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Die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945/46

Hausarbeit 2006 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Nachkriegssituation
3.1 Einordnung in den historischen Kontext
3.2 Situation der Landbevölkerung

4. Die Bodenreform
4.1 Ideologische Vorgaben
4.2 Vorbreitung und Durchführung

5. Ergebnis und Ausblick
5.1 Ergebnis
5.2 Ausblick

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Bodenreform, die im September 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone von deutschen Kommunisten unter Protektion und Förderung der sowjetischen Besatzungsmacht eingeleitet wurde. Es soll geklärt werden, wie sich die Ausgangslage darstellte, wie sich die Reform vollzog, und inwieweit sie eine diktatorische Maßnahme darstellt.

Die Reform stellt einen Transformationsprozess dar, der radikale Eingriffe in die Eigentumsverhältnisse und die soziale Autonomie in der ländlichen Gesellschaft bedeutete.

Nach der eben erst beendeten Diktatur des Nationalsozialismus wurde, gerade in Abgrenzung zu dieser, von den meisten Menschen eine demokratische Selbstreform des Landes erwartet. Nach dem Willen der Kommunisten sollte der grundlegende Wandel von Staat und Gesellschaft, also auch der in der Agrar- und Wirtschaftspolitik, in einem, als fortschrittlich proklamiertem Bündnis mit der Sowjetunion erreicht werden.[1]

Ein Hintergrund der Reform war, die Macht der Kräfte, die aus Sicht der Sowjets und der deutschen Kommunisten, wichtige Träger des Faschismus darstellten, zu brechen, indem man ihnen die Lebensgrundlage, also ihr Land entzog und es den unteren Schichten der Gesellschaft zur Verfügung stellte. In diesem Sinne ist auch die Kampfparole der Bodenreform: „Junkerland in Bauernhand“[2] zu verstehen. Ein weiterer Beweggrund war die auf dem Lande traditionell schwache Verankerung der Kommunisten. Mit der Vergabe von kostenlosem Boden schuf man materielle und soziale Verlockungen, die die Landbevölkerung zu loyalen Mitstreitern der neuen Ordnung machen sollten.

Die führenden Protagonisten leiteten einen Großteil ihrer Maßnahmen, darunter auch die Bodenreform, aus der Propagandaformel vom radikalen Bruch mit der NS-Vergangenheit ab. Eine „antifaschistisch-demokratische Revolution“ wurde propagiert, doch diese Aussage entlarvte sich sehr bald, durch einen „Rückgriff auf nationalsozialistische Instrumente und Methoden der Wirtschaftslenkung“[3], als Trugbild. Auch die Art und Weise der Durchführung der Bodenreform auf unterer Ebene ließen demokratische Maßstäbe oft genug vermissen.

In den westlichen Besatzungszonen gab es anfangs auch Sozialisierungsbestrebungen und teilweise auch eine Umsetzung, doch hielt sie sich in engen Grenzen. Einige durch ihre Verstrickung im nationalsozialistischen System belastete Unternehmen wurden von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und Treuhändern unterstellt. Die Montanindustrie in der britischen Zone wurde entflochten und in kleinere Firmen zerteilt. Weiteren Enteignungsbestrebungen, die zum Beispiel von Gewerkschaften erhobenen wurden, schoben die Amerikaner einen Riegel vor. Eine Bodenreform wurde in den Westzonen nie realisiert.[4]

2. Forschungsstand

Zum Thema Bodenreform ist die Literaturlage relativ günstig, wobei bis zur deutschen Wiedervereinigung in der DDR mehr dazu erschien. Zu berücksichtigen ist hierbei aber immer, dass die „Demokratische Bodenreform“, wie sie durchgehend bezeichnet wurde, im Ostteil Deutschlands mit anderen Maßstäben beurteilt wurde, als heute üblich ist. Die Bodenreform, als Gegenstand der historischen Forschung, der ehemaligen DDR, wurde aus der Perspektive der erfolgreichen Staatsgründung analysiert. Als „Kernstück der agrar- und bündnispolitischen Konzeption der KPD“[5] sei die Reform dem angeblich tief verwurzelten Wunsch der landarmen und landlosen Bauern nach Boden nachgekommen und habe dazu beigetragen eine neue, antifaschistische Gesellschaftsordnung zu etablieren. Siegfried Kuntsches, schon im Titel auf diese Ausrichtung verweisende, Buch „Dokumente zur Bauernbefreiung […]“ ist ein gutes Beispiel für diese Sichtweise.

Die Autoren, deren Werke in der alten Bundesrepublik zur Bodenreform erschienen, sahen diese als zielstrebigen Prozess auf dem Weg zur Sozialisierung und Sowjetisierung der östlichen Besatzungszone. Mit der Reform seien auf dem Lande die Grundlagen für die Stalinisierung und für die Herrschaftssicherung der KPD/SED gelegt worden. Das durch die Reform und bei ihrer Umsetzung aufgetretene Unrecht wurde nur in Büchern aus der BRD thematisiert, wie beispielsweise in dem von Joachim von Kruse herausgegebenen „Weissbuch über die „Demokratische Bodenreform““.

Nach der Wende wurden die Archive der DDR für Forscher zugänglich, was die Quellenlage verbessert hat. Dies führte dazu, dass nun detailgetreuer, ohne die Befangenheit des Kalten Krieges und weitgehend ohne ideologische Verschleierungen geforscht und geschrieben werden kann. Besonders aufschlussreich waren hierbei die Bücher von Arnd Bauerkämper.

3. Nachkriegssituation

3.1 Einordnung in den historischen Kontext

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches der Zweite Weltkrieg in Europa.[6] Die oberste Gewalt in Deutschland, dass nunmehr „lediglich ein Objekt der internationalen Politik“ war, „ohne äußere und innere Souveränität“[7], übernahm am 5. Juni 1945 der Alliierte Kontrollrat als gemeinsame Regierungsbehörde der Siegerstaaten. Ihm gehörten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion an. Frankreich kam später hinzu. Das Territorium Deutschlands wurde zum Zwecke der Besatzung unter diesen Staaten nach dem Stand vom 31. Dezember 1937 in vier Zonen aufgeteilt.[8] Die Hauptstadt Berlin wurde als „besonderes Gebiet […] gemeinsam von den bewaffneten Streitkräften der USA, des UK und der UdSSR […] besetzt“[9] und deshalb in Sektoren aufgeteilt. Der Kontrollrat sollte über Deutschland als Ganzes entscheiden, jede Besatzungsmacht erließ jedoch für ihre Zone selbstständig Befehle und Gesetze. Somit war ein Schritt zur getrennten Entwicklung getan, der es der Sowjetunion ermöglichte, in ihrer Zone die Grundlagen für ein kommunistisches Herrschafts- und Gesellschaftssystem zu legen.

Aus den im Zweckbündnis zur siegreichen Beendigung des Zweiten Weltkrieges alliierten Großmächten USA und Sowjetunion wurden schon bald nach Ende der Kampfhandlungen erbitterte Gegner im so genannten Kalten Krieg. Beide Staaten und ihre jeweiligen Verbündeten befanden sich bald nach Ende des Weltkrieges im Wettstreit um das bessere politische und gesellschaftliche System. In Folge dessen suchte jeder der beiden Hauptakteure der Weltpolitik seinen Einflussbereich zu vergrößern.

In Europa vollzog sich zu dieser Zeit die Umwandlung der Länder Osteuropas in Satellitenstaaten Moskaus.

Im besetzten Deutschland verfolgte die Sowjetunion nach Kriegsende eine zweigleisige Taktik. Einerseits strebte sie danach, ihren Einflussbereich auf ganz Deutschland ausdehnen zu können. Dies schien durch die relativ schnelle, weitgehende Demobilisierung der US-Armee, durch die die Sowjets rasch ein militärisches Übergewicht in Europa erlangte, möglich. Andererseits leitete sie in ihrer Besatzungszone Maßnahmen mit dem Ziel ein, diese nach sowjetischem Muster umzugestalten und somit langfristig in ihren Machtbereich einzubinden. Die SU-Führung, an deren Spitze Partei- und Staatschef Josef W. Stalin stand, instruierte die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)[10], welche Maßnahmen zu deren Machterlangung und -erhaltung zu treffen seien. Unterstützt wurde sie hierbei von der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland).

Die Bodenreform war eine dieser Maßnahmen.

[...]


[1] Großbölting, Thomas; Thamer, Hans-Ulrich (Hg.): Die Errichtung der Diktatur Transformationsprozesse in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR. Münster 2003. S. 2.

[2] Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen II Deutsche Geschichte 1933-1990. Bonn 2004. S. 119.

[3] Großbölting, Thomas; Thamer, Hans-Ulrich (Hg.): Die Errichtung der Diktatur Transformationsprozesse in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR. Münster 2003. S. 4.

[4] Vgl. Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen II. S. 120.

[5] Marquardt, Sabine: Die Entdifferenzierung der Gesellschaftsordnung der SBZ durch die „Demokratische Bodenreform“: Das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. In: Großbölting, Thomas; Thamer, Hans-Ulrich (Hg.): Die Errichtung der Diktatur Transformationsprozesse in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR. Münster 2003. S. 24.

[6] Vgl. Lehmann, Hans Georg: Deutschland-Chronik 1945 bis 2000. Bonn 2000. S. 19.

[7] Grosser, Alfred: Das Bündnis die westeuropäischen Länder und die USA seit dem Krieg. Paris 1978. S. 80.

[8] Vgl. Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen II. S. 117.

[9] Protokoll zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und der Sowjetunion über die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von Groß-Berlin. In: Langguth, Gerd: Deutschland-Report 3. Die Berlin-Politik der DDR Historische, politische und juristische Aspekte einer aktuellen Frage. Melle 1987. S. 9.

[10] Nach der Zwangsvereinigung mit der SPD in der sowjetischen Zone am 21. April 1946 hieß die neue Partei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands).

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638875707
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82461
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Bodenreform Sowjetischen Besatzungszone Diktaturen Deutschland

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Titel: Die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945/46