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Das bürgerliche Trauerspiel. „Emilia Galotti“ und „Miss Sara Sampson“ von G. E. Lessing im Vergleich

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

2. Das bürgerliche Trauerspiel
2.1. Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels
2.2. Eine Definition des bürgerlichen Trauerspiels
2.3. Lessing und das bürgerliche Trauerspiel

3. Emilia Galotti
3.1.Kurzer Prolog und kurze Inhaltsskizze
3.2. Figurenkonstellationen
a) „Gemischte Charaktere“
b.) Prinz Hettore Gonzaga
c.) Emilia und Odoardo Galotti
3.3. Die Funktion der Räume

4. Miss Sara Sampson
4.1. Kurze Inhaltsskizze
4.2. Kurzer Vergleich mit Emilia Galotti

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Laut Lexikon[1] handelt es sich beim Bürgerlichen Trauerspiel um eine dramatische Gattung der deutschen Aufklärung, die sich mit dem tragischen Schicksal von Menschen aus dem bürgerlichen Stand beschäftigt.

In dieser Hausarbeit soll nun herausgearbeitet werden, inwiefern „Emilia Galotti“[2] von Gotthold Ephraim Lessing ein bürgerliches Trauerspiel ist. Demnach muss zuerst geklärt werden, wie der Begriff des Bürgerlichen Trauerspiels entstanden ist, und was er genau beinhaltet. Anschließend werde ich auf den Zusammenhang Lessings mit dem bürgerlichen Trauerspiel, beispielsweise unter Einbezug der Hamburgischen Dramaturgie, eingehen. Daraufhin wird dann die Emilia Galotti im Hinblick auf deren Inhalt, Figurenkonstellationen und räumliche Aspekte genauer untersucht werden. Darüber hinaus soll dann noch kurz erörtert werden, wie sich eben jener Inhalt bei Lessings bürgerlichen Trauerspielen im Laufe der Zeit gewandelt hat. Dies wird schließlich an Hand eines kurzen Vergleiches einiger wichtiger Aspekte zwischen „Emilia Galotti“ und „Miss Sara Sampson“[3] gezeigt werden.

2. Das bürgerliche Trauerspiel

2.1. Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels

Man kann durchaus sagen, dass das bürgerliche Trauerspiel ein Produkt der literaturgeschichtlichen Umbruchszeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist, wobei geistes- und sozialgeschichtliche Faktoren den Boden bereitet haben. Die Philosophie und aufklärerische Poetik lieferten hierfür die Grundlagen. Die genaue Gattungsbezeichnung tauchte im Jahre 1733 zum ersten Mal in einem Brief des französischen Autors Michael Linat auf[4]. Jedoch sieht man nicht die Franzosen, sondern die Briten als die Vorgänger des deutschen bürgerlichen Trauerspiels an, konkret heisst das, englische Dramen der fünfziger Jahre, vor allem G. Lillos „The London Merchant“ (1731), bildeten einen bedeutenden Anstoß zur Ausbildung dieser Gattung. Abgesehen von D. Diderots kunsttheoretischen Äußerungen ist die Bedeutung des französischen Dramas für die Ausbildung des bürgerlichen Trauerspiels vergleichsweise gering. Führender Kopf des deutschen bürgerlichen Trauerspiels war Gotthold Ephraim Lessing, von dem 1755 das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel, nämlich Miss Sara Sampson, erschien (s. 2.3. Lessing und das bürgerliche Trauerspiel). Insgesamt gesehen sollte man daher festhalten, dass das deutsche bürgerliche Trauerspiel also weder eine rein deutsche Gattung, noch ein Import ist, es entwickelte sich vielmehr im „englisch- französisch- deutschen Kontext“.

2.2. Eine Definition des bürgerlichen Trauerspiels

Nach dem heutigen Forschungsstand versteht man unter dem Begriff des Bürgerlichen Trauerspiels eine während der deutschen Aufklärung im 18. Jahrhundert entstandene dramatische Gattung. Im kollektiven Gedächtnis haben sich bis heute unter dem Begriff des Bürgerlichen Trauerspiels eigentlich nur vier Dramen tatsächlich gehalten: Miss Sara Sampson, Emilia Galotti (Lessing), Kabale und Liebe, (Schiller) sowie Maria Magdalena (Hebbel)[5]. Zunächst herrschte aber eine „beträchtliche terminologische Verwirrung; zumal im deutschen Sprachraum [...] eine größere Zahl unterschiedlicher Bestimmungsversuche, die mit der späteren Bedeutung des Begriffs wenig gemein haben“[6], kursierte. Letztendlich deutet man die Entstehung dieses Gattungsbegriffes als Folge der Emanzipationsbewegung des Bürgertums, das während der Aufklärung in neuem Selbstgefühl die bestehenden Ordnungen einer kritischen Analyse unterzog und an Stelle der ständigen Wertungen ethische Werte wie Tugend, Sittlichkeit und Würde setzte[7]. Hierbei wird nun das Schicksal von Menschen des bürgerlichen Standes thematisiert, das heisst also nicht Amt und Status sind entscheidend für die tragische Wirkung, sondern vielmehr die sittliche Würde, sowie die innere Größe. Der Bürger definiert sich demnach also nicht durch seine soziale Stellung, sondern durch seine Moralität.

Noch während der Zeit der Renaissance und des Barocks vertrat man die poetologische Anschauung, die Tragödie sei das Medium zur Darstellung der Schicksale höherer Standespersonen, wohingegen der Bürger, da ihm die Fähigkeit zum tragischen Agieren fehle, lediglich in Komödien als Hauptfigur auftreten könne. Zur Zeit der Aufklärung vollzog sich dann aber eine eindeutige Abwendung dieser Ansicht, da sich die bis dato bestehenden Grenzen nun verwischten. Dadurch dass nun auch der Bürger als Held zum Tragödienpersonal gehören konnte, wuchs so die Allgemeinverbindlichkeit[8].

Da es eine Vielzahl an Elementen des bürgerlichen Trauerspiels gibt, werden hier lediglich die wichtigsten erwähnt: Die Handlung ist im Kaufmannsstand und damit in der Mittelschicht angesiedelt, die bis dato kaum für tragödienwürdig gehalten wurde. Zudem trägt sich der dargestellte Konflikt in einer privaten Sphäre jenseits der politisch- öffentlichen Dimension zu, und der (Erzähl-) Stoff bleibt ein Produkt der dichterischen Erfindung und stützt sich nicht auf mythologische oder historische Quellen. Zur sprachlichen Gestaltung kann man anmerken, dass diese nicht besonders anspruchsvoll wirkt und durchgängig in Prosa gehalten ist[9].

2.3. Lessing und das bürgerliche Trauerspiel

Gotthold Ephraim Lessing rechtfertigte diese neue Gattung nicht nur, sondern er begründete sie auch praktisch. Mit Miss Sara Sampson (1755) und Emilia Galotti (1772) schrieb er die beiden ersten bedeutenden deutschen bürgerlichen Trauerspiele, „deren Grundthematik, die Konfrontation des Bürgertums mit der Adelswillkür, der Widerspruch zwischen Gewissensfreiheit und moral.- sittl. und sozialer Ordnung [...] bestimmt“[10]. Die bis dato geltenden formalen poetischen Traditionen übernahm Lessing dabei jedoch keineswegs für die Ausgestaltung seiner Werke dieser Gattung; so löste beispielsweise die durchgängige Prosa die bisher üblichen Versformen, wie zum Beispiel die Verwendung von Alexandrinern, ab. Allerdings wurde aber der strenge dramatische Aufbau von fünf Akten/ Aufzügen konsequent beibehalten.

Durch die Hamburgische Dramaturgie, eine Sammlung dramaturgisch- theaterkritischer Beiträge, die Lessing anlässlich der Gründung des Hamburgischen Nationaltheaters verfasste, sowie diversen Briefwechseln mit Mendelssohn und Nicolai gelangte G. E. Lessing allmählich zu seinen eigenen Überlegungen bezüglich des Trauerspiels beziehungsweise zu seiner eigenen Dramentheorie. „Die Entwicklung der dramatischen Literatur in Theorie und Praxis mitzubestimmen und mitzufördern, setzte er sich zum Ziel“[11].

[...]


[1] Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzler Verlag. 1990. S. 70.

[2] Lessing, Gotthold E.: Emilia Galotti. Stuttgart: Reclam Verlag. 2004.

[3] Lessing, Gotthold E.: Miss Sara Sampson. Stuttgart: Reclam Verlag. 2003.

[4] Alt, Peter- Andre´: Aufklärung- Lehrbuch Germanistik. Stuttgart/ Weimar: Metzler Verlag. 2001. S. 208.

[5] Guthke, Karl: Das deutsche bürgerliche Trauerspiel. Stuttgart/ Weimar: Metzler Verlag. 1994. S. 1.

[6] Vgl. Alt, Peter- Andre´: Aufklärung- Lehrbuch Germanistik. Stuttgart/ Weimar: Metzler Verlag. 2001. S. 208- 209.

[7] Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzler Verlag. 1990. S. 70.

[8] Kaiser, Kaiser, Gerhard: Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang. Tübingen: Francke Verlag.

1996. S. 52.

[9] Alt, Peter- Andre´: Aufklärung- Lehrbuch Germanistik. Stuttgart/ Weimar: Metzler Verlag. 2001. S. 208- 211.

[10] Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzler Verlag. 1990. S. 70.

[11] Vgl. Barner, Wilfried: Lessing- Epoche- Werk- Wirkung. München: Beck Verlag. 1998. S. 185.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638862837
ISBN (Buch)
9783638862738
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81980
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,8
Schlagworte
Galotti“ Lessing Trauerspiel Veränderungen Gattung Vergleich Sara Sampson“

Autor

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