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"Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände" von Schelling im Vergleich mit Goethes "Faust"

Lässt sich Schellings Philosophie über das Gute und Böse im "Faust" wiederfinden?

Hausarbeit 2005 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schellings Philosophie über das Wesen der menschlichen
Freiheit und die damit zusammenhängenden
Gegenstände

3. Goethes „Faust“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Philosophie! Sie versucht die Welt zu ergründen und zu erkennen. Sie ist stets auf der Suche nach der Wahrheit. Sie versucht aber auch, uns den Weg für ein moralisches Leben zu zeigen. Die Literatur! Auch sie gibt uns Weisheiten mit auf den Weg und lehrt uns die richtige Moral, besonders die Tragödien. Sie zeigen uns, wie wir uns moralisch verhalten, halten der Gesellschaft einen Spiegel vor und sprechen Missstände an. Sie versuchen, bessere Menschen aus uns zu machen.

Diese Arbeit widmet sich Schellings Philosophie und Werk ‚Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände’. Gleichzeitig wird sie untersuchen, in wie weit sich diese Philosophie in der Literatur zur Zeit Goethes wiederfinden lässt. Hierzu soll Goethes Drama ‚Faust – der Tragödie erster Teil’ betrachtet werden, besonders der Charakter des Mephistopheles. Lässt sich Schellings Philosophie über das Gute und das Böse in Goethes Faust, genau genommen in der Figur des Mephistopheles, wiederfinden? Der Umfang dieser Arbeit gestattet nur einen kurzen Einblick und kann eine vollständige Interpretation des Stückes, auch auf andere philosophische Richtungen bezogen, nicht leisten.

Zu Beginn der Arbeit wird das Werk Schellings in bezug auf das Gute und das Böse untersucht. Anschließend wird die Figur des Mephistopheles in Goethes Faust betrachtet und mit Schellings Ausführungen verglichen, sofern sich Vergleiche ziehen lassen.

Diese Arbeit befindet sich im Kontext zu Arbeiten von Hermann Reske, der nicht nur das Goethesche Drama analysiert und interpretiert, sondern auch Vergleiche zu der Philosophie zur Zeit Goethes macht[1]. Ebenfalls zu nennen ist die Arbeit von Rüdiger Scholz, der sich mit Interpretationen zu Goethes Faust beschäftigt und verschiedene Interpretationsmodelle seit der Entstehungszeit des Dramas bis heute vorstellt[2].

Beginnen wir nun mit Schelling.

2. Schellings Philosophie über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände

In seinem Werk über die Freiheit des Menschen diskutiert Schelling über die Möglichkeit und die Wirklichkeit des Bösen. Zu Beginn soll die Möglichkeit des Bösen betrachtet werden.

Die menschliche Freiheit sei das Vermögen, sich zum Guten oder zum Bösen zu wenden[3]. Der Mensch hat also selbst die Wahl, wie sein Handeln erfolgen soll. Ob seine Handlungen zum Guten oder zum Bösen führen, kann er entscheiden.

In Gott seien Gut und Böse eine nicht trennbare Einheit. Wäre dies beim Menschen auch so, so wäre der Mensch nicht mehr Mensch, sondern Gott. Also lägen Gut und Böse beim Menschen als trennbar vor. Somit läge die Freiheit vor, sich zum Guten oder zum Bösen zu wenden[4].

Die Trennung dieser beiden Prinzipien macht es dem Menschen erst möglich, nach freiem Willen zu entscheiden. Gäbe es keine Wahlmöglichkeit, gäbe es keine menschliche Freiheit. Denn wofür sollte der Mensch sich aus freien Stücken entscheiden, wenn man sich für nichts entscheiden könnte?

Das Böse selbst hängt nach Schelling mit einem Ungleichgewicht der inneren Kräfte zusammen: Wille, Geist, Verstand beziehungsweise Universalwille, Geist und Eigenwille. Erhebt sich der Eigenwille über den Universalwillen, so entsteht ein Ungleichgewicht. In dieser Unordnung kann das Böse erscheinen[5]. Der Wille richtet sich allein auf das Gute. Der Verstand ermöglicht das Böse[6]. Es entsteht also nicht schon durch die Trennung der Prinzipien, sondern erst durch ein Ungleichgewicht, einer Unordnung dieser Prinzipien im Menschen[7].

Der Geist soll den Eigenwillen daran hindern, nur auf sich bezogen zu sein. Der Eigenwille soll als Gegenkraft zum Universalwillen stehen und sich nicht ausschließlich auf sich selbst konzentrieren. Geschähe dies jedoch, würde die Kraft des Universalwillens immer geringer werden, bis sie verschwindet. Dies würde bedeuten, dass sich durch dieses Ungleichgewicht auch der Eigenwille zunichte machen würde[8]. Das heißt, dass sich das Lebewesen, das sich zum Bösen wendet, auch selbst zerstört. Wenn ein entstandenes Ungleichgewicht nicht ausgeglichen wird, führt das zur Zerstörung des Individuums.

[...]


[1] Reske, Hermann: Faust. Eine Einführung. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 1971.

[2] Scholz, Rüdiger: Goethes „Faust“ in der wissenschaftlichen Interpretation von Schelling und Hegel bis heute. Ein einführender Forschungsbericht. 4. Auflage. Rheinfelden: Schäuble Verlag 1985 (Reihe Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft).

[3] Vgl. Schelling, F.W.J.: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände. Hrsg. von Walter Schulz. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1975. S. 48.

[4] Vgl. Ebd. S. 58.

[5] Vgl. Ebd. S. 60.

[6] Vgl. Ebd. S. 62.

[7] Vgl. Ebd. S. 64f.

[8] Vgl. Pieper, Annemarie: Die Wurzel des Bösen im Selbst. In: F.W.J. Schelling. Über das Wesen der menschlichen Freiheit. Hrsg. von Otfried Höffe und Annemarie Pieper. Berlin: Akademie Verlag 1995 (Klassiker auslegen). S. 96.

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638874601
ISBN (Buch)
9783638883092
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82450
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Philosophische Untersuchungen Wesen Freiheit Gegenstände Schelling Vergleich Goethes Faust Philosophie Literatur Goethezeit

Autor

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Titel: "Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände" von Schelling im Vergleich mit Goethes "Faust"