folgend in den 1970ern war ein Rückgang der Mitglieder bei den Naturschutzverbänden zu registrieren – jedoch wandelten sich die Gründe für diesen Rückgang deutlich. So wurde die Öffentlichkeit zunehmend mit dem Begriff „Umweltschutz“ konfrontiert, welcher zunehmend auf die politische Agenda rückte (vgl. ebd.). Der Wandel und das einsetzende (auch politische) Umdenken mobilisierten zwar viele Menschen (gerade zu Zeiten der so genannten 68er), jedoch wandten sich diese weniger den traditionellen Naturschutzverbänden zu, welche ihrerseits viele neue Themen nicht oder zu spät aufgriffen und somit als wenig attraktiv galten.

Stattdessen erfuhren neue nicht immer unstreitbare Umweltgruppen und Bürgerinitiativen z.T. reges Interesse und entsprechenden Zulauf – ein Wandel, der im folgenden Unterpunkt näher beleuchtet und fortgeführt werden soll.

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Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638906548
ISBN (Buch)
9783638906616
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82788
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Entstehen Umweltbewusstsein Umweltpolitik Grundlagen Nichtstaatlicher Organisationen Umweltsoziologie Soziologie NGO NRO Umwelt Atomkraft Grüne

Autor

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Titel: Das Entstehen von Umweltbewusstsein und Umweltpolitik als Grundlagen Nichtstaatlicher Organisationen (NGO)