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Kommunikations- und Distributionsstrategien im Markt der innovativen Produkte der Generation 50+

Diplomarbeit 2007 55 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Gang der Untersuchung

2. Generation 50+
2.1 Demographischer Wandel
2.2 Segmentierung
2.3.1 Demographische Merkmale
2.3.2 Geographische Merkmale
2.3.3 Psychographische Merkmale

3.1 Innovation versus Invention
3.2 Innovative Produkte
3.3 Innovationsrichtungen
3.4 Innovationspotential
3.5 Applikationsarten für ältere Menschen
3.5.1 Kompensatorisch
3.5.2 Präventiv
3.5.3 Kompetenzfördernd
3.6 Innovationsfelder
3.6.1 Gesundheit
3.6.2 Sicherheit
3.6.3 Selbständigkeit
3.6.4 Mobilität
3.6.5 Partizipation
3.7 Chancen und Risiken für Branchen
3.7.1 Softdrink- und Fast-Food-Industrie:
3.7.2 Textilindustrie
3.7.3 Sportartikelindustrie
3.7.4 Uhrenindustrie
3.7.5 Tourismus

4. Konsumentenverhalten
4.1 Konsumausgaben
4.2 Kaufentscheidungsprozess bei Innovationen
4.3 Akzeptanz und Annahme von Innovationen
4.3.1 Bereitschaft älterer Menschen zur Adaptation neuer Technologien
4.3.2 Bedingungen für erfolgreiche Technologieadoption bei älteren Menschen
4.3.3 Probleme bei der Akzeptanzgewinnung innovativer Produkte

5. Kommunikationsstrategien
5.1 Kommunikationspolitische Instrumente
5.2 Mediennutzungsverhalten und Wahrnehmung von Werbung
5.2.1 Werbekampagnen
5.2.2 Reichweite der Medien
5.2.3 Einstellung zu und Beurteilung von Werbung durch ältere Konsumenten
5.3 Anforderungen an die Kommunikationsstrategie
5.3.1 Universal Design
5.3.2 Gestaltung von Anzeigenwerbung
5.3.3 Beispiele der innovativen Produktvermarktung

6. Distributionsstrategien
6.1 Distributionsmanagement
6.2 Anforderungen an die Distributionsstrategie
6.2.1 Wahl der Distributions- und Handelspartner
6.2.1 Standortpolitik
6.2.2 Bedienungspersonal- und Servicepolitik
6.2.3 Betriebsformenpolitik und Ladengestaltungspolitik
6.2.4 Strategische Distributionspartnerschaften

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Innovationsmatrix

Abbildung 2: Innovationspotential durch junge Technologien und neu aufkommende Marktbedürfnisse

Abbildung 3: Einordnung der Applikationsarten

Abbildung 4: Einstellung älterer Menschen zu Technologie

Abbildung 5: Bewertung von Wichtigkeit unterschiedlicher Medien zwecks Werbeübermittlung

Abbildung 6: Altersverschiebung bei der Kundenansprache

Abbildung 7: Von älteren Menschen bevorzugte Geschäftstypen

1. Einführung

1.1 Einleitung

„Alle wollen alt werden, niemand will alt sein.“[1]

„Concerning ageing, we are talking too much about technology and not about innovation. But what counts is not what is technically possible. What counts is what people want.”[2]

Konsumenten in Deutschland werden immer älter. Laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes wird bereits im Jahr 2030 jeder dritte Bundesbürger über 60 Jahre alt sein. Dieses hat nicht nur Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche und soziale Lage Deutschlands, sondern auch auf den privaten Konsum und das Marketing, da diese Bevölkerungsgruppe über eine hohe Finanzkraft verfügt und somit länger konsumaktiv bleibt. Die Marketingforschung beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit diesem Phänomen, und hat bereits einige innovative Tendenzen entwickelt.

So hat beispielsweise die Marketingagentur „McCannErickson“ eine eigene Spezialabteilung für Kommunikationsbedürfnisse der sogenannten „Fifty-free“- Generation gegründet,[3] im Spreewald gibt es das bundesweit erste „Seniorenkaufhaus“[4] unddie Edeka-Gruppe hat in Chemnitz eine „seniorengerechte“ Filiale errichtet.[5] Es gibt spezielle Internet- und Sprachkurse, Institute zur Partnervermittlung, und nach jahrelangem Tabu tauchen ältere Menschen auch erstmals in der Werbung auf. So wirbt der Hersteller von Körperpflegeprodukten „Dove“ erfolgreich mit der 96-Jährigen Engländerin Irene Sinclair[6].

Trotzdem orientieren sich viele Unternehmen noch an der Jugend und deren Bedürfnissen. Dieses liegt teilweise an immer noch vorhandenen Vorurteilen über das Alter wie zum Beispiel Gebrechlichkeit, Einsamkeit oder Armut. Außerdem ist diese Zielgruppe, die viele Lebensjahrzehnte umfasst, in sich sehr heterogen. Die Menschen dieser Altersklasse verfügen über mehrere Dekaden an Konsumerfahrung, was es den Unternehmen erschwert,ihren Erwartungen und Produktbedarf einzuschätzen. Hieraus leitet sich ein Handlungsbedarf für das Konsumgütermarketing ab. Es werden zunehmend mehr innovative Produkte benötigt, die „das Altern“ erleichtern beziehungsweise angenehmer machen. Die Innovationsbedürfnisse müssen von den Unternehmen zunächst erkannt werden, um so innovative Güter zu entwickeln und zu produzieren. Anschließend müssen diese der relevanten Zielgruppe in angemessener Weise kommuniziert werden und über geeignete Vertriebswege zugänglich gemacht werden.

Die vorliegende Arbeit widmet sich darum zunächst Fragestellungen nach innovativen Produkten für den Markt älterer Konsumenten. Ebenfalls beschäftigt sich vorliegende Arbeit mit der Frage, wie das Marketing den Markteintritt einer Innovation durch angemessene Kommunikationsstrategie begleiten sollte. Als weitere Problemstellung geht die Untersuchung der Frage nach geeigneten Distributionsstrategien für diese innovativen Produkte nach.

1.2 Gang der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit wurde als Literaturstudie konzipiert, es wurden sowohl bereits existierende Literatur als auch empirische Studien herangezogen.

Die Verfasserin beschreibt im zweiten Kapitel die sogenannte „Generation 50+“, geht genauer auf den demographischen Wandel ein und kreist die in dieser Arbeit betrachtete Zielgruppe durch eine Segmentierung weiter ein.

In Kapitel 3 „Innovationen“ wird das Konzept der Innovation der Invention gegenübergestellt, um anschließend auf innovative Produkte einzugehen. Weiterhin werden verschiedene Applikationsarten und Innovationsfelder vorgestellt, wonach abschließend die Chancen und Risiken einiger Branchen aufgezeigt werden.

Im vierten Kapitel „Konsumentenverhalten“ wird sowohl auf Konsumausgaben, als auch auf den Kaufentscheidungsprozess bei Innovationen eingegangen. Daran schließt sich eine Diskussion über Akzeptanz und Annahme von Innovationen, sowie Probleme bei der Akzeptanzgewinnung durch ältere Kunden an.

Im fünften Teil „Kommunikationsstrategien“ werden die dem Marketing zur Verfügung stehenden kommunikationspolitischen Instrumente vorgestellt, wonach im speziellen auf den Bereich Werbung abgehoben wird. Anschließend wird das Mediennutzungsverhalten reiferer Konsumenten analysiert, um hieraus Anforderungen an die Kommunikationsstrategie für dieses Kundensegment abzuleiten.

Im Kapitel 6 „Distributionsstrategien“ werden zunächst allgemeine Aspekte des Distributionsmanagements erörtert, bevor daraus auf Implikationen für die Distributionsstrategie innovativer Produkte auf dem Markt älterer Kunden geschlossen wird. Ein zusammenfassendes Fazit mit Ausblick schließt die Untersuchung ab.

2. Generation 50+

Mit dem Titel „Generation 50+“ werden alle Konsumenten bezeichnet, die ihr 50. Lebensjahr bereits überschritten haben. Diese Altersgruppe ist aufgrund ihrer zahlenmäßigen Größe, ihrer Kaufkraft und ihres Konsumverhaltens von immenser Bedeutung und beeinflusst bereits heute die (Konsum-)Gesellschaft. Industrie und Handel sollten sich der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung der Generation

50+ stärker bewusst werden und sich dieser neuen Herausforderung rechtzeitig und aktiv stellen. Auf den folgenden Seiten wird der demographische Wandel innerhalb der Bundesrepublik Deutschland betrachtet und eine genauere Segmentierung der Generation 50+ vorgenommen.

2.1 Demographischer Wandel

Laut Angaben des statistischen Bundesamtes sind bereits jetzt 30 Millionen Menschen der knapp 83 Millionen Einwohner in Deutschland über 50 Jahre alt. Dies entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 37%, weitere 8% sind bereits über 40 Jahre.[7] Bei Fortsetzung der aktuellen demographischen Entwicklung wird im Jahr 2020 jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre sein,[8] im Jahr 2050 wird es doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben, eventuelle genetische Erfolge im Kampf gegen das Alter bleiben dabei noch unberücksichtigt.[9] Bis 2050 wird aufgrund der Fortschritte in der medizinischen Versorgung, Hygiene und Ernährung mit einem Anstieg der Lebenserwartung von 75 auf 83,5 Jahre bei Männern und von 81 auf 88 Jahre bei Frauen gerechnet.[10] Es wird nicht nur immer mehr ältere Menschen geben, die zudem noch länger leben, sondern auch immer weniger Kinder. Die Geburtenrate in Deutschland liegt momentan bei 1,4 Kindern pro Frau.[11] Bei fortlaufender demographischer Entwicklung hieße dies, dass die „Elterngeneration nur zu 2/3 durch eine Kindergeneration ersetzt“ werden würde.[12] Zudem rückt die sogenannte „Babyboomer-Generation“, die zwischen 1940 und 1960 geboren wurde, in höhere Altersklassen auf[13],welches den Anteil der über 50 jährigen an der Gesamtbevölkerung noch erhöht.

2.2 Segmentierung

Das oben erwähnte Alterssegment der Generation 50+ ist so zahlenstark und heterogen, dass es die verschiedensten Merkmale und Bedürfnisse aufweist.

Die meisten Unternehmen können nicht allen Kundenwünschen und -anforderungen gerecht werden, da es zu viele Kunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt.[14] Deshalb ist oft eine Segmentierung des Marktes, also eine Gliederung in Teilmärkte beziehungsweise in einzelne homogene Zielgruppen mit ähnlichen Kaufinteressen und Charakteristika sinnvoll, um diese mit „besonders auf sie abgestimmten Marketingprogrammen zu bedienen“.[15] Diese Ausdifferenzierung kann nach bestimmten Kriterien vorgenommen werden. Beispielsweise werden Käuferschichten nach demographischen (Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsgrad etc.), geographisch-regionalen (Land, Region, Siedlungsform und –dichte etc.) oder psychographischen (soziale Klasse, Lebensstil, Kaufanlass, Nutzungsintensität etc. ) Aspekten unterteilt.[16]

In vorliegender Arbeit soll der Gesamtmarkt der Konsumenten über 50 Jahren anhand einiger Segmentierungsvariablen unterteilt werden, um anschließend Kommunikations- und Distributionsstrategien für innovative Produkte für ein Segment aufzeigen zu können. Die in den nächsten Abschnitten eingegrenzte Konsumentenschicht wird fortan synonym als Zielgruppe „Ältere/Reifere“ oder „ältere oder reifere Menschen/Kunden/Konsumenten“ bezeichnet.

2.3.1 Demographische Merkmale

Als zentrale Trennvariable soll das Alter zur Segmentierung herangezogen werden, und im folgenden Konsumenten der Altergruppe 65 bis 75 Jahren betrachtet werden. Eine tiefergehende Segmentierung der Generation 50+ anhand des Alters ist deshalb sinnvoll, weil sich die Bedürfnisse eines 50-Jährigen in der Regel stark von denen eines 80-Jährigen unterscheiden.[17] Bezogen auf die finanziellen Merkmale soll der Fokus auf diej Konsumenten gelegt werden, die über ein mittleres bis hohes Haushaltseinkommen verfügen. Weiterhin stehen die der Zielgruppe zugehörigen Menschen nicht mehr im Berufsleben, sondern sind bereits im Ruhestand. Wichtiger weiterer Differenzierungsaspekt ist die Position im Familienlebenszyklus: Die Zielgruppe besteht aus Konsumenten, die oftmals (wieder) verheiratet sind oder als Paar zusammenleben. Meist haben sie eigene Kinder, die jedoch nicht mehr im gemeinsamen Haushalt leben.

2.3.2 Geographische Merkmale

Als geographisches Kriterium wird der Raum der Bundesrepublik Deutschland zu Grunde gelegt, wobei die Siedlungsdichte sowohl die Stadt als auch Landbevölkerung umfasst. Die Art der Wohngebiete, in denen die Zielkonsumenten leben, gehören zu den eher gehobeneren Gegenden, sind tendenziell sicher, sauber und ruhig.

2.3.3 Psychographische Merkmale

Die anvisierten Konsumenten zählen zur sozialen Klasse der Mittel und Oberschicht, die ihren Lebensabend genießen wollen und sich dies auch leisten können. Sie verfügen gleichermaßen über Geld, Zeit und Lust am Konsum.

Bezogen auf das Konzept „VAL – Values, Attitude, Lifestyle“[18] kann die Zielgruppe folgendermaßen beschrieben werden: Werte wie Familie, Partnerschaft, Sicherheit, Gesundheit und Qualität stehen hoch im Kurs. Insbesondere bei den durch die Nachkriegsjahre geprägten Menschen sind „Vererbungsmentalität“ und Sparverhalten besonders ausgeprägt.[19] Ihr Wertehorizont ist weiterhin durch die Verpflichtung gegenüber Konventionen und Bindungen geprägt, sie schätzen prestigereichen Besitz, empfinden Bildung als Privileg und sind zukunftsorientiert.[20] In Bezug auf Erfahrung, Selbstbewusstsein, Kritikfähigkeit, Urteilsvermögen sind sie vielen jüngeren Konsumenten überlegen.[21] Oftmals bewahren sie tradierte Werte aus ihrer Kindheit, die bei der Kaufentscheidung Einfluss haben. Ebenso häufig besteht eine kontinuierliche Markentreue, die über die Jahrzehnte gewachsen und stärker ist, als die Bindung Jüngerer an Namen oder Hersteller. Generell legen diese Kunden gesteigerten Wert auf gute Beratung, ein hohes Maß an Qualität und berücksichtigen das Preisleistungsverhältnis genau.[22]

Sie vertreten weiterhin die Einstellung, dass sie ihr Leben selbstständig entwerfen und gestalten können. Dabei wollen sie sich Wohlfühlen und haben eine hedonistische Haltung zu Konsum und Genuss. Ihr Lebensstil entspricht nicht dem eines konventionellen Menschen dieses Lebensalters, sondern ähnelt dem eines deutlich jüngeren „reifen Menschen“. So betonen sie ihre Jugendlichkeit, erfreuen sich an der eigenen Mobilität und Unabhängigkeit und lassen es sich gut gehen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme von gebrechlichen, kränklichen Senioren bezeichnen 92 Prozent der über 65-Jährigen den eigenen Gesundheitszustand als gut bis befriedigend.[23]

Als weitere für die Segmentierung aussagekräftigen Charakteristika werden die „AIOs – Activities, Interests, Opinions“ herangezogen.[24] Die in dieser Arbeit beschriebene Zielgruppe bevorzugt aktive Freizeittätigkeiten, wie Ausflüge, Spaziergänge, leichten Sport, unternimmt gerne Reisen und gestaltet ihren Alltag autonom und lebendig. Diese Konsumenten hören gerne Musik, lesen Tageszeitungen ebenso wie Zeitschriften und Bücher, verbringen Zeit im Garten oder der Natur, sind vielseitig interessiert, verfolgen das Zeitgeschehen und nehmen partizipativ am gesellschaftlichen Leben teil. Ihr Meinungsbild ist eher konservativer Art, aber dennoch nicht antiquiert. Sie sind der Meinung, dass sie sich nach langem Arbeitsleben nun etwas gönnen können, sich dies redlich verdient haben und verhalten sich darum lebensfroh, modebewusst und konsumfreudig.

Innovationen

Die im obigen Kapitel beschriebene Verschiebung der Alterspyramide, stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Eine erfolgversprechende Antwort auf diese veränderten Rahmenbedingungen sind Innovationen. Indem sich Unternehmen offensiv der möglichen Bedrohung stellen und innovative Produkte für den „reifen Markt“ entwickeln, schaffen sie sich neue Wachstumsmöglichkeiten.

Dieses Kapitel widmet sich darum zum einen Innovationen im allgemeinen, zum anderen innovativen Produkten für ältere Menschen im Speziellen.

3.1 Innovation versus Invention

Das Wort Innovation leitet sich aus dem lateinischen ab und bezeichnet eine „Neuerung“ oder „Erneuerung“.[25] Innovationen sind für Unternehmen notwendig, um sich weiterhin Wettbewerbsvorteile sichern zu können, insbesondere auf gesättigten Märkten, Bereichen mit niedrigen Wachstumsraten oder starker Konkurrenz. Im besten Falle sind diese in der Lage, „ihre Leistungen, Produkte und internen Prozesse mindestens ebenso schnell weiterzuentwickeln, wie sich die Markt- und Wettbewerbsanforderungen verändern.“ Laut Schumpeter ist es die Aufgabe eines Unternehmers, „durch neuartige Kombinationen von Fähigkeiten und Leistungen neuen Kundennutzen zu stiften, mit dem eine Alleinstellung erreicht werden kann und mit dem Bedürfnisse der Kunden besser oder überhaupt zum ersten Mal befriedigt werden können.“[26] Dies beinhaltet im Gegensatz zur Invention keine Neuerfindung, die typischerweise auf dem Einsatz neuartiger Technologien basiert, sondern die „Neukombination bestehender Elemente.“ Man unterscheidet zwischen vertikaler Innovation, die mit bereits bekannten Technologien einen neuen Zweck erfüllt, und der horizontalen Innovation, die die Erfüllung eines bereits bekannten Zwecks zum Ziel hat.[27] Trotzdem sind Technologien die Basis vieler innovativer Produkte.[28] Unternehmen die bereits frühzeitig beginnen, sich auf die Bedürfnisse der reiferer Kunden einzustellen ,könnten sich hierdurch einen „First Mover“-Vorteil verschaffen.[29]

3.2 Innovative Produkte

Ein Teilbereich der innovativen Produkte für die Zielgruppe älterer Menschen wird unter dem Begriff „Gerontotechnologie“ zusammengefasst. Dieser beinhalten aber lediglich technologische Erneuerungen.[30] Die Autorin definiert im Zusammenhang mit dieser Arbeit innovative Produkte für reifere Konsumenten jedoch allgemeiner als solche, die reiferen Menschen die Verfügbarkeit und den Zugang zum Gebrauch von Gegenständen und somit das Alltagsleben erleichtern.

Ein steigender Anteil älterer Konsumenten weist eine zunehmende Aufgeschlossenheit gegenüber Innovationen auf. Allerdings ist dabei aus Unternehmersicht zu beachten ,dass älteren Menschen nicht einfach nur neue Technologien auf dem Markt anzubieten sind, sondern dass sich die Entwicklung dieser an den speziellen Bedürfnissen der reiferer Kunden orientiert, damit sie dementsprechend leicht erlern- und bedienbar sind. Darum sollten sie nach Möglichkeit einfach und klar strukturiert sein, um eine mühelose Anwendbarkeit zu gewährleisten.[31]

3.3 Innovationsrichtungen

Innovationen lassen sich in vier verschiedene Arten gliedern. So unterscheidet Becker zwischen bestehenden und neuen Techniken, sowie zwischen bestehenden und neuen Anwendungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Innovationsmatrix[32]

Wie in Abbildung 1 ersichtlich, reicht die Bandbreite potentieller Innovationen von sogenannten „Verbesserungsinnovationen“ bis hin zu komplexen „Durchbruchinnovationen“. Unter ersterem versteht Becker einen Einsatz bestehender Techniken in bereits existierenden Anwendungsgebieten. Unter „Durchbruchsinnovationen“ hingegen neue Techniken, die für neue Anwendungsfelder genutzt werden. In der Mitte des Spektrums befinden sich die „Anwendungsinnovationen“ (neue Anwendungen mit bestehender Technik) und Ablösungsinnovationen (bestehende Anwendungen mit neuer Technik). Durch die jeweiligen Zielvorgaben des Unternehmens ergeben sich Richtung und Intensität der Innovationen.[33]

3.4 Innovationspotential

Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen ist das Zusammenwirken von Marktbedürfnissen und Technologieangebot. Es lassen sich zwei Ansätze der Vermarktung unterscheiden: Push- und Pull-Strategien.[34] Bei der Push-Strategie versucht das Unternehmen ein bereits existierendes Produkt durch die Vertriebskanäle auf den Markt zu „schieben“. Dazu kann es dem Großhandel beispielsweise günstige Konditionen anbieten, damit dieser es in sein Sortiment aufnimmt und an den Einzelhandel weiterverkauft, welcher es anschließend dem Kunden anbietet. Im Gegensatz hierzu steht die Pull-Strategie, die die Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt stellt und den Großteil ihrer Marketingaktivitäten an ihnen ausrichtet. Ziel ist es, dass Kunden bei Interesse an Gütern im Einzelhandel nachfragen, es wird somit durch die Vertriebskanäle „gezogen“.[35] Für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen allerdings ist eine Kombination von beiden Ansätzen, nämlich „Technology-push“ und „Market-pull“ empfehlenswert, da sich, wie in Abbildung 2 dargestellt, das größte Innovationspotential in der Schnittmenge von jungen Technologien und be- beziehungsweise entstehenden Marktbedürfnissen befindet.[36]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Innovationspotential durch junge Technologien und neu aufkommende Marktbedürfnisse.[37]

3.5 Applikationsarten für ältere Menschen

Bei den Innovationen für ältere Menschen lassen sich grundsätzlich drei Anwendungsarten unterscheiden: Kompensatorische, präventive und kompetenzfördernde Applikationen.[38]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Einordnung der Applikationsarten.[39]

Abbildung 3 veranschaulicht die drei gerontotechnologischen Applikationsarten im Spannungsfeld von Bedürfnisausprägung einerseits und Schweregrad der altersbedingten Einbußen andererseits. Bei Innovationen, die ein konkretes Bedürfnis der Zielgruppe ansprechen und gleichzeitig auf ein akutes körperliches oder geistiges Defizit abheben, besteht ein geringes Markt- und Technologierisiko. Diese Risiken werden umso unwägbarer, je diffuser sich die Bedürfnislage der Zielgruppe und je latenter sich die Einschränkungen der älteren Menschen darstellen.[40]

3.5.1 Kompensatorisch

Diese Produkte dienen dazu körperliche oder geistige Einschränkungen auszugleichen, um Menschen weiterhin Mobilität und somit ein möglichst unabhängiges Leben mit fortbestehenden Sozialkontakten zu ermöglichen. Oftmals gelingt dieses durch die Modifikation bereits bestehender Produkte.[41] Um durch den Alterungsprozess bedingte veränderte Bedürfnisse besser erfassen zu können, haben Forscher mittlerweile „Alterssimulatoren“ entwickelt. Mit ihnen wird es jüngeren Menschen ermöglicht, sich in den Alltag von Älteren hineinzuversetzen. Beispielsweise simulieren die Forscher dabei durch unförmige klobige Bekleidung schwere Glieder, steife Gelenke oder wenig Fingerspitzengefühl.[42] Beispiel für ein kompensatorisches Innovationsprodukt ist der „Lifta“ Treppenlift, durch den es älteren Menschen ermöglicht wird, ihre eingeschränkte Mobilität im Hausalt zu überwinden und ihren Alltag autonom zu gestalten.[43]

3.5.2 Präventiv

Präventive Applikationen zielen auf das vorbeugende Eingreifen in den Alterungsprozess ab. Mit Hilfe von Gerontotechnologien werden sowohl die geistigen als auch die körperlichen Leistungseinbußen alternder Menschen gestoppt oder gelindert. Hauptsächlich beziehen sich derartige Anwendungen auf den medizinisch-gesundheitlichen Bereich und bezwecken die Reduzierung von Krankheitsrisiken und Alterserscheinungen. In der Ernährungsbranche fand der Trend des „functional food“ Eingang, worunter beispielsweise Nahrungsmittel verstanden werden, die eine positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel, das Verdauungssystem, das Herz undKreislaufsystem und auf die Zellalterung haben.[44] Beispielprodukte dieser Kategorie sind die Becel pro-activ Diät-Milch sowie die Becel Diät-Joghurtdrinks, die den Cholesterinspiegel senken sollen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.[45]

[...]


[1] http://www.ausgleichskasse.ch, Abfragedatum:12.07.2007

[2] Gassmann &Reepmeyer: Wachstumsmarkt ,1.Auflage,München Wien 2006,Alter S.95

[3] Vgl .ebenda S.144

[4] Vgl. http://www.lemarchedesseniors.com, Abfragedatum: 12.07.2007

[5] Vgl. http://www.abendblatt.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[6] Vgl. http://www.thematuremarket.com ,Abfragedatum: 12.07.2007

[7] Vgl. Prof. Dr. Stefan Reindl GENERATION PLUS Anforderungen vs. Angebotsstrukturen

in der Automobilwirtschaft, Abfragedatum: 13.03.2007

[8] Vgl. Haimann, R: Alt! 1. Auflage, Frankfurt 2005, S. 37

[9] Vgl. http://www.destatis.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[10] Vgl. http://www.destatis.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[11] Vgl. Haimann: Alt! S.22

[12] Vgl. http://www.diw.de, S.38, Abfragedatum: 11.07.2007

[13] Vgl. http://www.gesundheitswirtschaft.info, Abfragedatum: 12.07.2007

[14] Vgl. Kotler, Armstrong, Saunders & Wong : Grundlagen des Marketing, 1. Auflage, München 2003, S. 446

[15] Vgl. Becker: Das Marketingkonzept,1. Auflage, München 2005, S. 63

[16] Vgl. Kotler, Armstrong, Saunders & Wong : Grundlagen des Marketing, S. 454-455

[17] Vgl. Der Handel 12/2006, S. 42

[18] Vgl. Becker: Marketingkonzeption ,1.Auflage,München 2006, S. 256

[19] Vgl. Haimann:Alt! S. 33

[20] Vgl. Gassmann & Reepmeer: Wachstumsmarkt Alter S. 36

[21] Vgl. http://www.seniorenmarkt.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[22] Vgl. Haimann: Alt! S. 50

[23] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 43

[24] Vgl. Becker: Marketingkonzeption S.257

[25] Vgl.http://www.olev.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[26] Vgl. http://innovation-aktuell.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[27] Vgl. http://www.sdi-research.at, Abfragedatum: 12.07.2007

[28] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 27

[29] Vgl. Haimann: Alt! S. 50

[30] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 27

[31] Vgl. ebenda S. 82

[32] Entnommen aus: Becker: Marketingkonzeption S.381

[33] Vgl. Becker: ebenda S. 381

[34] Vgl. http://www.marketing-marktplatz.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[35] Vgl. Kotler, Armstrong, Saunders & Wong: Grundlagen des Marketing S.1159-1160

[36] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 27-28

[37] Entnommen aus Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 26

[38] Vgl. ebenda S. 84

[39] Entnommen aus Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 92

[40] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S. 92

[41] Vgl. ebenda S. 84

[42] Vgl. Focus Nr.13, März 2004 S. 186

[43] Vgl. http://www.lifta.de, Abfragedatum: 12.07.2007

[44] Vgl. Gassmann & Reepmeyer: Wachstumsmarkt Alter S.85-86

[45] Vgl. http://www.becel.de, Abfragedatum: 12.07.2007

Details

Seiten
55
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638840149
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81736
Institution / Hochschule
EBC Hochschule Düsseldorf
Note
2,0
Schlagworte
Kommunikations- Distributionsstrategien Markt Produkte Generation

Autor

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