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Die filmischen Techniken in Orson Welles´ "Citizen Kane"

Hausarbeit 2007 15 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zusammenfassung des Filminhaltes

2. Die filmischen Techniken
2.1 Plansequenz, Tiefenschärfe und innere Montage
2.1.1 Analyse dieser Techniken an einer ausgewählten Sequenz
2.1.2 Ein weiteres Beispiel für die Tiefenschärfe
2.2 Die Untersicht
2.2.1 Entgegen der Regel: Die Wahlniederlage
2.2.2 Die Bedeutung ändert sich: Die zweite Ehe
2.3 Die Überblendung

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Man schrieb das Jahr 1941, als Orson Welles’ erster Film “Citizen Kane” in die Kinos kam. Mit seinem Debütwerk schrieb der erst fünfundzwanzigjährige Amerikaner Filmgeschichte und übte wegweisenden Einfluss auf nachfolgende Regisseure aus.

Im Vorfeld wurden bereits zahlreiche Filmbiographien produziert und doch bildete “Citizen Kane” ein Novum für dieses Genre. Allein schon deshalb, weil dieser Film zwar Anspielungen auf verschiedene Genre macht, letztlich aber keinen Genrefilm darstellt. Daher stellt sich die Frage, wie es Welles und seinem Team gelang, diesen Film von anderen Hollywoodproduktionen seiner Zeit abzuheben. Innovativ war nicht nur die umfassende Anwendung der damals modernsten Techniken, sondern auch die Art und Weise der Erstählstruktur. Die Narration in diesem Film durchbricht die sonst übliche chronologische Wiedergabe durch eine diskontinuierliche Erzählweise.

Als Ausgangspunkt für die folgende Betrachtung von “Citizen Kane” soll ein Zitat von François Truffaut dienen. Dieser formulierte: “Über Orson Welles kann man nur sprechen, indem man die Schönheit seiner Filme beschreibt, eine faszinierende Aufgabe (…).”1 Dieser faszinierenden Aufgabe wird diese Hausarbeit nachgehen. Die Schönheit dieses Filmes zeigt sich in seinem virtuosen Umgang mit Verfahren wie beispielsweise denen zur Erzeugung einer enormen Tiefenschärfe. Daher soll nachfolgend analysiert werden, durch welche besonderen filmischen Techniken sich “Citizen Kane” auszeichnet. Ebenso wird es zur Untersuchung der damit verbundenen Wirkungen kommen.

Zu Beginn erfolgt eine kurze Zusammenfassung des Filminhaltes. Im Anschluss werden die zu untersuchenden Techniken vorgestellt und an ausgewählten Sequenzen analysiert. Am Schluss wird das Ergebnis der Analyse resümiert.

1. Zusammenfassung des Filminhaltes

Der 1941 veröffentlichte Film “Citizen Kane” erzählt die Lebensgeschichte des Charles Foster Kane. Parallelen zu einer realen Person, dem Pressetycoons William Randolph Hearst, sind nicht von der Hand zu weisen. Der Film beginnt mit dem Tod des Protagonisten in dessen Schloss “Xanadu“. Die letzten Worte des Sterbenden lauten “Rosebud”. Im Anschluss bringt die Wochenschau “News on the march” eine Zusammenfassung über Kanes öffentliches Leben. Es ist eine Parodie auf die damals bekannte Sendung “March of time” von Louis de Rochemont. Man erfährt, dass Kane im Alter von 25 Jahren Erbe einer Goldgrube wurde, was ihm großen Reichtum brachte. Seine Karriere als Publizist begann mit der Übernahme der erfolglosen Zeitung “Inquirer”. Es gelang ihm nach und nach ein Zeitungsimperium aufzubauen. Man sieht Kane zusammen mit realen Politikern wie Roosevelt, Churchill und Hitler. Dies soll den Anschein erwecken, dass Kane tatsächlich lebte. Der Kurzfilm erwähnt seine gescheiterten Ehen. Die erste Frau, Emily Norton, war die Nichte des Präsidenten. Kane versuchte das Amt des Gouverneurs zu erlangen. Er verliert jedoch die Gunst seiner Wähler als publik wird, dass er eine außereheliche Affäre hat. Seine Geliebte Susan Alexander wird seine zweite Frau. Sie ist eine unbegabte Sängerin, dennoch will Kane sie zu einem Star machen. Eigens für sie lässt er ein Opernhaus erbauen. Die wirtschaftliche Depression von 1929 ruiniert Kane, er ist gezwungen seine Zeitungen an seinen Ersatzvater Thatcher abzugeben.

Nach diesem Kurzfilm erscheinen dessen Produzenten. Der Chef ist unzufrieden mit dem Ergebnis, weil nur die Taten dieser Persönlichkeit zum Ausdruck kommen. Er sieht in Kanes letztem Wort “Rosebud” einen Ansatz, um zu klären, wer dieser Mann wirklich war. Der Reporter Thompson wird beauftragt das Rätsel um “Rosebud” zu lösen. Thompson besucht vier Personen, die den Pressemagnaten gut kannten. Dies sind seine zweite Frau, sein ehemaliger Chefredakteur Bernstein, sein einstiger Freund Leland und sein Butler Raymond. Die Erinnerungen von seinem bereits verstorbenen Vormund Thatcher werden in dessen Memoiren nachgelesen.

Der Reporter wird meist von hinten, über seine Schulter hinweg, gefilmt. Die Kamera positioniert sich wie ein objektiver Beobachter. Dadurch wird verhindert, dass eine Identifikation mit Thompson stattfindet. Im Mittelpunkt stehen die subjektiven Berichte der Zeugen, die ein widersprüchliches Bild über Kane zeichnen. Ihre Erinnerungen werden mit sechs Rückblenden gezeigt. Keiner der Befragten weiß, was mit “Rosebud” gemeint ist. Thompson konnte das Rätsel nicht lösen. Der Zuschauer erfährt hingegen, was sich hinter “Rosebud” verbirgt. Die Lösung klärt aber nicht die Frage, wer diese schillernde Persönlichkeit war. Jeder Rezipient muss sich selbst aus allem, was er erfahren hat, eine Meinung über Kane bilden.

2. Die filmischen Techniken

“Citizen Kane” ist in der Tat durch und durch ein Werk Orson Welles. Er war Regisseur, Produzent, sowie Co-Autor und als ob dies nicht schon genug wäre, spielte er die Figur des Charles Foster Kane gleich selbst.

Welles hat nahezu alle damals vorhandenen filmischen Möglichkeiten in diesen Film eingebracht, noch dazu mit einer überwältigenden Meisterhaftigkeit. So ist es kaum verwunderlich, “daß alles, was seit 1940 im Film Bedeutung hat, entweder von CITIZEN KANE oder von Jean Renoirs LA RÈGLE DU JEU beeinflußt ist ”2.

Die ästhetische Schönheit von Welles´s Film wurde möglich, weil er bei der RKO einen Vertrag durchsetzten konnte, der ihm weitgehende künstlerische Freiheit gewährte.3 Mit “Citizen Kane” gelang es “Welles die ästhetischen Normen des gängigen Hollywoodfilms”4 zu durchbrechen.

2.1 Plansequenz, Tiefenschärfe und innere Montage

Als die bemerkenswertesten Techniken wären die Plansequenz, Tiefenschärfe und innere Montage zu nennen. “Die künstlerische Verwendung dieser Techniken geht wesentlich zurück auf die Filme von Jean Renoir und Orson Welles.“5

Eine Plansequenz bezeichnet eine besonders lange Einstellung, in welcher eine Situation in ihrer Gesamtheit gefilmt wird. Auf Schnitte wird dabei verzichtet. Durch Kamerafahrten lassen sich die Einstellungsgrößen innerhalb solch einer Einstellung variieren.6

Am meisten besticht “Citizen Kane” jedoch durch seine enorme Tiefenschärfe, auch bekannt als “deep focus“. “Die Tiefenschärfe war damals, in der 2. Hälfte der Dreißiger Jahre, das neue Stilmittel, das die übliche Schnittmontage überflüssig machen sollte.”7 Die perfekte Verwirklichung dieser Technik verdankt Welles seinem Kameramann Gregg Toland, ein Meister seines Faches. Toland prägte den Begriff des “pan-focus”, womit er Einstellungen bezeichnete, “in denen Vordergrund und Hintergrund gleich wichtig waren”8. Dieser so genannte “pan-focus” findet sich in “Citizen Kane”. Dabei wurden die verschiedenen Tiefenebenen des Bildes durchgängig scharf aufgenommen. Es tauchen Aufnahmen auf, in denen teilweise bis zu 60 Meter scharf abgebildet sind. Diese extreme optische Schärfe war bis dahin in Hollywood unbekannt. Ermöglicht wurde sie mit Hilfe von speziellen Weitwinkelobjektiven. Außerdem waren ein schnelles Filmmaterial und eine sehr helle Ausleuchtung vonnöten.9 Diese beeindruckende Anwendung der Tiefenschärfe erregte beim Publikum und anderen Regisseuren damals Aufsehen. Durch “Citizen Kane” angeregt, entwickelte sich im nachfolgenden Jahrzehnt die Tiefenschärfe zu einem bedeutendem Element für Hollywoodfilme.10

[...]


1Truffaut, François: Orson Welles aus der Sicht André Bazins. In: Bazin, André: Orson Welles. Wetzlar: Verlag Büchse der Pandora, 1980. S.42

2Truffaut, Francois: Orson Welles aus der Sicht André Bazins. In: Bazin, André: Orson Welles. Wetzlar: Verlag Büchse der Pandora, 1980. S.28

3Vgl.: Hickethier, Knut: Filmkunst und Filmklassik: Citizen Kane (1941). In: Faulstich,Werner/ Korte, Helmut (Hrsg.): Fischer Filmgeschichte. Der Film als gesellschaftliche Kraft (1925-1944)/Bd. 2. Franfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1991. S.293

4Ebd., S.301

5Bockow, Jörg: Zur deutschen Ausgabe. In: Bazin, André: Orson Welles. Wetzlar: Verlag Büchse der Pandora, 1980. S.13

6Vgl.: Korte, Helmut: Einführung in die Systemtische Filmanalyse. Ein Arbeitsbuch. 3. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2004. S.41

7Buchka, Peter u.a: Orson Welles. (= Reihe Hanser 239, Reihe Film 14). München: Carl Hanser Verlag, 1977. S. 63

8Rebhandl, Bert: Orson Welles. Genie im Labyrinth. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2005. S.55

9Vgl.: Cowie, Peter: The cinema of Orson Welles. New York: Da Capo Press, 1989. S.42

10Vgl.: Bordwell, David/ Thompson, Kristin: Film Art: An Introduction. 5. Auflage. New York u.a.: Mc Graw-Hill, 1997. S. 462

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638885560
ISBN (Buch)
9783638888592
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81957
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Geschichte u. Ästhetik der Medien
Note
2,3
Schlagworte
Techniken Kane Einführung Filmanalyse Orson Welles Citizen Kane

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