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Das adjektivische Attribut - Ein Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 27 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung und Vorgehen

2. Stellung und Kongruenz des adjektivischen Attributs
2.1 Flektierte Form
2.1.1 Schwache Flexion
2.1.2 Gemischte Flexion
2.1.3 Starke Flexion
2.2 Unflektierte Form
2.3 Komparation

3. Klassifizierung
3.1 Absolute Adjektive
3.2 Relative Adjektive
3.3 Qualitätsadjektive
3.4 Abgeleitete Adjektive

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Fragestellung und Vorgehen

Bereits die unterschiedliche Bezeichnung innerhalb der Grammatiken weist darauf hin, dass die Autoren das adjektivische Attribut aus völlig verschiedenen Perspektiven betrachten. Während Eisenberg das Adjektiv hinsichtlich seiner Stellung den Attributen unterordnet und es folglich als adjektivisches Attribut bezeichnet, sprechen sowohl Helbig/Buscha als auch Heringer vom attributiven Adjektiv.

Weiterhin weichen die Klassifizierungen des Adjektivs in den Grammatiken so stark voneinander ab, dass ein Vergleich nur vage möglich ist. Dabei darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass die Grammatiken für verschiedene Zielgruppen verfasst wurden und die Niveaus der Werke abhängig von der jeweiligen Gruppe der Rezipienten nur verschieden sein können.

Da Eisenbergs Text die Grundlage des Seminars ist, soll er auch in meiner Untersuchung die Basis des Vergleichs bilden. Folglich werde ich Eisenbergs Bezeichnung verwenden und die Arbeit überwiegend in der Reihenfolge und Art und Weise gliedern, die Eisenberg vorgibt, auch wenn das schwer mit den beiden anderen Grammatiken zu vereinbaren ist. Daraus ergibt sich, dass ich keine strenge Trennung von strukturellen und semantischen Merkmalen vornehme, sondern beide Aspekte, sofern dies möglich ist, im Zusammenhang betrachte.

In den folgenden Kapiteln werde ich einen Überblick über die Rolle des Adjektivs in der Nominalgruppe geben sowie seine Klassen und deren Bedeutung aufzeigen. In Kapitel 2 werde ich zunächst die Stellung des adjektivischen Attributs in der Nominalgruppe, Kongruenz, Flexion, und Komparation vergleichend analysieren. Anschließend werde ich in Kapitel 3 die Klassifizierung der Adjektive in den Grammatiken im Vergleich untersuchen. Auch hier dient die Klassifizierung in der Eisenbergschen Grammatik als Basis. Ziel meiner Untersuchung ist es, einen umfassenden Überblick über die Funktionen und Klassen des adjektivischen Attributs zu geben. Ich möchte darüber hinaus auch zeigen, dass sich Eisenbergs Werk stark von den anderen abhebt, weil er viel ausführlicher auf die Problematik eingeht.

2. Stellung und Kongruenz des adjektivischen Attributs

Bevor die Autoren auf die Stellung und Kongruenz des adjektivischen Attributs eingehen, definieren sie zunächst die Funktion des Attributs im Allgemeinen. Nach Eisenberg (2004, 235) besteht „die primäre Leistung des Attributs darin, das von einem Substantiv Bezeichnete >näher zu bestimmen<.“ Attribute sind, allgemein gesagt, „unmittelbare Konstituenten“, die dem „Kernsubstantiv nebengeordnet“ sind (ebd., 235).

Im Speziellen sind die attributiven Adjektive laut Heringer (1989, 195) ein „Mittel der Eingrenzung und Genauigkeit“, somit restriktive Attribute, die „keine gemeinsame Funktion“ haben, und „charakteristische Eigenschaften und Merkmale des Referenzgegenstandes, aber auch Wertungen“ geben.

Hinsichtlich der Stellung weisen die Grammatiken unterschiedlich ausführliche Darstellungen auf. Laut Eisenberg (ebd., 236 f.) steht das Adjektiv als grammatische Erweiterung als erstes Attribut zwischen dem Kopf und dem Kern, das heißt, „in der Regel vor dem Kernsubstantiv“ (ebd., 237).

Helbig/Buscha (2005, 273) betrachten die Stellung unter dem Aspekt der Deklination, wobei sie darauf hinweisen, dass „nur die attributiven Adjektive [...] verschiedene Deklinationsformen“ haben. Darüber hinaus unterscheiden Helbig/Buscha noch die Voran- beziehungsweise die Nachstellung der flektierbaren attributiven Adjektive. Darauf werde ich in 2.1 näher eingehen.

Heringer (1989, 195) unterteilt zunächst in Links- und Rechtserweiterung von Nominalphrasen, das heißt, dass die Nominalphrase, oder genauer das Kernsubstantiv, nach links beziehungsweise rechts erweitert werden kann. Heringer (ebd., 211) spricht im Zusammenhang mit der Linkserweiterung von einem „Rahmen“, der „durch den Artikel geschlossen“ wird, wobei vor dem Rahmen keine Linkserweiterungen stehen. Zu den Linkserweiterungen gehören Artikelwörter, „Adjektive unterschiedlicher Art“ und weitere „Substantive, die in Komposition das Kernsubstantiv determinieren“ (ebd., 194). Die Stellung beschreibt Heringer (ebd., 195) als „eindeutig“, und zwar „links vom Substantiv, zu dem sie gehören“, wobei „der Zusammenhalt der jeweiligen Nominalphrase [...] durch Kongruenz gesichert“ wird. Diese Kongruenz macht deutlich, „wie Adjektiv und Substantiv zusammengehören“ (ebd., 195).

Auf die Rechtserweiterungen möchte ich, nur der Vollständigkeit wegen, kurz eingehen. Rechtserweiterungen sind auch Attribute, die „einem Substantiv oder Pronomen untergeordnet“ sind. Zu ihnen zählen die nominalen Rechtserweiterungen Genitiv-, Präpositionalattribut und Apposition sowie die satzförmigen Rechtserweiterungen wie der Relativsatz (vgl. ebd., 211).

2.1 Flektierte Form

Laut Eisenberg (2004, 237) ist das Adjektiv als Attribut „in Hinsicht auf Genus, Numerus und Kasus flektiert“ wenn es vor dem Kernsubstantiv steht. Das folgende Beispiel demonstriert die Kongruenz hinsichtlich des Genus. Zugleich ist das Adjektiv in attributiver Stellung zu finden und erweitert somit die Nominalgruppe:

ein klug+er Kopf, eine klug+e Idee, ein klug+es Buch (vgl. ebd., 237).

Beim attributiven Gebrauch hängt die Wahl des Flexionsmarkers vom syntaktischen Kontext ab. Dabei entscheidet der Kopf der Nominalgruppe, also das Artikelwort, über die Form der Flexion. Wenn das Artikelwort stark flektiert, dann ist das Adjektiv in der schwachen Form zu finden:

dieser kluge Kopf, dieses kluge Buch, diese kluge Idee, diese klugen Ideen

(vgl. ebd., 237). Auch in der „Distanzstellung“ ist das Adjektiv flektiert. Voraussetzung dafür ist, dass „ein kopfloses Nominal im Vorfeld steht, d.h. topikalisiert ist“ (ebd., 239). Dabei kongruieren das kopflose Nominal und das Adjektiv im Kasus, wie Eisenbergs (ebd. 237) Beispiele zeigen. Das Adjektiv ist hier stark flektiert:

Katzen haben sie nur klug+e, Salat kauft er nur frisch+en, Wasser trinkt sie nur frisch+es.

Neben den Adjektiven können auch Artikel und Pronomina in der Distanzstellung auftreten. Wenn ein derartiger Ausdruck für sich steht, „fungiert er als Pronomen und kann nur pronominal flektieren“:

Geld brauchen wir keins vs. * Geld brauchen wir kein (ebd., 239).

Wenn dann noch ein Adjektiv folgt, „übernimmt das Artikelwort die Rolle des syntaktischen Kopfes und flektiert wie ein Artikel“:

Geld brauchen wir kein gefälschtes (ebd., 239) .

Helbig/Buscha (2005, 273) gehen ausschließlich auf die prädikative und attributive Stellung näher ein. An dieser Stelle möchte ich auf die Voran- beziehungsweise Nachstellung der flektierbaren attributiven Adjektive eingehen, auch wenn sich die Beispiele auf die in Punkt 2 untersuchte Stellung beziehen. Helbig/Buscha (ebd., 273, Hervorhebung im Original) unterscheiden hinsichtlich der Stellung des Adjektivs noch in Voranstellung, zum Beispiel in Sprichwörtern

Gut Ding will gut Weil haben.

und Nachstellung, zum Beispiel in fachsprachlichen Wendungen

Karpfen blau.

Helbig/Buscha betrachten die fachsprachlichen Wendungen unter dem Aspekt der Stellung und ordnen sie der flektierten Form zu. Im Gegensatz dazu untersucht Dürscheid (in Eisenberg 2004, 237) die idiomatisierten Ausdrücke unter dem Aspekt des Flexionsverhaltens und zählt sie zur unflektierten Form. Unter diesem Gesichtspunkt werden sie auch von mir analysiert.

2.1.1 Schwache Flexion

Auch hinsichtlich der Flexion, die von Helbig/Buscha und Heringer auch als Deklination bezeichnet wird, differieren die Darstellungen stark. Eisenberg (ebd., 237) betont, dass das Adjektiv in flektierter Form „immer demselben Flexionstyp“ folgt und im Gegensatz zu Substantiv und Verb einheitlich flektiert. Die folgende Tabelle zeigt die Flexionsendungen der schwachen Flexion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.1 Adjektiv: Schwache Flexion (Eisenberg 2004, 238)

Die schwache Flexion enthält nur zwei Formen, wobei die Form auf „ e (Schwa)“ laut Eisenberg (ebd., 238, Hervorhebung im Original ) zugleich die „phonologisch leichte“ und „markierte“ ist. Sie wird immer dann gewählt, „wenn das Genus am Kopf eindeutig kodiert ist.“ Eisenberg (vgl. ebd., 238, Hervorhebung im Original) erklärt die Markiertheit anhand des Verhaltens des Pronomens und stellt fest, dass sich die Formen des Maskulinums, Femininums, Neutrums im Nominativ (dieserdiesedieses) und Akkusativ (diesendiesedieses) unterscheiden, im Genitiv und Dativ jedoch nicht. Eine Genusmarkierung liegt vor, weil das Adjektiv nur im Nominativ und Akkusativ des Singular e wählt. Der Akkusativ des Maskulinums bildet eine Ausnahme, weil er dort auch die Endung en aufweist. In allen übrigen Kasus der restlichen Genera des Singular sowie Plural wählt das Adjektiv en (vgl. ebd., 238, Hervorhebung im Original).

Helbig/Buscha (2005, 273) zufolge ist die Flexion „abhängig vom (vorausgehenden) Artikelwort beim Substantiv“. Dabei betonen Helbig/Buscha (ebd., 273 f.), dass die Endungen, die Genus, Numerus und Kasus signalisieren, „stets nur einmal – entweder beim Artikelwort oder beim Adjektiv – erscheinen“. Trägt das Artikelwort die Merkmale für Genus, Numerus und Kasus, liegt die „nominale, determinierte“ oder schwache Flexion vor, wobei Helbig/Buscha die schwache Flexion als „Adjektivdeklination nach bestimmtem Artikel“ bezeichnen (ebd., 274). Ergänzend zählen die Autoren weitere Adjektive auf, die gemäß der schwachen Flexion nach den Artikelwörtern derjenige, derselbe, dieser, jener, jeder, (mit bestimmten Einschränkungen) mancher, irgendwelcher, solcher, welcher sowie aller dekliniert werden (vgl. ebd., 274).

Laut Heringer (vgl. 1989, 195) flektieren alle Adjektive gleich. Er unterscheidet zwischen der starken und der schwachen Deklination. Dabei betont er, dass die schwache Deklination weniger gut markiert ist als die starke, weil sie den Kasus weniger deutlich zeigt:

bei dem unelastischen Streuvorgang (dat sg m) (vgl. ebd., 195).

2.1.2 Gemischte Flexion

Die gemischte Flexion ergibt sich aus dem unterschiedlichen Verhalten einiger Artikelwörter.

Helbig/Buscha (2005, 275) fanden heraus, dass „die meisten Formen der Artikelwörter“ die „Merkmale für Genus, Numerus und Kasus“ enthalten, einige Formen jedoch endungslos sind. Das Adjektiv übernimmt die grammatische Kennzeichnung, in diesem Fall die starke Flexionsendung, wenn das vorausgehende Artikelwort keine Flexionsendung hat (vgl. Eisenberg 2004, 238). Zu diesen Artikelwörtern zählt Eisenberg (ebd., 238)

ein, kein, mein, dein, sein.

Helbig/Buscha (2005, 276, Hervorhebung im Original) sprechen hier von der „Adjektivdeklination nach den Artikelwörtern ein (Sing.), kein, mein“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.2 Adjektiv: Gemischte Flexion (Helbig/Buscha 2005, 276)

Die gemischte Flexion wird an den Formen des Maskulinums im Nominativ sowie des Neutrums im Nominativ und Akkusativ deutlich (kein klug+er Kopf, kein klug+es Kind). Alle anderen Formen sind auch hier schwach. Eisenberg (2004, 238)weist darauf hin, dass die schwache und die gemischte Flexion auch zur sogenannten „kopforientierten“ Form zusammengefasst werden können, weil von der Flexion des Kopfes abhängig ist, welche Endung das Adjektiv wählt.

Helbig/Buscha (2005, 276) ergänzen, dass „dem unbestimmten Artikel ein [...] im Plural der Nullartikel“ entspricht, und demzufolge „die Adjektive im Plural wie nach Nullartikel flektiert“ werden. Die Adjektive nach manch/solch/welch ein und nach ein mancher/solcher flektieren im Singular wie nach ein (vgl. ebd., 276). Darüber hinaus zählen sie noch einige Besonderheiten der Deklination auf, die für den Ausländerunterricht von Bedeutung sind.

Heringer behandelt in seiner Grammatik die gemischte Flexion nicht.

2.1.3 Starke Flexion

Bei der starken Flexion ist kein Kopf, also kein Artikelwort, vorhanden. Folglich übernimmt das Adjektiv die Endungen der starken Flexion (vgl. Eisenberg ebd., 238). Helbig/Buscha (2005, 274) sprechen hier vom „sog. Nullartikel“ und bezeichnen den Deklinationstyp als „Adjektivdeklination nach Nullartikel“:

kalt+er Tee, kalt+es Wasser, kalt+e Milch, kalt+e Kartoffeln

(Eisenberg 2004, 238).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1.3 Adjektiv: Starke Flexion (Helbig/Buscha 2005, 275)

In diesem Muster weicht der Genitiv des Maskulinums und Neutrums ab, das heißt er wählt die schwache Form, weil „beim Mass noun des Mask und Neut, das ja regelmäßig den Kern von kopflosen NGr bildet, so gut wie immer ein Genitiv- s vorhanden ist“ (Eisenberg 2004, 238). Das Adjektiv braucht kein Genitiv- s, weil es in diesen beiden Fällen „kernorientiert“ flektiert (ebd., 238). Im Gegensatz zur variablen Kernorientiertheit des Pronomens, ist die des Adjektivs „fest grammatikalisiert“ (ebd., 238).

Ein anderer Fall liegt vor, wenn eine Nominalgruppe Kopf und Kern hat. Dann „wird das Adjektiv in Hinsicht auf die Flexionsart vom Kopf und hinsichtlich des Genus vom Kern regiert“:

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638869577
ISBN (Buch)
9783638875769
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82250
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
Attribut Vergleich Hauptseminar Eisenberg-Syntax Nominalgruppen

Autor

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