Lade Inhalt...

Psychosoziale Beratung älterer Menschen

Psychosoziales Beratungskonzept für ältere Menschen aus Expertenperspektive

Diplomarbeit 2007 93 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die Thematik
2.1 Methodik der psychosozialen Beratung älterer Menschen
2.2 Der Beratungsprozess
2.2.1 Äußerer Rahmen
2.2.2 Barrieren der Inanspruchnahme von Beratung
2.2.3 Bedeutung des ungleichen Paares: Jüngerer Berater 10
und älterer Klient
2.2.4 Das Erstgespräch
2.2.5 Gesprächsführung - Interventionen
2.2.6 Elemente der Beratung nach Al Akel & Brückner (2006)
2.2.7 Kooperation/Vernetzung
2.3 Der Beratende
2.3.1 Dimensionen der verstehenden Beratung nach Brückner 20 - Verstehen, Wissen und Handeln -
2.3.2 Selbstsorge der Beratenden

3. Eigene Fragestellung

4. Methodik und Untersuchungsdesign
4.1 Durchführung der Untersuchung
4.1.1 Entwicklung des Interviewleitfadens
4.1.2 Feldzugang
4.1.3 Durchführung der Interviews und Merkmale der einzelnen Interviewsituationen
4.1.4 Merkmale der Interviewpartner
4.1.5 Datengrundlage und Transkription
4.2 Qualitatives Untersuchungsdesign
4.2.1 Erhebungsmethode Experteninterview
4.2.2 Datenauswertung: Orientierung an Grounded Theory
4.2.3 ATLAS.ti
4.2.4 Beratungsprotokolle zur Illustration der Ergebnisse
4.3 Gütekriterien nach Steinke
4.3.1 Intersubjektive Nachvollziehbarkeit
4.3.2 Indikation des Forschungsprozesses

5. Darstellung der Ergebnisse
5.1 Kategorien des Beratungskonzeptes
5.1.1 Ressourcen des Beraters
5.1.2 Wissen über altersspezifischen Themen
5.1.3 Breit gefächertes Angebot inklusive zugehender Arbeitsweise
5.1.4 Vernetzung/Kooperation mit gerontopsychiatrischen Versorgungseinrichtungen und dem Altenhilfesystem
5.1.5 Altersspezifische Öffentlichkeitsarbeit
5.1.6 Passung
5.1.7 Alltagsstabilisierung/Alltagsrahmen schaffen
5.1.8 Präventive Beratungsarbeit zur frühzeitigen Altersgestaltung
5.2 Kategorien der Methoden/Strategien
5.2.1 Ressourcenorientierte Intervention
5.2.2 Biographische Arbeit zur Aufarbeitung belastender Erfahrungen
5.2.3 Wertschätzung der Lebensleistung und Ressourcen
5.2.4 Methodenoffenes Vorgehen
5.3. Kategorie der Intervenierenden Bedingung
5.3.1 Belastungen/Schwierigkeiten
5.4 Kategorien der Konsequenzen
5.4.1 Beratungserfolge
5.4.2 Besondere Erfahrungswerte für den Beratenden

6. Diskussion
6.1 Vergleich der Ergebnisse mit der Literatur
6.1.1 Kategorien des Beratungskonzeptes
6.1.2 Kategorien der Methoden/Strategien
6.1.3 Kategorie der intervenierenden Bedingung
6.1.4 Kategorien der Konsequenzen
6.2 Bewertung der Übereinstimmungen der Ergebnisse mit der Literatur
6.3 Ausblick

7. Zusammenfassung

8. Abstract

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Während meines Praktikums beim Berliner Krisendienst der Region Süd West lernte ich das Projekt “Zukunft im Alter” getragen vom K.U.B. e.V. kennen. Dieses Projekt beschäftigte sich mit der psychosozialen Beratung älterer Menschen ab 60 und stellte sich hinsichtlich dieser Thematik als sehr innovativ heraus. Dadurch begann ich mich mit dem Thema der psychosozialen Beratung älterer Menschen zu befassen. Dieser Bereich der Beratung stellte sich als sehr wenig beforscht und ebenso wenig verbreitet heraus. Deshalb machte es dieser Aspekt für mich besonders interessant, im Rahmen meiner Diplomarbeit, den Bereich der psychosozialen Beratung älterer Menschen unter der Fragestellung: „Wie sieht aus Expertenperspektive ein psychosoziales Beratungs-konzept für ältere Menschen aus?“ zu untersuchen. Es gibt zwar ein ausgebautes und notwendiges Netz von Beratungsstellen für ältere Menschen in Berlin bzw. im gesamten Bundesgebiet, die dem Altenhilfesytem angegliedert sind. Hier handelt es sich jedoch vorwiegend um Pflege-, Sozial- und Wohnungsberatung. Darüber hinaus gibt es auch einen ausgebauten gerontopsychiatrischen Versorgungsbereich. Aber leider mangelt es an Einrichtungen, die sich speziell mit der psychosozialen Beratung älterer Menschen befassen. Den Mangel an Einrichtungen bemerkte ich auch deutlich bei der Akquise von geeigneten Interviewpartnern. Geeignete Interviewpartner waren in diesem Fall Experten, welche speziell ältere Menschen psychosozial beraten. Der Forschungsgegenstand: „Psychosoziale Beratung bei älteren Menschen“ und die daraus entwickelte Fragestellung wurden qualitativ untersucht. Die Datenerhebung erfolgte per Experteninterview. Die Auswertung der gewonnen Daten orientiert sich an der Grounded Theory von Strauss und Corbin und erfolgte mittels des computergestützten Auswertungsprogrammes ATLAS.ti. Des Weiteren wurden Textpassagen von Beratungsprotokollen des Projektes „Zukunft im Alter“ unter der Trägerschaft des K.U.B. e.V. in Berlin zur Illustration der Ergebnisse verwendet.

Das zweite Kapitel „Theoretische Überlegungen“ beschäftigt sich mit Aspekten der psychosozialen Beratung Älterer, die in der Literatur zu finden sind. Hier spielt der Beratungsprozess unter anderem mit dem äußeren Rahmen, der Gesprächsführung, den Interventionen und den Beratungselementen eine große Rolle. Außerdem wird auf den Beratenden und auf das methodische Vorgehen in der psychosozialen Beratung Älterer eingegangen.

Das nächste Kapitel befasst sich mit der Entwicklung meiner Fragestellung.

Das vierte Kapitel behandelt dann die methodische Vorgehensweise. Hier wird das methodische Vorgehen im Hinblick auf das qualitative Forschungsdesign beschrieben.

Inhalte sind unter anderem die Entwicklung des Interviewleitfadens, die Durchführung der Interviews, der Feldzugang, das Experteninterview und die Gütekriterien nach Steinke (1999). Außerdem wird die angewendete Methode der Datenauswertung in Orientierung an der Grounded Theory ausführlich beschrieben.

Das fünfte Kapitel „Darstellung der Ergebnisse“ beinhaltet das aus der Auswertung der Daten heraus entwickelte Gesamtkonzept einer psychosozialen Beratung Älterer, mit den Kategorien des Konzeptes, der Methoden/Strategien, der intervenierenden Bedingung und der Kategorien der Konsequenzen, die aus der Anwendung des Konzeptes und der Methoden resultieren.

In der Diskussion - dem sechsten Kapitel - vergleiche ich die Angaben aus der Literatur mit den Ergebnissen aus der Auswertung der von mir geführten Interviews. Des Weiteren gebe ich unter anderem einen Ausblick über die mögliche zukünftige Entwicklung des Bereiches der psychosozialen Beratung älterer Menschen.

In der Absicht den Text gut lesbar zu machen und sprachlich kein Geschlecht zu bevorzugen, verwende ich im Folgenden die männliche Form für Personen-bezeichnungen. Die weibliche Form beinhaltet demnach die männliche Form.

2. Einführung in die Thematik

2.1 Methodik der psychosozialen Beratung älterer Menschen

In der Literatur ist zu finden, dass für die psychosoziale Beratung älterer Menschen ein methodenoffenes Vorgehen sinnvoll ist, welches auf die Belange dieser speziellen Gruppe, der älteren Menschen, ausgerichtet sein sollte.

So postuliert Peters (2006): „Ich bin der Auffassung, dass bei dieser Gruppe Behandlungserfordernisse vorliegen, die eine flexible Ausrichtung und eine Offenheit voraussetzen, sich von unterschiedlichen therapeutischen Richtungen inspirieren zu lassen und wo es häufig erforderlich ist, unterschiedliche Hilfsangebote zu kombinieren“ (S. 48). Der Psychotherapeut und Psychoanalytiker Meinolf Peters (2006) findet vor allem für die Psychotherapie älterer Menschen - innerhalb eines psycho-analytischen Zugangs - den Einbezug verschiedener Anregungen aus unterschied-lichen Ansätzen bedeutsam, zum Beispiel die Ressourcenaktivierung aus dem sys-temischen Ansatz, das Erleben und die Integration von Gefühlen aus der Gesprächs-psychotherapie und die Zielgerichtetheit und Angemessenheit von Verhalten und Erleben aus der Verhaltenstherapie sowie eine Vielzahl anderer Möglichkeiten.

Brückner und Al Akel (2006) nehmen die Grundhaltung des Verstehens an, die traditionell mit tiefenpsychologischen und klientenzentrierten Ansätzen verbunden ist. Des Weiteren können aber auch verhaltenstherapeutische oder systemische Methoden, Rollenspiele und imaginative Verfahren von Bedeutung sein. Deshalb vertreten die Autoren einen methodenoffenen Ansatz. Sie legen sich nicht auf eine bestimmte Methode fest, sondern befürworten verschiedene Verfahren für die jeweils unterschiedlichen Klienten, Ziele und Beratungssituationen.

2.2 Der Beratungsprozess

2.2.1 Äußerer Rahmen

Zum äußeren Rahmen gehört die Erreichbarkeit der Beratungsstelle. Ein Augenmerk der Erreichbarkeit sollte die Mobilität älterer Menschen sein. So kann beispielsweise eine ausschließliche Komm-Struktur[1] in der psychosozialen Versorgung als Barriere in Betracht kommen (Görgen & Engler, 2005).

Al Akel (2006) schlägt ein Hausbesuchskonzept in Form von aufsuchender Arbeit vor. Auch nach ihrer Sicht reicht eine herkömmliche Komm-Struktur nicht aus, um ältere Menschen rechtzeitig zu erreichen. Das verdeutlicht der geringe Zulauf von älteren Menschen in Krisendiensten oder bei Psychotherapeuten. Eine Bring-Struktur[2] bzw. ein Hausbesuchskonzept ist besonders für Klienten mit altersbedingten körperlichen Einschränkungen von Bedeutung. Außerdem führt die aufsuchende Arbeit zu einer Erleichterung des ersten schweren Schrittes, Hilfe in Anspruch zu nehmen und zur Unterstützung beim Anvertrauen an einen Beratenden, der in diesem Fall fremd für die Älteren ist (Al Akel, 2006).

Für Peters (2006) sind die Lage und die Erreichbarkeit der Räumlichkeiten, vor allem bei eingeschränkter Mobilität der Klienten, von großer Bedeutung. So empfindet er eine ausreichende Beschilderung oder auch einen Lageplan zur Orientierung als hilfreich. Des Weiteren sollte beachtet werden, ob die Räumlichkeiten per Treppe zu erreichen sind oder ein Aufzug für gehbehinderte Ältere zur Verfügung steht. Ebenerdige Räum-lichkeiten schaffen viele Erleichterungen. Bei der Raumgestaltung sollte nach Peters (2006) Sicht auf Möblierung und Farbgestaltung geachtet werden. So sollten Sessel zur Verfügung stehen, die besonders für ältere Menschen geeignet sind. Solche äußeren Faktoren tragen, nach Auffassung des Autors, zur Schaffung von Behaglichkeit und eines als zuverlässig erlebten Rahmens bei.

2.2.2 Barrieren der Inanspruchnahme von Beratung

Die Zurückhaltung älterer Menschen gegenüber psychologischer Beratung oder Psychotherapie wird in der Literatur betont. Peters (2006) Annahme, dass Ältere beispielsweise eine geringere ausgeprägte Psychotherapiemotivation haben, wurde in einer seiner Untersuchungen bestätigt (vgl. Peters et al 2000). Die Gründe hierfür sehen sowohl Peters (2006) als auch Brückner und Al Akel (2006) darin, dass im Charakter älterer Menschen manifestiert ist, ihre Probleme selbst zu lösen. Erkrankungen werden beispielsweise nicht mit seelischen Schwierigkeiten in Verbindung gebracht: „[…] Sie verspüren weniger einen seelischen Leidensdruck, haben seltener den Wunsch, in Gesprächen ihre Probleme zu bearbeiten und sind eher geneigt, ihre Hilflosigkeit zu verleugnen“ (Peters, 2006, S.82).

class=WordSection5>

Psychologische Beratung wird von Älteren eher als eine Niederlage gesehen, als eine Hilfe, die sie bei Schwierigkeiten unterstützt. Ältere Menschen haben verinnerlicht, Probleme nicht nach außen zu tragen (Brückner, Al Akel & Klein, 2006). Al Akel (2006) erwähnt auch, dass ältere Personen oft sehr misstrauisch sind und Fremden abwehrend gegenüber stehen. Ein Bedarf an Hilfe ist ihres Erachtens zwar deutlich spürbar, dennoch ist die Hemmschwelle sehr hoch. Dieser Hemmschwelle kann aber beispielsweise durch so genannte Türöffner-Gespräche, bei denen der Erstbesuch gemeinsam mit einer Vertrauensperson und dem Psychologen stattfindet, entgegen-gewirkt werden. Aufgrund dieser Barrieren, gegenüber einer Inanspruchnahme von psychologischer Hilfe, sollte in einem ersten Gespräch das Augenmerk besonders darauf liegen, dass die Klienten darin unterstützt werden, ihren eigenen Hilfebedarf wahrzunehmen sowie eine Bereitschaft zu erarbeiten, Hilfe annehmen zu können (Al Akel, 2006).

Peters (2006) betont die Einschätzung der Motivation des Klienten als eine wichtige Aufgabe im Erstgespräch. So geht es nach seiner Sicht in einem ersten Gespräch darum, skeptische ältere Klienten oder Patienten für eine Beratung oder

class=WordSection6>

Therapie zu gewinnen, und in ihnen die Bereitschaft zu fördern, sich zu öffnen und sich auf einen Selbsterfahrungsprozess einzulassen.

2.2.3 Bedeutung des ungleichen Paares: Jüngerer Berater und älterer Klient

Zwischen dem Klienten und dem Berater besteht oftmals ein großer Altersunterschied. Die Klienten haben manchmal einen Gesprächspartner vor sich, der ihr Kind oder manchmal sogar ihr Enkel sein könnte. Der Beratende sollte sich mit seinen persönlichen Vorstellungen und Ängsten zum Thema Alter auseinander setzen. Auch treten ältere Klienten den jüngeren Beratern, gerade in den Anfängen der Beratung, häufig mit großer Skepsis gegenüber. Hierbei ist es von Bedeutung den Personen die Zeit einzuräumen, die sie brauchen, um langsam ein Vertrauen aufzubauen und zu akzeptieren, dass auch eine sehr viel jüngere Person sie unterstützen kann (Al Akel, 2006).

Vertrauen kann zum Beispiel durch das Verwenden alter, bekannter Ausdrücke gebildet werden, denn dies hilft die Alters-Kluft zu verringern. Die Wortwahl sollte dem älteren Klienten gegenüber angepasst sein, d.h. es sollte auf neue Worte verzichtet werden (Al Akel, 2006).

Der Berater sollte außerdem auf altersbedingte Veränderungen eingehen, beispielsweise auf körperliche Einschränkungen, wie Schwerhörigkeit. Dement-sprechend ist es angemessen, sich klar und einfach auszudrücken, langsamer zu sprechen, zuhören zu können, sich Zeit nehmen, nachzufragen, sowie den Klienten bei Folgerungen stärker zu unterstützen. Es besteht des Weiteren auch die Möglichkeit, dass die gemeinsame Arbeit – insbesondere das bisher Erreichte – aufgrund alters-bedingter Veränderungen zurückgeworfen werden kann (Al Akel 2006).

Aufgrund der Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Menschen gibt es Aspekte, die der Berater im Umgang mit den älteren Klienten beachten sollte. Lehr (2000) stellte, bezogen auf Ergebnisse der Lernforschung, relevante Faktoren zusammen: So behindert unter anderem schnelles Sprechen Ältere mehr als Jüngere; bei Älteren sind in der Regel mehr Wiederholungen nötig, um den gleichen Stand zu erreichen und die Aufmerksamkeitsspanne ist reduziert. Nach Auffassung von Al Akel (2006) muss der Beratende auch darauf achten, nicht von den Klienten „adoptiert“ zu werden. Das Beratungskonzept ist hier zwar weniger starr psychologisch, also stützender, annehmender, direkter und aufsuchend, trotzdem sollte die professionelle Ebene zwischen Berater und Klienten nicht vergessen werden. Das erfordert, um dabei nicht zurückweisend zu wirken, einen Balanceakt mit viel Sensibilität auf Seiten des Beratenden.

2.2.4 Das Erstgespräch

Während Peters (2006) vorschlägt, zu Beginn des Gespräches dem älteren Klienten frühzeitig den zeitlichen Rahmen - in der Regel 50Minuten - mitzuteilen, ist es nach Al Akels (2006) Ansicht notwendig, ihnen mehr Zeit einzuräumen als üblich. Nach Auffassung des Psychoanalytikers Peters (2006) entlastet die Mitteilung des Zeitrahmens den Zeitdruck und schafft Raum um über Sorgen und Ängste zu sprechen. So wird die Ambivalenz, zwischen der mehr zur Verfügung stehenden Zeit nach Ausscheiden aus dem Berufsleben und der Konfrontation mit der schwindenden Lebenszeit, durch die Vorgabe eines zeitlichen Rahmens in der Beratung impliziert thematisiert. Das geschieht in der Form, dass ihnen einerseits die Botschaft vermittelt wird Zeit zu haben, andererseits

class=WordSection7>

deren Begrenzung eine symbolische Bedeutung für Trennung und Abschied zukommt.

Nach Al Akel (2006)sollte dem Klienten mehr Zeit eingeräumt werden, da diese häufig erst einmal ihre Lebensgeschichte erzählen oder über Schicksalsschläge berichten, um einen Eindruck zu vermitteln, wer sie sind und an welchem Punkt sie jetzt stehen. Aber ältere Menschen neigen auch dazu, sich zu verfransen, deshalb sollte der Berater ein gewisses Maß an Sensibilität und ein diplomatisches Durchsetzungsvermögen aufweisen, damit durch eine Strukturierung des Gespräches auch tatsächlich die wichtigen Punkte angesprochen werden können, ohne das der Klient sich zurückzieht.

class=WordSection8>

In einem Erstgespräch sind laut Al Akel (2006) erste Eindrücke, wie das Auftreten, die Mimik und erste Sätze oft determinierend. Eine klare und empathische Ausstrahlung der Berater fördert den Kontakt. Der Beratende sollte sich und seine Funktion vorstellen. Außerdem kann er einen Rahmen vorgeben und den Beratungswunsch erfragen. Bei älteren Menschen sollten eventuelle Sinnesbehinderungen berücksichtigt werden. Falls Zweifel aufkommen sind Rückfragen (z.B. Können Sie mich gut verstehen?) sinnvoll.

Auch Peters (2006) sieht beispielsweise schon in der Begrüßung sowie in der Verabschiedung eine Möglichkeit, um einen sozialen Rahmen zu schaffen. So lassen ein Handschlag, ein wechselseitiger Blickkontakt und ein angedeutetes Lächeln ein Gefühl von Anerkennung entstehen. Ältere legen sehr viel Wert auf formelle Höflichkeitsrituale, wie zum Beispiel jemanden in den Mantel zu helfen oder den Klien-ten zur

class=WordSection9>

Tür zu bringen. Nach Ansicht Peters (2006) können solche kleinen flüchtigen Gesten und Handlungen dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, was für eine konstruktive Beratung erforderlich ist.

Auch die Lebensgeschichte bzw. die biographischen Aspekte spielen häufig in einem ersten oder späteren Gespräch eine große Rolle. Nach Al Akel (2006) sprechen viele zum ersten Mal in der Beratung über Kriegserlebnisse, einschneidende Lebens-ereignisse, Gefühle oder Trauer. Al Akel (2006) spricht hier von einer Art “Lebens-beichte” oder dem Bedürfnis “reinen Tisch zu machen” als eine Erleichterung, die lang vor sich her geschoben wird, weil emotionale Widerstände und kognitive Vorbehalte erst überwunden werden müssen. Es ist deshalb in der Beratungsarbeit wichtig, dass die Klienten lernen, während sie ihre Lebensgeschichte erzählen, sich selbst und ihre Leistung zu schätzen und dies auch auszusprechen. Ebenfalls sollten die Beratenden ihren Klienten und deren Lebensleistung, Achtung und Respekt entgegenbringen. Durch die entgegenbrachte Würdigung erhalten die älteren Klienten ein Gefühl des Respekts und des Angenommenwerdens. So können sie sich öffnen und auch Unter-stützung annehmen bzw. diese unter Umständen auch in der Familie einfordern.

Auch Peters (2006) spricht von der Unerlässlichkeit des Einbezuges der Lebens-geschichte bzw. der biographischen Anamnese. Viele Ältere waren direkt von trau-matischen Ereignissen im Zusammenhang mit Krieg, Not und Vertreibung betroffen, die erst jetzt im Alter wieder ins Bewusstsein treten: „Die Erfassung früherer Traumata und Verluste sind von großer Bedeutung, weil sie im Alter häufig erneut aktiviert werden und einen bestimmenden Einfluss auf das Krankheits- oder Krisengeschehen nehmen“ (Peters 2006, S.141).

2.2.5 Gesprächsführung - Interventionen

In der Beratungssituation sollte nach Al Akel (2006) auf die vielfältigen Probleme der älteren Menschen reagiert werden können. Hier gilt es Ressourcen und Kompetenzen zu erarbeiten, neue Ziele und Interessen zu entdecken und alte zu reaktivieren, Stabilität zu vermitteln, soziale Unterstützung und Kontakte auszubauen, persönliche Ansprüche an die Realität anzupassen, realistische Zielsetzungen zu fördern, Problemlösungsstrategien zu erarbeiten und die Handlungsfähigkeit zu stärken.

Es ist sinnvoller weniger langfristig und prozessorientiert zu denken, sondern eher handlungsorientiert in der Gegenwart, denn oftmals fehlt die Zeit für lohnende Ziele für die Zukunft. Themen wie Beziehungen, Kinder oder Arbeitsperspektiven sind für die ältere Klientel nicht mehr relevant. Die Beratung wird jedoch dadurch erschwert, dass aufgrund von starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Einsamkeit und anderes, kaum noch Möglichkeiten für Alternativen oder Veränderungen gesehen werden. Hier ist es wichtig, diese Einschränkungen anzuerkennen, sich der Verluste, die ältere Menschen erfahren, bewusst zu sein, Mitgefühl zu zeigen und Trost zu spenden. Die Beratenden sollten ihre Grenzen auch flexibler gestalten können, so dass auch mal die Hand gehalten wird oder ähnliches, dadurch kann eine Ebene hergestellt werden, auf der es dann möglich wird, realistische Ziele und Aktivitäten mit den Klienten zur erarbeiten (Al Akel, 2006).

Laut Peters (2006) sollte sich der Beratende flexibel auf die individuellen Möglichkeiten des Klienten einstellen. Die Motivation Älterer richtet sich häufig auf die Erwartung von konkreter Hilfe und Unterstützung und weniger auf die Bearbeitung von Konflikten, dies sollte berücksichtigt werden. Die Ziele sollten Resultat eines gemeinsamen Such- und Klärungsprozesses sein.

2.2.6 Elemente der Beratung nach Al Akel & Brückner (2006)

Den Kontakt schaffen

Wie schon beschrieben, sind nach Ansicht vieler Autoren die ersten Eindrücke für den Kontakt von großer Bedeutung. Für einen tragfähigen Arbeitskontakt

class=WordSection10>

zwischen Klient und Berater ist neben der fachlichen Kompetenz auch die soziale Kompetenz relevant. Wichtig ist es, die Grenzen des Beratungsauftrages zu erkennen. Manchen Klienten reicht ein unverbindlicher Kontakt, bei dem sie ein wenig “plaudern” können. Sollte der Eindruck entstehen, dass keine tiefergehende Problematik dahinter steckt, kann die Beratung darauf beschränkt werden. Ist ein Kontakt zwischen Beratenden und Klienten geschaffen, wirkt das in der Regel schon entlastend (Al Akel & Brückner 2006).

Den Kontext verstehen

Mit Kontext ist in diesem Falle das System gemeint, in dem zum einen die Beratung stattfindet und zum anderen das System, in dem die Klienten ihr Leben führen. Hier werden der lebensweltliche Kontext der Klienten (Angehörige, Freunde, Nachbarn, sozialer Status) und der professionelle Kontext (Position und Institution der Beraten-den, Hilfekette) unterschieden. Beide können die Beratung stark beeinflussen (Al Akel & Brückner, 2006). Der lebensweltliche Kontext älterer Menschen spielt in der Be-ratung eine zentrale Rolle. Themen, die in der Beratung am häufigsten vorkommen, sind Beziehungsprobleme, wie Einsamkeit oder Konflikte mit Angehörigen. Oftmals sind es auch die Angehörigen, welche die Initiative ergreifen und sich stellvertretend oder aufgrund von Problemen mit den Älteren, in Kontakt mit der Beratungsstelle tre-ten. (Al Akel & Brückner, 2006)

Auch Peters (2006) erachtet es für besonders wichtig, die sozialen Beziehungen des Klienten zu erfassen, um abschätzen zu können, wie stabil, brüchig oder konfliktreich diese sind. So können auch Angehörige mit in die Beratung einbezogen werden, beispielsweise um die Angaben des Klienten fremdanamnestisch zu überprüfen oder bei konfliktreichen Beziehungen zwischen Angehörigen und Klienten, bei denen ein Einbezug des entsprechenden Angehörigen als sinnvoll erscheint. Ein Gespräch mit den Angehörigen kann nach Peters (2006) auch am Ende der Beratungssequenz erfolgen, um das weitere Vorgehen mit den betroffenen Bezugspersonen zu besprechen.

Die Person verstehen

Das Verstehen der Person und ihres Kontextes kann sich auf persönliche Fragen verlagern, wie auf die individuelle Bedeutung von Ereignissen, Verlusten, Behin-derungen oder auf wiederkehrende biographische Problemmuster und auf die Persön-lichkeitszüge des Klienten. Für den Berater ist es von Bedeutung sich auf verschiedene Kliententypen einzustellen und zu erkennen, welche Begegnung mit ihnen möglich ist. Hier ist es wichtig Ernsthaftigkeit und Einfühlungsvermögen vorzuweisen, auch hin-sichtlich der sozialen Prägung der Klienten und des Stils, wie eine Krise oder Proble-matik präsentiert wird. In manchen Fällen entlastet es die Klienten, wenn sie ihren Ärger erst einmal in eigenen Worten darstellen können. Hier ist ein aktives, nach-fragendes Zuhören angemessen, um den Gefühlsausdruck zu fördern und das zentrale Thema der Beratung zu verstehen. In anderen Fällen, besonders wenn der Klient von starken Ängsten und Hoffnungslosigkeit betroffen ist, erreicht man eine Beruhigung eher durch kognitive Strukturierung und Versachlichung. Gerade ältere Menschen ten-dieren dazu, den Beratern ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Sie wissen gewisser-maßen von selbst, dass ihre Probleme biographische Quellen besitzen und so mit ihrem langen und komplexen Lebenslauf verbunden sind. Das biographische Ver-stehen ist ein wichtiger Bestandteil des Verstehens der ganzen Person (Brückner & Al Akel, 2006).

Den Konflikt bearbeiten

Wenn eine Vertrauensebene zwischen Berater und Klient hergestellt ist, wird es mög-lich das Wesentliche - den aktuellen Konflikt - zu bearbeiten. Der Leidensdruck erwächst aus dem Scheitern an der Realität, denn der gewohnte Umgang mit den Konflikten funktioniert nicht mehr. Ziel der verstehenden Beratung ist nicht die tiefgreifende Analyse oder Bewusstmachung der Konflikte, sondern eine Konfliktbearbeitung, zur Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts und zur Selbstwertregulierung bzw. Ich-Stärkung. Beruhigung tritt ein, wenn die Beratenden - am Maßstab des Tempos, das die Klienten vorgeben - ihre inneren Konflikte wahrnehmen, Sicherheit in der Arbeitsbeziehung vermitteln und reale Handlungsmöglichkeiten erarbeiten (Al Akel & Brückner, 2006).

Peters (2006) richtet zu diesem Punkt, der Konfliktbearbeitung, eine wesentliche Frage darauf, ob eine konfliktbearbeitende Beratung indiziert ist. Nach seiner Auffassung verbinden Ältere Beratung oder Therapie meist nicht mit der Vorstellung der Bearbeitung von Konflikten. Dem liegt auch die Tatsache zu Grunde, dass Ältere eine geringere Bereitschaft haben über Konflikte zu sprechen (Lehr, 2000). Peters (2006) schlägt deshalb vor, die Konfliktbereitschaft oder Konfliktscheu als Indikationskriterium mit heranzuziehen.

Ressourcenorientierung und -aktivierung

Die emotional spürbare Aktivierung von Ressourcen ist gerade bei der Beratung älterer Menschen von Bedeutung. So sind beispielsweise die Berentung oder Pensionierung Veränderungskrisen, bei denen es wichtig ist, eine neue Rolle einzunehmen und außerberufliche Interessen zu finden. Dazu müssen innere und äußere Ressourcen freigesetzt werden. Hier ist es wichtig, die Stärken des Klienten zu fördern, Bündnis-partner zu finden, die Kompromissfähigkeit auszubauen und Bewältigungsstrategien zu planen (Brückner, 2006).

Eine Voraussetzung für die Entdeckung der Ressourcen in der jetzigen Lebens-situation des Klienten ist nach Al Akel (2006) die Lösung von Alltagsproblemen, z.B. eine Vermittlung ins Altenhilfesystem, Briefe schreiben und anderes. Hier geht es darum, erst einmal einen Rahmen und ein Lebensumfeld zu organisieren. Das erfordert von dem Berater ein erhöhtes Maß an Flexibilität und Kreativität, statt einer ausschließlichen Orientierung an starr psychologischen Beratungskonzepten.

Die Ressourcenorientierte Beratung bildet einen Gegenpol zu den vorherrschenden Defizit- und Risikoorientierungen klinisch-psychotherapeutischer Klientenbilder, bzw. ergänzt und erweitert diese notwendigen Defizit- und Störungsanalysen und deren Interventionen. Die Ressourcenperspektive ist losgelöst von der Sicht auf Probleme, Fehler, Störungen oder Krankheiten. Sie sucht und fördert dagegen Ressourcen, die helfen, zu bewältigen und sich zu entfalten, und legt ihren Fokus auf Stärken, Chancen, gelingende Anteile und Gesundheit (Nestmann, 2004).

Folgende charakteristische Elemente enthält eine ressourcenorientierte Beratung nach Nestmann (2004):

class=WordSection11>

1. Ressourcenorientierung statt Defizitorientierung

Defizite und Mängel werden hier nicht ignoriert, es ändert sich aber die Fixierung des Problems. Der Blick wandert von Problemen, Fehlern, Störungen und Krankheiten auf die Ressourcen des Menschen, die ihnen selbst, im Umweltkontext oder der Transaktion enthalten sind, also auf Chancen, Stärken, gelingende Anteile, Gesundheit und jegliche Ressourcen zur Bewältigung und Entfaltung. Die Ressourcenperspektive ermöglicht es Defizite zu akzeptieren und mit ihnen zu leben, wenn andere kompensierende Ressourcenfelder erkannt und erschlossen werden.

class=WordSection12>

2. Alltägliches und professionelles Ressourcenverständnis

class=WordSection13>

Das beinhaltet die Kenntnis des subjektiven Ressourcenverständnisses und den Umgang der Klienten mit diesen, neben dem Wissen um ihre soziale Umwelt und Respektierung. Professionelle Beratung tritt dann in Aktion, wenn es zu Störungen oder Hindernissen in der Ressourcennutzung kommt.

class=WordSection14>

3. Ressourcensensibilität und -diagnostik

class=WordSection15>

Die Orientierung, an den zur Verfügung stehenden Ressourcen und Potentialen erfordert vom Berater eine erhöhte Sensibilität, bezogen auf die Person und ihre soziale, institutionelle und natürliche Umwelt und deren Interaktionen.

4. Personen- und Umweltressourcen

Wichtig ist es in der ressourcenorientierten Beratung Personen- und Umweltressourcen zu aktivieren und zu mobilisieren. Wichtige Personenressourcen sind zum Beispiel Selbstwertgefühl und Problemlösekompetenz. Wichtige Umweltressourcen sind unter anderem, Einkommen und konfliktfreie soziale Netzwerke.

5. Ressourcenverlust und Ressourcensicherung

Die Beratung versucht zunächst einen Ressourcenverlust zu verhindern und bereits bestehende Verlustspiralen zu durchbrechen, wenn dies nötig ist. Erst dann wird Ressourcengewinn angestrebt, der wiederum Investition erfordert. Langfristig gesehen geht es vor allem um das Ausbalancieren von Ressourceneinsatz und –gewinn. Die Beratung selbst muss einen stärkeren Einsatz von Ressourcen leisten, je geringer die Ressourcen des Klienten und seiner Umwelt sind.

Die Aktivierung von inneren Ressourcen älterer Klienten kann nach Brückner (2006) beispielsweise dadurch erfolgen, dass die Klienten animiert werden, sich an erfolg-reiche Lösungen von vergleichbaren Situationen zu erinnern. Fast jeder besitzt persön-liche Strategien. Krisen entstehen dann, wenn diese gewohnten Strategien versagen. Nach Brückner (2006) kann in der Beratung der Phantasieraum zur Hilfe genommen werden, beispielsweise durch Fragen wie: „Welche Entscheidung würde jetzt eine ´gute Fee` für Sie treffen?“ oder „Welche Stärken bräuchten Sie um jetzt weiterzukommen?“.

Auch der Bezug auf funktionierende Anteile des Klienten, ebenso wie die Klarheit über die Möglichkeit zukünftige Krisen zu verhüten (z. B. Frühwarnzeichen) kann ressour-cenaktivierend und stabilisierend wirken (Brückner, 2006).

class=WordSection16>

Aktivierbare äußere Ressourcen älterer Menschen sind beispielsweise verwandtschaftliche oder nachbarschaftliche Kontakte. Aber auch allein dadurch, dass die Klienten eine Beratung aufsuchen, nutzen sie bereits eine Ressource. Durch das Erfragen der Bedingungen einer Problematik, können die Beratenden versuchen weitere Ressourcen aufzuspüren. Solche Fragen wären beispielsweise: „Wann wird der Leidensdruck besonders groß, was macht ihn erträglicher, zu welcher Tageszeit und in welcher Situation?“ (Brückner, 2006).

Auch Peters (2006) betont die Erfassung von gelungenen Entwicklungsschritten, sowie verschütteten Ressourcen, die möglicherweise neu aktiviert werden müssen und zur Bereicherung des Lebens im Alter beitragen können. Hobbys, Interessen in sozialen, künstlerischen und sportlichen Aktivitäten, die die Personen für sich entwickeln konn-ten, sind im Laufe der Zeit oder infolge akuter Krisen verloren gegangen. Nach Auf-fassung Peters (2006) ist es nur in Ausnahmefällen möglich gänzlich neue Aktivitäten zu entwickeln. Deshalb ist es umso wichtiger, an die Ressourcen anzuknüpfen, die im bisherigen Leben zur Verfügung gestanden haben.

Die Nachsorge organisieren

Nach Auffassung von Al Akel und Brückner (2006) spüren die Berater und die Klienten oftmals gleichermaßen, wenn das Gespräch “rund” geworden ist, Ergebnisse erzielt wurden oder “es erst einmal reicht” und die Anregungen verarbeitet werden müssen. Hier neigt sich die Beratung von selbst dem Ende zu. Eine bewährte Methode des Ab-schiedes besteht darin, die geleistete Arbeit anzuerkennen, einen kurzen Rückblick auf den Gesprächsverlauf zu halten, die Ergebnisse zu resümieren und das aktuelle Befinden des Klienten zu erfragen. Häufig werden weiterhin Empfehlungen aus-gesprochen, an welche Stellen sich die Klienten weiter wenden können.

Ein bevorstehender Abschied bzw. das Ende einer Beratungssequenz oder Therapie sollte nach Peters (2006) rechtzeitig angesprochen und reflektiert werden. Bei älteren Menschen spielen hierbei oft Geschenke eine Rolle, denen der Berater/Therapeut eher skeptisch gegenüber steht. Der Autor postuliert, dass diese im Normalfall ange-nommen werden sollten, da eine Ablehnung als Kränkung oder Zurückweisung erlebt werden kann. Ein Geschenk ist zum einen ein Ausdruck von Dankbarkeit, zum anderen kann er den Älteren das Gefühl geben, etwas zurückzugeben (Peters, 2006). Auch Al Akel und Brückner (2006) sprechen die Bedeutung von Geschenken beispielhaft an:

So arbeitete ein junger Berater mit einer 70-jährigen Dame in der Krisen-begleitung so lange, bis er verstand, dass die Packung Kaffee und die Flasche Wein, die sie ihm zuvor in zwei aufeinander folgenden Sitzungen geschenkt hatte, eigentlich symbolische Abschiedsgeschenke waren, um sich aus der Beratungssituation lösen zu können.” (S. 97)

Nachsorge kann auch als ein Übergang von Folgegespräche in Krisenbegleitung oder Kurzzeittherapie stattfinden, sowie in Notlagen durch das Informieren des sozialpsychiatrischen Dienstes oder bei Bedarf, eine Regelung der Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst, einen Besuchsdienst oder einen Arzt. So wird aktiv eine Hilfekette zur Nachsorge geknüpft (Al Akel & Brückner, 2006).

Peters (2006) schlägt bezüglich einer Nachsorge eine verbindliche Weitervermittlung vor, da Untersuchungen (Franz et al, 1999) gezeigt haben, dass Empfehlungen in der Regel kaum umgesetzt werden. Er warnt davor, den Klienten nicht ausschließlich in der Obhut des Hausarztes zu entlassen: „Eine Arztbeziehung trägt in der Regel nicht dazu bei, die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des Patienten zu stärken. Deshalb sind zusätzlich andere sozialintegrative Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen” (Peters 2006, S. 188).

Nachsorge kann nach Peters (2006) Auffassung durch das Greifen des Gesundheits- und Beratungswesen, falls weitere Hilfen erforderlich sind, stattfinden. Er betont auch die Angebote der sozialen Altenarbeit oder Seniorenarbeit, die eine sinnvolle Ergän-zung für die Zeit nach der Beratungssequenz oder Therapie darstellen.

2.2.7 Kooperation/Vernetzung

Peters (2006) betont die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen ebenso, wie Kenntnisse, eine solche Kooperation zum richtigen Zeit-punkt in die Wege leiten und sinnvoll gestalten zu können. So ist die Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen erforderlich, wenn die psychotherapeutische Behandlung durch eine körpermedizinische und psychiatrische Mitbehandlung, sowie durch sozialberatende, psychoedukative und rehabilitationsspezifische Angebote ergänzt wird.

Die Zusammenarbeit mit Ärzten ist erforderlich, wenn eine hohe körperliche Komor-bidät[3] vorliegt oder eine psychopharmakologische Behandlung erfolgt, die mitunter erst veranlasst werden muss. Die Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern kann ebenso erforderlich sein und zwar dann, wenn eine äußere Notlage besteht, die nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Erhaltung der Selbstständigkeit gefährdet. Sozialarbeiter des Sozialamtes, eines anderen sozialen Dienstes oder einer Senioren-beratungsstelle sind beispielsweise in folgenden Fällen hinzuzuziehen: zur Ver-stärkung eines ausgedünnten sozialen Netzes, bei Hilfe zum Lebensunterhalt, bei der Feststellung einer Pflegestufe, eventueller Betreuung oder Wohnberatung, bei einem eventuellen Wechsel in ein betreutes Wohnen oder in eine Pflegeeinrichtung. Mitunter gehören auch weitere Disziplinen zu der zu knüpfenden Versorgungskette, wie Ergo-therapie oder Physiotherapie. Es gibt oftmals ältere Klienten, bei denen die soziale Sicherung vor der oder parallel zur psychosozialen Beratung verändert werden sollte (Peters, 2006)

Auch Al Akel (2006) postuliert, dass in der Arbeit mit älteren Menschen eine enge Vernetzung, Kooperation und Koordination mit den verschiedenen Anbietern auf pro-fessioneller Ebene, zur Aktivierung und Vermittlung sozialer Hilfen unerlässlich ist, um eine Stabilisierung und Veränderungen für den Klienten zu erreichen. Die Autorin betont jedoch, dass eine engere Zusammenarbeit, beispielsweise mit Hausärzten wün-schenswert wäre, da es schwierig sei, ältere Menschen zu erreichen, die keine Senioren-Clubs, Nachbarschaftsheime oder Freizeiteinrichtungen aufsuchen. Ältere Menschen wählen aber zum großen Teil erst einmal den Arzt als Ansprechpartner, weshalb hier eine Zusammenarbeit mit den Ärzten äußerst funktionell wäre. Die wenig positive Zusammenarbeit sieht Al Akel (2006) in der geringen Kenntnis der psycho-logischen Hilfsangebote und der Abwehrhaltung von Seiten der Ärzte.

[...]


[1] Eine Komm-Struktur bezeichnet das Aufsuchen der Räumlichkeiten der Beratungsstelle von Seiten der Klienten, wo auch die Beratung stattfindet.

[2] Eine Bring-Struktur bezeichnet das Aufsuchen der Klienten in ihrem zu Hause, wo auch die Beratung stattfindet.

[3] Als Komorbidität wird ein zusätzlich zu einer Grunderkrankung (Indexerkrankung) vorliegendes, diagnostisch abgrenzbares Krankheits- oder Störungsbild bezeichnet. Komorbiditäten können, müssen aber nicht – im Sinne einer

Folgeerkrankung – ursächlich mit der Grunderkrankung zusammenhängen (Wikipedia, Online-Enzyklopädie).

Details

Seiten
93
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638850551
ISBN (Buch)
9783638849647
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82490
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1
Schlagworte
Psychosoziale Beratung Menschen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Psychosoziale Beratung älterer Menschen