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El drama de honor - Das Ehrendrama im Siglo de Oro

von M.A. (Magistra Artium) Julia Brenner (Autor) Nadine Hoffmann (Autor)

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Epochale Einteilung:

3. Soziokulturelle Hintergründe / Bedeutung der Literatur

4. Lope de Vega

5. Pedro Calderón de la Barca

6. Umsetzung der Ehrenkonzeption in La Regenta
6.1. Ana Ozores
6.2. Don Víctor Quintanar
6.3. Don Álvaro Mesía
6.4. Don Fermín de Pas:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Als Gegenstand dieser Ausarbeitung wird das spanische Ehrendrama (drama de honor) im Siglo de Oro sowie die Umsetzung der Ehrenkonzeption in Clarins Novelle La Regenta (dt.: Die Präsidentin) dienen.

Im Zusammenhang mit der literarischen Gattung „Ehrendrama“ sind dabei zwei Namen von besonders wichtiger Bedeutung, Lope de Vega und Pedro Calderón de la Barca.

Nach einer Darstellung der Biographien der beiden wohl bedeutendsten Dramatiker des Siglo de Oro und ihrer berühmtesten Werke, werde ich anhand einer Figurenanalyse der Protagonisten feststellen, in wie weit die Konzeption des Ehrbegriffs in La Regenta umgesetzt wurde. Neben einer Einteilung der Epoche des „goldenen Zeitalters“ werden hierbei auch die soziokulturellen Hintergründe sowie die Bedeutung der Literatur im Siglo de Oro eine besondere Berücksichtigung finden.

2. Epochale Einteilung:

Das Siglo de Oro bezeichnet die klassische Epoche der spanischen Kultur, die auf das 16. und 17. Jahrhundert datiert wird. Das goldene Zeitalter umfasst dabei die Renaissance (= Regierungszeit Karl V.) und die Epoche des Barocks, das eigentliche Siglo de Oro (vom Regierungsantritt Philipps II. bis zum Tode Calderóns 1688)[1]. Diese Blütezeit Spaniens ist geprägt durch ein außergewöhnliches und umfangreiches kulturelles Schaffen auf allen Gebieten der verschiedensten Künste, allen voran der Literatur, aber auch im Bereich der Malerei und Architektur. Neue literarische Gattungen wurden geschaffen, welche die abendländische Kultur nachhaltig beeinflussten. Insbesondere das spanische Ehrendrama erlebte im „goldenen Zeitalter“ eine Phase des glanzvollen Aufstiegs und brachte Werke hervor, die heute zu den berühmtesten der spanischen Literatur zählen. Gleichzeitig erlebte Spanien die größte territoriale Ausdehnung seines Machtgebiets und behauptete damit seine Vormachtstellung innerhalb Europas. Der geläufige Terminus „Siglo de Oro“ wird von spanischen Historikern jedoch oft vermieden, da gerade das 17. Jahrhundert auch mit Machtverlust und dem Niedergang des spanischen Imperiums einherging.

3. Soziokulturelle Hintergründe / Bedeutung der Literatur

In der Epoche des Siglo de Oro wurden nicht nur bedeutende Klassiker und Werke der Weltliteratur verfasst, insgesamt entwickelte sich ein blühendes literarisches Leben am Hof und in den kulturellen Zentren.[2]

Aber die Epoche des Siglo de Oro ist gleichermaßen eine Phase von außerordentlicher Problematik“[3], Américo Castro prägte daher den Begriff „edad conflictiva“ (= Zeitalter der Konflikte). Begründet auf den Gesetzen von „rassischer Reinheit“ (limpieza de sangre = Blutreinheit) und religiöser Orthodoxie in ihrer striktesten Form erzwang Spanien seine staatliche, gesellschaftliche und geistige Einheit. Durch die Gesetze zur Blutreinheit erfolgte eine Ausgrenzung all jener Spanier, jüdischer oder maurischer Abstammung, die als Zwangs- oder Neubekehrte in ständigem Verdacht standen, in frühere Glaubenspraktiken zurückzufallen. Auffällig ist, dass viele der bedeutendsten Autoren des Siglo de Oro, von Mateo Alemán (1547-1615), Autor des Guzmán de Alfarache (1599-1602), bis hin zu Miguel de Cervantes (1547-1616), Verfasser des Don Quijote (1605-1615), so genannte Neuchristen waren und als solche ständig mit der Inquisition in Konflikt gerieten. Daher kann ein großer Teil der spanischen Literatur des 16. Jahrhunderts als „ Protest gegen die Repression der geistig immer weniger offenen Welt der Altchristen“[4] in Zusammenhang mit der europäischen Bewegung der Renaissance gedeutet werden. Wer sich nicht durch die Inquisition der Selbstzensur unterziehen wollte, wählte das Exil, wie zum Beispiel der Humanist Juan Luis Vives (1492-1549). Wie Lope de Vega und Calderón de la Barca, suchten viele Autoren Zuflucht in Priesterämtern, um ihre Werke mit gottgewollter Richtigkeit zu rechtfertigen, das theologische Denken der Zeit wurde zum geistigen Rahmen ihrer Werke[5]. Die Beleuchtung der soziokulturellen Hintergründe soll dem Verständnis der Umsetzung der Ehrenkonzeption in Clarins Werk dienen.

4. Lope de Vega

Als einer der ersten spanischen Dramatiker im Siglo de Oro zählt Lope Félix de Vega Carpio, auch Lope de Vega ( *1562 - †1635) heute zu den bedeutendsten Schriftstellern Spaniens und gilt zudem als Schöpfer des modernen spanischen Theaters.

Vega wurde am 25. November 1562 in Madrid als Sohn eines Kunsthandwerkers geboren. Er studierte an der Universität Alcalá de Henares und war Soldat im Azoren-Feldzug von 1583. 1588 diente er in der Armada, nachdem er Anfang des gleichen Jahres wegen Verleumdung angeklagt und aus Madrid verbannt worden war.

Anfang des 17. Jahrhunderts schloss sich Vega als „familiar” (Vertrauter) der Inquisition an. Nach dem Tod seiner zweiten Frau wurde er 1614 zum Priester geweiht, arbeitete jedoch weiterhin als Schriftsteller. 1627 wurde er Ritter des Johanniterordens. Er starb am 27. August 1635 in seinem Haus in Madrid.

Lope de Vega zeichnete er sich durch eine enorme Schaffenskraft aus: Er ist Autor von ungefähr 1800 Komödien, 400 religiöser Stücke (autos sacramentales) und dazu noch 100 dramatischer Werke; oft schrieb er ein Stück innerhalb von nur 24 Stunden. Die Stücke sind in der Regel in drei Akte (jornadas) gegliedert, haben für gewöhnlich die Liebe als Leitthema und finden am Ende oft zu einer schnellen Lösung des Handlungskonflikts. Die Charaktere treten zugunsten der Handlung in den Hintergrund.

In seinen Werken behandelte er immer die gleichen zentralen Themenkomplexe, die sich an vorwiegend religiösen Motiven aus den alten Epen orientierten, wie beispielsweise Dramen über einzelne Heilige, Wunder, Bekehrungen, Reue und einfache Volksfrömmigkeit sowie insbesondere die so genannten dramas de honor, die Ehrendramen, bei denen es sich bei den Protagonisten nun nicht mehr nur um Adelige handelte, sondern auch um einfache Leute, denen oft der König dazu verhalf, ihre Ehre wiederzuerlangen oder zu erhalten.

Die Vorzüge der Dramenproduktion Lope de Vegas liegen, im Unterschied zu den Dramen Calderóns, nicht so sehr in der „ strengen Unterordnung aller Einzelheiten unter ein vereinheitlichendes Konzept (…) sondern vorrangig in der Vielfalt der Einfälle und der künstlerischen Mittel.[6]

Zu den bekanntesten seiner Werke zählen:

-Lo fingido verdadero (1608): Die Handlung dieser „tragicomedia“ basiert auf der Heiligenvita des Märtyrer Genesius und zeichnet sich durch einen erstaunlichen Ideenreichtum bei der strukturellen Umsetzung des Leitkonzepts und eine erstaunliche Verwandtschaft zu Dramenformen des 20. Jahrhunderts aus[7].

[...]


[1] Elwert, Wilhelm Theodor: „Die romanischen Sprachen und Literaturen“; Beck (Hrsg.), München 1979, S.119

[2] Simson, Ingrid: „Das Siglo de Oro“; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 2001, S.14

[3] Rössig, Wolfgang: „Hauptwerke der spanischen und portugiesischen Literatur“; Kindler Verlag, München 1995, S.12

[4] ebd.: S.12

[5] ebd.: S.13

[6] Nolting-Hauff, Ilse: „Lope de Vega – Lo fingido verdadero“ (München), in: Roloff, Volker/Wentzlaff-Eggebert, Harald: „Das spanische Theater – Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“; Schwann-Bagel, Düsseldorf 1988, S.83

[7] Nolting-Hauff, Ilse: „Lope de Vega – Lo fingido verdadero“ (München), in: Roloff, Volker/Wentzlaff-Eggebert, Harald: „Das spanische Theater – Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“; Schwann-Bagel, Düsseldorf 1988, S.70

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638004206
ISBN (Buch)
9783638912013
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82772
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
sehr gut
Schlagworte
Ehrendrama Siglo Literarische Gattungen

Autoren

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