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Der dritte Kreuzzug –und seine Anlässe

Hausarbeit 2005 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die politische Lage der Kreuzfahrerstaaten von 1149-1187

3. Die Entwicklungen in der islamischen Welt im Vorfeld des dritten Kreuzzugs
3.1. Die Herrschaft von Nur ad-Din (1117-1174)
3.2. Die Herrschaft von Saladin (1138-1193)

4. Die Situation in West- und Mitteleuropa
4.1. Die Situation im Heiligen Römischen Reich
4.2. Die Situation in England und Frankreich

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als die Christen nach dem ersten Kreuzzug gewaltsam die Kreuzfahrerstaaten etabliert hatten, herrschte in der islamischen Welt Konfusion. Anfangs hatten zum Beispiel die Menschen in Syrien Angst, dass es sich bei den Eindringlingen um Byzantiner handelte, die ihre 1071 verlorenen Ländereien wieder erobern wollten. Langsam stellten die Muslime fest, dass ihnen eine neue Qualität von Gegnern gegenüber stand1. Und noch langsamer formierte sich der Widerstand gegen die Kreuzfahrer, die allgemein nur als Franken bezeichnet wurden. Ein erster ernsthafter Gegner war Zengi, dessen Eroberung Edessas den zweiten Kreuzzug provozierte. Diesem blieb - bedingt durch interne Probleme in der Führung des Kreuzfahrerheeres - der Erfolg verwehrt. So vergingen von 1149 an 40 Jahre zwischen der Abreise der Kämpfer des zweiten Kreuzzuges aus dem Heiligen Land und dem Aufbruch neuer Kreuzzugskontingente aus Europa für den dritten Kreuzzug. Diese Arbeit stellt dar, wie sich die Kreuzfahrerstaaten in diesen Jahren entwickelten. Sie zeigt auch, wie sich die Gegenseite, die islamische Welt, auf alte Stärken und neue Führer besann, um den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Jerusalem war für die Muslime wie für die Christen eine heilige Stätte, da der Sage nach der Religionsgründer Mohammed vom Felsendom aus mit seinem geflügelten Streitross Buraq in den Himmel geritten war2. Dieser Ort sollte aus der Hand der Ungläubigen befreit werden. Für die Christen in aller Welt war Jerusalem die heiligste aller Stätten - und gehörte selbstverständlich in christliche Hand. Doch in den langen Jahren bis zum dritten Kreuzzug waren die Herrscher in Europa mit sich selbst beschäftigt. Hilferufe aus dem Heiligen Land blieben ungehört oder unerwidert - bis die größtmögliche Katastrophe für die Christenheit eintrat: der Fall von Jerusalem. Dieser stellte isoliert betrachtet schon einen Anlass für den dritten Kreuzzug dar. Doch Anlässe gab es mehr, wie diese Arbeit zeigen wird.

2. Die politische Lage der Kreuzfahrerstaaten von 1149 bis 1187

Nach dem Scheitern des zweiten Kreuzzugs und der Abreise der Kreuzfahrer 1149 verschlechterte sich die Situation der verbliebenen Kreuzfahrerstaaten, die nun wieder ohne Hilfe des Abendlandes ihre Existenz sichern und die Bedrohung durch die Muslime abwehren mussten. Die Grafschaft Edessa war nach dem Abzug endgültig verloren, die Rückeroberungsversuche von Graf Joscelin II. endeten 1150 in muslimischer Gefangenschaft3. Das Fürstentum Antiochia sah sich nach der willkommenen Unterbrechung durch den zweiten Kreuzzug der Wiederaufnahme von Eroberungsbemühungen von Nur ad-Din ausgesetzt. Fürst Raimund von Antiochia wurde am 29. Juni 1149 bei der Niederlage von Inab im Kampf getötet4. Das Eingreifen Jerusalems sicherte den Fortbestand Antiochias, das längere Zeit ohne männliche Führung blieb. Raimunds Witwe Konstanze verweigerte 1150 die Verheiratung mit einem der drei von Jerusalem vorgeschlagenen Kandidaten5 und erwählte sich 1153 Rainald von Châtillon als Gatten, der als hübsch und tollkühn, als mit zügellosem Temperament versehen und ohne politischen Weitblick beschrieben wird6. Ebenfalls mit einer Vielzahl von Problemen kämpfte das Königreich Jerusalem. Nach der Eroberung der Stadt 1099 hatten die Kreuzfahrer ein Massaker an Muslimen, Juden und Ostchristen verübt, so dass Jerusalem nur noch über wenige hundert Einwohner verfügte7. Die Herrscher mussten Eingeständnisse machen, um Siedler ins Heilige Land zu locken. Eine neue, im Heiligen Land aufgewachsene Generation lernte das friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen kennen8. Die Franken behandelten die Bauern gut, so dass die Wirtschaft sich schnell weiter entwickelte. Durch ihre günstige Lage und ihre fruchtbaren Böden erlebten die Küstenstädte einen rapiden Aufschwung9. In diesem Klima einer neu heranwachsenden Gesellschaft abseits der strikten Zwänge in Westeuropa ereignete sich 1143 etwas Ungewöhnliches. Jerusalems König Fulko starb im November und seine Witwe Melisendis10 sollte zeitlich begrenzt die Regentschaft übernehmen, bis der damals 13-jährige Sohn Balduin III. mündig wurde. Als dieses 1145 soweit war, weigerte sie sich, den Thron abzugeben. Die internen Probleme blockierten das Königreich bis 1152. Bis dahin setzten beide eigene Verwaltungen ein und kämpften um die Macht. 1152 gelang es Balduin III., seine Mutter ins politische Abseits zu schieben und seinen Alleinherrschaftsanspruch durchzusetzen11.

Jonathan Phillips charakterisiert die sich anschließende Zeit von Balduin III. und später von Amalrich im Bezug auf Stabilität und Sicherheit gegenüber den Muslimen so:

„Zu diesem Zeitpunkt war die politische Lage noch ausgewogen; die Muslime waren zwar zu einer wachsenden Bedrohung geworden, doch in Balduin III. von Jerusalem (1143 bis 1163) und seinem Nachfolger Amalrich (1163 bis 1174) besaßen die Franken zwei machtvolle Herrscher, die bereit und fähig waren, dem Gegner die Stirn zu bieten.“12

Amalrich war es auch, der die Bedeutung Ägyptens erkannte hatte. Es lockten schier unerschöpfliche Naturschätze, eine leistungsfähige Exportindustrie und ein gewinnbringender Sklavenhandel. Zudem drohte bei einer Übernahme der führungsschwachen Fatimidendynastie durch die syrischen Muslime die Einkreisung Jerusalems13. Fünf militärische Operationen führte Amalrich gegen Ägypten. Sie brachten nicht den gewünschten Erfolg, lediglich größte finanzielle Schwierigkeiten für das Königreich, da die Soldaten bezahlt werden mussten, die erwartete Beute aber ausblieb. Die letzte Chance auf einen Sieg hatte Jerusalem 1174, als am 15. Mai Nur ad-Din in Damaskus starb. Amalrich wollte die Führungslosigkeit in Syrien für einen Angriff auf Ägypten nutzen und rief eine zufällig zur Verfügung stehende Hilfsflotte aus Sizilien zur Hilfe. Als diese das Heilige Land erreichte, schlug das Pendel des Schicksals in die andere Richtung14. Überraschend für alle erkrankte Amalrich schwer und starb am 11. Juli.

Auf den Thron folgte der 13-jährige Balduin IV., ein Sohn aus seiner ersten Ehe, die Amalrich hatte annullieren müssen. Kurz nach seiner Volljährigkeit mit 15 Jahren brach bei Balduin IV. Lepra aus15. Geschwächt von der Krankheit zeigt er Führungsschwäche und so beschäftigte sich das Königreich fast nur noch mit sich selbst, wie Jonathan Phillips verkürzend dargestellt es beschreibt: „Zwei rivalisierende Adelsparteien befehdeten sich, die den unglücklichen König zu manipulieren suchten, ihren jeweiligen Zwecken zu dienen.“16 Mit 21 Jahren war Balduin IV. dem Tod näher als dem Leben. Lähmungen ergriff Besitz von seinem Körper, er erblindete. So bot er den Thron 1182 in Europa an, der englische oder der französische König sollte übernehmen. Die lehnten beide ab, so dass Balduin IV. an einer internen Lösung arbeitete17. Am 22. November 1183 ernannte er seinen sechsjährigen Neffen Balduin V. - noch zu seinen Lebzeiten - zum Nachfolger unter der Regentschaft von Raimund von Tripolis. Als Balduin IV. im Februar 1185 starb, blieb diesem Konstrukt selbst nur eineinhalb Jahre Überlebenszeit, denn im September 1186 starb Balduin V. mit gerade neun Jahren völlig überraschend18. Seine Mutter Sybille übernahm in einem geschickt inszenierten Staatsstreich die Macht und krönte ihren Mann Guido von Lusignan zum König. Zu der Zeit hatte Saladin den muslimischen Aufmarsch gegen die Franken weitgehend abgeschlossen und wartete auf einen Fehler der Ungläubigen, der als Angriffsgrund zählen konnte. Rainald von Châtillon, rüpelhafter Herrscher in Antiochia, griff 1187 trotz eines Waffenstillstands mehrfach muslimische Karawanen an. Er lehnte jegliche Wiedergutmachung ab, so dass Saladin den Franken den Krieg erklärte. In der Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187 verloren die Kreuzfahrerstaaten ihre nahezu vollständige kampffähige Schicht, so dass die Muslime keinen ernsthaften Widerstand mehr antrafen19. Am 2. Oktober 1187 ereignete sich das größtmögliche Unglück für die gesamte Christenheit der damaligen Zeit. Nach nur zwei Wochen Belagerung marschierten Saladin und seine Truppen in Jerusalem ein. Das Heilige Grab befand sich in Händen der Ungläubigen.

[...]


1 Elisséeff, Nikita, The reaction of the Syrian Muslims after the foundation of the first Latin Kingdom of Jerusalem, in: Shatzmiller, Maya (Hrsg.), Crusaders and Muslims in twelfth-century Syria, Leiden/New York/Köln 1993, S. 162-172, hier S. 163.

2 Irwin, Robert, Der Islam und die Kreuzzüge 1096 bis 1699, in: Riley-Smith, Jonathan (Hrsg.), Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge, Frankfurt/New York 1999, S. 251-298, hier S. 259.

3 In der Gefangenschaft starb er 1159. Vgl. Mayer, Hans Eberhard, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart/Berlin/Köln 20009, S. 87.

4 Ebd. S. 99.

5 Ebd. S.101-102.

6 Ebd. S. 104.

7 Ebd. S. 138.

8 Haas, Wolfdieter, Welt im Wandel, Stuttgart 2002, S. 128.

9 Phillips, Jonathan, Der lateinische Orient 1098 bis 1291, in: Riley-Smith, Jonathan (Hrsg.), Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge, Frankfurt/New York 1999, S. 134-166, hier S.139-140.

10 Jonathan Phillips benutzt die Schreibweise Melisande, die hier genommene Schreibweise Melisendis folgt der von Hans Eberhard Mayer, der als Verfasser des Standardwerkes über die Kreuzzüge gilt. Gleiches gilt bei den islamischen Herrschern Nur ad-Din und Saladin, bei denen ebenfalls der Schreibweise von Mayer gefolgt wird.

11 Phillips, Der lateinische Orient, S. 144.

12 Phillips, Der lateinische Orient, S. 146.

13 Mayer, Kreuzzüge, S. 109.

14 Phillips, Der lateinische Orient, S. 148.

15 Mayer, Kreuzzüge, S. 116.

16 Phillips, Der lateinische Orient, S. 148-149.

17 Mayer, Kreuzzüge, S. 120

18 Ebd. S. 120-122.

19 Die Schlacht von Hattin wird ausführlicher im Punkt „3.2 Die Herrschaft von Saladin (1138-1193)“ behandelt.

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638884198
ISBN (Buch)
9783656620655
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82065
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Schlagworte
Kreuzzug Anlässe

Autor

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