Lade Inhalt...

Grenzen und Grenzkonflikte. Sibirien und seine unmittelbaren Anrainer: Zwischen Kooperation und Konfrontation

Seminararbeit 2006 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhalt

1 Einführende Überlegungen

2 Die Erschließung Sibiriens

3 China

4 Japan

5 Mongolei

6 Kasachstan

7 Fazit

Literatur:

1 Einführende Überlegungen

Sibirien abzugrenzen ist schwierig. Generell versteht man darunter das Gebiet, das von West nach Ost vom Ural bis zum Pazifik und von Nord nach Süd vom Nordpolarmeer bis Kasachstan-Mongolei-China reicht. Geographisch exakter betrachtet, kann man Sibirien allerdings als das Gebiet östlich des Urals beschreiben, dass als Wassereinzugsgebiet der Flüsse dient, die in das Nordmeer münden. Dadurch reicht Sibirien aber nicht mehr bis an den Pazifik. Denn vom Anadyr und seinen Nebenflüssen im Norden der Pazifischen Küste bis zum Amur und seinen Nebenflüssen im Süden spricht man vom Fernen Osten. Auch klimatisch unterscheiden sich das kontinental-trockene Sibirien und der maritim geprägte Ferne Osten (Wein 2001:15).

Die Einteilung in Verwaltungsregionen, die auch eine Trennung des Fernen Ostens und Sibiriens vorsieht, verstärkt ebenfalls die Gegensätzlichkeit zwischen der allgemeinen Annahme Sibirien bilde das gesamte asiatische Russland und der wissenschaftlich-administrativen Genauigkeit, die beide Regionen zu trennen versucht.

Diese Arbeit wird sich aber entgegen der naturräumlich-politischen Gliederung mit der Region Sibirien im weiteren Sinne (Ural-Pazifik; Nordmeer-Kasachstan/ Mongolei/ China) beschäftigen. Einerseits weil dadurch die komplizierte, auch wissenschaftlich umstrittene innerrussische Grenzziehung (Wein 2001:15) und den daraus entstehenden Implikationen zwischen Sibirien und dem Fernen Osten entfällt.

Außerdem sollten Regionen „anhand sozialer Kriterien begrenzt werden […], da Regionen sozialer Art sind“ (Werlen 2000:150). Und die wesentlichsten sozialen Kriterien der sinnvollen Abgrenzung sind nicht unbedingt administrative Festlegungen. Vielmehr verbindet Sibirien und den Fernen Osten die Besiedlung bzw. die Eroberung durch die Russen und die dadurch ähnlich verlaufene historische Entwicklung.

Darüber hinaus versucht diese Arbeit einen Überblick über die Verhältnisse des asiatischen Russlands mit seinen Anrainern; also Kasachstan, der Mongolei, China und gewissermaßen ``übers Meer hinweg´´ auch mit Japan zu schaffen. Für die Beziehungen und Konflikten zu diesen Staaten wäre eine regionalisierte, nur auf Sibirien im engeren Sinne bezogene Betrachtung mühsam, wenig aussagekräftig und unvollständig. Vor allem da diese Staaten sich ja im politischen Sinne nicht mit einer Region, sondern mit einem Staat (Russland oder Sowjetunion) auseinandersetzen müssen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, wird aber auf weiter entfernt liegende maritime Anrainer wie Kanada, die USA oder Großbritannien (als Kolonialmacht) und deren Bedeutung für Sibirien verzichtet.

2 Die Erschließung Sibiriens

Die russische Erschließung Sibiriens begann 1581. Kosaken, die von der Kaufmannsfamilie Stroganow angeheuert wurden, stießen mit ungeheurer Geschwindigkeit immer weiter nach Osten vor. An wichtigen Punkten legten sie „Ostrogs“ (Holzpalisaden-Forts) an, die als Ausgangspunkte für tiefere Vorstöße nach Sibirien hinein dienten und die Grundlage für Städte bildeten. Die so entstandenen Ostrogs Tjumen (1586), Tomsk (1604), Jakutsk (1632) und Irkutsk (1652) belegen die hohe Geschwindigkeit mit der die Kosaken vordrangen. Der Pazifik wurde bereits 1639 erreicht. Diese schnellen Vorstöße erfolgten entlang der langen Flussläufe, die die einzigen natürlichen Verkehrswege in der dicht bewaldeten sibirischen Taiga bilden (Wein 2001:49f).

Ab dem frühen achtzehnten Jahrhundert begann man damit, die bis dahin erschlossenen Gebiete durch Festungsgürtel gegen Nomadeneinfälle aus dem Süden zu schützen. Diese Verteidigungslinien wurden stetig nach Süden ausgeweitet und führten dazu, dass Sibirien schließlich auch Teile Nordkasachstans umfasste (Wein 2001:51 vgl. auch Mischk 2002:32).

3 China

Während also im Südosten des Urals die Ausdehnung relativ problemlos erfolgte, stießen die Kosaken im östlichen Sibirien bald auf zähen Widerstand der chinesischen Mandschu Dynastie. Die Russen versuchten in den 1650er Jahren über den Baikalsee hinaus das Amurgebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Das war ein zentraler Aspekt der Ausbreitungsstrategie, da es am Amur möglich war - anders als im bisher eroberten Raum - Getreide anzubauen. Dadurch hoffte man die Ernährungssituation im asiatischen Teil Russlands entscheidend zu verbessern (Kolb 1983: 547).

China erstarkte nach einer Schwächephase, die ein solche russische Expansion ermöglicht hatte, aber zu diesem Zeitpunkt bereits wieder. Mit militärischer Überlegenheit wurden die Russen aus dem eroberten Gebiet Daurien wieder hinausgedrängt und die Grenzen im Vertrag von Nertschinsk 1689 festgeschrieben. Die Expansion und Grenzziehung durch den Vertrag sind in Abbildung 1 zu erkennen. Die durchgehenden schwarzen Linien bilden die russischen Vorstoßrouten, die durchbrochene schwarze Linie die durch den Vertrag von Nertschinsk festgelegte Grenze zwischen Russland und China.

China war damit die erste Macht, die sich erfolgreich der russischen Expansion in Asien widersetzte und hinderte Russland für mehr als 160 Jahre am weiteren Vordringen im Fernen Osten (Kolb 1983: 547f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die russische Expansion in Fernost im 17. Jahrhundert (Quelle: Kolb 1983: 547).

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verlor China zusehends an Macht. Kriege mit Großbritannien und anderen Kolonialmächten schwächten es stark und zwangen es seine bis dahin isolationistische Haltung, die auch die Russen an größerem Handel mit China gehindert hatte, aufzugeben. Gleichzeitig entbrannte eine Art Wettrennen europäischer Mächte, der USA und Japans um den Einfluss in China, das auf einen halbkolonialen Status absank. Russland wollte dem in nichts nachstehen und entschloss sich ab 1854 seine Expansion in Fernost wieder aufzunehmen. In einer Reihe von Verträgen wurde China so gezwungen das Amur- und Ussurigebiet abzutreten. Die Gründung und Benennung der Stadt Wladiwostok („Beherrsche den Osten“) 1860 bildeten den „Schlusspunkt dieser imperialistischen Expansionsphase im Fernen Osten“ (Kolb 1983: 548).

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638875479
ISBN (Buch)
9783668223967
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81666
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Geographie
Note
1,3
Schlagworte
Grenzen Grenzkonflikte Sibirien Anrainer Zwischen Kooperation Konfrontation

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Grenzen und Grenzkonflikte. Sibirien und seine unmittelbaren Anrainer: Zwischen Kooperation und Konfrontation