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Aufbau und Festigung des schulpolitischen Systems der SBZ

Die Jahre 1945 bis 1949 in ihrer Bedeutung für die spätere DDR

Seminararbeit 2007 20 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitende Betrachtung
1.1) Einleitung
1.2) Historisches Erbe und die Situation unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg

2) Aufbau und Festigung des schulpolitischen Systems der SBZ
– als Grundlage für die spätere DDR
2.1) Das Jahr 1945 – Zwischen Machtansprüchen und Reformdiskussionen
2.2) Das Jahr 1946 – Zwischen Gründung der SED und der Schulreform
2.3) Die Jahre 1947 bis 1949 – Vom Machtausbau der SED zur Gründung der DDR
2.4) Fazit – Zur Bedeutung der von 1945 bis 1949 erzielten Grundlagen für das schulpolitische System der DDR

3) Verwendete Literatur

1) Einleitende Betrachtung

1.1) Einleitung

„Es war nicht alles schlecht...“, „Wir haben auch etwas gelernt…“, „Wenn ich sehe, was da heute gemacht wird…“, aber auch „Was mussten wir damals bloß lernen?“, „Das hat doch sowieso niemanden interessiert…“ und „Man war dann froh, wenn das Thema abgehakt war…“. Ob im unmittelbaren Verwandten- und Bekanntenkreis oder allgemein im großen Bevölkerungsteil derjenigen, die das DDR-Schulsystem durchlaufen und so direkt erlebt haben – im Rückblick auf das eigene Schulleben existieren wohl zahlreiche, in der Beurteilung zum Positiven wie Negativen breit gestreute Meinungen mit einem Spektrum von „höchst kritisch“ bis „wohlwollend positiv“. Wie eben auch die eben exemplarisch genannten.

Zumeist angereichert mit mehr oder weniger ausschweifenden Erzählungen und Erinnerungen, basieren die zahlreichen Ein- und Rückblicke wohl auch auf heutigen z.T. höchst unterschiedlichen Lebensumständen, welche auch in damaligen erlangten oder auch verweigerten gebliebenen Schulabschlüssen bzw. – besuchen begründet sein können. Was einer sehr subjektiven und individuelleren Betrachtungsweise nur noch förderlicher ist und objektivere Untersuchungs- und Darstellungsversuche des DDR-Schulsystems – wie z.B. in einer Hausarbeit – noch weiter erschwert.

Trotz z.T. höchst interessanter und aufschlussreicher Lebensverläufe, die sich im Einzelnen so höchstwahrscheinlich ergeben würden, bestünde daher auch die Gefahr der Darstellung von Meinungen, die überhaupt nicht repräsentativ für die Gruppe der damaligen Schulbesucher sein könnten. Unter Umständen träfe man so vielleicht auf wirkliche Einzelfälle und im schlimmsten Falle bliebe die Darstellungsweise nur sehr einseitig.

Möglichst viele, sowohl positive wie negative Einzelschicksale wirklich eingehend zu untersuchen und entsprechend darstellen zu können – diese Anforderung kann eine Hausarbeit wahrscheinlich nicht oder nur sehr schwer erfüllen. Vielleicht würde dies auch etwas über das eigentliche Ziel einer Hausarbeit hinaus schießen.

Trotzdem also die intensive Untersuchung sicher sehr interessant wäre, möchte ich mich in meiner Hausarbeit eher auf allgemeinere Fragestellungen beziehen, die sich bei der Betrachtung der unterschiedlichen Meinungen zum DDR-Schulsystem ergeben haben.

Der wesentliche Ansatzpunkt meiner Hausarbeit ist daher im erlangten Eindruck eines verstärkten Empfindens von teilweise sehr großen Unterschieden zwischen dem heutigen und damaligen Schulsystem zu sehen, welcher durch die schon zu Anfang genannten und immer wieder öffentlich geäußerten bzw. diskutierten Meinungsäußerungen nur noch weiter verstärkt wird.

Worauf beruhen also die heute empfundenen und offensichtlich vorhandenen Unterschiede des damaligen schulpolitischen Systems?

Um diese Fragestellung, die nun über dieser Hausarbeit stehen soll, näher untersuchen zu können, ist ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Schulsystems in der früheren sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. DDR (erst seit dem Jahr 1949) – und damit ein Ansatz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg – von Nöten. Schließlich hätte nach der so genannten „Stunde Null“ alles, so auch das Schulsystem, auch ganz anders kommen können.

Recherche sowie Darstellung werden daher im Folgenden zwar vordergründig erziehungswissenschaftliche, aber auch politische und geschichtliche Züge tragen.

Die vorliegende Literatur bestätigt hierzu, dass eine Betrachtung erst ab dem Jahr 1949 (mit der Gründung der Bundesrepublik sowie der Deutschen Demokratischen Republik) wohl zu spät angesetzt wäre, da die „entscheidenden Weichenstellungen“ für die Entwicklung der

(Hoch-)Schulen „bereits vorher erfolgt waren.“ (vgl. Anweiler; Köln 1990)

1.2) Historisches Erbe und die Situation unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg

Um im Folgenden die Neueinrichtung eines ebenso neuen Schulsystems auf dem Gebiet der heutigen neuen Bundesländer sowie des östlichen Teils von Berlin beschreiben zu können, möchte ich im Voraus den eigentlichen Grund, der zur Neueinrichtung quasi zwanghaft war, zumindest kurz erwähnen. Im Allgemeinen ist das historische Erbe ja doch sehr bekannt, jedoch ergeben sich aus der Vorbetrachtung schon erste Aufschlüsse, z.B. über neue Einrichtungen und deren Abkürzungen, welche ja an späterer Stelle immer wieder aufgegriffen werden sollen.

Wie also eben schon erwähnt, lagen die entscheidenden Weichenstellungen für das Schulwesen schon deutlich vor dem Jahr 1949.

Mit dem Niedergang des Hitlerregimes, endgültig besiegelt durch die „bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996, S. 7), ging die Regierungsgewalt auf die alliierten Siegermächte über. Neben Frankreich, Großbritannien und den USA, welche jeweils eine Besatzungszone im größeren westlichen Teil Deutschlands sowie westliche Teile der Hauptstadt Berlin kontrollierten, übernahm die Sowjetunion eine eigene Besatzungszone sowie die Kontrolle über den östlichen Teil Berlins.

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde dann auch sehr schnell, einen Monat nach der Kapitulation, am 9. Juni 1945 die „Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD)“ (ebd.) eingerichtet, welche wiederum einen Monat später, am 9. Juli 1945, per Befehl Nr. 5 in den fünf Ländern und Provinzen der SBZ regionale Militäradministrationen einrichtete (vgl. ebd.).

Viele entscheidende Vorarbeiten zur Gründung der Militäradministrationen auf regionaler Ebene wurden dabei von so genannten „Initiativgruppen“ (z.B. „Gruppe Ulbricht“ in Berlin, Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996, S. 8) der unter Hitler verfolgten und verbotenen KPD (Kommunistischen Partei Deutschlands) übernommen, welche direkt nach dem Ende des Krieges aus dem sowjetischen Exil nach Deutschland bzw. in die SBZ reisten.

Die ideologische Nähe zur sowjetischen Besatzungsmacht sowie die trotz der Kürze der Zeit sehr zielstrebig vorbereiteten und umgesetzten Standpunkte und Aktionen konnten der KPD innerhalb sehr kurzer Zeit einen besonderen Status sichern. Da viele ideologisch-programmatische Ausarbeitungen (wie z.B. die „Richtlinien […] der KPD für die Arbeit der deutschen Antifaschisten“, ebd.) zudem schon vor Ende des Zweiten Weltkriegs ausgearbeitet worden waren, hatte man gegenüber den erst nach dem Krieg wieder oder erstmals vertretenen Parteien SPD, CDU(D) und LDP einen deutlich spürbaren Vorsprung, was Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten anging. Dieser Vorsprung sollte sich bald auch auf institutioneller Ebene zeigen, z.B. im Bereich Bildung und Schule, was in den folgenden Punkten nun auch näher betrachtet werden soll.

Die Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg war also sowohl in den westlichen Besatzungszonen, wie auch in der SBZ „in materieller und personeller Hinsicht weitgehend ähnlich und die Befehls- und Kontrollgewalt der Militäradministrationen“ (Anweiler; Köln 1990) zu Anfang sehr umfassend und richtungsbestimmend. Die „pädagogische Teilung Deutschlands“ und damit auch erste gravierende Veränderungen des Bildungssystems in der östlichen Besatzungszone, der SBZ, fanden jedoch in der weiteren Politik der alliierten Besatzungsmächte sowie – wie eben schon angedeutet – wesentlich im Vorantreiben von unterschiedlichen Vorstellungen der „deutschen Kräfte“ (wie eben denen der KPD) ihre ersten Anstöße. (vgl. Anweiler; Köln 1990)

Im nun folgenden Teil meiner Hausarbeit sollen diese ersten Anstöße und Anfänge erneut aufgegriffen und näher untersucht werden – auch auf die These hin, dass die „in der ersten Nachkriegszeit umlaufenden antifaschistischen Erziehungsvorstellungen vielgestaltiger und spannungsreicher“ (Geißler/Wiegmann; Neuwied, Kriftel, Berlin 1995, S. 26) waren, als dies oftmals bekannt und dargestellt wurde.

2) Aufbau des schulpolitischen Systems der SBZ – als Grundlage für die spätere DDR

2.1) Das Jahr 1945 – Zwischen Machtansprüchen und Reformdiskussionen

Wie im vorangegangenen Unterpunkt bereits erwähnt, gelang es der KPD offensichtlich sehr erfolgreich, einen deutlichen Macht- und Einflussvorteil gegenüber den weiteren, sich erst im (Wieder-)Entstehen befindlichen Parteien (SPD, CDU und LDP) zu erarbeiten.

So kam es, dass die KPD neben der Einrichtung von lokalen Verwaltungen sowie „Provinzial- und Landesverwaltungen“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996, S. 8) auch auf dem Gebiet der Bildung Aufgaben und Positionen über- und einnahm und so wiederum an Einfluss gewinnen konnte. Es gelang ihr „wichtige politische Schlüsselfunktion[en]“ (ebd.) zu besetzen – obwohl sie, gemessen an ihrer Mitgliederzahl, längst nicht so stark erschien, wie man vielleicht vorab vermuten hätte können. So galt die Mobilisierung in Sachsen bereits als optimal, als nach der „Tagung der kommunistischen Lehrer Sachsens“ im August 1945 in Döbeln „kaum mehr als zwei Dutzend“ (ebd.) KPD-Lehrer wichtige Funktionen in der Schulverwaltung und in der Lehrerausbildung einnahmen. Trotzdem also nur ca. 3,7 % der Lehrer Sachsens – und diese Angabe stammt vom 1. Dezember 1945, es ist im Sommer 1945 also eine noch geringere Prozentzahl zu vermuten – der KPD angehörten, schaffte es diese, wichtige Steuerungsfunktionen frühzeitig zu besetzen.

Dass diese Vorgänge nicht ohne eine wissentliche Billigung und/oder Absegnung durch die sowjetische Besatzungsmacht geschehen konnten, zeigt die herausragende Position der „Sowjetischen Militäradministration“ (SMAD), „von deren Genehmigung […] alle Personalentscheidungen in der öffentlichen Verwaltung bis hin zu den Gemeinden“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996, S. 9) abhingen.

Auch die am 10. August 1945 gegründete „Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung“ (ebd.) ging auf einen Befehl der SMAD vom 27. Juli 1945 zurück. Diese neu eingerichtete Verwaltung – für die es in der vorliegenden Literatur u.a. die Bezeichnungen „Deutsche Verwaltung für Volksbildung“ oder „Zentralverwaltung für Volksbildung“ und somit auch etwas verwirrend die Abkürzungen DVV, DVfV, DZVfV und ZfV gibt (vgl. Geißler/Wiegmann; Neuwied, Kriftel, Berlin 1995 bzw. Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996 sowie Anweiler; Köln 1990 und Lost; Hohengehren 2000) – war neben dem Schul- und Hochschulbereich auch für die Bereiche Presse, Rundfunk, Film, Kunst und Literatur zuständig. Sie wurde, was eher wenig überraschend war, von KPD-Mitglied und ehemaligem Chefredakteur der „Roten Fahne“ (dem so genannten KPD-Zentralorgan) Paul Wandel geleitet. Die wesentlichen Aufgaben der „Zentralverwaltung für Volksbildung“ bestanden dabei in Ausarbeitungen von Vorschlägen zur Gestaltung des Schulwesens – wobei viele Vorschläge nicht selten aus Kreisen der SMAD geäußert wurden, ergo von der DVV umzusetzen waren.

Vizepräsident der DVV wurde der SPD-Politiker Erwin Marquardt, wobei der SPD auch die Besetzung der 12 Einzelreferate zugestanden bzw. die Stellenvorschläge von der SMAD bestätigt wurden. Die „Zentralverwaltung für Volksbildung“ (DVV) ist daher insofern eine Besonderheit, als dass die oberste Repräsentanz- und Führungsebene mit einem KPD-Mitglied besetzt war, während der Unterbau in der Mehrzahl eine sozialdemokratische Tradition aufwies. Die schon erwähnte – besonders auch aus der Geschichte rührende – geringe Mitgliederzahl der KPD, aber auch fehlende schulpolitische und pädagogische Traditionen innerhalb der Partei (vgl. Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996) führten schlicht zu einem Mangel an eigenen Führungskräften, von Paul Wandel als Leiter der Zentralverwaltung einmal abgesehen.

Da es gegenüber dem eher bürgerlichen Lager (z.B. vertreten in der CDU), auch aus historischen Gründen, Vorbehalte gab und in Sachfragen oftmals obendrein auch weniger Übereinstimmungen erzielt wurden, stellten die Sozialdemokraten also eher das „kleinere Übel“ dar. Besonders in der Zeit der Weimarer Republik (hier insbesondere in den frühen 1920er-Jahren) gab es bereits erste Kooperationen zwischen kommunistischen und sozial-demokratischen Pädagogen, beispielsweise in Lehrerorganisationen oder an einzelnen Reformschulen (vgl. ebd.). Auch das gemeinsame Schicksal unter dem NS-Regime dürfte eher verbindend wirksam gewesen sein.

Dennoch, trotz vieler inhaltlich gleicher oder ähnlicher Ansichten, war die Besetzung der vakanten Stellen mit SPD-Politikern eine für die KPD eher zwanghafte bündnispolitische Überlegung, flossen hierdurch doch sehr viele Ideen aus der SPD-Tradition mit in das bildungspolitische Geschehen ein. Dass diese Situation auch bei der Besetzung der Schulratstellen ähnlich vorherrschend war, konnte sowohl den KPD- wie auch SMAD-Interessen auf Dauer nicht förderlich sein, weshalb sich an dieser Situation auch Entscheidendes ändern sollte. An späterer, chronologisch passender Stelle soll dieser Punkt nochmals aufgegriffen werden.

Gleichzeitig mit der eben angeführten Verwaltungs-Neugründung begann im August 1945 auch eine personalpolitische Neuausrichtung. Hintergrund dieser Neuausrichtung war zum einen die Ansicht, man müsse politisch „labile und charakterlose Elemente“ (vgl. ebd.) erkennen und austauschen sowie zum anderen den verbleibenden Lehrerstand neu gewinnen und aufbauen, um „von unten herauf“ (ebd.) einen neuen Lehrerstand schaffen zu können. Dieses Anliegen galt als das wichtigste Mittel auf der Personal von Schule und Bildung.

Im Verständnis der SMAD-Instanzen, welche vor Ort durch „kommunistisch dominierte Kommissionen“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M. 1996, S. 11) vertreten waren, bedeutete ein Neuanfang in erster Line einmal ein Ausschluss von (aktiven) NSDAP-Mitgliedern von der Lehrtätigkeit.

Als am 1. August 1945 vorliegende Zahlen rund 80 % der ehemaligen Volksschullehrer eine NSDAP-Mitgliedschaft bescheinigten, erfolgte bis zum Herbst 1945 eine erste Entlassungswelle von 11.369 Personen – hauptsächliche jene Lehrer, die der NSDAP schon vor 1933 beigetreten waren (vgl. ebd.). Die Anschübe zur „Entnazifizierung“ (ebd.) kamen dabei wiederholt von der SMAD und waren oftmals erst noch von der „Deutschen Zentralverwaltung für Bildung“ (DVV) auszuarbeiten.

Nachdem die erste „Säuberungs-Welle“ im Herbst 1945 abgeschlossen war, erhielt DVV-Chef Paul Wandel am 23. Oktober 1945 von n der SMAD (namentlich General Pjotr W. Solotuchin) die Aufforderung, die „schärfsten Maßnahmen für die Schaffung einer gehörigen Ordnung“ zu ergreifen, da die „Säuberung der Lehrerkollegien […] und die Heranziehung der deutschen antifaschistischen Intelligenz“ (vgl. Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M., S. 12/13) unbefriedigend verlaufe.

Da die „Zentralverwaltung für Bildung“ auf Forderungen der „Abteilung Inneres der SMAD“ (ebd.) zu reagieren und entsprechende Pläne zu erarbeiten hatte, dauerte eine entsprechende Reaktion lediglich eine verhältnismäßig kurze Zeit von zwei Wochen. Auf der Konferenz der Volksbildungsämter am 5. und 6. November 1945 in Halle verständigte man sich schließlich darauf, möglichst alle, auch die rein formellen Mitglieder der NSDAP vom Lehrdienst zu entbinden bzw. durch neue Lehrkräfte zu ersetzen. Neben ehemaligen NSDAP-Mitgliedern betraf die Entnazifizierungswelle nun insgesamt auch sämtliche Mitglieder jeglicher NS-Organisationen sowie viele Mitglieder rechtskonservativer und/oder nationalistischer Vereinigungen, die schon vor 1933 bestanden.

Die personalpolitische „Neuausrichtung“ ist also zunächst als eine massenhafte Entlassungswelle von Alt-Lehrern anzusehen, auch unter der Vorgabe Paul Wandels, dass der Anteil an NSDAP-Mitgliedern „etwa zehn Prozent der Gesamtlehrerschaft des Landes (der Provinz) nicht überschreiten“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M., S. 13) sollte.

Dass die tatsächlichen Umsetzungen dieser Vorgabe von Land zu Land (bzw. Provinz) unterschiedlich waren – z.B. zwischen Sachsen, wo nahezu eine „einhundertprozentige Säuberung“ (ebd.) erfolgte und Sachsen-Anhalt, wo es eine weniger gründliche Überprüfung gab – ist eher noch als eine Randbemerkung zu erwähnen, angesichts der Tatsache, dass der Schulbetrieb bis zum Herbst 1945 entweder überhaupt nicht oder nur schleppend und in Teilen der Länder anlaufen konnte. Dieser Umstand wurde besonders auch dadurch verstärkt, dass die meisten Lehrmittel, insbesondere Bücher, nicht mehr benützt werden konnten bzw. durften, da diesen nicht selten sehr die Ideologie des Hitler-Regimes anhaftete oder angeheftet wurde.

Eine Anheftung ist insofern nicht ganz auszuschließen, da sowohl bei der Entnazifizierung der Lehrerschaft als auch beim Aussortieren von Lehrmitteln etwaige Prüfungen von Einzelfällen in der Regel nicht stattfanden. Stattdessen überwog die von der SMAD angeschobene Tendenz einer „formalen, am Erreichen von Prozentsätzen interessierten und rein nach Aktenlage erfolgenden“ (Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M., S. 14) und gesteuerten Entnazifizierung. Von einer Entlassung waren also auch LehrerInnen betroffen, die vor Ort als tragbar galten und/oder sich bereits am Aufbau eines neuen Schulwesens beteiligten. (vgl. Geißler/Wiegmann; Frankfurt a.M.)

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638906432
ISBN (Buch)
9783638906500
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82787
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Aufbau Festigung Systems Bildung Erziehung Bundesländer SBZ DDR Bildungssystem Schulsystem Schule Sowjetische Besatzungszone Deutschland Nachkriegszeit

Autor

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Titel: Aufbau und Festigung des schulpolitischen Systems der SBZ