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Die Transaktionskostentheorie im Überblick

Forschungsarbeit 2006 20 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Grundzüge der Transaktionskostentheorie
1.1 Einordnung und Genese der Transaktionskostentheorie
1.2 Definitorischer Rahmen und Zielsetzung der Theorie
1.3 Das Markt-Hierarchie-Paradigma als zentraler Theorierahmen
1.3.1 Determinanten für Transaktionskosten und Organisationsversagen
1.3.2 Institutionelle Arrangements zur Gestaltung von Transaktionen
1.3.3 Organisatorische Auswirkungen auf die Transaktionsabwicklung
1.4 Wahl der transaktionskostenoptimalen Organisationsform
1.5 Kritik und Grenzen der Theorie
1.5.1 Konzeptionelle Grenzen
1.5.2 Kritik
1.5.3 Entwicklungsrichtungen der Theorie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3: The Organizational Failure Framework (Williamson 1975, S. 40.)

Abbildung 4: „Governance costs as a function of asset specifity” (Williamson 1991, S. 116.)

1. Grundzüge der Transaktionskostentheorie

Ziel dieser Arbeit soll eine umfassende Betrachtung der Transaktionskostentheorie (‚Transaction-Costs-Economics’ – TCE) sein. Dazu wird die Theorie zunächst theoretische eingeordnet und der definitorische Rahmen und die Zielsetzung der Theorie bestimmt. Des Weiteren werden im Anschluss auf Basis des Markt-Hierarchie-Paradigma als zentralem Theorierahmen die Probleme ökonomischer Leistungsbeziehungen in den unterschiedlichen institutionellen Koordinationsformen thematisiert und die verschiedenen institutionellen Arrangements zur Gestaltung von Transaktionen und deren Auswirkungen auf die Transaktionsabwicklung diskutiert. Daran anknüpfend soll eine Aussage zur Wahl der transaktionskostenoptimalen Organisatuonsform in Abhängigkeit von den Charakteristika der Transaktion und den institutionellen Arrangements in Bezug auf die daraus resultierenden Transaktionskosten getroffen werden. Münden wird die Arbeit in einer konzeptionellen Kritik und der Betrachtung der Grenzen der Theorie.

1.1 Einordnung und Genese der Transaktionskostentheorie

Die Transaktionskostentheorie (‚Transaction-Costs-Economics’ – TCE) ist neben der Prinzipal-Agenten-Theorie (‚Principal-Agency-Theory’) und der Theorie der Verfügungsrechte (‚Property-Rights-Theory’) eine Theorie der Neuen Institutionenökonomik (‚New-Institutional-Economics’). Sie beruht insbesondere auf den wegweisenden Arbeiten von Commons und Coase und wurde u. a. von Williamson entscheidend weiterentwickelt. Commons definierte 1934 in seinem Buch ‚Institutional Economics’ die Transaktion als grundlegende Untersuchungseinheit. Coase etablierte in seinem 1937 erschienenen Artikel ‚The Nature of the Firm’ den Institutionenvergleich und setzte damit das Fundament für die weitere Forschung. Williamson knüpfte hier 1975 mit seiner Arbeit ‚Markets and Hierarchies’ an und entwickelte die Theorie mit seinem Markt-Hierarchie-Paradigma entscheidend weiter.[1]

1.2 Definitorischer Rahmen und Zielsetzung der Theorie

„Im Rahmen des Denkgebäudes der Neuen Institutionenökonomik, das sich mit den Koordinationsmechanismen sozioökonomischer Austauschbeziehungen beschäftigt, stellt die TCE ein mikroanalytisches Instrumentarium zur Verfügung, dass die Entwicklung institutioneller Organisationsmuster erklärt und als Gestaltungsgrundlage zwischenmenschlicher Leistungsbeziehungen dient.“[2]

Das Problem ökonomischer Organisation wird hierbei als Vertragsproblem mit den daraus resultierenden Kosten formuliert.[3] Dabei wird die Rolle der einzelnen Entscheidungssubjekte neu interpretiert. Die Betrachtung sozialer Erscheinungen erfolgt nunmehr aus der Perspektive des methodologischen Individualismus, d. h. auf Basis der Handlungen von Einzelpersonen und nicht aus der Sicht von Institutionen als kollektive Einheiten bzw. der Organisation als soziale Entität selbst. Annahmegemäß agieren alle Akteure also nach ihren persönlichen Präferenzen und streben nach individueller Nutzenmaximierung.[4]

Als Ergebnis der theoretischen Analyse soll ein Institutionenvergleich stehen. Somit ist zunächst das Begriffsverständnis der Institution elementar, jedoch insofern schwierig, als dass der Institutionenbegriff in der Literatur nicht einheitlich definiert ist. Dennoch lässt sich in einer relativ weiten Fassung des Begriffs grundsätzlich ein System von Regeln und Verträgen mit ihren jeweiligen Durchsetzungsmechanismen fassen, durch die das Verhalten von Individuen kanalisiert werden soll. So stellen sowohl formelle Regeln als auch Konventionen und andere sog. informelle Regeln Institutionen dar.[5]

„Institutionen setzen Anreize, bereiten Kosten und machen auf diesem Wege bestimmte Handlungen erwartbar oder unwahrscheinlich, verringern Unsicherheit, ohne sie zusammen mit der Wahlfreiheit der Akteure aufzuheben. Institutionen sind damit vorstellbar als die äußeren, sozialen ‚Randbedingungen’, die nach individuellem Nutzen strebende Akteure berücksichtigen, wenn sie in Verfolgung ihrer Interessen subjektiv rationale Entscheidungen treffen.“[6]

Den Ausgangspunkt der Analyse dieser Institutionen stellt die Transaktion als Basiseinheit dar. Als Transaktionen werden die Übertragung von Verfügungsrechten, d. h. mit materiellen bzw. immateriellen Gütern verbundene, institutionell legitimierte Handlungsrechte eines oder mehrerer Wirtschaftssubjekte, auf der Grundlage eines vertraglich vereinbarten Tausches bezeichnet. Die in diesem Zusammenhang mit der Bestimmung, Übertragung und Durchsetzung der Transaktion entstehenden Kosten sind als Transaktionskosten definiert.[7]

Zur Klassifizierung der Transaktionskosten kann man sich an die Phasen von Transaktionen anlehnen: Die Kosten können einerseits zeitlich vorgelagert bei der Anbahnung und Vereinbarung der Transaktion – ex ante Transaktionskosten – sowie andererseits während bzw. nach der Transaktion zur Anpassung bzw. Kontrolle – ex post Transaktionskosten – entstehen. Als Beispiele lassen sich hier insbesondere die Aufwendungen bei der Identifikation potenzieller Transaktionspartner, der Gestaltung spezifischer Verträge, der Koordination während der Vertragsdauer sowie der Angleichung des Regelwerks bei sich ändernden Vertragsbedingungen anführen. Man kann Transaktionskosten also im Wesentlichen als Informations- und Kommunikationskosten interpretieren.[8]

Zielsetzung der TCE ist die Minimierung dieser Kosten durch die Beurteilung der Effizienz institutioneller Form der Organisation ökonomischer Aktivitäten auf dem Weg einer komparativen Analyse.[9] Als Ergebnis steht schließlich die Wahl der transaktionskostenoptimalen Organisationsform für die Durchführung der Transaktion.[10]

1.3 Das Markt-Hierarchie-Paradigma als zentraler Theorierahmen

Den Ausgangspunkt zur Thematisierung von Problemen ökonomischer Leistungsbeziehungen in unterschiedlichen institutionellen Koordinationsformen hinsichtlich der Transaktionskosten bildet nach Williamson das Markt-Hierarchie-Paradigma. Hier wird versucht anhand von verschiedenen Einflussgrößen theoretisch zu verdeutlichen, weshalb bestimmte Transaktionen über den Markt, d. h. mit dem Preis als wesentlichen Koordinationsmechanismus, und andere Transaktionen hierarchisch unter teilweiser Ausschaltung des Preismechanismus koordiniert werden. Dabei lassen sich die institutionellen Koordinationsmöglichkeiten in einem Kontinuum mit den Extrema marktliche Organisation bzw. Hierarchie sowie den verschiedenen hybriden Organisationsformen darstellen.[11]

[...]


[1] Vgl. Coase 1937; Commons 1990; Williamson 1975. Seither wurde die Theorie vielfältig modifiziert. Einen Überblick dazu gibt u. a. Sydow 1999, S. 169 ff. Die nachfolgenden Betrachtungen werden sich jedoch im Wesentlichen auf die Perspektive der ursprünglichen Transaktionskostentheorie beziehen um sowohl den Komplexitätsrahmen der Diplomarbeit nicht zu sprengen als auch eine kritische Würdigung der Thematik mit den grundlegenden transaktionskostentheoretischen Basisannahmen zu ermöglichen, ohne dabei die konzeptionellen Grenzen der betrachteten Theorie zu überschreiten.

[2] Picot/Dietl 1990, S. 178.

[3] Vgl. Williamson 1990, S. 22.

[4] Vgl. Richter/Furubotn 1999, S. 3; Wolff 1999, S. 136 f., 141 f.

[5] Vgl. Erlei et al. 1999, S. 23 f.

[6] Edeling 1999, S. 9.

[7] Vgl. Picot/ Dietl 1990, S. 178.

[8] Vgl. Picot 1982, S. 270 f.; Sydow 1992, S. 130.

[9] Vgl. Hanke 1993, S. 4 f.

[10] Williamson 1990, S. 19.

[11] Vgl. Picot/Dietl 1990, S. 178 f.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638847667
ISBN (Buch)
9783638845885
Dateigröße
744 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82043
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Management
Note
1,3
Schlagworte
Transaktionskostentheorie

Autor

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